Sieg ist Sieg, auch wenn er knapp ausfällt. Sehen die von Audi genauso. An dieser Stelle nehmen wir das Ergebnis vorweg: Der neue Q3 gewinnt den Vergleich der noblen Kompakt-SUVs, liegt ein winziges Pünktchen vorm BMW X1 und 33 Zähler vorm Volvo XC40.

Beim Design liegt der Q3 ganz weit vorne

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Video: Audi Q3 gegen BMW X1 (2019)

Duell der Kompakt-SUVs

Wenn wir von AUTO BILD den Sieger küren würden, ohne einen Meter gefahren zu sein, hätte Audi deutlicher gewonnen. Wie der dasteht! Ja, der Q3 basiert auf der Golf-Plattform, dem Modularen Querbaukasten. Chefdesigner Marc Lichte zeigt uns, wie man daraus ein "Sexy Thing" machen kann, erst recht mit riesigen 19-Zöllern wie hier dank fetter Winterräder. Mit 4,48 Metern ist der Audi ein paar Zentimeter länger als seine Konkurrenten, aber vor allem ist er von schräg hinten eine coole Socke; sein Dach fällt coupéartig ab, seine ausgestellten Radhäuser machen auf dicke Backen. Leider hatten Marc Lichtes Kollegen wohl nicht ganz so viel Spaß am Job. Sie mussten den Q3 entfeinern, hatten vermutlich einen irren BWLer aus dem Controlling mit Rotstift im Nacken. Beispiele: Schnittkante am Teppich des Ladebodens, Velours in unterschiedlichen Schwarztönen, Türtafel-Abdeckung minimal beschichtet, Plastik-Drehrädchen der Lüftung mit Spiel. Kleinigkeiten. Aber Audi war mal sooo stolz darauf, dass dieses Teil tresorartig einrastete, jetzt klickt es billig. Ergo haben wir den Bayern einen Punkt bei der Qualität abgezogen, da platzt denen ja die Weißwurst schon im Kochtopf auf!

Im XC40 fehlt es Passagieren und Gepäck an Raum

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Video: Crashtest Volvo XC40 (2018)

5 Sterne für den XC40

Beim Alltagsnutzen müssen wir BMW und Volvo extra loben, und das doppelt. Der X1 hat eine verschiebbare Rückbank, auch die Lehnenneigung lässt sich variieren (390 Euro) – so wie beim Q3 ab Werk. Und da ist noch die Ladekante des Kofferraums: 69 Zentimeter, sieben weniger als bei Audi und Volvo. Fragen Sie mal Ihren Hund, was besser ist. Oder Ihren Rücken, wenn Sie regelmäßig zum Getränkemarkt fahren. Auch die von Volvo haben sich ernsthaft Gedanken gemacht. Nur ihr XC40 hat einen dreifach faltbaren Ladeboden (kostet im Paket 1050 Euro). Und nur er hat eine elektrische Fernentriegelung für die Rückbank. Klick, peng, runter mit den Sitzen, es entsteht eine Ladefläche, so eben wie Holland. Leider auch so klein: Mit 1336 Litern hat der Volvo den Mini-Kofferraum, Audi (1525) und BMW (1550) bieten mehr. Wo wir gerade dabei sind: Hinten zu sitzen im XC40 ist nicht schön, das liegt an der viel zu flach montierten Rückbank mit kurzer Beinauflage, am objektiv gemessen zu knappen Platzangebot. Da taugen Audi und BMW eher als Vollwertautos.
Audi Q3 35 TDI quattro. Das klingt nach großer, weiter Welt, nach 3,5 Litern und Bums mit Karacho. In Wirklichkeit steckt ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 150 PS drin, so wie in jedem Vertreter-Passat. Und so wie in den beiden Konkurrenten. Alle Zwoliter, alle 150 PS. Und doch so anders. Der Audi fährt mit Sechsgang-Handschaltung vor, DSG ist noch nicht verfügbar. Er ist mit 211 km/h der King auf der Autobahn, der X1 schafft 204, der Volvo 200, und das auch nur mit gutem Zureden.

Bei der Agilität macht dem X1 keiner was vor

BMW X1
Typisch BMW: Wenn es um Kurvenfahrt und Dynamik geht, liegt der X1 deutlich vor der Konkurrenz.
BMW und Volvo haben Achtstufen-Automatikgetriebe, bei BMW hellwach, bei Volvo verbeamtet. Das kann man fühlen. Beherzter Tritt aufs Gas, Elektronik an Automatik: Du musst in die Puschen kommen. Automatik an Elektronik: Joo, ich mach ja schon, aber wir schleppen 100 Kilo Übergewicht mit uns rum! Der Volvo wiegt leer 1760 Kilo, 150 PS sind reichlich überfordert. Und so ist die Automatik unentschlossen, dreht hoch, Motor brummt. Immerhin: Mit dem Verstellfahrwerk (840 Euro) federt der Volvo anständig, schafft es wirklich gut, die meisten Fahrbahnunebenheiten draußen zu lassen. Kann der BMW mit seinen adaptiven Dämpfern (500 Euro) auch – und noch viel mehr: Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten ist seine Lenkung straff, sie suggeriert weniger Servounterstützung und mehr Sportlichkeit. Bei der Agilität macht dem X1 keiner was vor. Wenn es was zu mäkeln gibt, dann sind es die Runflat-Winterreifen: Flanke zu hart gleich poltriges Anfedern und zu straffes Abrollen. Dafür gewinnt der X1 mit 6,8 Litern Diesel die Spritspar-Wertung, Audi und Volvo nehmen je 7,2 Liter.
Aber wir wollen ja wissen, ob Audi wieder Vorsprung durch Technik hat. Die Antwort: Jein! Er fährt so ruhig und ausgewogen wie jedes MQB-Auto. Aber er verweigert – und das passt gar nicht zu seinem Äußeren – den großen Sport. Liegt daran, dass sein ESP zu stark eingreift, selbst beim 18-Meter- Slalom auf der Teststrecke wird der Audi von Pylone zu Pylone langsamer. Warum Audi trotzdem gewinnt: wegen Vorsprung durch Technik an anderer Stelle. Im Kapitel Connected Car knöpft er dem X1 fünf Punkte ab, unter anderem deshalb, weil BMW Google aussperrt, nur Apple CarPlay kann. Und so kommt unterm Strich ein Punkt Vorsprung raus. Könnte sich vielleicht bald ändern. Im Sommer steht dem dann vier Jahre alten X1 ein Facelift bevor.

Fazit

Neuer Audi Q3 siegt gegen vier Jahre alten BMW X1. Aber nur hauchdünn mit einem Punkt Vorsprung, der neuesten Connectivity sei Dank. Im Sommer folgt das X1-Facelift, dann wird's wieder spannend. Der Volvo bleibt eine Alternative für Design-Ästheten.

Von

Berend Sanders