Sie stehen in der Mitte der E-Auto-Gesellschaft, mit Dimensionen, Leistung und Akkugröße: der Audi Q4 45 e-tron quattro und der BMW iX1 xDrive30. Und setzen dabei auf unterschiedliche Konzepte.

Zwei kompakte Elektro-SUV im Test

#Getestete ProduktePreis
1.
Testsieger
BMW iX1 xDrive30
BMW iX1 xDrive30
UVP 55.500,00 EUR
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2.
Audi Q4 e-tron 45 quattro
Audi Q4 e-tron 45 quattro
UVP 54.950,00 EUR
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Der 313 PS starke BMW steht auf einer gemeinsamen Plattform (UKL) mit Verbrennern und Plug-in-Hybriden, der mit 286 PS antretende Audi auf der MEB-Konzernplattform von VW (Modularer E-Antriebsbaukasten), einer reinen Elektro-Architektur.

Audi ist luftiger als der BMW

Und welche ist nun die bessere Idee? Mit einer Länge von 4,59 Metern und einer Breite von 1,87 ist der Audi noch einen Hauch größer als der 4,50 Meter lange und 1,85 breite BMW. Beim Platzangebot nehmen sich die beiden aber nicht viel, der Q4 wirkt insgesamt einen Hauch luftiger, besonders vorn, die Messwerte bestätigen das. Hier ist er merklich breiter als der BMW. In den beiden nicht übermäßig geräumigen Fonds gibt es dann im Q4 mehr Platz für lange Beine, im iX1 dafür spürbar mehr Kopffreiheit.
Audi Q4 e-tron 45 quattro BMW iX1 xDrive30
Kompakte SUV: Der Audi streckt sich neun Zentimeter mehr als BMW, wirkt (und ist) besonders vorn einen Hauch luftiger.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Beide Testautos besaßen hervorragende Sitze vorn. Der Audi die Sportsitze für 610 Euro extra, der BMW die Aktivsitze für 470 Euro. Beide sehr zu empfehlen, gut ausgeformt, straff und mit viel Seitenhalt. Hinten sitzt es sich im Audi gemütlicher, die Rückbank ist etwas höher montiert, weicher gepolstert, die Auflage länger. Der BMW verlangt von den Passagieren etwas mehr Härte, man sitzt flacher über dem Boden – dafür ist die Lehne hier in der Neigung verstellbar.

Anzeigen im BMW-Cockpit schlecht ablesbar

Das Cockpit im iX1 ist klar und reduziert gebaut, auffälligstes Element das Curved Display mit dem 10,25 Zoll großen Kombiinstrument und dem 10,7 Zoll großen Touchscreen. Die seltsamen, spangenförmigen Instrumente sind schlecht ablesbar. Praktisch alle anderen Hersteller bauen an dieser Stelle übrigens Rundinstrumente ein, ist euch das schon mal aufgefallen, BMW?
BMW iX1 xDrive30
Licht und Schatten: Das Cockpit des iX1 ist klar und reduziert gebaut. Was aber die Grafik der Instrumente soll, weiß nur BMW.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Viele Funktionen werden über den Touchscreen gesteuert, einen iDrive-Controller gibt es im iX1 nicht. Wir vermissen ihn. Zum Bildschirm, nur zum Beispiel, muss man sich nämlich jedes Mal vorbeugen, sonst kommt man da nicht ran, viele Icons der Bedienoberfläche sind ziemlich klein. Aber gut, das System besitzt einen großen Funktionsumfang, eine ansehnliche Optik, funktioniert zügig und reibungslos. Und die Sprachbedienung ist eine der besten, reagiert schnell und schlau.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart vorn 
Asynchronelektromotor 
Synchronelektromotor 
Motor Bauart hinten 
Synchronelektromotor 
Synchronelektromotor 
Drehmoment vorn/hinten/gesamt 
134/560 Nm/k. A. 
247/247/494 Nm 
Spitzenleistung gesamt 
210 kW (286 PS) 
230 kW (313 PS) 
Dauerleistung 
77 kW (105 PS) 
94 kW (128 PS) 
Vmax
180 km/h 
180 km/h 
Getriebe 
Einganggetriebe 
Einganggetriebe 
Antrieb 
Allradantrieb 
Allradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Trommel 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
235/50-255/45 R 20 T 
245/45 R 19 Y 
Reifentyp 
Pirelli Scorpion Elect 
Hankook Ventus S1 Evo3 EV 
Radgröße 
8-9 x 20" 
8 x 19" 
Ladezeit 10-80 % (DC) 
28 Minuten 
29 Minuten 
Verbrauch* 
17,2 kWh/100 km 
17,3 kWh/100 km 
Reichweite* 
511 km 
430 km 
Batteriekapazität netto 
77 kWh 
64,8 kWh 
Ladeleistung AC/DC 
11/175 kW 
11 (22**)/130 kW 
Vorbeifahrgeräusch 
67 dB(A) 
65 dB(A) 
Fach unter Frontklappe 
– 
– 
Ladeanschluss 
hinten rechts (CCS) 
hinten rechts (CCS) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
1200/750 kg 
1200/750 kg 
Stützlast 
75 kg 
75 kg 
Kofferraumvolumen 
520-1490 l 
490–1495 l 
Länge/Breite/Höhe 
4590/1865–2108***/1619 mm 
4500/1845–2104***/1616 mm 
Radstand 
2773 mm 
2692 mm 
Grundpreis
54.950 Euro
55.500 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
61.135 Euro
64.570 Euro

Q4-Bedienung macht es einem leichter

Das Cockpit im Audi ist etwas verschachtelt gebaut. Schön: Es gibt im Q4 – anders als bei vielen anderen MEB-Autos – ein ordentliches Kombiinstrument (10,25 Zoll). Der Touchscreen ist hier 11,6 Zoll groß, liegt näher beim Fahrer und lässt sich besser erreichen. Die Menü-Struktur ist logisch, die Grafik zurückhaltend.
Audi Q4 e-tron 45 quattro
Das Cockpit im Audi wirkt etwas verschachtelt. Vorteil: Der Touchscreen liegt näher beim Fahrer, ist gut zu erreichen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Und es gibt eine Extra-Bedienleiste fürs Klima. Die Spracheingabe beherrscht weniger Fahrzeugfunktionen als die im BMW, reagiert manchmal schleppend, liefert aber gern und ohne Verzögerung viele Infos von Wikipedia.

Beim Sprint liegt der BMW vorne

Q4 und iX1 werden von je einem E-Motor vorn und hinten angetrieben, die Systemleistung liegt beim Audi bei 286 PS, beim BMW sind es 313 PS. Der iX1 hat bei den Fahrleistungen die Nase vorn, den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt er rasant in 5,4 Sekunden, läuft maximal 180 km/h. Die schafft auch der Audi, für den Standard-Sprint brauchte er 6,6 Sekunden, immer noch ziemlich schnell.

Feine Rekuperation im Q4

Das E-System im Q4 lässt sich fein dosieren, die Rekuperation ist in drei Stufen mit den Paddles am Lenkrad verstellbar, dazu gibt es die Wahl zwischen Stufe B und D beim Getriebe, nicht jedoch eine One-Pedal-Funktion bis zum Stillstand.
Audi Q4 e-tron 45 quattro
Zusatzenergie: Die Rekuperation im Audi lässt sich fein dosieren, bis zum vollständigen Stillstand bringt sie den Q4 aber nicht.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Über die verfügt der BMW – in der Getriebestellung B. Hier ist auch die Bremswirkung erheblich stärker als im Q4. Im iX1 reagiert das E-System noch einen Funken schneller und sensibler als im Q4, temperamentvoller. Die Rekuperation lässt sich in vier Stufen verstellen – allerdings nur im Menü.

Im iX1-Fahrwerk steckt mehr Lebendigkeit

Der iX1 xDrive30 besitzt serienmäßig das Adaptive M Fahrwerk – das arbeitet mit variablen, mechanisch geregelten Stoßdämpfern (mit Zusatzventilen), verbunden mit der Sportlenkung und einer Tieferlegung um 1,5 Zentimeter. So liegt der BMW strammer auf der Straße, federt straffer als der Audi.
BMW iX1 xDrive30
Dynamiker: Dank adaptivem M Fahrwerk (Serie) und 1,5 Zentimetern Tieferlegung liegt der iX1 strammer auf der Straße als der Q4.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Lenkung spricht für unseren Geschmack aus der Mitte zu leicht an, arbeitet ansonsten aber mit verbindlicher Rückmeldung. Im direkten Vergleich fährt sich der 200 Kilogramm (!) leichtere iX1 eine Spur lebendiger und handlicher als der Audi.

Bremsen bei beidem auf hohem Niveau

Der Test-Q4 war ausgestattet mit dem Dynamikpaket plus (1130 Euro) mit adaptiven Dämpfern und Progressivlenkung. Die Lenkung hat uns gut gefallen, präzise und direkt, vielleicht nur einen Hauch zu entkoppelt, passt jedenfalls sehr schön zum Auto. Audi hat den Q4 angenehm komfortabel ausgelegt, er rollt sanfter ab als der BMW, nimmt vor allem kleine Anregungen sehr souverän, auch mit den 20-Zoll-Rädern des Testwagens (BMW 19 Zoll).
Audi Q4 e-tron 45 quattro BMW iX1 xDrive30
Ausgezeichnete Stopper: Trotz ihrer hohen Gewichte überzeugen BMW iX1 und Audi Q4 e-tron mit kurzen Bremswegen
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Audi kommt MEB-typisch mit Trommelbremsen hinten. Macht aber nichts, für den Stopp aus Tempo 100 km/h mit warmen Bremsen brauchte er 34,8 Meter, der BMW stand nach 34,6 Metern – sehr gut, alle beide!

Platzierung

Platzierung
Punkte*
587
579
Platz
1
2
Fazit
Zackiger und flotter unterwegs als der Audi. Wiegt 200 kg weniger. Mit besserer Ausstattung. Gute Bremsen.
Fährt komfortabel. Größere Reichweite wegen des größeren Akkus. Gute Bremsen, magere Ausstattung.
Der Audi besitzt einen 77 kWh großen Akku (netto), kann mit 11 kW Wechselstrom und 175 kW Gleichstrom geladen werden. Im BMW ist der Akku 64,8 kWh groß (netto), kann serienmäßig mit 11 kW Wechselstrom geladen werden, 22 kW kosten 720 Euro extra, und maximal sind 130 kW Gleichstrom möglich. Im Test, bei 10 Grad und angenehmen Bedingungen, schaffte der iX1 eine Reichweite von 325 Kilometern, der Audi kam auf 363 Kilometer.

Testwagenpreise über 60.000 Euro

Der Q4 45 e-tron quattro steht ab 54.950 Euro in der Liste, der Testwagen, unter anderem mit Sportsitzen und Dynamikpaket plus, ab 61.135 Euro. Die Ausstattung ist recht mager, selbst die Wärmepumpe berechnet Audi extra (990 Euro). Den besser ausgestatteten BMW iX1 xDrive30 gibt es ab 55.500 Euro, den Testwagen, u. a. mit Aktivsitzen und M Sportpaket, ab 64.570 Euro. Solche Preise relativieren das dann wohl mit der Mitte der Gesellschaft.

Bildergalerie

Audi Q4 e-tron 45 quattro BMW iX1 xDrive30
BMW iX1 xDrive30
Audi Q4 e-tron 45 quattro
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Zwei kompakte Elektro-SUV im Test

Fazit

Das BMW-Konzept – mit einer Plattform für verschiedene Antriebe – erweist sich im Vergleich als das bessere. iX1 und Q4 sind für den Moment angenehm zu fahrende E-Autos. Sowohl die Reichweite als auch die Lademöglichkeiten (Q4: max. 175 kW, iX1: 130 kW) sind jetzt wirklich keine Offenbarung.