Audi Q4 e-tron: Gebrauchtwagen-Test
Hat's der Q4 e-tron gebraucht noch drauf?

Als Vollelektriker buhlt der Audi Q4 e-tron seit 2021 um Kunden. Das Premium-SUV findet man gebraucht inzwischen bereits um 25.000 Euro.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Bei seinem Debüt sollte der Q4 e-tron für Audi eigentlich das werden, was der A4 zuvor jahrzehntelang für die Marke war: das Volumenmodell. Statt auf eine exklusive Eigenentwicklung setzten die Ingolstädter konsequent auf Konzerntechnik. Eine Entscheidung, die anfangs kritisch gesehen wurde, beim Gebrauchten heute aber zu den größten Stärken zählt.
Premium mit kleinen Kompromissen
Das ist er: Seine technische Basis teilt sich der Q4 e-tron mit VW ID.4/ID.5 und Skoda Enyaq. Gebaut wird er nicht in Ingolstadt, sondern im Volkswagen-Werk Zwickau. Also ausgerechnet dort, wo mit Audi und Horch die historischen Wurzeln der Marke liegen.

Singleframe-Front, drittes Fenster in der Seitenlinie, bullige Radläufe: So geht klassisches Audi-Design.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Und der Q4 fühlt sich nicht wie ein umgelabelter Volkswagen an. Audi investierte geschickt in Design, Fahrwerksabstimmung und besseren Geräuschkomfort, formte aus dem MEB ein eigenständiges SUV-Mittelformat. Mit 4,59 Meter Länge positioniert sich der Q4 zwischen Q3 und Q5. Dank des üppigen Radstands spielt das Platzangebot jedoch klar auf Niveau des großen Bruders. Vier Erwachsene reisen bequem, der Kofferraum bietet 520 bis 1490 Liter. Das Design wirkt angenehm ruhig, fast zeitlos. Statt futuristischer Effekte müht sich der Q4 noch um klare Linien und klassische Audi-Proportionen.
Technische Daten
35 e-tron | 40 e-tron | 45 e-tron quattro | |
|---|---|---|---|
Motor | PSM/hinten | PSM/hinten | ASM/vorn + PSM/hinten |
Batterieart | Lithium-Ionen-Akku | Lithium-Ionen-Akku | Lithium-Ionen-Akku |
Dauerleistung | 70 kW (95 PS) | 70 kW (95 PS) | 77 kW (95 PS) |
Spitzenleistung | 125 kW (170 PS) | 150 kW (204 PS) | 195 kW (265 PS) |
Drehmoment | 310 Nm | 310 Nm | 425 Nm |
Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h | 160 km/h | 180 km/h |
0–100 km/h | 9,0 s | 8,5 s | 6,9 s |
Akkugröße/Kraftstoff | 52,0 kWh (netto)/Strom | 77,0 kWh/Strom | 77,0 kWh (netto)/Strom |
Getriebe/Antrieb | Ein-Gang-Reduktionsgetriebe/Hinterrad | Ein-Gang-Reduktionsgetriebe/Hinterrad | Ein-Gang-Reduktionsgetriebe/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4588/1865/1632 mm | 4588/1865/1632 mm | 4588/1865/1632 mm |
Kofferraumvolumen | 520-1490 l | 520-1490 l | 520-1490 l |
Leergewicht/Zuladung | 1965/510 kg | 2125/515 kg | 2210/510 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | 1000/750 kg | 1000/750 kg | 1200/750 kg |
Im Innenraum ist dagegen sichtbar, dass auch Audi spitz rechnen musste. Das Cockpit überzeugt mit ordentlicher Ergonomie und einer Bedienung, die den frühen ID-Modellen überlegen ist. Der Premiumanspruch endet allerdings unterhalb der Sichtlinie: Türverkleidungen und Mittelkonsole bestehen teils aus einfachen Kunststoffen. Gleich alte A4 oder Q5 fühlen sich definitiv hochwertiger an, gegenüber seinen Plattformgeschwistern wirkt der Q4 dennoch wertiger und besser gedämmt.
Die Extras machen den Unterschied
Das hat er: Zum Marktstart standen die Ausstattungslinien "Basis", "Advanced" und "S line" sowie das Sondermodell "Edition One" zur Wahl. Die Basisausstattung erfüllt eben ihren Zweck, wirkt durch Details wie Radkappen aber arg schlicht. Erst der "Advanced" verleiht dem Q4 den Premium-Auftritt, den man von einem Audi erwartet. Die S-line-Variante pflegt zumindest optisch das dynamische Image, mit sportlicheren Stoßfängern, größeren Rädern und bequem geschnittenen Sportsitzen.

Luftiges Cockpit mit digitalem Anzeigenkonzept. Teils recht einfach wirkende Kunststoffoberflächen, dafür knisterfrei.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Beim Gebrauchtkauf zählt jedoch auch immer die Optionsliste. Besonders begehrt sind Matrix-LED-Scheinwerfer, das Augmented-Reality-Head-up-Display, die Wärmepumpe, der adaptive Fahrassistent, die 360-Grad-Kamera und das Sonos-Soundsystem. Sie steigern Komfort und Wiederverkaufswert gleichermaßen. Die nicht immer verbaute Wärmepumpe kann im Winter den Heizenergiebedarf reduzieren und die Reichweite spürbar verbessern.
Komfort schlägt Dynamik
So fährt er: Fein abgegrenzt zu seinen Konzernbrüdern zeigt sich der Q4 e-tron auf der Straße. Audi investierte spürbar in Fahrwerk, Lenkung und Geräuschkomfort. Das Ergebnis: Der Q4 lenkt präziser, wirkt auf der Autobahn ruhiger und vermittelt insgesamt das hochwertigste Fahrgefühl in der MEB-Familie. Sportlich ist er eher nicht, jedoch angenehm langstreckentauglich.

Das Handling profitiert vom Hinterradantrieb, optional gibt es Allrad.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Die Antriebspalette setzt auf 400-Volt-Technik. Sie reicht vom 35 e-tron mit 170 PS über den 40 e-tron mit 204 PS bis zum 50 e-tron quattro mit 299 PS. Als Sweet Spot empfiehlt sich vor allem der von uns gefahrene 40 e-tron. Der Hinterradantrieb harmoniert gut mit der üppigen Batterie und bildet einen gelungenen Kompromiss aus Leistung, Reichweite und Preis. Das Grundmodell lädt am DC-Lader mit maximal 110 kW: kein sensationeller Wert, aber doch langstreckentauglich.
Ende 2023 legte Audi nach. Der neue APP550-Motor arbeitet effizienter, leistet im 45 e-tron 286 PS, der deutlich angenehmer dimensionierte 77-kWh-Akku (netto) lädt mit bis zu 175 kW (DC). Wer viel Langstrecke fährt, für den dürfte diese Option interessant sein.
Stärken
- Hochwertige Fahrzeuganmutung
- Guter Fahrkomfort
- Stark im TÜV-Report
Schwächen
- Kleine Basis-Akkugröße
- Recht karges Grundmodell
- Preistreibende Mehrausstattungen
Die Bilanz fällt positiv aus
Das macht Ärger: Ab Werk gibt es zwei Jahre Neuwagengarantie (optional bis zu fünf Jahre und 100.000 Kilometer) sowie drei Jahre Lack- und zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Auf den Hochvoltakku gibt Audi acht Jahre oder maximal 160.000 Kilometer Garantie (SoH-Wert 70 Prozent).
Die Mängelliste fällt bislang erfreulich kurz aus. Probleme betreffen primär die Elektronik früher Baujahre: Software und Infotainment sind die größten Baustellen. Träge Fahrzeugsystemstarts, eingefrorene Infotainmentsysteme, Verbindungsprobleme mit Apple CarPlay oder Android Auto sowie sporadische Fehlermeldungen der Assistenzsysteme nerven. Etliche Fahrzeuge wurden per Software-Update deutlich verbessert. Die Bremsanlage ist ein echter Kritikpunkt beim TÜV-Report. Durch die starke Rekuperation werden die Scheibenbremsen im Alltag wenig genutzt, rostige Scheiben sind deshalb nicht selten. KBA-Rückrufe wegen Problemen mit Sicherheitsgurt und Parkbremse.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 20,6 kWh/100 km |
|---|---|
CO2 | 0 g/km |
Inspektion | 280-650 Euro |
Haftpflicht (17)* | 741 Euro |
Teilkasko (20)* | 898 Euro |
Vollkasko (21)* | 1451 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6)* | 0 Euro |
Ersatzteilpreise*
HV-Batteriemodul (1 von 12) | 4428 Euro |
|---|---|
Steuereinheit E-Motor | 403 Euro |
E-Motor | 7760 Euro |
Antriebswelle h. r. | 1106 Euro |
Wasserpumpe HV-Batterie | 634 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1497 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 884 Euro |
Infotainmentbildschirm | 1522 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 235/55 R 19 105 T) | 700 Euro |
Service-Links






























