Audi Q5 Sportback 50 TDI: 100.000-Kilometer-Dauertest
Macht der Q5 Sportback dauerhaft glücklich?

Unser Audi Q5 Sportback 50 TDI hat 100.000 Dauertest-Kilometer geschafft. Was AUTO BILD bei der Zerlegung fand – und weshalb die Redaktion trauert.
Bild: Olaf Itrich
Es kommt nicht alle Tage vor, dass bei uns jemand ein Herzchen auf den Fahrtenbuchdeckel malt. Beim Audi Q5 ist es passiert. Den Q5-Schlüssel zu ergattern, war stets ein Privileg – und praktische Arbeitserleichterung. Der 3,0-Liter-V6-TDI bietet satte 286 PS bei dieseltypischer Reichweite. Beispiel: Nürburgring – Hamburg (530 km) nachts in fünfeinhalb Stunden, ohne Tankpause – und bei Ankunft schwappt noch immer Diesel für weitere 250 Kilometer im 70-Liter-Tank. Elektroautos brauchen auf dieser Strecke erfahrungsgemäß zwei bis drei Ladepausen à 30 Minuten. In der Stadt angekommen, hört der Spaß nicht auf, denn der Q5 ist mit 4,69 Meter Länge und 1,89 Meter Breite nicht zu sperrig geraten.
Das Fließheck hat kaum weniger Nutzwert
Mit dem Q5 50 TDI müsste man ständig mit 200 km/h und mehr über die linke Spur donnern, um Verbrauchswerte deutlich über zehn Liter/100 km zu produzieren. Wozu er schon ein bisschen verleitet. Er schwingt sich mit lässig von der Kurbelwelle geschüttelten 620 Nm Drehmoment und größter Selbstverständlichkeit auf Tempo 220 auf, liegt selbst bei 240 km/h stabil. Und der Sportback surft mit seiner Fließheckform derart gut im Wind, dass er Windgeräusche praktisch nicht kennt.

Von vorn lässt sich kaum sagen, ob der Normal-Q5 oder der Sportback anrollt – die Dachhöhe differiert nur um wenige Millimeter.
Bild: Tim Dahlgaard
Das Fließheck kostete eher maßvolle 2200 Euro Aufpreis (Mercedes verlangte für das GLC-Coupé damals einen doppelt so hohen Aufschlag), es nimmt dem Q5 nur 40 Liter Ladevolumen im Vergleich zum kastigeren SUV und damit fast nichts an Nutzwert. Der Sportback sieht kaum anders aus als das Normal-SUV, dafür erspart er uns die üblichen Coupé-Nachteile.
Das ultimative Auto zum Kilometerkloppen
Der Q5 ist ein Alleskönner: Unser Gespannfahrer Alex Failing lobt 2,4 Tonnen Zuglast und die höhenverstellbare Hängerkupplung. Cruisen liegt dem Q5 auch. Dieses sanft blubbernde V6-Geräusch bei niedertouriger Bergauffahrt ist echter Genuss, die weich schaltende Achtstufen-Wandlerautomatik von ZF verbreitet im Zusammengehen mit dem dicken V6-Diesel fast schon altamerikanisches Flair.
Technische Daten
Audi Q5 Sportback 50 TDI quattro | |
|---|---|
Motor | Sechszylinder, Turbo, vorn längs |
Hubraum | 2967 cm3 |
Leistung | 210 kW (286 PS) bei 3500/min |
max. Drehmoment | 620 Nm bei 1750/min |
Antrieb | Allradantrieb/Achtstufenautomatik |
Leergewicht | 1917 kg |
Zuladung | 728 kg |
Kofferraum | 500–1480 l |
Höchstgeschwindigkeit | 240 km/h |
Verbrauch | 8,5 l D/100 km (WLTP) |
Abgas | CO2 223 g/km (WLTP) |
Zum Kilometerkloppen bringt er neben Reichweite und akustischer Ruhe auch bürostuhlartig hoch hinauffahrbare Sitze mit – mit neigungsverstellbaren Kopfstützen, die uns nicht in eine bandscheibengefährdende Demutshaltung zwingen, selten! Auch Passagiere im Fond haben's gut: Die Rückbank lässt sich längs verschieben, die Lehnenneigung verstellen.

In unserem Fuhrpark war der Q5 überaus beliebt: Hier ist er unterwegs auf Traumstraßen der Schweiz.
Bild: Stefan Mallach
Kritik im Fahrtenbuch: Die Lenkung mit ihrer leichten Reaktionsverzögerung empfindet mancher als zu entkoppelt. Sie lässt sich aber separat auf "Sport" stellen – schon besser. Der 10,1-Zoll-Navi Bildschirm ist nach heutigen Maßstäben klein und arg weit vom Fahrer entfernt – man merkt, dass der Q5 ursprünglich (also vor dem 2021er Facelift) für Touchpad-Bedienung konzipiert war.
Messwerte
Testbeginn | Testende | |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 2,0 s | 2,1 s |
0–100/-130 km/h | 5,8/9,6 s | 6,1/10,0 s |
0–160 km/h | 14,9 s | 15,5 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 3,2 s | 3,4 s |
80–120 km/h | 4,1 s | 4,2 s |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 35,4 m | 35,3 m |
aus 100 km/h warm | 34,9 m | 34,4 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 53 dB(A) | 53 dB(A) |
bei 100 km/h | 60 dB(A) | 60 dB(A) |
bei 130 km/h | 65 dB(A) | 65 dB(A) |
Testverbrauch – CO2 | 8,4 l D – 223 g/km | 8,2 l D 217 g/km |
Der beginnende Rost passt nicht zum hohen Kaufpreis
Was uns bei der Zerlegung etwas desillusioniert, ist der beginnende Rost an Vorderachs- und Hinterachsträger, vor allem an den Schweißnähten. Er rostet auch um Schrauben und Bolzen herum – an versteckter Stelle, sodass der Eigner lange nichts davon mitbekommt. Er hat zwar drei Salzwinter hinter sich, aber angesichts eines Kaufpreises von über 87.000 Euro (2023) möchten wir solche Zeitbomben nirgends sehen, an keinem Auto. Schade, denn die Hohlräume zeigten sich nach Testende makellos.

Ein Schiffsmotor? Schon ein monumentaler Antrieb, dieser V6-TDI mit Wandlerautomatik von ZF.
Bild: Christoph Börries
Auch sonst wird der Verschleißzustand des Autos dem Preis gerecht: Interieurmaterialien, Turbo-Verdichtereinheit, Abgasanlage, Injektoren, Nockenwellen und Lager, Kolben und Brennräume, Pleuellager, Wandler, Kupplungspakete des Getriebes, Differenziale – alles hätte noch sehr lange gehalten. Da stört es uns dann gar nicht mehr, dass Audi dieses teure Modell in Mexiko bauen lässt.
Eine Erwähnung wert ist das hochwertige Allradsystem: keine handelsübliche Lamellenkupplung, sondern ein echter Permanentallrad mit Zentraldifferenzial im Stil echter Geländewagen, das sich selbst sperrt – mechanisch! Es ist auf einer nassen Wiese oder im Wintersport fast nur mit Leichtsinn oder Vorsatz möglich, sich mit dem quattro festzufahren. Angesichts des drohenden Verbrennerverbots ab 2035 möchte man sich nach all den Kilometern in diesem Diesel-Helden mit einem Transparent vor das EU-Parlament stellen und schreien: "Lasst uns Langstreckenfahrern unsere Diesel!" Diesel wie diesen hier, mit Herzchen auf dem Fahrtenbuch.
Wertung*
Anzahl | Fehlerpunkte | |
|---|---|---|
Zuverlässigkeit | ||
Liegenbleiber | 0 x 15 | 0 |
Motor-/Getriebeschaden | 0 x 15 | 0 |
Defekte Antriebs-/Funktionsteile | 0 x 5 | 0 |
Zusätzlicher kurzer Werkstattbesuch | 0 x 3 | 0 |
Zusätzlicher mehrtägiger Werkstattaufenthalt | 0 x 5 | 0 |
Defekte und Sonderarbeiten (Radio/Navi/Flüssigkeiten etc.) | 0 x 2 | 0 |
Defekte Kleinteile (Lampen etc.) | 0 x 15 | 0 |
Langzeitqualität (aus Demontage) | ||
Karosserie (Konservierung, Lack, Teppiche, Verkleidungen) | 0-5 | 2 |
Motor (Leistung, Dichtigkeit, Ablagerungen, Laufspuren) | 0-5 | 2 |
Getriebe (Dichtigkeit, Abrieb, Zustand, Kupplung) | 0-5 | 0 |
Abgasanlage (Zustand, Kat, Aufhängung, Abschirmbleche) | 0-5 | 0 |
Fahrwerk (Achsen, Federung, Lenkung, Befestigung) | 0-5 | 0 |
Elektrik (Kabel, Stecker, Steuergeräte, Sicherungen) | 0-5 | 0 |
Alltagswertung/Fahren | ||
Ergibt sich aus den Eintragungen im Fahrtenbuch | 0-10 | 0 |
Gesamtpunkte | 4 | |
Note | 1 |
Fazit
Als Kilometerfresser ist der Audi Q5 50 TDI dem Optimum sehr nahe – in der Praxis kommt man zwischen den Tankstopps ungefähr dreimal so weit wie mit den meisten Elektro-SUV dieser Größe. Wer die Existenzberechtigung solcher Diesel anzweifelt, der ist eben kein Langstreckenfahrer. Zentraler Kritikpunkt: beginnender Rost an wichtigen Fahrwerksteilen – nach drei Salzwintern allerdings.
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