100.000 Euro – viel Geld, wenn man es nicht gerade für eine Immobilie, sondern für etwas weitaus Vergänglicheres wie beispielsweise ein Automobil ausgibt. Auf der anderen Seite waren 100.000 Euro nichts, wollte man vor knapp zehn Jahren Fahrleistungen der ersten Liga genießen – Ferrari, Lamborghini oder Porsche Turbo schlugen eher mit dem Doppelten zu Buche. Doch dann kam der Nissan GT-R: ein grobschlächtiges Coupé mit Biturbo-Dampfhammer, ausgeklügeltem Allradantrieb und einer Fahrdynamik, die sich angesichts der 1,8 Tonnen Leergewicht niemand so richtig erklären konnte.

Der Japaner gefällt als leicht zu beherrschender Sportler

Nissan GT-R
Eine Fahrmaschine namens Godzilla: Im Nissan GT-R ist jeder schnell unterwegs – zum relativ kleinen Preis.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Seinen Spitznamen Godzilla hatte der GT-R schnell weg, das 486 PS starke Technik-Ungeheuer rollte zum schlanken Grundpreis von 81.800 Euro vor die Haustür. Da war oft noch Luft im Budget für eine saftige Leistungssteigerung. Sagen Sie's bitte nicht weiter, aber auch auf deutschen Straßen sind einige GT-R mit über 1000 PS unterwegs ... Die Trackday-Szene – damals sprach man übrigens noch vom "freien Fahren" – hat sich daraufhin stark verändert. Plötzlich bestand sie nicht mehr nur aus einigen wenigen wohlgenährten Herrenfahrern, die ihrem Ferrari vornehmlich geradeaus die Sporen gaben, und einem ganzen Rudel junger Heißsporne in gemachten C-Kadetts und GTIs, die den Arrivierten in den Kurven links und rechts um die Ohren pfiffen. Immer mehr Nissan GT-R setzten nun die Bestzeiten, die Fahrer waren einerseits alt genug, ihn sich leisten zu können, andererseits aber noch jung genug, um letzte Rille zu fahren.
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Die Corvette liegt mit Performance-Paket auf ZR1-Niveau

Chevrolet Corvette Z06
Adaptive Dämpfer, Carbon-Keramik-Bremsen, Semi-Slicks, Spoiler: Rennstrecken-Zubehör gibt es im Paket.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Diese Klientel der um die 40-jährigen Godzilla-Treter hatte beim freien Fahren jedoch immer wieder Gegner auf Augenhöhe: die Corvette-Fraktion, die schon seit der Generation C5 das Credo des gerade noch bezahlbaren, aber sauschnellen Supersportlers sang. Eine Corvette C6 mit 437 PS kostete anno 2009 schmale 67.000 Euro, das Siebenliter-Biest Z06 mit 512 PS knapp 90.000 Euro, das Kompressor-Monster ZR1 mit 647 PS allerdings schon rund 136.000 Euro. So gesehen ist die Corvette Z06 des Jahres 2017 mit ihrem Basispreis von 116.900 Euro noch immer ein Schnapper, kostet sie doch fast 20.000 Euro weniger als die alte ZR1, hat zumindest auf dem Papier mehr Leistung und ist natürlich das modernere Auto. Ordert man aber das Z07 Performance Pack, das adaptive Dämpfer, Carbon-Keramik-Bremsen, kompromisslose Semi-Slicks und sehr abtriebsorientierte Aerodynamikteile beinhaltet, kostet die C7 Z06 etwa genauso viel wie die alte ZR1.
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Bescheidener der Nissan: In der Basisausstattung bleibt er mit 99.900 Euro nach wie vor fünfstellig, in der Prestige-Edition des Testwagens, reißt er die 100.000-Euro-Hürde hingegen schon deutlich. Das Modelljahr 2017 leistet dank optimierter Ladeluftkühlung und weiteren Feintunings nun großzügige 570 PS, wohingegen die Top-Version Nismo bei 600 PS stagniert.

Beim Klang des Audi R8 ist Gänsehaut garantiert

Audi R8 V10 Plus
Beste akustische Unterhaltung: Der Audi R8 V10 Plus klingt mehr nach GT3-Renner als nach Straßenauto.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Und der Dritte im Bunde? Nun, der Audi R8 V10 Plus ist seit gut anderthalb Jahren auf dem Markt und immer noch taufrisch. Er dient in diesem Vergleich als reinrassige Supersportwagen-Referenz, hat alles an Bord, was gut und teuer ist: Mittelmotor (wie in Zukunft wohl auch die Corvette C8), zehn Zylinder (die auch in Sant'Agata Bolognese verbaut werden), Doppelkupplungsgetriebe, variablen Allradantrieb, Keramikbremsen, Options-Sportreifen. Inklusive der aufpreispflichtigen, ultradirekt übersetzten Aktivlenkung kratzt Audis Topathlet bereits an der 200.000-Euro-Schwelle und repräsentiert somit den klassischen Edel-Sportwagen zum ebenso klassischen Edel-Preis. Doch man bekommt auch so einiges für sein Geld: einen Gänsehaut-Klang beispielsweise, der nur geübten Ohren Rückschlüsse auf die Anzahl der Zylinder ermöglicht, jedenfalls aber mehr nach GT3-Renner als nach Straßenauto klingt. Bei niedrigen Touren kernig, zieht ab mittleren Drehzahlen ein Soundgewitter auf, gegen das die Trompeten von Jericho wohl wie ein Blockflötenkonzert anmuten würden.
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Wie sich die drei Sportlern auf dem Sachsenring schlagen, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Fazit

Die nur sanft überarbeitete 2017er-Corvette Z06 bietet nach wie vor ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Vor allem ohne das extreme Z07-Paket, denn – Hand aufs Herz – wie oft fährt man wirklich auf der Rennstrecke. Dort dürfte sich die Z06 im Übrigen auch im Basistrimm sehr achtbar schlagen, passende Bereifung vorausgesetzt. Ein wenig enttäuscht waren wir vom Nissan GT-R, der zumindest in der Prestige Edition der Alltagstauglichkeit ein wenig Brutalität geopfert hat. Der Audi R8 V10 Plus pfeift hingegen auf den Alltag, ist ein konsequenter Supersportler mit allen Vor- und Nachteilen.