Vier Kompaktsportler im Test

Audi RS 3/BMW M2/Ford Focus RS/Mercedes A 45 AMG: Test

Neuer Focus RS greift an!

Mit 350 PS, trockenem Fahrwerk und Allrad greift der Focus RS die erste Kompakt-Liga an. Erleben M2, RS 3 und A 45 AMG ihr blaues Wunder?
Wo BMW M2, Mercedes A 45 AMG und Audi RS 3 antreten, geht es um die finale Rangordnung im Kompaktsegment; darum, wer nun wirklich den hottesten Hatch baut; oder ob dieser Hotteste mittlerweile nicht doch eher ein Coup√© ist. Es geht um Rundenzeiten, Sprintwerte, Bremswege, um Fahreindr√ľcke und auch darum, wer die meiste Performance f√ľrs Geld springen l√§sst. Nun f√§hrt hier aber auch der neue Ford Focus RS mit. Und wer sich auch nur vage noch daran erinnert, welch eindrucksvolles Konfetti-Feuerwerk sein Vorg√§nger einst abzog, der kann sich eigentlich an einem Finger abz√§hlen, dass es ganz ohne Gaudi auch dieses Mal nicht ablaufen wird.

Der neue Vierzylinder steht dem Top-Focus wirklich gut

Neue Maschine: Im Bug des RS arbeitet jetzt ein 2,3 Liter großer Turbo-Vierzylinder mit 350 PS.

Versuchen wir dennoch, die Nummer sachlich anzugehen. So wie der Ford selbst, der sich in dritter Generation nun endg√ľltig vom Frontantriebs-Komiker zum Allrad-Rivalen mausert. Sein Spoiler- und Schwellerornat dient nicht l√§nger nur der Aufmachung, sondern erstmals auch einer ausgewogenen Aerodynamik. Der Antriebsstrang arbeitet mit externen K√ľhlern, die Brembo-Stopper sollen 30 Rennstrecken-Minuten am St√ľck √ľberstehen; Vorder- und Hinterradaufh√§ngung wurden deutlich steifer ausgef√ľhrt, das Adaptivfahrwerk ordentlich nachgew√ľrzt, w√§hrend sich die geschmiedeten 19-Z√∂ller wieder mit 1000 Euro teuren Sportgummis besohlen lassen. Wirklich entscheidend sind jedoch zwei andere Faktoren, die den Charakter des Focus pr√§gen. Zum einen der neue 2,3-Liter-Ecoboost-Vierzylinder, der den alten F√ľnfzylinder in Sachen Ansprechverhalten, Kraftentfaltung und Verbrauch mehr als w√ľrdig beerbt, emotional dann aber doch nicht ganz in seine Fu√üstapfen flairt.
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Der Allradantrieb des RS beherrscht verschiedene Gangarten

Extrem variabel: Der Antrieb des Ford arbeitet mit zwei getrennt regelbaren Allradkupplungen.

Nicht falsch verstehen: Die Art und Weise, wie er einen (soundverst√§rkt) von vorn anknurrt, wie er durchs Doppelrohr faucht und im Lastwechsel drauflosknattert, als h√§tte jemand eine Batterie Silvesterb√∂ller gez√ľndet, das turnt schon an. Nur hallt das unrasierte Joe-Cocker-Timbre von einst einfach noch zu schwungvoll nach, als dass er dagegen ernsthaft angr√∂len k√∂nnte. Punkt zwei trifft den Nagel daf√ľr voll auf den Kopf. Gemeint ist der Allradantrieb, der die 350 PS und 440 ‚Äď im Overboost 470 ‚Äď Newtonmeter nun ungleich zielf√ľhrender verwertet, ohne dabei jedoch auf den Fahrspa√ü zu schlagen. Im Gegenteil. Das System ist vielmehr Dreh- und Angelpunkt gleich mehrerer Handling-Facetten, die sich entlang der einzelnen Fahrmodi entbl√§ttern. Denn im Gegensatz zu konventionellen Hang-on-L√∂sungen, die stets mit einer Allradkupplung an der Hinterachse arbeiten, besitzt der Focus deren zwei, und diese kann er noch dazu vollkommen getrennt voneinander regeln. Aktiv, stufenlos und vollvariabel bis hin zum Extremfall, in dem nur ein Rad der Hinterachse antreibt. Was dann passiert, l√§sst sich sch√∂n auf Fords Youtube-Kanal nachempfinden, auf dem so einige Exemplare wild r√§uchernd um Pylonen kreiseln. Und ja: Das Zitat seiner Entwickler, wonach der "Drift Mode" viele schlechte Fahrer √ľberraschend gut aussehen l√§sst, k√∂nnen wir an dieser Stelle nur best√§tigen. Nun kann man nat√ľrlich geteilter Meinung sein, was so ein Modus soll, den man guten Gewissens nur auf aufgesperrter Strecke z√ľnden kann, wenn die heimische Reifenlieferung mal wieder das Wohnzimmer einzunehmen droht; auf der anderen Seite passt die ganze Spielerei aber schon recht perfekt zum Focus, der sich ja noch nie um Konventionen geschert hat, solange die Gaudi stimmt.

Ein Fahrprogramm lässt schlechte Fahrer besonders gut aussehen

Drift-Mode: Der Focus kann es spielerisch leicht quer, aber das empfehlen wir nur f√ľr abgesperrte Pisten.

Und diese stimmt auch in den zivileren Modi. Ja, selbst im zivilsten von allen, dem "Normal Mode". Okay, man sitzt noch immer ein wenig √ľberh√∂ht, mehr obenauf als mittendrin. Doch daf√ľr saugnapfen einen die serienm√§√üigen Sportsitze derart ins Geschehen, dass man sich die 1600 Euro f√ľrs Schalengest√ľhl getrost schenken kann. Und so brezelt man dann √ľber die Hausstrecke. Die zackige Lenkung in der Linken, die glasklar gef√ľhrte Schaltung zur Rechten, den aufbrausenden Vierender an der Sohle, die Bankette im Visier, w√§hrend der Allrad dezent aus dem Hintergrund regelt, ganz klassisch als Traktionsversicherung. Als Ideal der Landstra√üe kristallisiert sich jedoch erst der "Sport Mode" heraus, der die Lenkung nochmals nachzurrt, Ansprechverhalten und Sound anstachelt und mit dem Allrad nun sp√ľrbar in die Kurve drallt, sobald man die 1,6 Bar Ladedruck aufs Parkett feuert. Das Ganze f√ľhlt sich dann schon ein wenig nach Evo an und damit deutlich agiler als all die anderen Hang-ons.
Bliebe final noch der "Track Mode", den Ford allerdings nur auf abgesperrten Strecken empfiehlt. Und ganz ehrlich? Selbst dort hätten wir unsere Bedenken. Nicht wegen des Allrads, der in "Track" tatsächlich noch sensationeller von hinten hebelt, sondern wegen der knallharten Dämpfung, die den Focus derart brutal straff auf den Belag spannt, dass die Besatzung bei jeder noch so kleinen Bodenwelle herumhopst wie ein Wackeldackel auf Epo.
Wie sich Audi RS 3, BMW M2 und Mercedes A 45 AMG im Test schlagen, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen sowie den Rundenzeiten am Sachsenring gibt es als Download im Online-Heftarchiv

Ford Focus RS im Vergleich

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: Audi RS3 Sportback, BMW M2, Ford Focus RS und Mercedes-AMG A45 (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

10.06.2016

Preis:

1,00 €

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