Audi RS 5 Coupé, BMW M4 Coupé: Mittelklasse-Vergleich
Zwei Wege, ein Ziel: Duell der Mittelklasse-Sportler

Automatik gegen Handschalter, Allrad- gegen Hinterradantrieb, beide mit Performance-Paketen: der Audi RS 5 gegen den BMW M4.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Es ist das ewige Duell in der sportlichen Mittelklasse: Audi RS 5 Coupé gegen BMW M4 – zumindest war es das früher immer. Einst als Duell der frei saugenden Achtzylinder (der M4 hieß damals noch M3 Coupé) mit Leistungsvorteil Audi, dann rüstete BMW mit dem F82 auf: Zurück zum Reihensechser, dafür aber mit Biturbo und zunächst 431 PS. Und seit der Abkehr vom Sauger ging es so richtig ab im Hause BMW: erst 450 PS, dann 460 im CS. Mit dem neuen Modell Ende 2020 waren dann 480 PS der Standard, mit Automatik und als Competition leistet der Dreiliter sogar 510 PS. Und mit dem anstehenden Facelift soll in diesem Jahr noch mehr kommen.

Man spürt und sieht, dass der BMW jünger ist als der Audi. Die tiefere Sitzposition, griffiges Volant, Schaltknauf, perfekt. Und das mit dem roten Leder ist Geschmackssache.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Audi ist dagegen seit 2010 bei 450 PS stehen geblieben. Wirklich weltbewegende Argumente haben die Ingolstädter potenziellen Umsteigern nicht an die Hand gegeben – auch mit dem seit 2017 neuen 2,9-Liter-V6 mit Biturboaufladung. Der Kooperationsmotor steckt auch in diversen Porsche-Modellen, ist aber federführend eine Audi-Entwicklung. Im Vergleich zum Grundmotor mit drei Liter Hubraum und Singleturbo hat man bei der High-Performance-Version den Kolbenhub um drei Millimeter auf 86,0 verringert und die Kurbelwellenlager verstärkt, um den höheren Belastungen gerecht zu werden.
Nun, zum Spätherbst der Baureihe, feilt man also noch mal an anderen Baustellen: Fahrwerk und Reifen. Das resultiert in zwei Performance-Paketen, die im Falle des RS 5 competition und competition plus heißen. Hinter dem "plus" verbirgt sich übrigens ein manuell verstellbares Gewindefahrwerk, das Audi "RS-Sportfahrwerk pro" nennt. Ab Werk liegt der RS 5 so schon um 10 Millimeter tiefer, manuell lässt sich das auf 20 mm steigern. Eine höhere Federrate, dreifach verstellbare Dämpfer und steifere Stabis sollen das Fahrverhalten präziser machen, eine Vmax-Anhebung auf Tempo 290 ist ebenfalls enthalten. Das Sportdifferenzial wurde überarbeitet und der Allrad hecklastiger ausgelegt. Die neue RS-Sportabgasanlage plus sorgt zusammen mit reduzierter Dämmung zwischen Motor- und Innenraum für eine kernigere Klangkulisse. Für das an unserem Testwagen verbaute Competition-plus-Paket ruft Audi 11.875 Euro auf. Zusammen mit der Carbonbremsanlage vorn und dem Dach aus leichter Kohlefaser stehen am Ende über 110.000 Euro auf der Rechnung.

Wertiges, intuitiv bedienbares Cockpit mit viel Alcantara und Carbon. Gut in der Hand liegender Getriebehebel, leider immer noch falsche Schaltrichtung (manueller Modus).
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Nachgeschärfter Münchener
BMW schickt derweil einen normalen M4 ohne den Zusatz "Competition" in den Test. Hatten wir bewusst so angefragt, denn auch handgerissen und hinterradgetrieben leistet der Münchner noch 30 PS mehr als der Audi. Hier ein Vorteil, da ein Nachteil, das sollte sich unter dem Strich besser ausgleichen, als wenn wir den 60 PS stärkeren M4 mit Achtstufen-Sportautomatik zum Tanz gebeten hätten. Es ist ja nicht so, als ob die M GmbH kein Pendant zu Audis neuem Competition-plus-Paket im Repertoire hätte. In Garching heißt das "M Race Track Paket" und bringt neben der Carbon-Keramik-Bremsanlage auch Schmiederäder in 19/20 Zoll sowie eine Vmax-Anhebung auf ebenfalls 290 km/h und die genial stützenden, aber unkomfortablen M-Carbon-Schalensitze ins Auto.
Zudem macht das Paket den M4 um bis zu 25 Kilogramm leichter. Jetzt noch den Michelin Pilot Sport Cup 2 mit BMW-Sternchen-Kennung als Antwort auf Audis Pirelli P Zero Corsa nach A0-Mischung, und schon stehen beinahe 116.000 Euro auf der Rechnung. Bedenkt man Allrad und Automatik, so bekommt man in Ingolstadt also deutlich mehr Technik für sein Geld. Fragt sich nur, ob sich das auch in den Messwerten niederschlägt.

Vielleicht ist er nicht so performant wie gewohnt, egal, wir feiern die Handschaltung.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Hierfür gehen wir nun ans Zahlenwerk und fangen ganz pragmatisch mit unserer Radlastwaage an: Knapp 40 Kilogramm weniger Gewicht spuckt diese im Vergleich zum Premieren-RS-5-Coupé aus einem Test im Jahre 2018 aus, der Testwagen aus dem großen 5er- Coupé-Vergleich im letzten Jahr (Heft 5/23) war sogar 46 Kilogramm schwerer. Die Abspeck-Kur hat also Wirkung gezeigt. Dazu schnellere Schaltzeiten, da sollte schon etwas gehen in Sachen Längsdynamik.
Das Werk verspricht eine Zehntel schneller als bisher auf Tempo 100 (3,8 statt 3,9 s), wir messen sogar 3,6 Sekunden. Und wie der Audi das vollführt, ist wirklich vorzüglich. So kennt man ihn gar nicht, so rabiat. Aber sobald die Launch Control aktiv ist, springt das Coupé aus dem Startblock, als sei es von irgendwas gestochen wurden. Der Allrad scheint sich bei jedem Stoß ins Getriebe zu verwinden nach dem Motto: Gleich knallt's, und die Kardanwelle liegt auf dem Boden. Doch nichts da, die Fuhre schiebt weiter heftig vorwärts, die gesteigerte Soundkulisse untermalt das Schauspiel gekonnt. Die 12,9 Sekunden auf 200 können sich ebenfalls sehen lassen – immerhin drei Zehntel schneller als ohne competition plus letztes Jahr.
Hecktriebler gegen Allradler
Zumal der M4 da schon ziemlich klein im Rückspiegel zu sehen ist. Klar hat der durch die fehlende Antriebsachse deutlich mehr zu tun beim Start. Die Launch Control hilft da nur bedingt und auch nur, wenn die Cup-2-Pellen ein bisschen Temperatur haben. Besser funktioniert es beinahe ohne die elektronische Startautomatik. Schön mit Gefühl, so wie wir das früher gemacht haben. Doch selbst nach unzähligen Versuchen – besser als eine 4,4 auf 100 wird es nicht, der automatisierte M4 Competition drückte die Übung in 3,6 Sekunden durch. Bis Tempo 200 hechelt der M4 dem RS 5 wie schon gesagt hinterher, doch dann scheint die Audi-Front mehr im Wind zu stehen. Der M4 hängt ab 220 zwar schon in seiner letzten, sechsten Welle, da versucht es der Audi noch mit Drehzahlen. Aber: Ab 250 km/h scheint der Münchner gleichauf und würde womöglich davonziehen. Messen konnten wir das leider nicht mehr, so lang ist die Bahn auf unserem Messflugplatz nicht. Egal, wir bewerten, was wir per GPS ermitteln können. Und weil beide mit Semislicks und Keramikbremsen antraten, waren wir auch auf die Bremswege gespannt.
Vielleicht war es schon etwas zu kühl, aber generell: Viel früher stehen beide Autos nicht im Vergleich zu deren normaler Bereifung aus früheren Tests. Auffällig dabei ist aber, dass das Pedalgefühl im BMW deutlich schöner ist, man spürt quasi den Zustand der Scheiben und Reifen. Beim RS 5 war das früher schon mal schlechter, viel steiniger und mehr ABS-Einmischung. Wir bewegen uns zwar noch immer nicht auf BMW-Niveau, aber der RS 5 ist nah dran, auch was die Ausdauer angeht. Da qualmte es früher des Öfteren.

Schade, dass man beim Audi RS 5 erst jetzt kurz vor Schluss an den Querdynamik-Schrauben weitergedreht hat.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Und jetzt geht es auf die Rennstrecke: Spulen wir kurz ein paar Jahre zurück, Ende 2017, der gerade vom Acht- auf den Sechszylinder umgestiegene Audi RS 5 stellte sich seinen Gegnern M4 Competition und AMG C 63 S Coupé. Und wurde nach Strich und Faden auf dem Sachsenring verprügelt. Seinen generell guten Grundspeed verlor er mit viel Untersteuern, und zwar in jeder Ecke, ob schnell oder langsam. Mehr als eine hohe 39er-Runde war nicht drin, quasi da, wo man sich auch mit dem alten V8-RS-5 aufgehalten hatte. Die Konkurrenz? Auf und davon, der M4 schon im 36er-Bereich. Dann folgte am Audi der Umstieg von Conti auf Hankook, zusammen mit ein paar Änderungen am Fahrwerk. Siehe da, viel zielsicherer, spaßiger, aber immer noch weit weg von den gleichgesinnten Coupés der Konkurrenz.
Und nun? Gewindefahrwerk und Pirelli Corsa, alles gut? Ganz einfach: ja! Die Dynamikkombi aus hecklastigem Permanent-quattro, neu appliziertem Sportdifferenzial, speziell für die Strecke eingeklicktem Gewindefahrwerk und Corsas mit passendem Luftdruck ist Garant für das, was wir noch nie in einem Serien-RS-5 erlebt haben: enormer Fahrspaß! Der Hintern swingt immer eifrig mit, natürlich genau da, wo man es benötigt. Traktion und Vortrieb gehen quasi nicht mehr verloren, die Dynamiklenkung reißt den Vorderbau mit legerer Spitzfindigkeit in die Radien. Das fühlt sich schnell an, ist es auch. Mit einer hohen 1:34er-Runde ist der RS 5 nicht nur knapp 3,5 Sekunden schneller als bisher, er ist auch an der Konkurrenz dran, und zwar richtig nah. So einem aktuellen M4 auf dem Sachsenring zu folgen, das muss man erst mal schaffen. Okay, der Audi hat Allrad und Automatik, ist aber auch 50 Kilogramm schwerer als der 30 PS stärkere M4. Wie man es dreht und wendet, die beiden passen zusammen, keine Äpfel und Birnen.
Vorteil Ingolstadt
Der BMW hatte ja bereits einmal das Vergnügen, gegen den Handschalter-911 und einen Mustang Mach 1. Und damals schon war die Runde, na ja, nicht wie gewohnt narrensicher und sauschnell. Diesmal ähnlich, zwar einen Hauch schneller, aber dieser handgerissene M4 lebt einfach von Bewegung, trotz seiner Semislicks. Nicht dass das schlecht ist, früher waren M2 und M4 dafür bekannt, die schnellste Runde immer mit einem Hauch Übersteuern in den Asphalt zu brennen. Doch dieser M4 schwingt einen Tick zu viel und breitflächig. Zu-dem bringen die paar Gangwechsel das Coupé immer wieder aus der Ideallinie heraus. Nicht dass die Runde dann in Rauch aufgehen würde, aber ehe man wieder zurück in der Spur ist, sind einige Zehntel verloren.

Auf der Rennstrecke liegt der Audi nur auf diesem Bild in Führung. 66 Hundertstel rettet der BMW über den Zielstrich.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Auf der Bremse ist und bleibt das Auto eine Macht. Die Lenkung bietet die bessere Rückmeldung als im Audi, die tiefere Sitzposition macht auch richtig Laune. Und die 480 PS scheinen uns ausreichend, doch unter dem Strich verliert er auf seinen Competition-Bruder exakt 1,5 Sekunden. Den Audi lässt er zwar zeitlich hinter sich, erkämpft sich seinen Vorsprung jedoch größtenteils über die Leistung. Im kurvigen zweiten Sektor zeigt die Fahrwerkskur Wirkung. Hier ist der RS 5 schneller. So fährt sich der Audi am Ende einen hauchdünnen Sieg heraus. Zünglein an der Waage war dann doch die Längsdynamik.
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