Audi RS 6 Avant performance, BMW M5 Touring: Test
Alte Hasen mit Bärenkräften: Audi RS 6 und BMW M5 im Powerkombi-Duell

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Okay, ganz so neu ist der M5 ja nicht mehr. Längst bei uns als Limo und Kombi vorgestellt, für außerordentlich schnell befunden, als faszinierend eingeordnet, unter "schweres Biest" abgelegt, letztlich natürlich in die Traumwagen-Schublade einsortiert. Traditionell übrigens schon seit über 30 Jahren – 1992 erschien mit dem E34 der allererste Kraft-Kombi der Bayern.
So ähnlich gilt das auch für den Audi RS 6 Avant – ein nach identischem Muster gestrickter Kombi mit ebensolchem Atemlos-Potenzial wie der M5. Den RS 6 Avant gibt es seit 2002, das aktuelle Modell seit 2018 und unsere starke Variante performance seit 2022. Sagen wir so: Hier schlagen alte Hasen mit frischer Kraft ihre Haken. Und wir sind mit diesem Artikel sowieso höchstaktuell am Start.
Ein technisch beachtenswertes Duell
Denn: Wir haben G99 (der BMW-Code für den neuen Pracht-Touring) und C8 (Geburtsname der aktuellen Oberklasse-Baureihe bei Audi) erstmals aufeinander losgelassen, beide Typen im Kampf um Zehntelsekunden, Zentimeter Bremsweg und kiloweise Gewicht nach typischem AUTO BILD-Muster eines Sporttests untersucht.

Kombi-Speerspitzen: Audi RS 6 performance und BMW M5 Touring werfen viel Kraft, Technik und Prestige in den Ring.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Dieses Duell ist ohnehin eine uralte Stammtischfrage und auch technisch beachtenswert – denn in den beiden Superkombis stecken modernste Fahrsysteme wie aktive Fahrwerke, Hinterachslenkung, variable Kraftverteilung der 4x4-Antriebe, außerdem das dickste Prestige-Pfund der Liga und letztlich insgesamt fast 1400(!) PS.
Unter den Hauben steckt mächtig Dampf
Der größere Teil dieser ordinär-üppigen Kraft fällt dabei auf den BMW. Seiner mächtigen V8-Maschine steht zusätzlich ein ins Getriebe integrierter E-Motor zur Seite. Der darf sich sogar noch über eine Übersetzungsstufe auf ein höheres Ausgangsdrehmoment schrauben. Im System ergibt das dann 727 PS Leistung beziehungsweise 1000 Newtonmeter Drehmoment für den Fünfer.

Kraftpakete: Der Audi-V8 sorgt mit 630 PS und 850 Nm für Vortrieb, im Antriebsduo des BMW stecken 727 PS und 100 Nm Systemleistung.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Ein furchteinflößendes Pfund, doch Angst vor diesen Fakten muss der Audi keine bekommen. Den RS 6 verkaufen die Ingolstädter schließlich auch als stärkere Variante performance – was dann 630 PS und 850 Newtonmeter Drehmoment aus einem V8-Biturbo-Benziner bedeutet.
Fahrzeugdaten
Modell | Audi RS 6 Avant performance | BMW M5 Touring |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | V8-Biturbo | V8-Biturbo + E-Motor, PHEV |
Leistung Verbrennungsmotor | 463 kW (630 PS)/6000 U/min | 430 kW (585 PS)/5600 U/min |
Hubraum | 3996 cm³ | 4395 cm³ |
Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
Leistung Elektromotor | – | 145 kW (197 PS) |
Systemleistung | 463 kW (630 PS)/6000 U/min | 535 kW (727 PS) |
Systemdrehmoment | 850 Nm/2300 U/min | 1000 Nm |
Vmax | 305 km/h | 305 km/h |
Getriebe | Achtstufenautomatik | Achtstufenautomatik |
Antrieb | permanenter Allradantrieb | Allradsystem M xDrive |
Bremsscheiben vorn/hinten | Keramik, innenbelüftet, gelocht | Keramik, innenbelüftet, gelocht |
Testwagenbereifung | 285/30 R 22 | v. 285/40 R 20, h. 295/35 R 21 |
Reifentyp | Continental SportContact 7 (AO) | Pirelli P Zero R |
Radgröße | 10,5 x 22" | v. 10,5 x 20"; h. 11,5 x 21" |
Abgas CO2 | 276 g/km | 40 g/km |
Verbrauch* | 12,7 l/100 km | 1,8 l + 25,9 kWh/100 km |
Tankinhalt/Batteriekapazität | 73 l | 60 l/18,6 kWh |
Kraftstoffsorte | Super Plus | Super Plus |
Ladeleistung/Ladezeit (0-100 %) | –/– | 11 kW/2:15 Stunden |
Vorbeifahrgeräusch | 71 dB(A) | 70 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2100/750 kg | 2000/750 kg |
Stützlast | 95 kg | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 548–1658 l | 500–1630 l |
Länge/Breite/Höhe | 4995/1951–2110**/1469 mm | 5096/1970–2156**/1516 mm |
Radstand | 2933 mm | 3006 mm |
Grundpreis | 138.500 Euro | 146.000 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 150.400 Euro | 166.280 Euro |
Diese fast 100 PS Leistungsdifferenz sind der akademische Unterschied zwischen den beiden Kombis. Den sportlichen erklären wir gleich. Vorab allerdings ein paar Worte zu den philosophischen Ansätzen der beiden Boliden.
Klar, sowohl Audi als auch BMW wollen mit ihren Modellen den Dreisatz aus funktionalem Kombi-Können, kultivierter Reiselässigkeit und temporeichem Auftritt auf Autobahnen und Landstraßen liefern. Das schaffen sie auch. Federung, Geräuschentwicklung, Sitzkomfort, Platzangebot, Ausstattung in puncto Multimedia und Fahrassistenz – alles liegt auf Top-Niveau, im Grunde erreichen beide Typen fehlerfreie Ergebnisse.
Allerdings erweitert der BMW das Programm um einen wichtigen (moderneren) Aspekt. Der M5 kann auch elektrisch. Nicht nur im Sinne von zusätzlicher Kraftabgabe. Dafür allein gäbe es nämlich kein Adel durch das E-Kennzeichen. Der M5 kann dank Akku mit 18,6 kWh Kapazität bis zu 67 Kilometer weit elektrisch fahren, lässt sich (Plug-in!) an einer Wallbox aufladen, hält schlaue Fahrmodi-Strategien (Laden, Boosten, Segeln oder auch Teillast-Entspannung) bereit und ist entsprechend phasenweise höchst CO₂-freundlich unterwegs.

Vorteil BMW: Dank seines Plug-in-Hybrids kann der M5 Touring bis zu 67 Kilometer rein elektrisch fahren.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Gleichzeitig ermöglicht der elektrische Pfad einen nochmals ruhigeren Auftritt und gefühlt lässigeren Vorwärtsdrang auf kleinste Bewegungen am Gaspedal. Bei allem, was darüber hinausgeht, helfen Akku und Co natürlich auch. Was uns zum wichtigsten Teil dieser Geschichte führt. Audi oder BMW – wer ist schneller, rassiger, sportlicher?
Den Prestigesprint gewinnt der Audi
Wir teilen in Disziplinen auf: Beide rennen dank optionaler "Freischaltung" der Höchstgeschwindigkeit 305 km/h schnell, erlauben dank variablem Allradantrieb inklusive geregelter Hinterachsdifferenziale und Sprintstart-Kontrolle explosives Anfahren. Dabei geht der Audi einen Wimpernschlag bissiger los.

Vorteil Audi: Für Sprint auf Tempo 100 braucht der RS 6 schlanke 3,3 Sekunden, er nimmt dem BMW damit drei Zehntel ab.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die geringere Leistung hebt sich im Grunde über das geringere Gewicht (360 Kilogramm weniger) im Vergleich zum M auf, dazu verbeißen sich die Antriebsräder des Audi kraftvoller mit dem Asphalt. Wo der BMW mit minimalem Schlupf auf die Reise geht, klemmt sich der RS 6 wie starr verzahnt auf die Straße. In den höheren Gängen spielt der BMW seine zusätzliche E-Kraft aus, nimmt dem Audi dann bis Tempo 250 deutlich über eine Sekunde ab.
Messwerte
Modell | Audi RS 6 Avant performance | BMW M5 Touring |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 1,3 s | 1,5 s |
0–100/0–130 km/h | 3,3/4,9 s | 3,6/5,2 s |
0–160/0–200 km/h | 7,1/11,2 s | 7,3/10,9 s |
0–230/0–250 km/h | 15,5/19,1 s | 14,7/17,8 s |
Viertelmeile | 11,21 s | 11,38 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 1,5 s | 1,6 s |
80–120 km/h | 1,9 s | 1,9 s |
100–200 km/h | 7,9 s | 7,3 s |
Rundenzeit | ||
Contidrom | 1:31,54 Min. | 1:30,18 Min. |
Leergewicht/Zuladung | 2105/635 kg | 2465/585 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 56/44 % | 52/48 % |
Wendekreis links/rechts | 11,3/11,3 m | 12,2/12,4 m |
Sitzhöhe | 515 mm | 580 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h (kalt) | 35,7 m | 35,0 m |
aus 100 km/h (warm) | 33,2 m | 31,7 m |
aus 200 km/h | 126,6 m | 127,6 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 58 dB(A) | 61 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) | 67 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) | 70 dB(A) |
bei 160 km/h | 70 dB(A) | 73 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 12,4 l SP/100 km | 33,1 kWh/100 km (Stromverbrauch) |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 16,0 l SP/100 km (+26 %) | 8,8 l SP + 13,2 kWh/100 km (60 % Hybrid -; 40 % E-Anteil) |
Sportverbrauch | 22,6 l SP/100 km | 14,6 l SP/100 km (mit leerer Batterie) |
CO2 (Testverbrauch) | 379 g/km | 208 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 456 km | 409 km + 59 km elektrisch |
Die Autobahn ist ein Metier der beiden Bullen, doch nicht die heutige Devise. Rundstrecke heißt das Fach – hier lassen wir die Stoppuhr übernehmen. Wir verraten gleich: Das schnellere Auto kommt von BMW. Denn hier spielt der M5 gleich mehrere seiner Trümpfe aus. Da wären die wirkungsvolleren Bremsen, die ihm längere Anläufe vom Kurvenausgang bis zum nächsten Eingang bescheren. Außerdem bleibt er beim scharfen Anbremsen stabiler als der RS 6, gibt mehr Vertrauen. Schade allerdings: Die elektronische Bremse des M5 verhindert ein sauberes Pedalgefühl, der ABS-Regelbereich lässt sich kaum ertasten oder gar "herauslösen".
Auf dem Rundkurs ist der BMW schneller
Der zweite Grund für kürzere Rundenzeiten steckt im schnelleren Tempoaufbau. Ein Blick auf die maximal erreichbare Geschwindigkeit auf der Strecke belegt, mit wie viel mehr Tempo der M5 in die folgende Bremszone wütet. 233 km/h erreicht der BMW, "nur" 225 km/h nimmt der Audi an Schwung mit.

Dank besserer Verzahnung mit dem Asphalt und höherem Tempo ist der BMW auf dem Contidrom eine Sekunde schneller als der Audi.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Ein weiterer Aspekt liegt in der klebrigeren Verzahnung der Vorderachse mit der Straße inklusive der feineren Balance des BMW. Wo der Audi (mit absolut betrachtet weniger, doch in der prozentualen Verteilung stärkerer Radlast vorn) schneller ins Untersteuern gerät, stützt sich der BMW noch stabil ab. Auch reagiert der M5 unempfindlicher auf Lastwechsel, lässt seltener das Heck heraushängen, schnürt in der Folge sauberer durch die Radien, fährt faktisch schneller.
Platzierung
Modell | BMW M5 Touring | Audi RS 6 Avant performance |
|---|---|---|
Punkte* | 288 | 284 |
Platz | 1 | 2 |
Fazit | Trotz empfindlich mehr Gewicht – auf der Strecke rennt er dem Audi leicht davon. Dazu kultiviert, voll vernetzt – Traumkombi. | Fühlt sich fahraktiver an, kann dem M5 sogar davonsprinten – trotz 100 PS weniger. Immer noch eine tolle Mischung. |
Auf der subjektiven Seite sieht das anders aus. Hier fühlt sich der Audi leichter und agiler an, seine Maschine dreht aktiver aus, der zornigere Klang untermalt das eindrucksvoller, die Lenkung reagiert feiner, der Fahrer sitzt tiefer ins Auto eingebunden, alles fühlt sich authentischer bzw. weniger isoliert vom Geschehen an. Doch das hilft alles nichts: Unser Test hält sich an Zahlen. Die setzt der M5 besser. Was übrigens auch nicht ganz neu ist.
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