Audi RS 6 Avant performance im Test
Lichtgestalt: Als "performance" ist der Audi RS 6 Avant stimmiger

Seit seinem Debüt verzückt der Audi RS 6 Avant die Fans, zur Konkurrenz fehlt allerdings eine Nuance. Nun legt Audi mit dem RS 6 performance nach. Erster Test!
Bild: Lena Willgalis
Der fließheckige RS 7 Sportback hat sich schon im Supertest geschlagen, nun fühlen wir dem Avant mit der Baureihenbezeichnung RS 6 auf den Zahn. Eines müssen wir jedoch im Vorhinein klarstellen: Auch wenn die Bilder dieses Tests auf dem Sachsenring entstanden sind, eine Rundenzeit hat uns das winterliche Wetter verhagelt. Die Strecke war schlicht zu rutschig für aussagekräftige Runden.
Das macht aber gar nichts, denn wir haben ja die Zeiten aus dem Supertest. Die lassen sich freilich nicht 1:1 übertragen, aber einen grundsätzlichen Anhaltspunkt geben sie dennoch. Zumal wir reichlich historisches Zeitenwerk in unserem umfangreichen Archiv zu bieten haben: 2020 schrieb der RS 6 Avant ohne Performance-Paket mit 1:36,38 Min. an.
Ein – zugegeben weniger performant ausstaffierter – RS 7 Sportback zeitete zwei Jahre später mit 1:37,04 Min. Die Supertest-Zeit des RS 7 performance? 1:34,89 Min.; über zwei Sekunden schneller als ohne "performance"-Paket.
Der Audi RS 6 Avant performance wiegt 2,13 Tonnen
Unserem heutigen Test-RS-6 halten wir zugute, dass er ähnlich sportlich ausgestattet ist wie das jüngste Supertest-Auto – und dabei gemessene 42 Kilogramm schwerer. Bei einem Caterham würde das vielleicht einen signifikanten Unterschied ausmachen, hier reden wir aber von 2094 zu 2136 Kilogramm.
Ein Tropfen auf den sprichwörtlichen heißen Stein, zumal die Gewichtsverteilung exakt identisch ist. 44 Prozent drücken auf die Hinterachse, 56 Prozent – bedingt durch den mächtigen Biturbo-V8 – auf die Vorderräder. Allein deshalb sortieren wir den RS 6 Avant performance auf Augenhöhe mit seinem technischen Bruder ein. Viel werden sie sich nicht geben – pessimistisch gerechnet tarieren wir eine hohe 34er.

Wer das unten abgeflachte Lenkrad nicht mag: Für 190 Euro gibt es ein rundes Pendant.
Bild: Lena Willgalis
Werten können wir das natürlich nicht, sehr wohl aber die längsdynamischen Messwerte, denn auf unserem Flugplatz in Rothenburg war es trocken: 3,3 Sekunden von null auf hundert sowie 11,5 Sekunden auf 200 spuckt unser Messgerät aus. Damit verliert der Kombi auf den Sportback eine bzw. zwei Zehntel. Die 100er-Werksangabe von 3,4 Sekunden reißen beide Testwagen spielerisch und reproduzierbar.
Performance-Kombi liefert sportliche Werte
Für die Elastizitätsmessungen passt die Spreizung der Achtstufenautomatik besonders in den Fahrstufen vier bis sechs hervorragend, darüber sacken die Drehzahlen exponentiell ab, was dem Vierliter-Biturbo mehr und mehr Mühe abverlangt, den nötigen Drehmoment-Druck aufzubauen.

Vier Liter Hubraum, zwei Turbos im V – Audis potente Allzweckwaffe.
Bild: Lena Willgalis
Die Bremsleistung zeigt sich ebenfalls konstant: Sowohl RS 7 als auch RS 6 performance hatten beide den gleichen Conti Sport-Contact 7 in A0-Kennung aufgeschnallt. Der Kaltbremswert ist folgerichtig mit 31,8 zu 32,0 Metern nahezu identisch, auch der Bremsweg aus 200 km/h unterscheidet sich nur um 1,1 Meter – aus diesem Tempo wahrlich marginal.
Beim Warmbremsweg vermuten wir hingegen einen positiven Ausrutscher beim RS 7 Sportback, denn an dessen 29,2 Meter kann der RS 6 Avant mit 30,2 Metern nicht heranschnuppern. Zudem passt dessen Verzögerungsleistung mit 12,8 m/s2 besser zu den restlichen Messwerten.
Unzuverlässige Verkehrsschild-Erkennung
Zurück vom Messflugplatz ist uns auf der A6 in Richtung Nürnberg noch etwas aufgefallen: Die Verkehrszeichenerkennung inklusive Adaptivtempomat. Selten haben wir eine Schildererkennung beobachtet, die so unzuverlässig funktioniert wie in diesem Testwagen. Einmal erkannte der RS 6 auf einer Strecke mit 120-km/h-Beschränkung plötzlich Tempo 30 und bremste uns rabiat ab.
Zum Glück war niemand hinter uns, ansonsten wäre derjenige uns mit hoher Wahrscheinlichkeit hintendrauf gefahren. Denn wer erwartet schon auf quasi leerer Autobahn vom Vordermann eine Vollbremsung? Hier muss Audi noch mal in die Analyse, denn das war nur der rabiateste Fall – bei Weitem nicht der einzige.

Feines V8-Trompeten entweicht der 1400 Euro teuren Sportabgasanlage.
Bild: Lena Willgalis
Nach einigen Hundert Kilometern gehen die inneren Warnmeldungen an: Die Verkehrszeichenerkennung meldet ein Tempolimit; erst mal skeptisch bleiben, prinzipiell von einem Fehler ausgehen und verstärkt auf physische Schilder achten. Nicht schön bei einem 150.000-Euro-Auto – zumal dieser Fauxpas den Adaptivtempomaten aus der Verlosung nimmt. Der ist schließlich mit dem System gekoppelt. Lässt man das außen vor, ist der RS 6 performance ein traumhaftes Langstreckenauto mit immensem Dynamik-Potenzial.
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