Es gibt schlechtere Eltern: Der Audi RS e-tron GT performance ist eigentlich nichts anders als ein Porsche Taycan Turbo S mit vier Ringen. Und die guten Gene aus Neckarsulm und Zuffenhausen verleihen dem Elektrosportler so viel Sexappeal, dass man mit einem RS e-tron GT auf offener Straße angesprochen wird.
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Die Reaktionen auf unseren Testwagen reichten von "schöne Farbe" bis hin zu "endlich mal wieder ein Audi, der richtig gut aussieht". Natürlich liegt das auch an den markanten Designelementen wie dem optionalen abgedunkelten Carbondach oder den in Carbon Camouflage ausgeführten Einlegern im Stoßfänger, in den Türleisten, Teilen des Diffusors oder an den Außenspiegeln. In Kombination mit der neuen Außenfarbe Bedfordgrün kann das etwas martialisch wirken, entspricht aber den Leistungsparametern.

Der Auftritt passt zu den Leistungsdaten

In der Kombination schwillt dem Tester dann die Brust, denn auch der ist nicht gern in einem Auto unterwegs, das wegen seiner Optik Spott und Häme auf sich zieht. Wie gesagt, beim Audi ist das nicht der Fall. Hinzu kommt, dass das doppelte Flottchen mit den gleichen sportlichen Parametern wie der Porsche aufwartet.
Audi RS e-tron GT performance
Sorgt für Aufsehen: Der Audi RS e-tron GT gefällt nicht nur mit seiner gelungenen Optik, er hat es auch faustdick unterm Blech.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Zwei permanenterregte Synchronmotoren, je einer an Vorder- und Hinterachse, sorgen für 925 PS und 1027 Nm maximales Drehmoment. Verteilt an alle vier Antriebsräder beschleunigen sie den mit 2,4 Tonnen ordentlich bepackten Sportstromer mittels Launch Control in 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Brachialer Schub presst Fahrer und Co in die Sitze

Bei einem derartigen Anschub ist es ratsam, das mitreisende Publikum zu bitten, sich kurz in den Sitzen zu straffen, andernfalls sorgt die Physik für einen harten Aufschlag des Hauptes an der Kopfstütze. So ansatzlos der Bolide aus dem Stand nach vorn geht – der Schaltvorgang des zweistufigen Getriebes bei ca. 80 km/h bleibt völlig unbemerkt –, so überzeugend sind auch seine Sprintwerte beim Überholen. Wer will, der kann die rote Boost-Taste am Lenkrad bemühen, um dem Schub noch mehr Biss zu verpassen.
Audi RS e-tron GT performance
2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h drücken die Passagiere in die Sitze – und können für spontanen Kontakt mit den Kopfstützen sorgen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Ratsam ist es, das Lenkrad in diesen Momenten immer schön fest in beiden Händen zu halten, denn der Grip und der Zug sind enorm. Angegeben mit (abgeregelten) 250 km/h, schafft der Strom-Bolide nach unseren Messungen Tempo 247 – obgleich der Tacho flotte 263 km/h anzeigt. Was uns auch gleich zum Verbrauch kommen lässt.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart 
Synchronelektromotoren 
Einbaulage 
je ein Motor vorn und hinten 
Spitzenleistung (bei Launch Control) 
680 kW (925 PS) 
Dauerleistung 
163 kW (222 PS) 
maximales Drehmoment 
1027 Nm 
Vmax
250 km/h 
Getriebe 
Zweiganggetriebe 
Antrieb 
Allradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben (v./h. 420/410 mm) 
Testwagenbereifung 
265/35-305/30 R 21 Y 
Reifentyp 
Pirelli P Zero NF1 
Radgröße 
9,5-11 x 21" 
Reichweite* 
565 km 
Verbrauch* 
19,7 kWh/100 km 
Batteriekapazität brutto/netto 
105/97 kWh 
Ladeleistung AC/DC 
11 (22**)/320 kW 
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) 
18 Minuten 
Ladeanschluss 
vorn links und rechts 
Fach unter Frontklappe 
S/77 l 
Vorbeifahrgeräusch 
68 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
–/– 
Stützlast 
– 
Kofferraumvolumen 
350 l + 77 l vorn 
Länge/Breite/Höhe 
4997/1964–2158***/1369 mm 
Radstand 
2900 mm 
Grundpreis
160.500 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
183.340 Euro
Kombiniert nach WLTP verspricht Audi 19,7 kWh/100 km und 592 Kilometer Reichweite. Auf unserer Drittelmix-Strecke ermittelten wir einen Testverbrauch von 27,6 kWh, was am Ende eine Reichweite von 389 Kilometern ermöglicht. Wer die sportlichen Potenziale ausreizt, der wird nicht unter 35,4 kWh kommen.
Audi RS e-tron GT performance
Die versprochenen 592 Kilometer WLTP-Reichweite schafft der Audi nicht: Nach unserer Verbrauchsrunde ergeben sich 389 km.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Noch ein anderes Thema sind Langstreckenfahrten auf der Autobahn. Selbst wenn der Fahrer es nicht darauf anlegt, launig im Verkehr mitschwimmt und ab und an zum Überholen kräftig antritt, werden es kaum mehr als 300 Kilometer sein, die aus der 97 kWh (netto) fassenden Batterie rauszuholen sind.

Das Laden geht nicht immer schnell

Tröstlich: Der GT lädt mit bis zu 320 kW. Vorkonditioniert und an der richtigen Ladesäule braucht es also kaum mehr als 18 Minuten, um von 10 auf 80 Prozent zu kommen. Wer allerdings mit einem Ladestand von 69 Prozent an eine 150er-Säule fährt, um sich für die Langstrecke vorzubereiten, dem fällt die Kinnlade runter, denn jetzt werden bei 8,5 Grad Celsius Außentemperatur drei Stunden und 13 Minuten veranschlagt, bis der Akku voll ist. Insofern ist es besser, die Batterie richtig runterzuputzen, um am Schnelllader nicht mehr als 20 Minuten zu verbringen.
Audi RS e-tron GT performance
Am Schnelllader "tankt" der Audi in schlanken 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Bei nur 150 kW Ladestrom sollte man aber Zeit mitbringen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Und wie schon angemahnt, das mit dem freudvollen Entladen beim Fahren ist gar kein Problem. Gerade auf kurvenreichen Landstraßen kann das Potenzial des fahrstabilen Strom-Boliden erprobt werden. Bei bester Traktion unterstützt die Hinterachslenkung an entscheidenden Stellen, macht die Fünf- Meter-Flunder extrem handlich.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
1,2 s 
0–100 km/h 
2,5 s 
0–130 km/h 
3,7 s 
0–160 km/h
5,2 s
0–180 km/h
6,4 s
0–200 km/h
7,9 s
0–230 km/h
10,8 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
1,1 s 
80–120 km/h 
1,4 s 
Leergewicht/Zuladung 
2360/500 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
49/51 % 
Wendekreis links/rechts 
11,2/11,3 m 
Sitzhöhe 
505 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
34,4 m 
aus 100 km/h warm 
34,1 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
57 dB(A) 
bei 100 km/h 
63 dB(A) 
bei 130/160 km/h 
67 dB(A)
bei 160 km/h
71 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch 
19,2 kWh/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
27,6 kWh/100 km
(+40 %)
Sportverbrauch 
35,4 kWh/100 km 
CO2 (lokal) 
0 g/km 
Reichweite 
389 km 
Durch Kurven sticht der RS e-tron GT performance dank seines optionalen radselektiven Aktivfahrwerks für zusätzlich 7000 Euro nahezu ohne jede Wankbewegung. Es fühlt sich an, als würde man den Wagen auf einer Drehscheibe um die Kehre bewegen. Da die Dämpfung mit einer Zweikammer-Zweiventil-Technik einhergeht, wird das fahrdynamische Vermögen nicht mit Komforteinbußen erkauft – das Aktivfahrwerk lässt eine große Spreizung zwischen Komfort und Agilität zu.
Audi RS e-tron GT performance
Elektrischer Dynamiker: Der 2360 Kilo schwere RS e-tron GT zeigt sich dank Aktivfahrwerk (7000 Euro) bemerkenswert kuvenwillig.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Über die bekannten Fahrprofile Efficiency, Comfort und Dynamic lässt sich aber auch insgesamt der Charakter des GT beeinflussen. Zusätzlich werden zwei individuell konfigurierbare RS-Modi geboten, die Antrieb, Fahrwerk, Fahrwerkshöhe und Sound über die rechte der zwei roten Bedientasten am Lenkrad nach den persönlichen Vorlieben beeinflussen. Zudem ändern sich die Kennfelder der Antriebsschlupfregelung, das Torque Vectoring, das Feder-Dämpfer-Setup. Selbst die Aerodynamik und die Kühlstrategie werden angepasst.
Natürlich ist der RS e-tron GT performance in erster Linie ein stromernder Sportwagen. Das beweist auch der etwas beschwerliche Einstieg durch die schmalen Türausschnitte in die tief ins Auto integrierten Sportsitze. Hat man sich in die aber erst mal reingeschraubt, erweisen sie sich als bemerkenswert bequem und kolossal kurventauglich.

Wertung Audi RS e-tron GT performance

Wertung Audi RS e-tron GT performance
Karosserie
Form vor Funktion, bindet Fahrer stark ein, 500 kg Zuladung, toller Qualitätseindruck, unübersichtlich.
3 / 5
Antrieb
Fantastische Fahrleistungen, lässt jeden Verbrenner stehen, lädt mit bis zu 320 kW.
5 / 5
Fahrdynamik
Beste Traktion und Fahrstabilität, Hinterachslenkung, sehr agil, kaum Seitenneigung in Kurven.
5 / 5
Connected Car
Bekannter Standard, kein neues Bediensystem, ChatGPT kann kaum Fahrzeugfunktionen steuern.
4 / 5
Umwelt
Breit, lang, schwer, hohes Außengeräusch, lokal bis auf Reifen-/Bremsabrieb emissionsfrei.
3,5 / 5
Komfort
Enger Ein-/Ausstieg, gute Sportsitze, Fahrwerk mit großer Spreizung, künstlicher Motorsound nervt.
4 / 5
Kosten
Astronomischer Preis, teure Extras, hohe Kasko, nur zwei Jahre Garantie, alle zwei Jahre Wartung.
1 / 5
AUTO BILD-Testnote
2-
Allerdings ist eben auch zu bemerken, dass der Sportlichkeit und dem durchaus futuristischen Design die Funktionalität untergeordnet wurde. Was die Platzverhältnisse sowohl vorn als auch hinten betrifft, befinden sich die Reisenden eher in der Mittel- als in der Oberklasse. Das Gepäckabteil bietet lediglich 350 Liter Stauraum, schluckt aber bei umgelegter Rückbanklehne und einer planen Ladefläche auch sieben Kästen Bier.

Viel Fahrspaß zu einem hohen Preis

Anders als der Audi Q6 e-tron hat der GT noch das alte Multimedia. Das ist bewährt, bietet ein hauseigenes Navi mit Satellitenkarte, das sich auch als Vollbild ins Fahrerdisplay beamen lässt. Die Sprachnavigation ist nach wie vor begriffsstutzig, da hilft es auch nicht, dass sie unterdessen mit ChatGPT in der Cloud verbandelt ist.
Audi RS e-tron GT performance
Für den RS e-tron GT verlangt Audi mindestens 160.500 Euro. Mit allen relevanten Extras kostete unser Testwagen 183.340 Euro.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Bleibt am Ende noch der Preis. Klar, der GT performance verschafft einen Mordsspaß, der mit mindestens 160.500 Euro aber auch mehr als teuer erkauft werden will. Da wäre es hilfreich, wenn die Eltern neben guten Genen auch etwas Geld vererben.

Bildergalerie

Audi RS e-tron GT performance
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Audi RS e-tron GT im Test
Der Audi RS e-tron GT performance ist ein sehr potentes Auto mit besten Fahreigenschaften, kann sowohl den Dynamiker geben als auch den entspannten Cruiser. Er glänzt zudem mit toller Verarbeitung und guten Materialien, ist am Ende aber einfach ein verdammt teurer Spaß. AUTO BILD-Testnote: 2-