Aus den Überresten zweier ausrangierter Projekte hat Audi sein bislang innovativstes Auto entwickelt – den Rennwagen für die Rallye Dakar. Ein 2-Liter-Vierzylinder-Turbomotor aus der DTM lädt die Batterien für die zwei Formel-E-Motoren (Systemleistung 329 PS) auf, die den Dakar-Boliden antreiben.
Der soll 2023 zum zweiten Mal in die Wüste geschickt werden. Auch im weiterentwickelten Audi RS Q e-tron E2 bleibt das Antriebskonzept unangetastet. Nur die Karosserie hat Audi komplett überarbeitet: Sie verjüngt sich nach vorne und hinten und ähnelt so einem Bootskörper. Resultat: 15 Prozent weniger Luftwiderstand. „Der verbesserte Luftfluss sollte den Energiebedarf des elektrisch angetriebenen Autos weiter verringern“, sagt Designer Axel Löffler. Heißt: weniger Benzin für den Verbrenner, weil die Batterien nicht so viel Saft für den E-Motor liefern müssen. Die Höchstgeschwindigkeit ist gedeckelt – auf 170 km/h.
Gewicht sparen war indes das Hauptziel beim neuen Wüstenblitz von Audi. Denn der Vorgänger brachte 200 Kilogramm zu viel auf die Waage. „Trotzdem sind sie schneller als unsere Autos“, klagte Ex-Formel-1-Teamchef Dave Richards (70) im Januar 2022. Sein Prodrive-Team setzt eigene Autos (BRX Hunter) ein, unter anderem für Rallye-Rekordweltmeister Sébastien Loeb (48). „Die FIA muss da was tun, sonst macht Audi den Sport kaputt, weil sie alles dominieren.“
Gewicht sparen war indes das Hauptziel beim neuen Wüstenblitz von Audi.

Die neue Ausbaustufe wird die Konkurrenz noch mehr zittern lassen. Audi kam bei der Premiere 2022 zwar nicht über Gesamtplatz neun durch Mattias Ekström (44) hinaus, aber das lag an technischen Kinderkrankheiten. Der Speed war immer da – wie vier Siege, 14 Podestplätze und vor allem die Meinung von Dakar-Rekordsieger Stéphane Peterhansel (57) belegen: „Ich habe in den Dünen noch nie ein so gutes Auto gefahren. Es passt perfekt zu meinem Fahrstil.“
Audi hat die Erfahrung von fast 24000 Dakar-Kilometern ins neue Fahrzeug eingearbeitet. Und nun auch das erste Mal ausführlich in Marokko getestet.
„Nicht nur das Gewicht, auch seine Verteilung ist jetzt günstiger“, berichtet Carlos Sainz. „Dadurch driftet das Auto weniger, es fühlt sich agiler an und es ist leichter zu kontrollieren.“ Ein Eindruck, den Stéphane Peterhansel bestätigt: „Wenn wir durch lange, schnelle Kurven fahren, wirken weniger Fliehkräfte. Es ist also viel einfacher, auf der Innenseite der Kurve zu bleiben. Ebenso ist unsere Sitzposition besser als vorher.“
Mattias Ekström, der nach seiner erfolgreichen Karriere auf der Rundstrecke und im Rallycross noch immer ein Neuling im Offroad-Rallyesport ist, betont: „Bei der Abstimmung helfen uns die Erfahrungen von Carlos und Stéphane enorm. Es geht nicht wie auf Asphaltkursen um Rundenzeiten, sondern darum, ein berechenbares Auto zu haben. Neben dem niedrigeren Gewicht ist auch die verbesserte Aerodynamik deutlich spürbar. Sie wirkt sich vor allem bei höheren Geschwindigkeiten positiv aus.“
Insgesamt hat Audi Sport in Marokko 4.218 Kilometer absolviert. Zusammen mit den vorherigen Testfahrten in Europa ergibt sich daraus bereits eine Gesamtdistanz von 6.424 Kilometern für den Audi RS Q e-tron E2. Zeit für eine Pause bleibt der Mannschaft allerdings nicht: Vom 1. Bis 6. Oktober erlebt die zweite Baustufe des Rallye-Prototyps ihre Feuertaufe. Mattias Ekström/Emil Bergkvist, Stéphane Peterhansel/Edouard Boulanger und Carlos Sainz/Lucas Cruz bestreiten dann die Rallye Marokko im Südwesten des Landes. Sie gilt mit ihrem vielfältigen Terrain als ideale Veranstaltung zur Vorbereitung auf die Rallye Dakar.
Dann, spätestens aber 2024, plant auch Ford ein Werksprojekt. Ein Ford Ranger Pick-up wird gerade in Südafrika entwickelt und vom langjährigen Ford-Rallye-WM-Team M-Sport eingesetzt. Der Motor ist ein überarbeiteter, 402 PS starker 3,6-Liter-Biturbo aus dem alten Ford GTE Le Mans. Die Wüste lebt.

Von

ABMS
Michael Zeitler