Fragen Sie doch mal einen Ihrer Stammtischbrüder nach dem Audi S1. Jede Wette, dass er sofort leuchtende Augen bekommt, ungefragt einen dieser YouTube-Clips hervorgoogelt, in dem eine Feuer speiende Rallye-Bestie durch finnische Wälder pflügt, um schließlich verklärt gen Himmel zu blicken und zu seufzen, dass er in Frieden ruhen möge. Aufwachen! Denn jetzt, 30 Jahre nachdem der S1 seine einzige WM-Rallye gewinnt, ist er zurück. Nicht leibhaftig zwar, sondern wiedergeboren im Körper eines Kleinwagens. Blasphemie, wird Ihr Kumpel schimpfen, sobald er wieder bei sich ist. Und auf den ersten Blick hat er damit vielleicht recht. Dass der S1 dennoch nicht gekreuzigt gehört, liegt daran, dass er sich wie sein Namensvetter aus den 80ern nichts um Markenkonventionen schert: Damals ist er der schillernde Sportstar inmitten einer biederen Audi-Familie, heute zwischen lauter aalglatten Typen der einzig wirklich lässige.
Kaufberatung: Sportliche Kleinwagen bis 36.000 Euro.

Quirliger Corsa, bulliger Polo oder beides im S1?

Audi S1
Am Limit langer Kurven kann der knallgelbe S1 schon mal ins Untersteuern tunken.
Audi S1 Der S1 versteht sich dabei als 20.000 Euro günstigere, 25 PS schwächere, ziviler gekleidete und damit sozialverträglichere Fassung des A1 quattro aus 2012. Wie seine kaum mildere Konkurrenz schmückt ihn nun auch noch ein großer Name. So neu wie der S1 tut, ist er jedoch nicht. Denn eigentlich hat es ihn vor zwei Jahren schon einmal gegeben – mit absurdem Preis, Stückzahllimit und als A1 quattro, was den Autor damals zu der These hinriss, dass sich Audi ja niemals trauen würde, den S1 auf einem Kleinwagen zu entweihen. Irren ist … – Sie wissen schon.
VW Polo R WRC
Der Polo-Motor haut auf seine alten Tage noch mal so richtig einen raus.
VW Polo R WRC Im Gegensatz zu Audi schlägt VW die Brücke in den Rallyesport ganz bewusst. Das Sondermodell versteht sich als Merchandising-Gag anlässlich des letztjährigen WRC-Triumphs, ist trotz der weitaus simpleren Technik knappe 4000 Euro teurer, dafür aber auch – so steht es im Pressetext – strengstens limitiert. Doch obwohl einem 2500 Rallye-Polos im Vergleich zu den 333 Exemplaren des A1 quattro wie eine Epidemie vorkommen, ist die VW-eigene Flotte permanent damit verplant, geladene WRC-Gäste zu bespaßen. Dass er hier trotzdem mitmischt, verdanken wir dem Inhaber von BTS-Racing, der seiner Freundin kurzerhand den Privat-WRC abzwackte.
Opel Corsa OPC Nürburgring Edition
Der Nürburgring-Corsa definiert sich primär über seine gesperrte Vorderachse.
Opel Corsa OPC Nürburgring Edition Der Corsa hingegen dürfte froh sein, dass mal wieder jemand nach ihm fragt. Sieben Jahre gibt es den Corsa OPC bereits, 2011 folgte die Nürburgring Edition, die sich vielleicht nicht mehr überall taufrisch anfühlt, aber – sorry, das muss jetzt mal raus – der letzte richtig scharfe Opel ist. Klar ist der Saugrohreinspritzer mit maximal 280 Newtonmeter zu schwachbrüstig, um dem Zweiliter-Duo davonzumuskeln; klar sind die Monochrom-Displays, die wirre Klimabedienung und die spröden Kunststoffe nicht mehr der letzte Schrei; und klar erscheinen die 28.265 Euro auf den ersten Blick ein bisschen übertrieben, wenn man für 1700 mehr einen moderneren, stärkeren, wertstabileren und dazu allradgetriebenen S1 bekommt. Aber wissen Sie was, es braucht genau eine Kurve, und Ihnen ist all so was auf einmal schnurzpiepegal.

Fazit

von

Stefan Helmreich
Der S1 kombiniert Kleinformat mit Allrad traktion, Vmax-Stabilität und Fünf-Sterne-Qualität. Zusammengefasst: kurz und gut! In Kurven fetzt der hagerer motorisierte Corsa mehr, ab 100 drückt der teure Polo vehementer; da sich der Audi aber weder im täglichen Leben, noch im Preis-Leistungs-Verhältnis Schwächen erlaubt, gewinnt er dennoch am Ende klar.

Von

Stefan Helmreich