Audi S3 gegen VW Golf R: Vergleichstest
S3 gegen Golf R: technische Zwillinge im Vergleich

Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Das Jahr 2024 geizte ja nicht gerade mit Ereignissen. Zu den rundum erfreulichen Neuigkeiten kann man das Facelift zweier Kompakthelden zählen, die fast gleichzeitig mit frischem Design und neuer Technik auf der Bildfläche erschienen: Die Kompaktikone VW Golf und ihr gewohnt etwas edler auftretender Bruder, der Audi A3, wurden optisch und technisch fit gemacht.
Natürlich gilt das auch für die sportlichen Ausprägungen der beiden Allrounder: den Audi S3, bislang ein eher entspannter, wenngleich fähiger Sportler; und den Golf R, der leistungsmäßig die Krone der Golf-Familie trägt und in Ansätzen schon eher den wilden Hund geben darf.
Gemein ist den beiden Kompaktsportlern Audi S3 und Golf R der Haldex-Allradantrieb, der für eine sehr gute Traktion sorgte, aber fahrdynamisch eher etwas frontlastig ausgelegt war. Zu frontlastig, könnte man sagen, zumindest beim bisherigen Ingolstädter. Damit ist jetzt Schluss: In der aktuellen Generation setzt der Audi S3 genauso auf einen Torque Splitter an der Hinterachse, wie ihn auch der letzte Golf R schon hatte. Das System verteilt die Kraft zwischen den beiden Hinterrädern. Der Effekt ist primär eine hecklastigere Kraftverteilung, die wiederum ein agileres Fahrverhalten ermöglicht.

Frisch gemacht: Sowohl VW Golf als auch Audi A3 wurden gerade erneuert, auch die Sportmodelle S3 und Golf R.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Obwohl beide Autos technisch auf ähnliche Lösungen setzen, geht der Golf R (Performance Paket, serienmäßig beim Black Edition, optional beim R) einen Schritt weiter: Mit den Fahrprofilen "Special" und "Drift" erweitert er seine vorkonfigurierten Fähigkeiten um ein Drift-Programm und ein speziell auf die Nürburgring-Nordschleife abgestimmtes, etwas weicheres Fahrwerks-Set-up. Beides kann der S3 nicht vorweisen. Sein Sondermodus nennt sich "dynamic plus".
Audi S3 ein abgeklärter Sportler
Heißt: Es wird möglichst viel Antriebsmoment auf die Hinterachse geschoben, der Torque Splitter teilt es dann hauptsächlich dem kurvenäußeren Hinterrad zu, was ein tendenziell übersteuernden Fahrverhalten bewirkt. Dennoch, der S3 ist in diesem Duo eher der abgeklärte Sportler: fähig, aber etwas zurückhaltender. Und bislang galt auch: Er ist der edlere, feinere der beiden, der sich optisch etwas weniger aufplustert.
Was aber auch ein wenig am unschuldigen "Gletscherweiß metallic" liegt, in dem der Audi S3 antritt. Denn natürlich wurden beide in ihrer aktuellen Ausprägung durch vergleichbare Eingriffe sportlicher gestylt. Im Fall des Audi S3 wurde der Singleframe-Grill flacher und breiter, Front- und Heckpartie präsentieren sich optisch dynamischer.

S3-Cockpit mit griffigem Multifunktions-Sportlenkrad, mit neuen, verchromten Paddels und neuem Getriebehebel.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Das gilt ebenso für den Golf R, der mit neu gestalteten Stoßfängern, neuer LED-Querspange und leuchtendem R-Logo auftritt. In der getesteten Black Edition sorgt zudem ein Dachkantenspoiler am Heck für mehr Abtrieb. Beide waren zudem mit der vierflutigen, optionalen Abgasanlage von Akrapovic ausgestattet.
Einen von mehreren Ausstattungsvorteilen sichert sich der Golf beim Licht: Die Matrix-LED-Scheinwerfer vorn und hinten gehören bei der Black Edition zum Serienumfang, beim S3 sind dafür 700 Euro fällig.
VW Golf R mit mehr Topspeed
Ähnlichkeiten gibt es auch beim Antrieb: Beide setzen auf den Zweiliter-Turbo-Vierzylinder, der hier wie da identische Leistungswerte produziert: 333 PS liegen zwischen 5600 und 6500 Touren an, das maximale Drehmoment von 420 Nm generieren S3 und R bei 2100-5500 Umdrehungen pro Minute. Das sorgt freilich für sehr ähnliche Fahrleistungen: Während der Audi S3 in 4,7 Sekunden auf Tempo 100 km/h spurtet, schafft der Golf R das in 4,6 Sekunden.
Und auch in der Höchstgeschwindigkeit hat der Golf die Nase vorn, denn mit serienmäßigem Performance-Paket rennt die in "Grenadillschwarz metallic" (810 Euro) lackierte Black Edition bis zu 270 km/h.
Auf dem Weg dahin setzen beide auf eine drehzahlerhaltende Vorspannung des Turboladers, beide können die Startdrehzahl für kurze Zeit erhöhen, und auch die Schaltvorgänge wurden optimiert – durch deren Verkürzung oder die Erhöhung der Schaltdrehzahlen.
Bei einer ersten Ausfahrt überzeugen beide Kompaktsportler mit kräftigem Antritt, der zwischen 3500/min und Höchstdrehzahl noch mal zulegt, und flotten Schaltvorgängen, unterstützt von einer ansprechend sportlichen Klangkulisse aus den vier Akrapovic-Endrohren, die erstaunlicherweise im mutmaßlich distinguierteren Audi etwas rotziger klingen, was möglicherweise daran liegt, dass man ein wenig vom Fünfzylinder-Timbre des großen Bruders RS 3 untergemischt hat. Der Golf R klingt nicht unbedingt besser, aber ehrlicher und wirklich kernig genug.

Golf-R-Cockpit mit optionalem Carbondekor, neuem Infotainment und Performance-Paket (Black Edition).
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Die Innenräume der beiden präsentieren sich sportiv und mit den hier wie dort (optionalen) schwelgenden Applikationen ähnlich edel. In puncto Bedienung fährt der S3 wegen der suboptimalen – wenn auch jetzt beleuchteten – Slider im Golf einen Vorteil ein.
Beide arbeiten mit sehr gut austarierten Lenkungen
Auf kurvigen Landstraßen geben sich beide keine Blöße, wobei der Golf R auch hier wieder einen Ausstattungsvorteil vermeldet: Das adaptive Fahrwerk ist ebenso serienmäßig wie die 19-Zöller, die man beim S3 extra bezahlen muss. Beide arbeiten mit sehr gut austarierten Lenkungen, beide beherrschen Komfort und fühlen sich dank tieferlegender Sportfahrwerke auch bei der engagierten Kurvenhatz sehr wohl.

Dachspoiler, Diffusor-Landschaft mit vier dicken Endrohren: Die Verwandtschaft ist schon ziemlich eng.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Dass wir keine Messwerte und Rundenzeiten ermitteln konnten, liegt an den Ängsten von Audi, Teile des S3 könnten überhitzen. Deswegen muss unser Fahrvergleich mit einer reinen Spaßwertung anhand von ein paar Runden auf dem Handlingkurs des Dekra-Testovals enden. Nach Einschätzung von Testfahrer Guido Naumann dürften sich die beiden auf der Rennstrecke nicht viel nehmen, zumal sie auf ultraweichen, optionalen Semislicks unterwegs waren.
FAHRZEUGDATEN | Audi S3 | VW Golf R |
|---|---|---|
Motorbauart | R4 | R4 |
Aufladung | Turbo | Turbo |
kW (PS) b. 1/min | 245 (333) /5600-6500 | 245 (333) /5600-6500 |
Literleistung | 168 PS/l | 168 PS/l |
Nm b. 1/min | 420 / 2100-5500 | 420 /2100-5500 |
Getriebe | 7-Gang-Doppelkupplung | 7-Gang-Doppelkupplung |
Antriebsart | Allrad | Allrad |
Maße L / B / H | 4352 / 1816 / 1415 mm | 4296 / 1789 / 1454 mm |
Tank- / Kofferraumvolumen | 55 / 325-1145 l | 55 / 341-1197 l |
Normverbrauch • CO2** | 8,7 l/100 km • 198 g/km | 8,4 l/100 km • 190 g/km |
Leergewicht | 1610 kg | 1548 kg |
0-100 km/h | 4,7 s | 4,6 s |
Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h | 270 km/h |
Grundpreis | 55.600 € | 54.950 € |
Testwagenpreis | 63.250 € | 65.325 € |
Das war früher einmal ganz anders, da lag der Audi einige Sekunden und nicht nur ein paar Zehntel hinter dem Golf. Da der Golf R einen Driftmode besitzt, lassen wir Guido zum Abschluss noch ein paar übermütige Striche ziehen. Sein Fazit: "Der Golf R ist einfacher querzufahren und lässt sich dabei gut dirigieren."
Doch auch der ohne expliziten Driftmodus, aber ebenso mit Torque Splitter antretende S3 kann quer. Und: Endlich kann der S3 auch Fahrspaß. Die Vorderachse beißt richtig gut, der Antrieb ist perfekt, selbst schalten macht richtig Laune. Und weil der Golf so teuer geworden ist, herrschen damit also ziemlich klare Verhältnisse.
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