Drei Liter, verteilt auf sechs Zylinder, sind derzeit das Maß der Dinge in der sportlichen Mittelklasse. Uneinigkeit herrscht allerdings noch hinsichtlich des Aufladungsprinzips: Audi nutzt beim flammneuen S4 einen Turbolader, Mercedes-AMG beim ebenfalls noch taufrischen C 43 deren zwei, Jaguar vertraut beim Topmodell des seit gut anderthalb Jahren produzierten XE hingegen auf einen Kompressor nach Roots-Bauart. Per Riemen angetrieben, hat dieser den Vorteil eines praktisch verzögerungsfreien Ansprechverhaltens.
Die Maschine des Jaguar XE S gibt sich drehfreudig
Spontaner Beschleuniger: Der Kompressor-V6 im Bug des XE S reagiert am schnellsten auf Gaspedalbefehle.
Bild: Ronald Sassen
Und tatsächlich reagiert der V6-Motor des Jaguar XE S in diesem Vergleich am direktesten auf Gaspedalbewegungen, baut sein Drehmoment linear auf und ist überdies sehr drehfreudig. Ein wirklich sportlicher Motor, dessen fröhlich singender Verdichter auch den Ohren viel Vergnügen bereitet. Seine gleichmäßige Kraftentfaltung und das damit einhergehend erst bei 4500 Umdrehungen anliegende Maximaldrehmoment lässt ihn im alltagsrelevanten Durchzugsvermögen allerdings ein wenig hinter die Mitbewerber zurückfallen. Der Jaguar ist alles andere als durchzugsschwach, doch die Turbo-Kraftmeier von Audi und Mercedes-AMG packen hier noch entschlossener an, kennen ein Turboloch nur aus Erzählungen. Dies überrascht insbesondere beim Audi, da er sich mit nur einem, entsprechend groß dimensionierten Lader begnügt, der zumindest in der Theorie träger auf Touren kommen müsste als die beiden Turbinchen des Mercedes-AMG.
Knackiger Benz: Schon im Comfort-Modus ist der C 43 straff abgestimmt – und er lässt sich weiter schärfen.
Bild: Ronald Sassen
Sein wirklich sportliches Fahrverhalten erkauft sich der XE S nicht mit einem brettharten Fahrwerk, vielmehr spricht es fein an und federt komfortabel – ein Beweis dafür, dass sich Komfort und Dynamik bei einem Straßenauto nicht ausschließen müssen. Deutlich straffer ist der Mercedes-AMG abgestimmt. Schon auf den ersten Metern im Fahrprogramm Comfort fühlt er sich sehnig, ausdefiniert, verbindlich an. Wenngleich die Neunstufen-Wandlerautomatik noch im Schlummermodus verweilt und im Dienste eines möglichst niedrigen Verbrauchs früh hoch- und nur widerwillig zurückschaltet. Das Ganze erinnert an ein Ferngespräch: Die stattliche Motorleistung ist zwar vorhanden, aber irgendwie weit weg. In den Fahrmodi Sport und Sport Plus ist die Automatik dann jedoch hellwach; auch Motor, Lenkung und Fahrwerk werden bissiger. Die Lenkung selbst agiert mit vorbildlicher Präzision, direkter Übersetzung und guter Rückmeldung.Der Biturbo-V6 geht subjektiv am mächtigsten vorwärts, wenngleich er den zurückhaltend klingenden Ingolstädter objektiv nicht wirklich abschütteln kann. Dennoch rechtfertigen die Fahrleistungen den AMG-Schriftzug am Heck allemal. Der rauchige Auspuffton, garniert mit leckerem Ballern beim Zurückschalten, tut ein Übriges, um den C 43 spontan zum sportlichsten Teilnehmer dieses Vergleichstests zu bestimmen.
Der Audi S4 empfiehlt sich als sportliche Fahrmaschine
Zügig ums Eck: Mit der optionalen Dynamiklenkung wechselt der Audi S4 ultrazackig die Fahrtrichtung.
Bild: Ronald Sassen
Die Mischbereifung, die der AMG auch in der serienmäßigen 18-Zoll-Besohlung fährt, scheint hier fehl am Platz, rundum gleich breite Reifen könnten das Eigenlenkverhalten sicherlich deutlich neutraler gestalten. So handhabt es Audi: Der Testwagen rollt auf vier identischen Hankooks in maßvollen 18 Zoll, dafür aber 245 Millimeter breit. Im Vergleich zu den großen 19-Zöllern der Mitbewerber wirkt das auf den ersten Blick zwar etwas schüchtern, funktioniert dafür aber bestens. Dank des hecklastigen Allrads (60:40) und des aktiven Sportdifferenzials in der Hinterachse (1350 Euro Aufpreis) kennt der S4 kein Untersteuern, biegt mit der extrem direkt übersetzten Dynamiklenkung (1000 Euro) ultrazackig ab, verkeilt sich im Asphalt, zieht neutral bis hauchzart übersteuernd durch. Dabei ist er sauschnell und dank des Allrads zudem extrem fahrstabil – auch und gerade auf nassen Straßen, die es hierzulande ja häufiger gibt. Mag das Fahrverhalten des Jaguar im Grenzbereich spektakulärer sein, schneller und gleichzeitig fahrsicherer ist der Audi. Und natürlich auch auf Schnee ist der Ingolstädter, wie der Mercedes, besser gewappnet als der heckgetriebene Jaguar.
Mit seiner exzellenten Fahrdynamik geht der S4 aber keineswegs hausieren: Hinter seiner vergleichsweise unspektakulären Front könnte auch ein 1.4 TFSI sitzen, und von der Seite betrachtet ist es einfach ein A4. Der Laie erkennt lediglich an den vier Endrohren sowie dem kleinen Heckspoiler das derzeitige Topmodell. Dicke Funken springen beim Betrachten des technokratisch-kühlen S4 jedenfalls nicht über, vielleicht hebt sich Audi das ganz große Feuerwerk ja für den RS 4 auf.
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Mit optionalem Sportdifferenzial fährt der Audi S4 seinen Mitbewerbern um die Ohren, ganz lässig und unaufgeregt, immer handzahm und voll alltagskompatibel. Der heckgetriebene Jaguar stellt höhere fahrerische Ansprüche und gefällt mit seiner feinen Lenkung und dem perfekt abgestimmten Fahrwerk. Der Mercedes-AMG lebt von seinem starken Motor, wird aber vom untersteuernden Eigenlenkverhalten etwas eingebremst.