Audi S6 Sportback e-tron: Test
S6 Sportback e-tron im Test: Hat dieser Audi den Bogen raus?

Der elektrische Audi S6 Sportback e-tron kurvt zwischen klassischem Auftritt und futuristischen Funktionen. Was leistet seine Technik im Alltag wirklich?
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Von A wie Autobahn bis Z wie Zuglast: Wer in der Vergangenheit sein Auto ein großes Auto nennen wollte, das praktische wie sportliche Ansprüche gleichermaßen befriedigte, war beim Audi A6 immer bestens aufgehoben.
Stets mit an Bord: der hohe Anspruch, den sowohl die typische Kundschaft als auch die Audianer selbst an Qualitätsanmutung und Technik stellten. Ein Anspruch, an dem sich auch der erste vollelektrische A6 in seiner stärksten Version messen lassen muss. Liefert er ab?
Große Heckklappe sorgt für Alltagsnutzen
Audi bietet seinen elektrisierten Zögling in zwei Karosserievarianten an. Als praktischen, 1650 Euro teureren Avant – oder, so wie hier zu sehen, als Limousine. Die allerdings kommt nicht mit klassischem Stufenheck, sondern mit extragroßer Heckklappe, was ihr den Beinamen Sportback beschert. Grundsätzlich eine clevere Idee: Wer fast 4,93 Meter Auto durch die Gegend fährt, darf erwarten, auch ein oder zwei Fahrräder problemlos transportieren zu können.

Transporter: In den gut nutzbaren Kofferraum des knapp 4,93 Meter langen S6 Sportback e-tron passen zwischen 502 und 1330 Liter.
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Mit 502 bis 1330 Liter Kofferraum gelingt das mühelos. Die Rückbank klappt nahezu flach um, das obligatorische Billy-Regal lässt sich so einfach durchschieben, verkantet nirgends. Dennoch entscheiden sich in Deutschland rund zwei Drittel für den Avant, sagt Audi. In dieser Hinsicht ähneln sich Elektro-A6 und Verbrenner-A6 also stark.
Großer Akku kostet Platz in Reihe zwei
In anderer Hinsicht aber nicht. Der Grund, warum wir hier so auf den Begriffen Verbrenner-A6 und Elektro-A6 herumreiten, ist, dass es sich bei beiden im Grunde genommen um völlig unterschiedliche Autos handelt. Die gemeinsam mit Porsche entwickelte PPE-Plattform der E-Version ("Premium Platform Electric") soll mittels 800-Volt-Bordnetz für erheblich verkürzte Ladezeiten sorgen, zudem die bislang größten Akkus im Konzern möglich machen. Konkret speichert der S6 100 Kilowattstunden brutto oder 94,9 kWh netto in seinem Akku, befüllt selbigen wieder von 10 auf 80 Prozent in 21 Minuten (maximal 270 kW).

Der hohe Fahrzeugboden macht es großen Menschen unmöglich, wirklich bequem zu sitzen. Für Knie und Kopf reicht der Platz aber aus.
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Den im Ergebnis bauchigen Unterboden haben die Audi-Designer mit breiten Seitenschwellern zwar gekonnt kaschiert. Spätestens die Fondpassagiere bekommen in Form des hohen Fahrzeugbodens aber zu spüren, dass die Ingenieure hier nah an der Kapazitätsgrenze der eigenen Plattform operieren mussten. Auch vorn würden sportlich orientierte Fahrer gern tiefer nach unten in die – übrigens sehr bequemen und vielfältig verstellbaren – Sportsitze sinken.
Fahrzeugdaten
Modell | Audi S6 Sportback e-tron |
|---|---|
Motor Bauart | Asynchron-/Synchron-E-Motor |
Einbaulage | je ein Motor vorn und hinten |
Spitzenleistung gesamt | 405 kW (551 PS) |
Dauerleistung | 138 kW (188 PS) |
maximales Drehmoment | 275/580 Nm (vorn/hinten) |
Vmax | 240 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsscheiben vorn/hinten | 400/350 mm |
Testwagenbereifung | 245/40-275/35 R 21 Y |
Reifentyp | Michelin Pilot Sport EV |
Radgröße | 8,5-9,5 x 21" |
Reichweite* | 653 km |
Verbrauch* | 16,3 kWh/100 km |
Batteriekapazität brutto/netto | 100/94,9 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 11/270 kW |
Ladezeit (10–80 %, DC-Ladung) | 21 Minuten |
Ladeanschluss | hinten rechts und links |
Fach unter Frontklappe | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2100/750 kg |
Stützlast | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 502–1330 l + 27 l vorn |
Länge/Breite/Höhe | 4928/1923–2137**/1465 mm |
Radstand | 2951 mm |
Grundpreis | 99.500 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 109.930 Euro |
Das hoch montierte Armaturenbrett macht dieses Defizit weniger spürbar, dadurch leidet aber wiederum die Übersichtlichkeit. Wer vorn rausguckt, sieht die Haube kaum und kann das Auto schwer abschätzen. Rundum-Kameras? Pflicht.
Fahrleistungen auf Sportwagen-Niveau
Mit den Kompromissen im Karosseriekapitel erkauft sich der S6 tatsächlich eine sehr ordentliche Reichweite. 418 Kilometer und 25,4 Kilowattstunden Testverbrauch (+56 Prozent zur WLTP-Angabe) klingen zwar erst einmal unspektakulär. Allerdings musste der S6 die Verbrauchsrunde bei knackigen fünf Grad Celsius absolvieren. Die ähnlich motorisierte Konkurrenz von Mercedes und BMW zeigte sich in der Vergangenheit durstiger.

Elektro-Punch: Mit seinen 551 PS Spitzenleistung stürmt der S6 Sportback e-tron in 3,9 Sekunden auf Tempo 100. Vmax: 240 km/h.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Seine beeindruckenden Fahrleistungen (3,9 Sekunden auf Tempo 100) realisiert der S6 mittels markentypischem Allradantrieb und 551 PS kombinierter Leistung von beiden Motoren. Die Synchronmaschine hinten mobilisiert allein bereits 580 Newtonmeter. Dass sie sehr effizient läuft, bestätigt der Bordcomputer. Geschwindigkeiten von 130 km/h laut Tacho lassen sich mit Verbräuchen von unter 23 Kilowattstunden absolvieren.
Messwerte
Modell | Audi S6 Sportback e-tron |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 1,8 s |
0–100 km/h | 3,9 s |
0–130 km/h | 5,9 s |
0–160 km/h | 8,5 s |
0–200 km/h | 13,9 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 1,7 s |
80–120 km/h | 2,2 s |
Leergewicht/Zuladung | 2378/492 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 49/51 % |
Wendekreis links/rechts | 12,3/12,3 m |
Sitzhöhe | 570 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | wetterbedingt nicht messbar |
aus 100 km/h warm | wetterbedingt nicht messbar |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 53 dB(A) |
bei 100 km/h | 62 dB(A) |
bei 130 km/h | 66 dB(A) |
bei 160 km/h | 70 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 18,1 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 25,4 kWh/100 km (+56 %) |
Sportverbrauch | 30,7 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 418 km |
Die Asynchronmaschine vorn schaltet intelligent zu, falls sie benötigt wird, ergänzt weitere 275 Newtonmeter. So zieht der S6 bei Bedarf bis zu 2,1 Tonnen, transportiert mit 100 Kilogramm Stützlast problemlos auch drei oder sogar vier E-Bikes auf einem Fahrradträger und läuft bis zu 240 km/h Spitze.

Flüsterleise: Wind- und Antriebsgeräusche dringen nur schwach in den Innenraum. Bei 130 km/h haben wir schlanke 66 dB(A) gemessen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Auch bei Akustik und Assistenz gibt sich der Audi keine Blöße. Sowohl Wind- als auch Antriebsgeräusche wurden äußerst sorgfältig weggedämmt. Die automatische Spurmittenführung, die zusammen mit dem Fahrassistent Plus (Tech-Pro-Paket, 4200 Euro) Einzug hält, bugsiert den S6 souverän selbst durch enge Landstraßenkurven, in denen links eine Spurmarkierung fehlt. Äußerst respektabel, wie geschliffen auch der adaptive Abstandshalter funktioniert. Auf der Langstrecke entlastet das den Fahrer effektiv.
Wertung Audi S6 Sportback e-tron
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Große Limo mit großer Klappe und großem Akku. Hinten sitzen heißt Kompromisse machen. | 3,5 / 5 |
Antrieb | Stark, trotzdem recht sparsam, kann schnell laden und kommt recht weit. Leise E-Motoren. | 4,5 / 5 |
Fahrdynamik | Für 2,4 Tonnen agil, Lenkung präzise, gute Traktion. Bremsen konnten wir leider nicht messen. | 4,5 / 5 |
Connected Car | Beantwortet Wissensfragen mit KI, hat eigene App. Schade: keine Satellitenkarte im Kombiinstrument. | 4,5 / 5 |
Umwelt | Mit teilweise recycelten Stoffen, niedrigen Außengeräuschen und E-Antrieb tut der S6, was er kann. | 4 / 5 |
Komfort | Innen geht es sehr leise zu, die Bedienung erfordert teilweise Gewöhnung. Luftfahrwerk top. | 4 / 5 |
Kosten | Der S6 ist teuer, immerhin hält sich der Wertverlust in Grenzen. Leider nur zwei Jahre Garantie. | 2 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,6 |
Dass der S6 seine Potenz keineswegs zur Schau stellt, ist einerseits sympathisch. Er verkneift sich übertriebene Fahrwerkshärte, selbst im Sportmodus filtert seine Luftfederung kleine Huckel und Kanten noch effektiv heraus.
Innenraumqualität dürfte besser sein
Dass der S6 mit Ausnahme des Hecks kein einziges fest verbautes S6-Logo vorweisen kann, ist aber doch etwas schade. Auf Einstiegsleisten und Vordersitzen prangt lediglich noch ein "S". Hier hat Audi im Zuge einer Gleichteilestrategie offenbar S6-spezifische Teile eingespart. Auch die Schürzen gleichen denen des normalen S-line-Modells.

Über den ganzen Innenraum verteilen sich Hartplastik und grobe Fugen. Angesichts des hohen Preises ist das eher unpassend.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Unpassend muten die vielen, über den gesamten Innenraum verteilten groben Fugen im groben Hartplastik an. Auch Details wie die auffällig platzierten Blindschalter nahe der vorderen Türöffner lassen Liebe zum Detail vermissen. Hier dürfte Audi gern wieder mehr Audi sein – und mehr in sicht- und fühlbare Qualität investieren, zumal der S6 Sportback e-tron fast.100.000 Euro kostet. In der Basis.
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