Der Kniff war einfach und erfolgreich: Man nehme die Käfer-Bodengruppe samt Heckmotor, stülpe eine flotte 2+2-Karosserie drauf – schon wird der biedere VW zum schneidigen Sportwagen mit Italo-Charme. Das war 1955 so populär, dass der Karmann-Ghia Kultstatus erreichte und fast 20 Jahre lang gebaut wurde. 1998 griff Audi die magische Idee auf: Simsalabim, per Tarnkappen-Trick verwandeln Designer den VW Golf in einen Audi TT. Aus der Wolfsburg-Limousine wird ein dynamischer Zweitürer. Heute läuft bereits die zweite Generation vom Band. In zwölf Jahren wurden 418.000 Exemplare des Volks-Sportlers im ungarischen Györ produziert – natürlich auf Golf-Plattform.

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Der Karosserie-Kniff ist so erfolgreich, dass er nun in Frankreich Nachahmer findet. Peugeot injiziert seinem Kompaktmodell 308 eine kräftige Dosis Sportwagen- Gene und – voilà! – heraus kommt der RCZ. Außen ein scharfes Coupé, darunter ein Volumentyp mit günstiger Großserientechnik. Wie einst beim Karmann-Ghia erzielen TT und RCZ die gewünschte Wirkung: Schnell sehen sie aus, rassig, wie echte Granaten, die es mit einem Porsche aufnehmen könnten. Beide sind aber lange nicht so teuer und damit Volks-Sportwagen im besten Sinne. Klar, der Peugeot weist große Ähnlichkeit mit dem Audi auf. Wer im RCZ aber nur eine TT-Kopie sieht, wird ihm nicht gerecht. Das Coupé zeigt mit lang gezogenen Scheinwerfern, auffälligen Querspangen im Bug sowie den silbern abgesetzten Dachholmen eine eigene Linie. Es ist zehn Zentimeter länger als der eher zierliche Audi, wirkt gestreckter und geräumiger. Und dann dieser üppige Hüftschwung: Der sieht nun wirklich so aus, als habe ihn Peugeot direkt beim Karmann-Ghia abgeguckt. So einen barocken Po sieht man an modernen Autos selten.

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Audi TT
Der Sportler dieses Vergleichs: Im Audi TT ist man schneller unterwegs.
Anders als beim TT öffnet sich beim RCZ die Heckscheibe nicht zusammen mit dem Kofferraumdeckel. Darunter verbirgt sich ein 321 Liter großer Kofferraum (Audi: 292), der sich durch Umklappen der einteiligen Rücksitzlehne auf 639 Liter erweitern lässt (Audi: zweiteilig, 700). Beide Autos sind 2+2-Sitzer, die im Fond nur Kindern Platz bieten. Größer sind die Unterschiede beim Antrieb. Im RCZ 1.6 200 THP sitzt der gemeinsam mit BMW entwickelte Turbo-Vierzylinder, der auch im Mini zum Einsatz kommt. Um dessen sportlichen Charakter zu betonen, hat Peugeot einen sogenannten Sound-Generator vom Zylinderkopf an die Spritzwand verlegt. Effekt: Bei höheren Drehzahlen röhrt der RCZ ausgesprochen kernig. In 7,6 Sekunden spurtet er auf Tempo 100; ausgedreht liegen im sechsten Gang 235 km/h an. Keine aktuellen Porsche-Werte, aber nicht schlecht, oder?
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Noch mehr Sport gibt’s bei Audi. Der TT 2.0 TFSI wird vom Motor des Golf GTI befeuert. Die Null-auf-100- km/h-Werksangabe verfehlt er zwar um eine halbe Sekunde, sprintet aber eine Sekunde besser als der Peugeot. Auch bei der Spitze liegt er vorn: 245 km/h. Der TT strebt indes nicht nur schneller dem Horizont entgegen, sondern erledigt seine Sache auch spürbar kultivierter. Kein Wunder: Dank des größeren Hubraums erreicht der aufgeladene Zweilitermotor mehr Drehmoment. Dadurch lässt er sich schaltfauler fahren, zieht besser durch und verbraucht auch noch weniger. Einzig die TT-Lenkung fühlt sich für schnelle Manöver zu weich an. Auch beim Fahrwerk arbeitet sich der Peugeot vergeblich am Audi ab. Der mit elektronisch geregelten Dämpfern (1230 Euro) ausgerüstete TT federt exzellent, bewältigt Straßen aller Art entspannt. Beim Druck auf die Sporttaste strafft er sein Fahrwerk, wird kurvengieriger und flitzt mit erhöhter Konzentration um die Ecken – ganz großer Fahrspaß.

An der Kasse schlägt der Peugeot RCZ den Audi TT deutlich

Peugeot macht Fahrspaß bezahlbar: Der RCZ ist 5000 Euro billiger als der TT.
Peugeot macht Fahrspaß bezahlbar: Der RCZ ist 5000 Euro billiger als der TT.
Den bietet auch der RCZ. Aber nur bei scharfer Fahrweise. Die gemütliche Tour über schlechte Straßen beherrscht er weniger. Wen wundert’s? Seine 19-Zoll- Räder (500 Euro) sind zwei Nummern größer als die des TT, beeinträchtigen den Komfort erheblich. Mit französischer Sanftheit hat dieser Peugeot nichts mehr am Blech. Auch der Rest wirkt eher teutonisch: präzise Schaltung, direkte Lenkung, sportlicher Habitus. Einzig das Interieur mit großen Sitzen, vielen Knöpfen und abgeflachtem Armaturenträger wagt etwas gallische Extravaganz. Dennoch: Der Peugeot ist eine Bereicherung der Sportwagen-Szene. Lange nicht mehr traf ein Peugeot emotional so tief ins Herz. Obwohl nur zweiter Sieger, erfüllt er die Sehnsüchte nach einem bezahlbaren Sportmodell mit guten Fahrleistungen besser als der Audi. Denn auch das bleibt festzuhalten: Der RCZ ist 5000 Euro günstiger als der TT. Dass er sich den Klassiker Karmann-Ghia zum Vorbild nimmt, nehmen wir ihm nicht krumm. Besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht. Mehr zum Thema Peugeot RCZ Tuning.

Fazit

Zuverlässige und preisgünstige Großserientechnik, verpackt in einem Sportcoupé – das fühlt sich gut an. Schließlich fährt man was Besonderes, verliert dabei aber nicht die Vernunft aus den Augen. Der neue RCZ folgt dem Kostengedanken konsequent und ist damit dem Karmann Ghia noch näher als der teure TT. Wer es sich leisten kann, kauft mit dem herrlich motorisierten und qualitativ perfekten Audi aber das eindeutig bessere Auto.