Bieber oder Springsteen – das ist wohl immer eindeutig. Kaum vorstellbar, dass jemand ein Konzert von Justin durchsteht und gleichzeitig die gesammelten Werke vom "Boss" daheim im Regal aufreiht. Ganz ähnlich ist es auch mit den beiden Typen hier im Test. Entweder du bist ein Fan des Audi TT, kreischst bereits beim Anblick des geschniegelten Flachmanns und kannst die Tophits des RS-Fünfzylinders im Schlaf mitsummen. Oder du stehst auf erdige Corvette-Mucke und wippst lieber zum Takt eines kernigen Achtzylinders, bewunderst den Muskel-Look eines echten Kerls.

Die Corvette sorgt mit ihrem Motor für Begeisterung

Chevrolet Corvette
Big Block: Unter der Haube der Corvette arbeitet ein 6,2-Liter-V8 mit 466 PS und 680 Nm Drehmoment.

Bild: Toni Bader
In Sachen Musikgeschmack wollen wir uns gar nicht erst einmischen – jeder nach seiner Fasson. Was wir aber können: Wir nennen Ihnen den besseren Sportwagen. Laut kann er ja, der neue Audi TT RS. Sein Fünfzylinder grollt, grummelt und sprotzelt wie ein ganz Großer. Darf er auch, schließlich hat er in seiner neuesten Auflage 400 PS unter der knappen Haube. Das freut besonders die Fangemeinde – sprintet der RS doch in unter vier Sekunden auf Tempo 100, auf Wunsch rennt er bis zu 280 Sachen schnell. So etwas lässt das Publikum enthemmt kreischen. Die Corvette ist auch so ein Kaliber. Als Stingray 466 PS stark, tönt der US-Flachmann aus acht perfekt gestimmten Zylindern. Sechs Komma zwo Liter Hubraum! Das klingt, das schwingt, das lässt sofort mitwippen.
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Beim TT RS liegt zuviel Fahrzeuggewicht vorne

Audi TT RS
Balanceproblem: Der Fünfzylinder im Bug drängt die Vorderachse nach außen – das stresst die Reifen.
Bild: Toni Bader
Ab auf den Handlingparcours des Contidroms bei Hannover – unsere Hausrennstrecke. Der TT RS hat hier besonders gute Karten. Volles Beschleunigen aus einer engen Kehre heraus – da hilft ihm sein variabler Allradantrieb. Zwei lange Geraden mit Spitzentempo über 200 km/h, hier kann das schnelle Doppelkupplungsgetriebe die Gänge nach Herzenslust durchpeitschen. Eine extrem schnelle und lang gezogene Linkskurve – in diesem Abschnitt darf sich sein straffes Fahrwerk erfolgreich gegen die Fliehkräfte stemmen. Allerdings schleppt der RS fast 1,5 Tonnen Gewicht auf die Bühne, das meiste davon macht sich über der Vorderachse breit. So fühlt sich der Wagen unausgewogen an, mit aller Kraft müssen sich die Vorderreifen gegen die nach außen drängende Masse stemmen. Das schaffen die nicht lange. Nach wenigen Runden geraten sie ins Schwitzen, das außen verstärkt sich.
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Das Lenkgefühl ist diffus, so ahnt der Fahrer dann nicht einmal den Bereich, in dem das Auto in lähmendes Untersteuern übergeht. Auch schade: Gelegentlich verhaspelt sich das Getriebe (im Sport-Automodus), der Motor rast in den Begrenzer, das DSG schaltet widerwillig. Trotz Keramik-Bremsanlage fehlt Pedalgefühl, bei starken Verzögerungen kommt Unruhe ins Heck. Fehlerfrei dagegen: der TFSI. Wuchtig – wenn auch mit minimaler Atempause – packt er zu, dreht willig, hat den echten "alten" Fünfzylinder- Blues.

Am Ende lässt der Ami dem Deutschen keine Chance

Audi TT RS Corvette Stingray
Ungleiches Rennen: Die Corvette Stingray ist auf dem Handlingkurs deutlich schneller als der TT RS.
Bild: Toni Bader
Gegen das Hubraum-Monster der Corvette wirkt er dennoch wie ein sedierter Sängerknabe. Der V8 kennt keine Gnade. Bisschen Gas? Mächtig Vortrieb! Egal in welchem Gang. Das mechanische Siebenganggetriebe braucht zwar starke Kommandos aus dem Handgelenk, bietet dafür aber genauso viel sinnliches Erlebnis wie der ganze Apparat. Überhaupt: Das Spiel aus Vibration, Klang, Direktheit in der Aufhängung sowie Rückmeldung aus Lenkung und Bremse verleiht der Corvette das Prädikat erste Rampensau. Dann ist da noch das stabile Fahrverhalten. Extrem griffig an der Vorderachse, bissig pressend von hinten, saubere Balance beim Einlenken, neutral-weich an der Haftgrenze und stark beim Bremsen – so gehen Sportwagen. Am Ende ist der Stingray 1,4 Sekunden schneller als der TT. Der Boss auf der AUTO BILD-Bühne heißt also Bruce, äh, Corvette.

Fazit

Schnell ist ein Audi TT RS (wenn auch nicht über die Distanz), jeder Anfänger kann damit drauflossprinten, und sein starker Fünfzylindermotor hat etwas ganz Besonderes. Aaaber: Eine Corvette Stingray ist eine Sportwagen-Offenbarung, ein sinnliches Großereignis. Egal, ob am Limit auf der Rennstrecke oder im Spaziertempo auf der Land-straße bewegt. Außerdem ist sie das viel schnellere Auto. Verbrauch? Ja, aua! Aber wer fragt an dieser Stelle denn nach so was ...?