AUTO BILD bei der Müllabfuhr
Eine enge Kiste

Falschparker, enge Straßen, genervte Autofahrer. Die Route durch Hamburg-Eimsbüttel gilt als eine der härtesten Touren Deutschlands. Claudius Maintz probiert einen Beruf aus, der vielen von uns stinkt: Müllmann.
- Claudius Maintz
Parfüm. Der ganze Müllraum duftet nach Dolce&Gabbana, und die Quelle des guten Geruchs stöckelt die Treppe rauf. Auf dem Weg ins Büro hat die junge Frau ein Mülltütchen in die Tonne tropfen lassen. Doch schon bald erobert der alte Gammelmief die Lufthoheit zurück – aus der Frauentraum. "Mach die Kralle, dann hast du es leichter. Und beeil dich!", brüllt Erik Siersleben. Der 44-jährige Müllmann steht im engen Keller des Jugendstilhauses in Hamburg-Eimsbüttel. Draußen, auf dem regennassen Kopfsteinpflaster, rotiert die Trommel des Müllwagens, hinter dem 280 PS starken Mercedes-Lkw schwillt die Blechlawine an. Ein Taxifahrer verliert die Geduld und fährt einfach über den Bürgersteig. Die Uhr tickt. Innerhalb der nächsten Stunden müssen die vier Männer rund elf Tonnen Unrat einsammeln. Für einen Tag helfe ich ihnen – auf einer der härtesten Müllrouten Deutschlands, quer durch den dicht besiedelten und zugeparkten Hamburger Stadtteil Eimsbüttel.
"Du musst deine Augen überall haben"

Bild: Frank Stange
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Bild: Frank Stange
45 Minuten später liftet Thorsten Clemens schon wieder schwere Tonnen hydraulisch in die Höhe. Mit viel Gefühl bewegt er den Bedienhebel hin und her. "Erst wenn es dumpf klingt, ist nichts mehr drin", sagt er. Es regnet Bindfäden, Clemens tun die Gelenke weh: "So einen Tag könnte ich streichen", schimpft der gelernte Maurer. Das Monatsgehalt für die Maloche: Je nach Dienstjahren zwischen 1700 und rund 4800 Euro. Vorhin hat Clemens eine lebende Ratte mitentsorgt. Das Tier fährt nun in der Mülltrommel Karussell. Kollege Daniel Dieck hatte sogar mal einen entlaufenen Stachelschwanzwaran gefunden und die Echse solange zu Hause betreut, bis der Besitzer sich meldete. "Wir bekommen eine ganze Menge mit", sagt Edmund Kelber. Weinflaschen verraten eine Party, Tapetenrollen deuten auf neue Mieter hin. Es gilt der Satz: Zeige mir deinen Müll, und ich sage dir, wer du bist.
Schleuderkurs für Müllkutscher

Bild: Alfred Harder
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