AUTO BILD bei UPS
Die Lümmel aus der zweiten Reihe

Jeder freut sich über ein Paket – und ärgert sich, wenn der Kurierfahrer die rechte Spur zuparkt. AUTO BILD hat festgestellt: Oft geht es nicht anders. Claudius Maintz probiert bei UPS den Beruf als Kurierfahrer aus.
- Claudius Maintz
Morgens um neun ist die Welt des Kurierfahrers voller Rätsel. Ein Paket raschelt, ein anderes klötert, das dritte ist lang wie ein Alphorn. Was da wohl drin ist? Neugier packt mich, ich will es wissen. Für einen Tag bin ich in die dunkelbraune Verpackung eines Boten vom United Parcel Service (UPS) geschlüpft, gehe zusammen mit Fahrer Harold Williams auf Tour. Mehr als 200 Pakete liegen hinter uns im Laderaum, vor uns 85 Stopps im Düsseldorfer Stadtteil Derendorf. Der aus North Carolina (USA) stammende Williams startet den Motor seines Iveco, rollt vom Gelände des Verteilzentrums im Industriegebiet. Schwere Sattelzüge haben hier über Nacht Post aus aller Welt abgeladen. In meiner gebügelten UPS-Uniform fühle ich mich wie eines der Päckchen hinter mir – eingeschnürt. Hosengröße 32? Die hatte ich als Abiturient mal, jetzt aber bin ich 16 Jahre älter und zwei Nummern weiter – oder besser: breiter.
Die Routen ändern sich kaum, jeder Fahrer hat seine feste Tour

Bild: Aleksander Perkovic
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Bild: Aleksander Perkovic
Williams rangiert auf dem kleinen Parkplatz eines Gewerbehofs. Vor dem Rückwärtsfahren hupt er – wieder so eine UPS-Regel. Sabine Lamann hat den Kurier schon erwartet. "Bald ist Messe. Hier sind Zeichnungen drin", sagt die Inhaberin einer Modefirma und nimmt den Umschlag in Empfang. Selbst die Riesenröhren haben etwas mit der Modemesse zu tun. Drin sind keine Alphörner, sondern zusammengerollte Werbeposter. Und in dem Raschelpaket von heute Morgen schlummern verführerische Dessous. Das klöternde Paket entpuppt sich als Gesellschaftsspiel – ein Präsent. Auch für Harold Williams war mal ein Geschenk dabei. Während der Arbeit traf der Kurierfahrer auf die Liebe seines Lebens. Er hatte ihr immer die Post gebracht – vier Jahre lang. In ein paar Monaten ist die Hochzeit.
Nicht alle Zusteller sind zufrieden, ein Kurier packt aus
Bastian B. war ein Jahr bei UPS. "Jeden Tag musste ich 30 Minuten früher da sein, um meine Pakete zu sortieren – ohne Bezahlung. Mein Wagen verlor ständig Öl, mein Vor gesetzter hat nichts dagegen getan. Beim Bremsen habe ich öfter mal ins Leere getreten. Eine Woche lang bin ich mit gebrochener Blattfeder gefahren. Urlaub zu nehmen war fast unmöglich. Als ich mal krank war, muss te ich nach meiner Rückkehr unterschreiben, dass meine Kollegen wegen meines Fehlens deutlich mehr arbeiten mussten. Es war eine mit 1800 Euro netto gut bezahlte Stelle, aber immer noch ein Sklavenjob." Ein UPS-Sprecher: "Ein Einzelfall. Man kann es nicht jedem recht machen."
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