AUTO BILD: Die Shanghai Auto Show gewinnt immer mehr an Bedeutung. Wie wichtig ist China für die deutschen Autobauer? Wissmann: Enorm wichtig. Heute produzieren die deutschen Pkw-Hersteller in China mehr Autos als in der gesamten EU außerhalb Deutschlands. Unser Marktanteil liegt bei 22 Prozent. Und seit dem Jahr 2000 hat sich der Anteil Chinas an den gesamten Pkw-Exporten der deutschen Hersteller versiebenfacht. Das zeigt die enorme Dynamik. Rechnen Sie weiterhin mit Wachstumsraten von 25 Prozent pro Jahr wie bisher? Wann kommt der Knick? Nein, ich rechne eher mit plus sechs Prozent im Gesamtjahr 2013. Es steckt aber auch weiterhin noch großes Potenzial im chinesischen Markt.

Alle Stars der Shanghai Auto Show 2013

BMW in China
Deutsche Premium-Hersteller wie BMW haben in China einen Marktanteil von 80 Prozent – und wollen diesen auch in Zukunft halten.
Bild: dpa
In China kommen nur 37 Autos auf 1000 Einwohner, in Westeuropa sind es 525. Wie weit wird die Mobilitätswelle in China gehen? Längerfristig wird sich die Zahl der Autos sicher auf 100 pro 1000 Chinesen verdreifachen. Das Straßennetz wächst rasant: Allein 2012 sind 12.300 Autobahnkilometer neu gebaut worden, so viele gibt es in Deutschland insgesamt. China hat heute fast 100.000 Autobahnkilometer, mehr als die USA. Besonders im Premiumsegment sind die Deutschen in China stark. Welches Ziel verfolgen Sie für die nächsten Jahre? Wir haben hier einen Marktanteil von 80 Prozent. Den wollen wir halten.
Ärgern Sie die vielen Kopien deutscher Autos in China? Die Chinesen müssen ein eigenes Interesse daran haben, das Kopieren einzustellen. Denn sie melden mittlerweile mehr Patente an als wir Europäer, und sie wollen für ihre Ideen ja auch einen Kopierschutz haben.  Manche sehen schon Anzeichen für eine Banken-und Immobilienkrise in China. Kann das für die Deutschen angesichts der vielen neuen Autofabriken nicht sehr gefährlich werden? Wir sind global aufgestellt und halten eine gute Balance zwischen den vier großen Weltmarkt-Regionen Europa, Asien mit China sowie Nord- und Südamerika. Irgendwann kommt Afrika als fünfte Region dazu. Wenn die Nachfrage in einer Region einbricht, wie derzeit in Europa, können wir das mit den anderen Märkten ausgleichen.
Das Interview führte AUTO BILD-Chefredakteur Bernd Wieland.