Handschaltung Porsche

Automatik oder Handschaltung: Trend und Hintergrund

Handarbeit kommt aus der Mode

Handschaltungen sind, von sportlichen Ausnahmen abgesehen, fast nur noch bei günstigen Einstiegsmodellen zu bekommen. Der Trend wird sich fortsetzen!
Wer sein Traumfahrzeug konfigurieren möchte, dem fällt auf, dass in Sachen manueller Schaltung heutzutage nicht mehr viel zu holen ist: Handschaltungen sind sowohl bei Premiumherstellern als auch bei den Volumenmarken allenfalls noch mit den günstigen Einstiegsmodellen zu bekommen. Längst vergessen das Vorurteil, automatisierte Getriebe seien unsportlich, träge und trieben den Verbrauch in die Höhe. Im Gegenteil: Eine gute Getriebeautomatik oder ein Doppelkupplungsgetriebe reduziert oftmals den Spritdurst des Autos.

Die manuelle Schaltung verschwindet sukzessive

Getriebe auf dem Vormarsch: Auch Kleinwagen sind heute selbstverständlich mit Automatik zu haben.

Während es vor 20 Jahren nicht einmal 20 Prozent waren, liegt der Anteil der Fahrzeuge mit Automatikgetriebe bei den Neuzulassungen in Deutschland mittlerweile bei rund 50 Prozent. Bei Fahrzeugen ab der Mittelklasse sind es sogar mehr als 70 Prozent – Tendenz stark steigend. In den USA liegt der Automatikanteil bei gigantischen 95 Prozent und in Japan sind es immerhin mehr als 90 Prozent. In China ist der Trend zu Fahrzeugen mit Automatik ebenfalls stark steigend. In den vergangenen Jahren erhöhte sich der Anteil von 35 auf knapp 50 Prozent. Darüber freuen sich nicht nur die Autohersteller, die die Automatikversionen für rund 1500 bis 2300 Euro Aufpreis verkaufen, sondern auch die Zulieferer, bei denen die komplizierten Räderwerke entwickelt werden. Hersteller wie ZF, Getrag, Aisin, Jatco oder Borg Warner sind in den vergangenen Jahren zu wahren Hightechfirmen geworden, da ihre Getriebe intelligent mit Verbrennungs- sowie Elektromotoren und Achsen verbunden werden müssen.

Stufenlose Getriebe hierzulande eher unbeliebt

Das nervt: Bei einem CVT-Getriebe wie im Prius klagen viele Fahrer über die heulende Geräuschkulisse.

Mit den Anforderungen von Autobauern und Kunden stieg dabei über die Jahre auch die Anzahl der Gänge. Mussten die ersten Getriebeautomaten mit drei Fahrstufen auskommen, ist heute unterhalb von sechs bis sieben Gängen nichts mehr zu machen. Hersteller wie Ford oder Toyota bieten seit Jahren sogar zehnstufige Automatikgetriebe an, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Das gilt in Europa ebenso wie in den USA oder in Asien. Anders sieht das bei den stufenlosen CVT-Getrieben aus, die unter anderem in Hybridmodellen von japanischen oder koreanischen Herstellern wie Toyota, Honda oder Kia verbaut werden. Diese stufenlosen Automaten sind gnadenlos auf günstigen Verbrauch getrimmt und nehmen den Motoren jeglichen Esprit. Stört in Los Angeles und Tokio kaum jemanden – in Europa aber werden die Getriebe gerade von ambitionierten Fahrern zumeist geächtet. In den USA oder Asien, neben Europa die beiden anderen Hauptmärkte, sind Handschaltungen die absolute Ausnahme. Wer dort einen Wagen mit Handschaltung adäquat bewegen kann, rühmt sich als versierter Fahrer. Und das hat Auswirkungen aufs Modellprogramm: Gerade erst hat BMW offiziell bestätigt, dass für den kommenden BMW M3/M4 eigens wieder eine Handschaltung entwickelt wird – in den USA wollen sich die Fahrer eines Sportmodells eben gerne ein besonders sportliches Image geben. So gab es in den USA selbst den BMW M6 (600 PS, V8-Doppelturbo) mit einer Sechsgang-Handschaltung.

Viele Sportwagen-Ikonen schalten automatisch

Porsche setzt beim 911 auf automatisches Schalten. Ein manuelles Getriebe gibt es nur für den US-Markt.

Wer wirklich sportlich auf Rundstrecken unterwegs ist, der weiß, dass eine Handschaltung in Sachen Sportlichkeit ausgemachter Blödsinn ist. Schließlich hat man im Motorsport mit ganz anderen Sachen zu tun, muss sich mit Gegnern oder Strecke beschäftigen. Wer Bestzeiten fahren will, macht das mit einem sequenziellen Getriebe (das abseits von einem kurzen Intermezzo in den frühen 2000er-Jahren bei Straßenfahrzeugen keine Rolle mehr spielt) oder mit einem Doppelkupplungsgetriebe. Autofahrer, die gerne mit ihrer Handschaltung fahren, wollen sich einen Teil automobiler Vergangenheit zurückholen. So überrascht es nicht, dass sich Sportwagen wie Porsche 911, Ford Mustang oder annähernd jedes Ferrari-Modell besonders als Handschalter auf dem Gebrauchtwagenmarkt großer Beliebtheit erfreuen und zumeist mehr Geld wert sind als die automatisierten Brudermodelle.

Hybrid- und E-Autos? Automatik!

Automatik im BMW 7er: Bei Luxuslimousinen und großen SUVs ist manuelles Schalten out.

Bei den Neuwagen hingegen kommt den Autoherstellern der Komforttrend gerade recht. Sie sind seit Jahren ohnehin dabei, die Zahl der Antriebsvarianten zu reduzieren. Leistungsstarke Fahrzeuge wie einst BMW 540i oder Audi S6 gibt es längst nicht mehr als Handschalter. Gleiches gilt für Luxuslimousinen, bei denen die Handschaltung seit den frühen 90er-Jahren aus den Aufpreislisten verschwunden ist. Bei den größeren Geländewagen und SUVs sind Handschaltungen ohnehin nie Mode gewesen. Diese Fahrzeuge verfügen zumeist über einen Allradantrieb – hier geben die Autohersteller den Kunden keine Wahlmöglichkeit zwischen Handschaltung und Getriebeautomatik. Das setzt sich bei Kombis und Limousinen fort, denn die immer beliebter werdenden Allradvarianten sind nur in Ausnahmefällen bei den seltenen Basisversionen im Programm. Die modernsten Antriebe geben dem manuellen Getriebe ohnehin keine Chance mehr: Hybridmodelle kommen generell ohne Handschaltung, und Elektrofahrzeuge haben oftmals nicht mal mehr ein Getriebe im herkömmlichen Sinne.

Autor: Stefan Grundhoff

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