Die Zukunft hat schon begonnen, zumindest in San Francisco. In der Stadt wuseln jede Menge Waymo-Taxis herum, normale Mietkutschen sieht man kaum noch. Die Waymo-Gefährte auf Basis des Jaguar I-Pace fahren autonom, ohne Fahrer an Bord. Sie sind ringsum behängt mit allerlei sperrigen Antennen und Sensoren, sammeln überall emsig Passagiere ein.

TOP-ANGEBOT

Kennzeichnung für einen externen LinkMercedes-Benz CLA EQ

Mercedes-Benz CLA EQ

55.727 EUR

Carwow Logo
Unterwegs in San Francisco sind auch ein paar neue, leicht beklebte Mercedes CLA. Mit Fahrer an Bord, und dazu Drive Assist Pro. Bedeutet: autonomes Fahren auf Level 2+, also teilautomatisiert mit erweiterten Funktionen. Der Fahrer hat die Verantwortung, muss die Hände stets am (berührungsempfindlichen) Lenkrad haben.
Autonomes Fahren mit dem Mercedes CLA im Test
Am Steuer: Matthias Kaiser, Entwicklungsingenieur bei Mercedes-Benz. AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke nimmt auf dem Beifahrersitz Platz.
Bild: Mercedes
Das System arbeitet mit insgesamt 27 Sensoren: zehn Kameras (Tele, Weitwinkel, Surround, Seiten), fünf Radare (vier mit Weitwinkel in den Ecken, eines vorn im Stern für den Mittelbereich, Winkel 120 Grad, Reichweite etwa 180 Meter) und zwölf Ultraschallsensoren rundum am Auto. Im Heck ist ein (wassergekühlter) Drive Controller untergebracht, die Steuereinheit.

Nvidia und Mercedes: eine neue Allianz

Ganz neu und bemerkenswert: Sie stammt von Nvidia. Die gerade erst 1993 gegründete, äußerst erfolgreiche kalifornische Hightech-Company und die schwäbischen Erfinder des Automobils haben sich also zusammengetan, die KI soll beim autonomen Fahren helfen.
Autonomes Fahren mit dem Mercedes CLA im Test
Insgesamt 27 Sensoren gehören zum System: fünf Radare (vier an den Ecken, eines vorn im Stern), zwölfmal Ultraschall und dazu zehn Kameras – alles rundum verteilt am Auto.
Bild: Mercedes
Ziel: schnellstmögliche Datenverarbeitung und ein Fahrverhalten, wie es eben auch ein erfahrener menschlicher Fahrer hinbekommen würde. Was da genau abläuft, ist für Nicht-IT-Spezialisten wohl schwer zu begreifen. Wenn wir das richtig verstanden haben, arbeitet der Rechner mit 254 TOPS (Tera Operations per Second), also 254 Billionen Operationen pro Sekunde.

Erste Eindrücke bei der Mitfahrt

Ausprobieren und selbst fahren durfte der Redakteur noch nicht, aber für eine kurze Tour durch San Francisco immerhin auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Also Ziel eingeben und los. Belebte Gegend mit allem Drum und Dran: Pkw, Lieferwagen, Busse, Fußgänger, Fahrradfahrer. Ampeln, Kreuzungen, mehrspurige Straßen.
Autonomes Fahren mit dem Mercedes CLA im Test
Level 2 heißt: Hände stets am Lenkrad. Kann auch ganz locker sein. Eingriff jederzeit möglich, das System schaltet nicht ab, arbeitet danach ganz ruhig weiter.
Bild: Mercedes
Der CLA beschleunigt zügig, biegt ab, weicht aus, wechselt die Spur, bremst – je nach Situation. Der Abstand zum Biker bleibt angemessen, der Zweite-Reihe-Parker, der natürlich gerade die Fahrertür öffnet, wird elegant umkurvt. Der CLA bleibt insgesamt cool, reagiert schnell und entschlossen, niemals hektisch. Dabei sind übrigens jederzeit Lenkeingriffe möglich – ohne dass sich das System, wie bisher, gleich abschaltet. Und das System kann unterschiedlich abgestimmt werden: Es reagiert in Brasilien anders als in Japan, in Schweden anders als in Italien.

Level‑3‑Systeme: der Stand bei Mercedes

Zum Verständnis: Mercedes hat auch schon Level 3 im Programm, in EQS und S-Klasse. Funktioniert bislang aber nur auf der Autobahn, bis 95 km/h, außerdem sollte auch noch schönes Wetter sein, auf keinen Fall Regen, Nebel schon gar nicht und so weiter und so fort. Der Fahrer braucht hier die Hände nicht mehr am Lenkrad zu haben, kann lesen oder Videos schauen – muss aber bereit sein, schnell einzugreifen. Die Verantwortung hat das System, der Hersteller. Rechtlich kann das etwa bei Unfällen schwierig werden.
Autonomes Fahren mit dem Mercedes CLA im Test
Der CLA beschleunigt zügig, biegt selbstständig ab und lässt sich auch von schlecht einsehbaren Straßen nicht beeinflussen.
Bild: Mercedes
Ein Grund, warum Mercedes das Level 2 noch pflegt und verfeinert – wie beim CLA. Das ist günstiger und bietet doch schon sehr viel Komfort – die Verantwortung hat aber klar der Fahrer.
Der CLA mit dem Drive Assist Pro ist in China bereits auf dem Markt, in den USA kommt er in diesem Jahr, in Europa wohl erst später.
Diese Reise wurde unterstützt von Mercedes-Benz. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit.

Fazit

Es ist eine einfache Rechnung: Je mehr und je besseres autonomes Fahren du haben willst, desto mehr und schnellere Rechenleistung brauchst du. Mercedes hat sich mit Nvidia zusammengetan – gibt es eine bessere Adresse? Der CLA mit Drive Assist Pro fährt jedenfalls bemerkenswert souverän.