Autos mit Technik zur Gefühlserkennung
Vorsicht, Kamera!

Eine schlaue Technik kann Autofahrer beruhigen, aufheitern oder sogar ausbremsen, wenn sie wütend sind. Doch ob das Infrarotsystem jemals serienmäßig zum Einsatz kommt, ist äußerst ungewiss.
- Benjamin Gehrs
Erst schleicht der Vordermann mit 30 in der 50er-Zone, dann springt die Ampel in letzter Sekunde auf Rot, und plötzlich nimmt einem auch noch ein anderer die Vorfahrt – es gibt Momente im Autofahrerleben, da möchte man die guten Manieren am liebsten über Bord werfen.
Emotionen sind ein unterschätztes Risiko

Im Lexus LS und GS prüft seit 2007 eine Kamera, ob der Fahrer aufmerksam ist.
Bild: Toni Bader
Gutes Gespräch, weniger Aufmerksamkeit
"Dem Ärger über andere Verkehrsteilnehmer machen die Fahrer mit direkten Handlungen Luft, zum Beispiel Drängeln", erklärt der Verkehrspsychologe Mark Vollrath. Schätzungen zufolge lassen sich ein Drittel aller Unfälle mit Todesopfern auf eine aggressive Fahrweise zurückführen. Freude allerdings ist auch gefährlich. Tests an der TU Braunschweig haben gezeigt, dass angenehme Gespräche mit dem Beifahrer schlecht für die Aufmerksamkeit sind. Streit wiederum führte zu unangepasster Geschwindigkeit, geringem Abstand und nachlassender Reaktionsfähigkeit.
Beziehung wie zwischen Pferd und Reiter
Bereits 2013 hat Toyota ein Konzeptauto vorgestellt, das ebenfalls Emotionen erkennt. Je nach Gemütslage könne es das Tempo drosseln und dem Fahrer Tipps geben, so die Entwickler. Das Auto als Freund und Berater? Toyota selbst spricht von einer Beziehung wie zwischen Reiter und Pferd. "Albern" findet der Technikphilosoph Bernhard Irrgang diese Sichtweise. Sie sei eine Rückkehr zu Naturreligionen, in denen Dingen eine Seele zugesprochen wird. "Nutzer sollten sich bei jeder Technik fragen, ob sie etwas davon haben oder ob sie sich versklaven lassen", warnt Irrgang.
"Was erziehen will, wird nicht akzeptiert"
Verkehrspsychologe Vollrath glaubt ohnehin nicht daran, dass die Emotionserkennung in Autos Einzug halten wird – auch wenn sie aus Sicherheitsaspekten sinnvoll sei. Seine Erfahrung zeige: "Alles was die Fahrer erziehen will, wird nicht akzeptiert." Wer will schon jemanden zum Freund haben, der ständig den Oberlehrer gibt?
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