Es ist eine Stimmung wie auf der Wiesn, und München platzt mal wieder aus allen Nähten. Nur dass diesmal Kräne in den Himmel wachsen statt Karussells, die Gäste vor Baucontainern sitzen statt in Bierzelten und dass man Blaumann trägt statt Trachtenjanker – denn die bayerische Landeshauptstadt bittet zur Bauma und inszeniert rund um Baumaschinen und Bergbau eine der größten Messen der Welt.
Zwar geht es dort natürlich zuallererst mal ums große Geld, weil die Bergbauindustrie wegen des gewaltigen Hungers nach Energie und Rohstoffen boomt und die Baubranche auf einen warmen Regen aus dem Sondervermögen zum Abbau des Investitionsstaus und zur Sanierung der Infrastruktur hofft.
Bauma 2025: Baumaschinenmesse in München
Nirgends stehen spektakulärere Bagger, Kräne und Lastwagen als auf der Bauma in München.
Bild: Thomas Geiger
Doch während die einen hier die großen Geschäfte machen, flanieren die anderen mit Kind und Kegel über den vielleicht größten Männerspielplatz der Welt und erfüllen sich hier ihre heimlichen Baustellenträume. Denn wo Betreten sonst strengstens verboten ist und Eltern für ihre Kinder haften, kommt man hier ganz nah ran an die spektakulärsten Baumaschinen – und dabei aus dem Staunen kaum mehr heraus.

Gewaltiger Fuhrpark

Man muss wahrscheinlich mindestens Tiefbauer sein oder besser noch Architekt oder Bergbauingenieur, um die Finessen und Fähigkeiten des gewaltigen Fuhrparks wirklich beurteilen zu können. Doch auch als Laie, der sonst allenfalls mal das Blumenbeet umgräbt oder einen Graben für die Gartenmauer aushebt, kann man sich der Faszination kaum entziehen und bleibt immer wieder mit offenem Mund an einer anderen Maschine stehen.
Bauma 2025: Liebherr T 264
Der Liebherr T 264
wiegt über 200 Tonnen und kann bis zu 240 Tonnen schultern.
Bild: Thomas Geiger
Zum Beispiel am Liebherr T 264, der womöglich auch als größtes Elektroauto der Welt durchgeht – schließlich ist der Muldenkipper groß wie ein Einfamilienhaus, wiegt über 200 Tonnen und kann bis zu 240 Tonnen schultern. Der Akku hat eine Kapazität von 3200 kWh – so viel wie 30 elektrische Luxuslimousinen. Damit der Gigant nicht nur an der Steckdose hängt, hat Liebherr dazu gleich auch noch eine Hochleistungsladung entwickelt, die mit sechs Megawatt arbeitet und den Koloss so in einer Stunde wieder flottmacht.

Hydraulikbagger mit 1675 PS

Weil man mit einem herkömmlichen Bagger wohl Tage brauchen würde, um die riesige Pritsche zu füllen, stehen in München auch ein paar Giganten, wie sie in Minen und im Tagebau zum Einsatz kommen – zum Beispiel der Hydraulikbagger Komatsu PC7000. Von zwei Dieselmotoren mit jeweils 1675 PS oder neuerdings auch elektrisch angetrieben hat er eine Schaufel, in der ganze Kleinbusse verschwinden, und löffelt mit jedem Hub bis zu 44 Kubikmeter weg. Dafür allerdings bringt der gelbe Riese mal eben schlanke 678 Tonnen auf die Waage.
Bauma 2025: Elektrobagger von Hitachi Construction Machinery
Hitachi Construction Machinery stellt auf der Bauma seine bisher größte Elektrobagger-Produktpalette vor.
Bild: Thomas Geiger
Aber die Bauma wäre nicht die Bauma, wenn es hier keine Geräte gäbe, mit denen selbst solche Lasten bewegt werden können. Klar fährt der PC7000 vorzugsweise selbst. Aber er passt zum Beispiel auch an den Haken des Mobilkrans LTM 1650, neben dem die Türme der Münchner Marienkirche klein und zierlich wirken. Denn wenn der Teleskopausleger hydraulisch ausgefahren wird, hängt der Haken in einer Höhe von 152 Metern, und drunter baumeln Lasten von bis zu 700 Tonnen. Fast schon bescheiden ist da der Motor, der den achtachsigen Riesen antreibt und von Einsatzort zu Einsatzort fährt: Mit 686 PS hat er kaum mehr Leistung als die meisten Sportwagen.
Zu Kränen, Baggern, Radladern und Lastern gesellen sich auf dem Münchner Messegelände Hunderte Spezialmaschinen für alle denkbaren Anwendungen: Es gibt gigantische Greifer und Bohrer, Transporter für Schwerlasten und Sperrgut wie die Rotoren von Windkraftwerken, für den Aufbau neuer Infrastruktur stehen Betonpumpen, Planierrauben oder Pflastermaschinen, die an einem Tag bis zu 1000 Quadratmeter pflastern können und jeden Heimerker vor Neid erblassen lassen. Und weil vorher marode Bauten, abgewickelte Fabriken und ausgediente Kraftwerke erst zurückgebaut werden müssen, recken sich hier auch die gierige Klauen riesiger Abbruchbagger in den Himmel.

Diesel abgedreht – Mercedes zeigt den eArocs

Zwar sind die Helden der Bauma vornehmlich für den Dreck gemacht, doch tragen immer mehr von ihnen eine saubere Weste. Denn auch das Baugewerbe sorgt sich um seinen CO2-Fußabdruck und dreht den dicken Dingern deshalb immer öfter den Diesel ab – und wenn es nur für Technologiestudien und Prototypen ist. Bagger, Radlader, Kräne stehen auf der Messe oft mit Akkuantrieb oder einem direkten Starkstrom-Anschluss und bisweilen sogar mit Wasserstoffmotor. Und nachdem Mercedes oder MAN mit ihren Trucks bereits den Verteiler- und so langsam den Fernverkehr elektrifizieren, werden jetzt auch die Baustellenlaster vom Brummi zum Summi.
Bauma 2025: Mercedes eArocs
Mercedes präsentiert den eArocs, der mit einem 414-kWh-Akku und 240 Kilometer Reichweite glänzt.
Bild: Thomas Geiger
Nur wenige Meter entfernt präsentiert Mercedes deshalb den eArocs, der 2026 mit einem 414-kWh-Akku und bis zu 240 Kilometer Reichweite an den Start gehen soll, und bei MAN dreht sich alles um den dreiachsigen Krankipper eTGS 28.449, der mit drei Akkupaketen à 320 kWh auf eine Reichweite von 400 Kilometern kommen und so für den Schichtbetrieb im Schmutz gerüstet sein soll.
Preise nennen beide Hersteller zwar noch nicht. Doch egal wie teuer die elektrischen Laster am Ende sein werden: Sie sind Schnäppchen neben all den vielen Baustellengiganten. Denn für Bagger wie den PC7000 oder Muldenkipper wie den T 264 werden schnell Millionenbeträge aufgerufen – man braucht deshalb nicht nur einen ganz schön großen Sandkasten, sondern auch ziemlich viel Taschengeld, wenn man sich solche Gerätschaften als Spielzeug leisten will. Da relativieren sich dann selbst die 38 Euro fürs Bauma-Tagesticket – denn für weniger Geld wird man diesen Giganten – "Betreten verboten, Eltern haften für ihre Kinder" – wohl nie wieder so nahekommen.