Bentley Bentayga EWB Mulliner V8 (2024) im Test
Bentley Bentayga EWB: Mehr Luxus geht nicht
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Der Markt der Luxus-SUV boomt! Modelle wie Mercedes-AMG G 63, Lamborghini Urus und Co verkaufen sich besser denn je. Gleiches gilt auch für den Bentley Bentayga, der 2023 mit 5966 Exemplaren einen Anteil von 44 Prozent aller ausgelieferten Bentley ausgemacht hat. Doch was macht die Faszination eines SUV aus, das über 370.000 Euro kostet?
Als Bentley sein erstes uns bisher einziges SUV im Jahr 2015 präsentierte, wurde der damalige Bentley-CEO Wolfgang Dürheimer mit der Aussage "(…) wer ein wirkliches Top-Automobil haben möchte in diesem Segment, der kann bislang nur maximal 160.000 Euro ausgeben. Genau dieses Problem lösen wir jetzt" berühmt. Mit diesem Zitat hat sich Dürheimer nicht nur Freunde gemacht, sollte aber im Kern Recht behalten.
Der Bentayga ist ein Bestseller
Der Bentayga, der sich die Plattform mit dem Audi Q7 teilt, war von Beginn an ein Erfolg. Mit einem Basispreis von 208.488 Euro war er 2016 das teuerste und exklusivste SUV der Welt, wurde mittlerweile in puncto Preis jedoch vom Rolls-Royce Cullinen abgelöst. Bei den Kunden trafen die Briten damit einen Nerv. Bis heute wurden knapp 43.000 Bentayga weltweit verkauft – und der Erfolg kennt kein Ende. Allein 2022 (das erfolgreichste Jahr mit 7346 verkauften Bentayga) und 2023 wurden über 13.300 Stück ausgeliefert, was zeigt, dass der Bentayga trotz seines Alters nicht an Beliebtheit eingebüßt hat.

Die Zweifarblackierung in Silber (Silver Strom) und Lila (Damson) kostet mal eben 18.200 Euro extra, sieht aber auch verdammt gut aus.
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Das liegt daran, dass die Briten das edle SUV über die Jahre immer wieder verbessert und die Motorenpalette überarbeitet haben. Zwar wurde im Herbst 2018 der wenig prestigeträchtige V8-Diesel, durch den noch weniger prestigeträchtigen Bentayga Hybrid ersetzt, doch dafür legte Bentley nur wenige Monate später mit dem 635 PS starken und 306 km/h schnellen Bentayga Speed nach, der kurzerhand den Lamborghini Urus als schnellstes Serien-SUV der Welt entthronte.
Daran ist das Facelift zu erkennen
Im Sommer 2020 gönnte Bentley seinem Luxus-Schiff dann ein umfangreiches Facelift mit neuer Front, ellipsenförmigen Rückleuchten und mehr. Und auch da war noch nicht Schluss, denn in den folgenden Monaten und Jahren wurde kontinuierlich nachgelegt. Mit dem sportlicher ausgelegten Bentayga S und dem besonders luxuriösen Bentayga Azure haben die Briten für jeden Kunden die passende Modellspezifikation im Angebot.

Die EWB genannte Langversion des Bentayga ist 5,32 Meter lang. Der Radstand wächst um satte 18 Zentimeter, die ausschließlich den Fondpassagieren zugute kommen.
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Der Gipfel des Luxus ist der 2022 vorgestellte Bentayga EWB Mulliner. EWB, das steht für Extended Wheelbase könnte aber auch für "edles Wohnzimmer by Bentley" stehen. Und damit dieses rollende Wohnzimmer auch besonders geräumig ist, verlängern die Briten den Radstand von amtlichen 2995 auf geradezu opulente 3175 Millimeter. Dieses Plus von 180 Millimetern kommt dabei ausschließlich den Fond-Passagieren zugute.
Schade eigentlich, dass Bentley für die Testfahrten keinen Chauffeur zur Verfügung stellt, denn so komme ich bei der Abholung erstmal noch nicht in den Genuss der sogenannten Airlines-Seats, doch dazu später mehr.
Die Lackierung kostet 18.200 Euro
An einem sonnigen Donnerstag nehme ich den Testwagen in der klangvollen Sonderfarbe "Silver Storm over Damson" entgegen. Kostenpunkt der Mulliner-Zweifarblackierung: 18.207 Euro. Der auffällige Chrom-Kühlergrill ist Bestandteil des Mulliner-Pakets und glänzt mit den 22-Zoll-Vielspeichenfelgen inklusive selbstnivellierenden Nabendeckeln um die Wette.

Der Testwagenpreis des Bentley Bentayga EWB Mulliner V8 beläuft sich auf über 370.000 Euro, wovon rund 54.000 Euro auf Extras entfallen.
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Schon von Haus aus ist der Bentayga kein Auto, mit dem man unbemerkt vorfährt. In dieser Konfiguration wird das Selbstbewusstsein von Fahrer und Beifahrer aber definitiv auf die Probe gestellt. Sogar in Hamburg, wo Porsche 911 und Mercedes S-Klassen schon beinahe inflationär unterwegs sind, bleiben Passanten beim Anblick des lila Bentayga mit offenen Mündern stehen.
Auffälliger geht es kaum
Ich habe es bereits in der Vergangenheit erwähnt, aber ich ziehe meinen Hut vor dem Testwagen-Verantwortlichen bei Bentley, die die Fahrzeuge ein ums andere Mal spektakulär konfigurieren. Vermutlich würden die allerwenigsten Kunden auf die Idee kommen ihren in der Basis 315.700 Euro teuren Bentayga EWB Mulliner V8 in lila mit silber abgesetztem Dach und Haube zu bestellen. Aber wissen Sie was? Mir gefällts!
Gleiches kann ich von der Farbe der Innenausstattung allerdings nicht behaupten. Eine grau/schwarze Bicolor-Lederausstattung mir auffälligen roten Akzenten in Verbindung mit dem extrovertierten Exterieur ist selbst mir zu bunt.

Mehr geht nicht: Die Airline-Seats sind der First Class im Flugzeug nachempfunden.
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Bei Materialauswahl und Verarbeitung spielt Bentley in einer eigenen Liga – sogar in der Klasse der Luxus-SUV. Abgesehen von winzigen Abzügen in der B-Note, beispielsweise bei den von Audi entliehenen Lenkstockhebeln und Lenkradtasten, überzeugt der Bentayga auf ganzer Linie und steckt auch die Konkurrenten von Rolls-Royce, Aston Martin und Lamborghini in dieser Disziplin in die Tasche.
Komfort wie in der First Class
Das gilt auch für das Platzangebot im Fond. Dank 180 Millimetern mehr Radstand sitze ich hinten wie ein König. Die sogenannten Airline-Seats sollen Sitzen aus der First Class nachempfunden sein und außergewöhnliche Reiseerlebnisse bieten. Konkret bedeutet das: Im "Relax-Modus" neigt sich der Sitz um bis zu 40 Grad, der Beifahrersitz wird automatisch nach vorne geschoben und eine Fußablage klappt heraus. Gesteuert wird das Spektakel über die Touchscreen-Fernbedienung oder eine Taste in der Türtafel.
Wirklich spektakulär ist die Klimaautomatik in den Sitzen. Sie misst die Körpertemperatur und stellt automatisch Heizung, Belüftung oder beides für den jeweiligen Fondsitz ein. Alle 25 Millisekunden wird die zuvor aus einer von sieben verschiedenen Stufen ausgewählte Wunschtemperatur mit einer Genauigkeit von 0,1 °C gemessen und nachreguliert. Gleichzeitig überwachen Sensoren im Sitz die Druckbelastung und massieren den Fahrgast in sechs Sitzzonen. Dazu ein Glas Champagner aus den gekühlten Kristallgläsern und die Lieblingsmusik aus dem Naim-Soundsystem – das ist automobiler Luxus in Vollendung.

Die Kristallgläser mit Mulliner-Schriftzug werden im Bentayga gekühlt. Das Beste ist hier gerade gut genug.
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Und auch wenn es im Fond gemütlich ist, wechsle ich noch mal auf den Fahrersitz. Nachdem der renommierte W12 seit 2023 nicht mehr im Bentayga angeboten wird, ist der Vierliter-V8-Biturbo die Topmotorisierung. Dank 550 PS und einem Drehmoment von 770 Nm, das bereits bei 2000 U/min anliegt, fühlt sich der rund 2,6 Tonnen schwere Bentayga zu keiner Zeit untermotorisiert an. Im Gegenteil – wer es drauf anlegt, erreicht nach nur 4,6 Sekunden Landstraßentempo und wird erst bei 290 km/h von der Physik eingebremst. Theoretisch alles möglich, doch für derartige Vollgas-Orgien ist das Luxus-SUV nicht gemacht.
Serienmäßig mit Hinterachslenkung
Genau genommen ist die extralange EWB-Version nicht mal zum Selberfahren gemacht. Zwar lässt sich das 5,32 Meter Ungetüm dank serienmäßiger Hinterachslenkung (bis zu sieben Grad) sogar in der Stadt vergleichsweise gut manövrieren.
Doch im Idealfall nimmt man hinten rechts Platz, schließt die Tür bequem per Knopfdruck, aktiviert den "Relax-Modus" und vergisst den Alltag. Zumindest so lange, bis einem wieder einfällt, dass dieser Luxus einen Preis hat – und zwar genau 370.309,10 Euro. Das Problem maximal 160.000 Euro im SUV-Segment ausgeben zu können hat Bentley demnach erfolgreich behoben. Zum Glück!
Fazit
Der Bentley Bentayga EWB Mulliner demonstriert auf beeindruckende Art und Weise, wie luxuriös ein Auto sein kann. Die Frage nach Sinn oder Unsinn ist an dieser Stelle schlichtweg falsch. Es geht einzig und allein um Faszination – und natürlich um Status! Davon kann man halten, was man will, aber der Erfolg gibt Bentley Recht.
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