BMW 2er Active Tourer: Dauertest
Dieser BMW 2er ist 'ne glatte 1!
BMW 2er Active Tourer im Dauertest
Der BMW 223d Active Tourer musste 100.000 Kilometer im Zeitraffer abspulen, fuhr dennoch stets im grünen Bereich. Allerdings dürfte der BMW-Service ruhig sorgfältiger arbeiten.
Bild: Auto Bild
Trotz SUV-Welle finden Sie Gefallen am BMW Active Tourer? Okay, eine gute Wahl! Wir waren mit einem 223d mit Allrad und Automatik 100.000 Kilometer im Dauertest unterwegs. Und können festhalten: Der Hochsitz hat die Distanz sehr zuverlässig, sehr sparsam und unter positiver Gefühlsbilanz abgespult.
Allerdings war die Betreuung durch die BMW-Werkstatt nicht immer ein Segen. Falsche Diagnose eines Defekts auf der einen Seite, lustlose Behandlung nach einer Serviceaktion beim nächsten Mal – so etwas schmälert dann natürlich die Freude am guten Produkt und kratzt am Marken-Image.
Da steckt mächtig viel BMW drin!
Doch der Reihe nach. Es ist Oktober 2022 und der untypischste BMW aller Zeiten betritt die Dauertest-Bühne. Ein Van, dazu mit Quermotor, ein Vierzylinder-Diesel wirkt auf 4x4-Antrieb – das Ganze hat BMW also eher als variablen Alleskönner konzipiert denn als fixen Kurvenkratzer. Mit dem sollte die ganze Redaktion über die Runden kommen?
Kam sie! Denn der 211 PS starke Active Tourer bewies bereits nach wenigen Kilometern: Da steckt bei aller Funktionalität auch mächtig viel BMW drin. So wie es Redakteur Holger Preiss zusammenfasst: "Das Ding liegt richtig klasse, der Motor hat Kraft, die Automatik schaltet sauber, das Auto wirkt agil – es geht unerwartet dynamisch zu."

Auf großem Fuß: BMW nennt das Karosseriekonzept Gran Turismo, der Testwagen hat einst stolze 64.750 Euro gekostet.
Bild: AUTO BILD/Christoph Boerries
Was der Kollege meint: Man möchte am liebsten neben der Autobahn reisen, um möglichst viel kurvige Landstraßen mitzunehmen. Eine präzise und direkte Lenkung sowie große Spurtreue aus Fahrwerk und 18-Zoll-Bereifung heraus komplettieren dann den spaßigen Fahr-Eindruck. Doch auch das typische Kilometerfressen – Tempo 150 aufwärts – steckt so ein 223d bestens weg. Komfortabel gefedert, ohne zu laute Windgeräusche, mit weit herabgesetzter Drehzahl im siebten Gang schnürt der 2er dann über die linke Spur und macht Fernreisen sehr erträglich.
Trotz satter Fahrleistungen kein Säufer
Und er kann auch wild. Dank der traktionsstarken Kraftverteilung xDrive und dank satter 400 Newtonmeter Drehmoment stürmt der 223d in 7,3 Sekunden auf Tempo 100, zieht nach unseren Messungen besonders zwischen 100 und 120 km/h enorm leichtfüßig durch und rennt in der Spitze stolze 233 km/h – Tacho zwovierzig!
Trotz satter Fahrleistungen hat sich der 223d jedoch nicht als Säufer erwiesen. Ganz im Gegenteil. Eine Vier vor dem Komma des Verbrauchsrechners ist möglich, bei "normaler" Fahrweise verbrennt der Active Tourer knapp über fünf Liter Diesel auf 100 Kilometer, auf die gesamte Marathon-Distanz haben wir – bei vielen, meist sehr schnell gefahrenen Autobahnetappen – deutlich unter sieben Liter errechnet.
Technische Daten
BMW 223 d xDrive Active Tourer | |
|---|---|
Motor | Vierzylinder, Turbo, vorn quer |
Hubraum | 1995 cm3 |
Systemleistung | 155 kW (211 PS) bei 4000/min |
max. Drehmoment | 400 Nm bei 1500/min |
Antrieb | Allradantrieb/ 7-Gang DKG |
Leergewicht | 1730 kg |
Zuladung | 480 kg |
Kofferraum | 415–1405 l |
Höchstgeschwindigkeit | 233 km/h |
Verbrauch* | 5,0 l D/100 km |
Abgas* | CO2 133 g/km |
Gleichzeitig helfen gute Ergonomie am Fahrerplatz und aufwendig konstruierte Vordersitze, lange Etappen zu überstehen. Die vielfach elektrisch verstellbaren Sessel mit ausziehbarer Oberschenkelauflage und stark ausgeprägter sowie fester Konturierung betten bestens. Eine nicht zu lasche Polsterung inklusive Zweiwege-Lordosenstütze komplettiert das Bild. Allerdings: Manche Nutzer klagten über die enge Einfassung der Sitzfläche. "Ganz schön schmal hier", lautet ein typischer Fahrtenbuch-Eintrag zur Dimensionierung. Tatsächlich lassen die steil stehenden unteren Wangen weniger Platz für den Po als erwartet.
Zur Preispolitik gibt es viel zu sagen
Auch zu den Platz- und Sitzverhältnissen im Fondbereich haben wir Kommentare gesammelt. Trotz großer Variabilität (Bank verschiebbar, Lehnenteile in der Neigung verstellbar) fühlt man sich hier nicht optimal aufgehoben, sitzt eingeengt und sehr gehockt auf der flachen Bank. Zudem ist das Entriegeln der Lehnenteile per Schlaufen unnötig fummelig und der Marke eher nicht würdig.
Überhaupt, das vielseitige Sitzkonzept baut BMW nicht ab Werk ein. So kosten die tollen Vordersitze (idealerweise im Paket) 1550 Euro zusätzlich, für die Verstellbarkeit in Reihe zwei erwartet BMW 400 Euro Aufpreis.
Das Thema Preispolitik könnte in diesem Bericht ohnehin ein eigenes Kapitel einnehmen. Sowohl Fahrassistenz als auch Multimediaversorgung arbeiten mit voller Wirkung erst gegen zusätzliche Kreuzchen in der Preisliste. Dabei stecken die unter "Driving", "Parking" und "Live Cockpit" zusammengefassten Professional-Versionen der Systeme mit Funktionen wie beispielsweise dem aktiven Spurhalter oder größeren Displays im Cockpit im fast 4000 Euro teuren Innovationspaket.

Alles anders: Cockpit gewöhnungsbedürftig, Berührbildschirm überfordernd – so die subjektive Meinung zum Bedienkonzept.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Heißt: Aus den ohnehin üppigen 50.000 Euro für den 223d xDrive Automatik werden beim Testwagen saftige 64.750 Euro. Wir meinen zudem: Speziell die Kosten für Assistenz und Multimedia sind nicht optimal angelegt, sowohl aktive Fahrhilfen als auch das Bedienkonzept (gelegentlich begriffsstutzige Sprachbedienung, nervende Spurhaltung, Sitzheizung über Menü zu steuern) arbeiteten nur durchschnittlich. Schade zudem: Den altbekannten iDrive-Stellknopf hat BMW aussortiert – das bemängelte nahezu jeder Nutzer.
Zuverlässige Technik, aber ...
Einen guten Gegenwert gibt es dann aber über die Zuverlässigkeit. Keine Panne hatte den BMW gestoppt, kein nennenswerter Verschleiß die Bilanz verhagelt, kein ernsthafter Defekt uns den Spaß am Active Tourer gehemmt.
Messwerte
Testbeginn | Testende | |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0-50 km/h | 2,7 s | 2,8 s |
0-100/-130 km/h | 7,5/12,2 s | 7,5/12,3 s |
0-160 km/h | 19,1 s | 19,0 s |
Zwischenspurt | ||
60-100 km/h | 4,1 s | 4,0 s |
80-120 km/h | 5,3 s | 5,2 s |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 35,8 m | 36,1 m |
aus 100 km/h warm | 34,9 m | 34,7 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 58 dB(A) | 58 dB(A) |
bei 100 km/h | 63 dB(A) | 63 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) | 67 dB(A) |
Testverbrauch | 5,4 l D | 5,4 l D |
CO2 | 127 g/km | 127 g/km |
Im Rahmen der regelmäßigen Werkstattbesuche erhielt der 223d die typischen Verschleißartikel Reifen, Bremsscheiben oder Öle, bei Kilometer 87.651 zudem im Rahmen einer Serviceaktion eine verbesserte Abdichtung der Ausgangswelle des Verteilergetriebes. Eine an sich problemlose wie schnelle Prozedur. Allerdings: Dass BMW im Rahmen dieser Maßnahme eine korrosionsschützende Fettschicht auf der Verzahnung fordert, ignorierten die Mechaniker der Hamburger Niederlassung komplett – mit entsprechend rostigem Ergebnis bei der Zerlegung.

Unser Testauto wurde zum Abschluss des Tests demontiert. Kleine Schwäche: Rost am Verteilergetriebe infolge einer nachlässig durchgeführten Serviceaktion. Insgesamt: nicht perfekt, aber ziemlich nah dran.
Bild: AUTO BILD/Christoph Boerries
Noch ärgerlicher: Bei Kilometer 87.651 muckte der Active Tourer das einzige Mal im Laufe der Testdistanz auf, ließ ein verschlissenes Gelenk am Fahrwerk hörbar klackern. Auf unsere Bitte, das Geräusch zu lokalisieren, winkte der Betrieb nach kurzer Probefahrt nur ab – alles in Ordnung. Erst der nächste Werkstattstopp brachte eine ausgeleierte Koppelstange (Verbindung zwischen Stabilisator und Querlenker) als Punkt eins auf die Tagesordnung. Punkt zwei dann für uns: Das mulmige Gefühl, eine Werkstatt übersieht verschlissene Teile der Vorderachse eines 233 km/h schnellen Autos … Oh weh. Das Gesamtergebnis macht dennoch zufrieden. Mit dem machen Sie nichts falsch.
Wertung*
Anzahl | Fehlerpunkte | |
|---|---|---|
Zuverlässigkeit | ||
Liegenbleiber | 0 x 15 | 0 |
Motor-/Getriebeschaden | 0 x 15 | 0 |
Defekte Antriebs-/Funktionsteile | 0 x 5 | 0 |
Zusätzlicher kurzer Werkstattbesuch | 0 x 3 | 0 |
Zusätzlicher mehrtägiger Werkstattaufenthalt | 0 x 5 | 0 |
Defekte und Sonderarbeiten (Radio/Navi/Flüssigkeiten etc.) | 0 x 2 | 0 |
Defekte Kleinteile (Lampen etc.) | 0 x 1 | 0 |
Langzeitqualität (aus Demontage) | ||
Karosserie (Konservierung, Lack, Teppiche, Verkleidungen) | 0-5 | 1 |
Motor (Leistung, Dichtigkeit, Ablagerungen, Laufspuren) | 0-5 | 0 |
Getriebe (Dichtigkeit, Abrieb, Zustand, Kupplung) | 0-5 | 1 |
Abgasanlage (Zustand, Kat, Aufhängung, Abschirmbleche) | 0-5 | 0 |
Fahrwerk (Achsen, Federung, Lenkung, Befestigung) | 0-5 | 0 |
Elektrik (Kabel, Stecker, Steuergeräte, Sicherungen) | 0-5 | 0 |
Alltagswertung/Fahren | ||
Ergibt sich aus den Eintragungen im Fahrtenbuch | 0-10 | 2 |
Gesamtpunkte | 4 | |
Note | 1 |
Fazit
Ein angenehmes Auto – sparsam, schnell, stark, zuverlässig und sehr variabel. Gleichzeitig modern vernetzt und hilfreich über Fahrassistenz abgesichert. Auch das Fahrgefühl – eine Mischung aus Dynamik und Nutzwert – hat uns gefallen. Ein genauso solides Ergebnis hätten wir uns jedoch auch vom Kundendienst gewünscht.
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