Auf die Details kommt es an. In einer immer komplexer und verschachtelter werdenden Welt gilt das heute mehr denn je. Das wissen natürlich auch die Autohersteller und halten sich schon lange nicht mehr strikt an Modellzyklen mit Facelift zur Lebensmitte, sondern lassen fast permanent Detailverbesserungen in ihre Modelle einfließen.
Hinweis
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So wertet BMW seinen 3er nach dem LCI (Life Cycle Impulse) 2022 jetzt noch mal dezent auf, Mercedes schiebt in der C-Klasse laufend Technik-Updates nach. Wie und ob sich das auswirkt, klärt der Vergleich von BMW 330i Touring und Mercedes C 300 T-Modell.

Reichlich Platz im überarbeiteten Dreier

Optisch lässt sich der überarbeitete Dreier vor allem an neuen Farben und Felgen ausmachen, die unveränderten Platzverhältnisse überzeugen weiterhin. Wer nicht gerade an die zwei Meter groß ist, reist auch im Fond entspannt, wobei der BMW minimal mehr Knie- und Kopffreiheit bietet, der Benz mit etwas mehr Luft um die Schultern und der angenehmeren Sitzposition kontert.
BMW 330i xDrive Touring
Der überarbeitete BMW 3er ist außen an neuen Farben und Felgen zu erkennen. Geblieben ist das gute Platzangebot des Touring.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Vorn kommen alle Fahrerstaturen gut klar, wobei der Benz überall einen Hauch mehr Bewegungsfreiheit lässt, die Sitze mit mehr Längsverstellbereich ausstattet und sie ganze 4,5 Zentimeter höher über der Fahrbahn positioniert. Das Gestühl an sich weist weniger Unterschiede auf: ausreichend groß, mit Verlängerung der Sitzfläche (beim Benz klappt das wie bei der Kopfstütze elektrisch) und grundsätzlich genügend Seitenhalt. Erst bei engagierter Fahrweise fällt auf, dass die Sitzfläche in beiden Kombis recht schmal geriet und die Seitenwangen hauptsächlich im Hüftbereich ordentlich zupacken.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Vierzylinder, Turbo 
Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid 
Einbaulage 
vorn längs 
vorn längs 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Kette 
Hubraum 
1998 cm³ 
1999 cm³ 
kW (PS) bei 1/min
180 (245)/4500 
190 + 17 (258 + 23)/5800 
Nm bei 1/min
400/1600 
400/2000 
Vmax
250 km/h 
250 km/h 
Getriebe 
Achtstufenautomatik 
Neunstufenautomatik 
Antrieb 
Allradantrieb 
Allradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
225/40-255/35 R 19 Y 
225/45-245/40 R 18 Y 
Reifentyp 
Michelin Pilot Sport 4 S 
Pirelli P Zero 
Radgröße 
8-8,5 x 19" 
7,5-8,5 x 18" 
Abgas CO2 
171 g/km 
170 g/km 
Verbrauch* 
7,6 l 
7,5 l 
Tankinhalt 
59 l 
66 l 
Kraftstoffsorte 
Super 
Super Plus 
Ottopartikelfilter 
Serie 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
67 dB(A) 
67 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
1800/750 kg 
1800/750 kg 
Stützlast 
75 kg 
100 kg 
Kofferraumvolumen 
500–1510 l 
490–1510 l 
Länge/Breite/Höhe 
4713/1827–2068**/1445 mm 
4751/1820–2033**/1455 mm 
Radstand 
2851 mm
2865 mm 
Grundpreis
61.500 Euro
63.153 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
71.420 Euro
70.156 Euro

iDrive bleibt dem Touring erhalten

Die volldigitalen Arbeitsplätze sind in beiden Modellen sehr routiniert verarbeitet, auch wenn die C-Klasse auf Kopfsteinpflaster erstaunlich deutlich knarzt und quietscht. Im Touring liefern das 12,3-Zoll-Instrumentendisplay sowie der 14,9-Zoll-Touchscreen alle wichtigen Informationen und Bedienstrukturen. Größter Vorteil der aktuellen Modellaufwertung: In beiden Schirmen unterstützt Augmented Reality (im Innovationspaket für 2950 Euro) die Navigation.
BMW 330i xDrive Touring
Gutes Konzept: BMW setzt im 3er Touring bei der Bedienung auf den iDrive-Controller. Eine sehr gute Alternative zum Touchmonitor.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das aktuelle BMW Operating System 8.5 kommt mit neuem Einstiegsbildschirm (Kacheln vertikal) und soll den Direktzugriff auf einzelne Funktionen erleichtern. Wie im T-Modell ist es trotz großer und gestochen scharfer Bildschirmgrafik aber nicht immer ganz einfach, die gewünschte Schaltfläche bei voller Fahrt zu treffen. Gut, dass BMW im Dreier weiterhin den genialen iDrive-Controller verbaut, mit dem sich fast alles per Dreh-und Drückbefehl einrichten lässt – wichtig, wenn ganz rechts außen auf dem sehr breiten Touchscreen Schaltflächen auftauchen.

Mercedes überzeugt mit dem MBUX-System

Der aufrechte Bildschirm in der C-Klasse (11,9 Zoll) lässt sich jedenfalls einfacher bespielen, das 12,3-Zoll-Fahrerdisplay ist mit fünf Darstellungsmenüs vielseitiger. Wem das Touchen dann so gar nicht gefällt, kann sich in beiden Autos auf eine fast perfekte Sprachassistenz verlassen. Die erledigt vom Öffnen und Schließen des Fensters bis zur schnellen Hilfe auf ein flehentliches "Ich habe Hunger" fast alles.
Mercedes C 300 4Matic T-Modell
Der hochformatige Touchmonitor der C-Klasse ist günstiger platziert als der des BMW, die Cockpit-Grafik viel besser ablesbar.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Im Benz neuerdings auch ohne weitere Ansprache ("just talk"). Wer allein reist, kann einfach drauflosreden – das MBUX hört aufmerksam zu. Dass die Bayern an dieser Stelle weiter hin auf ein "Hey, BMW" zur Aktivierung setzen, erweist sich aber nicht wirklich als Nachteil.
Die unschöne Instrumentendarstellung in Sichelform schon eher. Das BMW-Display ist schlechter ablesbar als die animierten Rundinstrumente im Benz, zeigt die Navigationskarte nur in Schwarz-Weiß. Und eine Satellitenansicht wie bei Mercedes liefern die Münchner auch nicht.
Gebrauchtwagensuche: Mercedes C-Klasse T-Modell
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Rechtliche Anmerkungen
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Dafür beglücken uns die Bayern mit neuen Lüftungsdüsen (funktional) und einem klassischen Drehrädchen zum Dimmen der Instrumentenbeleuchtung – bei Mercedes muss der Fahrer dafür ins Menü abtauchen. Beide beherrschen Apple CarPlay und Android Auto ohne Kabel und laden induktiv (BMW 200 Euro extra).

Transporttalente auf Augenhöhe

Unverändert, bei Kombis aber natürlich wichtig: der Kofferraum. Der BMW kann 500 bis 1510 Liter einladen, was okay ist – und fast dem Mercedes-Maß entspricht (490 bis 1510 Liter). Auch sonst herrscht viel Einigkeit, etwa bei der 40:20:40 geteilten Fondlehne oder 1,8 Tonnen Anhängelast.
BMW 330i xDrive Touring Mercedes C 300 4Matic T-Modell
Transporter: In beiden Kombis lassen sich bis zu 1510 Liter Gepäck unterbringen, beim Minimalvolumen fehlen dem Benz zehn Liter.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Ein paar Unterschiede finden sich ebenfalls: Das Bodenfach im Mercedes ist deutlich geräumiger als die flache Ablage im BMW, der dafür eine separat öffnende Heckscheibe (Serie, sehr praktisch) sowie ein schlaues Koffer-"ESP" bietet. Zwischen den Leisten am Boden, auf denen Gepäck leicht rutscht, lassen sich gummierte Polster aufpusten, die die Ladung bremsen (440 Euro im Gepäckraumpaket).

Schwächerer BMW sprintet besser

Es lebe der Sport – raunt der bassig brummelnde Vierzylinder des BMW ins Ohr. Wer zustimmt, den schicken die 245 PS auch dank gripstarkem Allrad in gerade mal 5,9 Sekunden auf Tempo. Der 330i wirkt stets hellwach und leistungswillig, gibt sich bis 250 km/h keine Blöße – was sicher auch ein Verdienst der famosen ZF-Achtstufenautomatik ist, die schnell und ohne jedes Zaudern die Fahrstufen sortiert.
BMW 330i xDrive Touring
Knapper Sprintsieger: Obwohl über 30 PS schwächer, ist der 330i in 5,9 Sekunden auf 100 km/h und damit zwei Zehntel schneller als der C 300.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Zweiliter-Vierzylinder ist auf jeden Fall mehr als eine Notlösung unter verschärftem CO2 -Diktat. Apropos CO2: Obwohl dem 330i auch mit der aktuellen Auffrischung kein 48-Volt-Baustein hilft (nur für Diesel und M340i), begnügt er sich auf unserer Testrunde mit ordentlichen acht Litern pro 100 Kilometer.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,1 s 
2,1 s 
0–100 km/h 
5,9 s 
6,1 s 
0–130 km/h 
9,7 s 
9,6 s 
0–160 km/h 
15,4 s 
14,8 s 
0–200 km/h 
27,9 s 
25,9 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
3,2 s 
3,4 s 
80–120 km/h 
4,0 s 
4,1 s 
Leergewicht/Zuladung 
1760/495 kg 
1845/550 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
48/52 % 
53/47 % 
Wendekreis links/rechts 
11,9/12,0 m 
10,9/11,0 m 
Sitzhöhe 
520 mm 
565 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
36,0 m 
35,3 m 
aus 100 km/h warm 
34,1 m 
33,3 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
56 dB(A) 
56 dB(A) 
bei 100 km/h 
63 dB(A) 
62 dB(A) 
bei 130 km/h
67 dB(A)
66 dB(A)
bei 160 km/h
71 dB(A)
71 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch 
6,6 l S/100 km 
6,8 l SP/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
8,0 l S/100 km
(+5 %)
7,9 l SP/100 km
(+5 %)
Sportverbrauch 
10,0 l S/100 km 
9,7 l SP/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
190 g/km 
187 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
735 km 
835 km 
Der mildhybridisierte C 300 bleibt nur um einen Zehntel Liter günstiger (aber Super Plus), zeigt insgesamt deutlich mehr Cruiser- als Kracherambitionen. Obwohl mit 258 + 23 PS stärker als der BMW, braucht er bis Tempo 100 zwei Zehntel mehr, die Fahrstufenwechsel dauern länger und erfolgen nicht immer ganz unbemerkt, der Motor tönt heller und etwas unangenehmer als beim Bajuwaren.

Mehr Fahrkomfort steckt in der C-Klasse

Erst oben raus setzt sich der ebenfalls allradgetriebene Benz mit seinen neun Fahrstufen und rechnerisch fast 15 Prozent mehr Leistung ab, holt sich bis Tempo 200 zwei Sekunden Vorsprung. Vorteil Mercedes auch beim Federungskomfort. Vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten bügelt der Benz Unebenheiten einfach souveräner glatt.
Mercedes C 300 4Matic T-Modell
Geschmeidigerer Gleiter: Dank Adaptivfahrwerk bügelt der Mercedes Straßenunebenheiten besser aus als der BMW.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der mit 19-Zoll-Rädern (1950 Euro) und dem kurzhubigeren Fahrwerk bestückte BMW macht zwar eine Mordsgaudi auf kurvenreichen Passagen, reicht fiese Kanten oder Absätze aber schon mal recht unverblümt weiter – ohne dass die Dämpfer schon auf sportlich gestellt wären (adaptives M-Fahrwerk für 500 Euro). Der Mercedes wirkt auf welliger Piste und bei hohem Tempo dagegen schon mal etwas unruhig und schaukelig, kann über den Sportmodus aber gestrafft werden.
Zusammen mit dem Adaptivfahrwerk sorgt die Hinterachslenkung (im Paket 2088 Euro) außerdem für einen angenehm kleinen Wendekreis von elf Metern – der Touring braucht für den U-Turn einen Meter mehr. Und auch beim Bremsen beansprucht die C-Klasse mit Sportreifen für 357 Euro weniger Platz, steht aus Tempo 100 im Durchschnitt knapp 0,8 Meter früher als der mit Sportbremse (700 Euro) gepimpte Dreier.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
565
562
Platz
1
2
Fazit
Komfortabel und sehr souverän, das geschmeidige Auftreten überdeckt zuweilen das Temperament.
Ein enorm fahraktiver Kombi, der den Komfort vor lauter Fahrspaß zuweilen vergisst. Günstiger im Unterhalt.
Sehr sicher und von cleveren Assistenten behütet fahren übrigens beide, der Benz neuerdings mit automatischer Überholfunktion. Wenn Abstandstempomat & Co aktiv sind, reicht die Hand am Lenkrad, und der C 300 zieht von allein – und betont bedächtig – an langsameren Fahrzeugen vorbei.

BMW noch teurer als Mercedes

Die Grundpreise liegen bei über 60.000 Euro, im Testtrimm stehen für den C 300 70.156 und für den 330i sogar 71.420 Euro auf der Rechnung. Puh! Im Unterhalt kommt der Benz durchweg teurer als der BMW, doch der Dreier kann seinen Rückstand aus der Eigenschaftswertung nicht mehr ganz aufholen – trotz Liebe zum Detail.

Bildergalerie

BMW 330i xDrive Touring Mercedes C 300 4Matic T-Modell
Mercedes C 300 4Matic T-Modell
BMW 330i xDrive Touring
Galerie "Zwei edle Mittelklasse-Kombis im Test" mit 30 Bildern öffnen
Zwei edle Mittelklasse-Kombis im Test
C-Klasse und 3er liegen dicht beieinander – und sind doch so verschieden. Der 330i Touring gibt den sportlichen Kombi für freizeitaktive Familien, das C 300 T-Modell den gediegenen Verwöhnkombi für Genießer. Jeder der beiden überzeugt auf seine ganz eigene Art, ein echter Verlierer ist jedenfalls kaum auszumachen.