BMW 330i xDrive Touring, Mercedes C 300 4Matic T-Modell: Test
Die Mitte zeigt Klasse: Touring gegen T-Modell im Kombi-Vergleichstest

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Auf die Details kommt es an. In einer immer komplexer und verschachtelter werdenden Welt gilt das heute mehr denn je. Das wissen natürlich auch die Autohersteller und halten sich schon lange nicht mehr strikt an Modellzyklen mit Facelift zur Lebensmitte, sondern lassen fast permanent Detailverbesserungen in ihre Modelle einfließen.
Reichlich Platz im überarbeiteten Dreier
Optisch lässt sich der überarbeitete Dreier vor allem an neuen Farben und Felgen ausmachen, die unveränderten Platzverhältnisse überzeugen weiterhin. Wer nicht gerade an die zwei Meter groß ist, reist auch im Fond entspannt, wobei der BMW minimal mehr Knie- und Kopffreiheit bietet, der Benz mit etwas mehr Luft um die Schultern und der angenehmeren Sitzposition kontert.

Der überarbeitete BMW 3er ist außen an neuen Farben und Felgen zu erkennen. Geblieben ist das gute Platzangebot des Touring.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Vorn kommen alle Fahrerstaturen gut klar, wobei der Benz überall einen Hauch mehr Bewegungsfreiheit lässt, die Sitze mit mehr Längsverstellbereich ausstattet und sie ganze 4,5 Zentimeter höher über der Fahrbahn positioniert. Das Gestühl an sich weist weniger Unterschiede auf: ausreichend groß, mit Verlängerung der Sitzfläche (beim Benz klappt das wie bei der Kopfstütze elektrisch) und grundsätzlich genügend Seitenhalt. Erst bei engagierter Fahrweise fällt auf, dass die Sitzfläche in beiden Kombis recht schmal geriet und die Seitenwangen hauptsächlich im Hüftbereich ordentlich zupacken.
Fahrzeugdaten
Modell | BMW 330i xDrive Touring | Mercedes C 300 4Matic T-Modell |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Turbo | Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid |
Einbaulage | vorn längs | vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
Hubraum | 1998 cm³ | 1999 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 180 (245)/4500 | 190 + 17 (258 + 23)/5800 |
Nm bei 1/min | 400/1600 | 400/2000 |
Vmax | 250 km/h | 250 km/h |
Getriebe | Achtstufenautomatik | Neunstufenautomatik |
Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 225/40-255/35 R 19 Y | 225/45-245/40 R 18 Y |
Reifentyp | Michelin Pilot Sport 4 S | Pirelli P Zero |
Radgröße | 8-8,5 x 19" | 7,5-8,5 x 18" |
Abgas CO2 | 171 g/km | 170 g/km |
Verbrauch* | 7,6 l | 7,5 l |
Tankinhalt | 59 l | 66 l |
Kraftstoffsorte | Super | Super Plus |
Ottopartikelfilter | Serie | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) | 67 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1800/750 kg | 1800/750 kg |
Stützlast | 75 kg | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 500–1510 l | 490–1510 l |
Länge/Breite/Höhe | 4713/1827–2068**/1445 mm | 4751/1820–2033**/1455 mm |
Radstand | 2851 mm | 2865 mm |
Grundpreis | 61.500 Euro | 63.153 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 71.420 Euro | 70.156 Euro |
iDrive bleibt dem Touring erhalten
Die volldigitalen Arbeitsplätze sind in beiden Modellen sehr routiniert verarbeitet, auch wenn die C-Klasse auf Kopfsteinpflaster erstaunlich deutlich knarzt und quietscht. Im Touring liefern das 12,3-Zoll-Instrumentendisplay sowie der 14,9-Zoll-Touchscreen alle wichtigen Informationen und Bedienstrukturen. Größter Vorteil der aktuellen Modellaufwertung: In beiden Schirmen unterstützt Augmented Reality (im Innovationspaket für 2950 Euro) die Navigation.

Gutes Konzept: BMW setzt im 3er Touring bei der Bedienung auf den iDrive-Controller. Eine sehr gute Alternative zum Touchmonitor.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das aktuelle BMW Operating System 8.5 kommt mit neuem Einstiegsbildschirm (Kacheln vertikal) und soll den Direktzugriff auf einzelne Funktionen erleichtern. Wie im T-Modell ist es trotz großer und gestochen scharfer Bildschirmgrafik aber nicht immer ganz einfach, die gewünschte Schaltfläche bei voller Fahrt zu treffen. Gut, dass BMW im Dreier weiterhin den genialen iDrive-Controller verbaut, mit dem sich fast alles per Dreh-und Drückbefehl einrichten lässt – wichtig, wenn ganz rechts außen auf dem sehr breiten Touchscreen Schaltflächen auftauchen.
Mercedes überzeugt mit dem MBUX-System
Der aufrechte Bildschirm in der C-Klasse (11,9 Zoll) lässt sich jedenfalls einfacher bespielen, das 12,3-Zoll-Fahrerdisplay ist mit fünf Darstellungsmenüs vielseitiger. Wem das Touchen dann so gar nicht gefällt, kann sich in beiden Autos auf eine fast perfekte Sprachassistenz verlassen. Die erledigt vom Öffnen und Schließen des Fensters bis zur schnellen Hilfe auf ein flehentliches "Ich habe Hunger" fast alles.

Der hochformatige Touchmonitor der C-Klasse ist günstiger platziert als der des BMW, die Cockpit-Grafik viel besser ablesbar.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Im Benz neuerdings auch ohne weitere Ansprache ("just talk"). Wer allein reist, kann einfach drauflosreden – das MBUX hört aufmerksam zu. Dass die Bayern an dieser Stelle weiter hin auf ein "Hey, BMW" zur Aktivierung setzen, erweist sich aber nicht wirklich als Nachteil.
Die unschöne Instrumentendarstellung in Sichelform schon eher. Das BMW-Display ist schlechter ablesbar als die animierten Rundinstrumente im Benz, zeigt die Navigationskarte nur in Schwarz-Weiß. Und eine Satellitenansicht wie bei Mercedes liefern die Münchner auch nicht.
Dafür beglücken uns die Bayern mit neuen Lüftungsdüsen (funktional) und einem klassischen Drehrädchen zum Dimmen der Instrumentenbeleuchtung – bei Mercedes muss der Fahrer dafür ins Menü abtauchen. Beide beherrschen Apple CarPlay und Android Auto ohne Kabel und laden induktiv (BMW 200 Euro extra).
Transporttalente auf Augenhöhe
Unverändert, bei Kombis aber natürlich wichtig: der Kofferraum. Der BMW kann 500 bis 1510 Liter einladen, was okay ist – und fast dem Mercedes-Maß entspricht (490 bis 1510 Liter). Auch sonst herrscht viel Einigkeit, etwa bei der 40:20:40 geteilten Fondlehne oder 1,8 Tonnen Anhängelast.

Transporter: In beiden Kombis lassen sich bis zu 1510 Liter Gepäck unterbringen, beim Minimalvolumen fehlen dem Benz zehn Liter.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Ein paar Unterschiede finden sich ebenfalls: Das Bodenfach im Mercedes ist deutlich geräumiger als die flache Ablage im BMW, der dafür eine separat öffnende Heckscheibe (Serie, sehr praktisch) sowie ein schlaues Koffer-"ESP" bietet. Zwischen den Leisten am Boden, auf denen Gepäck leicht rutscht, lassen sich gummierte Polster aufpusten, die die Ladung bremsen (440 Euro im Gepäckraumpaket).
Schwächerer BMW sprintet besser
Es lebe der Sport – raunt der bassig brummelnde Vierzylinder des BMW ins Ohr. Wer zustimmt, den schicken die 245 PS auch dank gripstarkem Allrad in gerade mal 5,9 Sekunden auf Tempo. Der 330i wirkt stets hellwach und leistungswillig, gibt sich bis 250 km/h keine Blöße – was sicher auch ein Verdienst der famosen ZF-Achtstufenautomatik ist, die schnell und ohne jedes Zaudern die Fahrstufen sortiert.

Knapper Sprintsieger: Obwohl über 30 PS schwächer, ist der 330i in 5,9 Sekunden auf 100 km/h und damit zwei Zehntel schneller als der C 300.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Zweiliter-Vierzylinder ist auf jeden Fall mehr als eine Notlösung unter verschärftem CO2 -Diktat. Apropos CO2: Obwohl dem 330i auch mit der aktuellen Auffrischung kein 48-Volt-Baustein hilft (nur für Diesel und M340i), begnügt er sich auf unserer Testrunde mit ordentlichen acht Litern pro 100 Kilometer.
Messwerte
Modell | BMW 330i xDrive Touring | Mercedes C 300 4Matic T-Modell |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 2,1 s | 2,1 s |
0–100 km/h | 5,9 s | 6,1 s |
0–130 km/h | 9,7 s | 9,6 s |
0–160 km/h | 15,4 s | 14,8 s |
0–200 km/h | 27,9 s | 25,9 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 3,2 s | 3,4 s |
80–120 km/h | 4,0 s | 4,1 s |
Leergewicht/Zuladung | 1760/495 kg | 1845/550 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 48/52 % | 53/47 % |
Wendekreis links/rechts | 11,9/12,0 m | 10,9/11,0 m |
Sitzhöhe | 520 mm | 565 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 36,0 m | 35,3 m |
aus 100 km/h warm | 34,1 m | 33,3 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 56 dB(A) | 56 dB(A) |
bei 100 km/h | 63 dB(A) | 62 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) | 66 dB(A) |
bei 160 km/h | 71 dB(A) | 71 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 6,6 l S/100 km | 6,8 l SP/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 8,0 l S/100 km (+5 %) | 7,9 l SP/100 km (+5 %) |
Sportverbrauch | 10,0 l S/100 km | 9,7 l SP/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 190 g/km | 187 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 735 km | 835 km |
Der mildhybridisierte C 300 bleibt nur um einen Zehntel Liter günstiger (aber Super Plus), zeigt insgesamt deutlich mehr Cruiser- als Kracherambitionen. Obwohl mit 258 + 23 PS stärker als der BMW, braucht er bis Tempo 100 zwei Zehntel mehr, die Fahrstufenwechsel dauern länger und erfolgen nicht immer ganz unbemerkt, der Motor tönt heller und etwas unangenehmer als beim Bajuwaren.
Mehr Fahrkomfort steckt in der C-Klasse
Erst oben raus setzt sich der ebenfalls allradgetriebene Benz mit seinen neun Fahrstufen und rechnerisch fast 15 Prozent mehr Leistung ab, holt sich bis Tempo 200 zwei Sekunden Vorsprung. Vorteil Mercedes auch beim Federungskomfort. Vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten bügelt der Benz Unebenheiten einfach souveräner glatt.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der mit 19-Zoll-Rädern (1950 Euro) und dem kurzhubigeren Fahrwerk bestückte BMW macht zwar eine Mordsgaudi auf kurvenreichen Passagen, reicht fiese Kanten oder Absätze aber schon mal recht unverblümt weiter – ohne dass die Dämpfer schon auf sportlich gestellt wären (adaptives M-Fahrwerk für 500 Euro). Der Mercedes wirkt auf welliger Piste und bei hohem Tempo dagegen schon mal etwas unruhig und schaukelig, kann über den Sportmodus aber gestrafft werden.
Zusammen mit dem Adaptivfahrwerk sorgt die Hinterachslenkung (im Paket 2088 Euro) außerdem für einen angenehm kleinen Wendekreis von elf Metern – der Touring braucht für den U-Turn einen Meter mehr. Und auch beim Bremsen beansprucht die C-Klasse mit Sportreifen für 357 Euro weniger Platz, steht aus Tempo 100 im Durchschnitt knapp 0,8 Meter früher als der mit Sportbremse (700 Euro) gepimpte Dreier.
Platzierung
Modell | Mercedes C 300 4Matic T-Modell | BMW 330i xDrive Touring |
|---|---|---|
Punkte* | 565 | 562 |
Platz | 1 | 2 |
Fazit | Komfortabel und sehr souverän, das geschmeidige Auftreten überdeckt zuweilen das Temperament. | Ein enorm fahraktiver Kombi, der den Komfort vor lauter Fahrspaß zuweilen vergisst. Günstiger im Unterhalt. |
Sehr sicher und von cleveren Assistenten behütet fahren übrigens beide, der Benz neuerdings mit automatischer Überholfunktion. Wenn Abstandstempomat & Co aktiv sind, reicht die Hand am Lenkrad, und der C 300 zieht von allein – und betont bedächtig – an langsameren Fahrzeugen vorbei.
BMW noch teurer als Mercedes
Die Grundpreise liegen bei über 60.000 Euro, im Testtrimm stehen für den C 300 70.156 und für den 330i sogar 71.420 Euro auf der Rechnung. Puh! Im Unterhalt kommt der Benz durchweg teurer als der BMW, doch der Dreier kann seinen Rückstand aus der Eigenschaftswertung nicht mehr ganz aufholen – trotz Liebe zum Detail.
Fazit
C-Klasse und 3er liegen dicht beieinander – und sind doch so verschieden. Der 330i Touring gibt den sportlichen Kombi für freizeitaktive Familien, das C 300 T-Modell den gediegenen Verwöhnkombi für Genießer. Jeder der beiden überzeugt auf seine ganz eigene Art, ein echter Verlierer ist jedenfalls kaum auszumachen.
Service-Links










































