54, 74, 90, 2010 – Deutschland ist Weltmeister! Jedenfalls wenn wir nicht vom Fußball, sondern von modernen Dieselmotoren reden. Hier macht uns so leicht keiner was vor. Nicht nur, dass die Deutschen immer noch gern zum Selbstzünder greifen (2009 lag der Anteil bei 30,6 Prozent). Nein, die heimischen Hersteller liefern auch immer wieder unglaublich überzeugende Gründe für unsere Diesel-Begeisterung. Den jüngsten Beleg rollen die Bayern dieser Tage auf die Straße. BMW pflanzt seinem neuen Fünfer einen kleinen Vierzylinder-Diesel unter die Haube. Der Zweiliter leistet 184 PS und macht den 520d zum günstigsten Mitglied der Münchner Oberklasse. Das gilt einerseits für den Preis, der mit 39.950 Euro gerade so an der magischen 40.000-Euro-Mauer vorbeischrammt. Und das gilt auch für den Verbrauch, den BMW auf dem Prüfstand mit sagenhaften 4,9 l/100 km ermittelt hat. Zwei von vielen Gründen, den BMW 520d zum ersten Mal gegen den Mercedes E 220 CDI antreten zu lassen. Und das auf dem härtesten Prüfstand überhaupt, dem AUTO BILD-Vergleichstest.

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So fahren sie: Auf jeden Fall viel besser als der Pächter unserer Stammtanke wahrhaben will. "Kassenmodell", brummelt er beleidigt vor sich hin. Und meint damit doch nur den Grund für seine Abneigung. Sowohl 520d als auch E 220 CDI erweisen sich als wahre Kostverächter. Dem mit Start-Stopp-Automatik und Bremsenergierückgewinnung auftrumpfenden BMW reichen 6,2 l/100 km, der ohne Spar-Spielchen vorfahrende Daimler braucht sogar nur 6,1 Liter – da wäre jeder Tankwart bedient. Denn gleichzeitig liefert der 520d auf der Straße derart überzeugende Unterhaltung, dass kaum der Wunsch nach den größeren Sechszylindern aufkommt. Geschmeidig dreht der gut gedämmte Vierzylinder hoch, verliert auch Richtung Drehzahlbegrenzer nicht die Lust und bringt uns entspannt an Lkw vorbei. Tadellose Handschaltung, präzise Lenkung und geschmeidiges Fahrwerk runden den guten Eindruck des Fünfers ab. Einzig die leichte Anfahrschwäche unter 2000 Touren lässt sich dem Bayern ankreiden.

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Leistungsmangel droht auch beim 14 PS schwächeren Mercedes nicht. Sein 2,1-Liter-Vierzylinder dreht allerdings ab 4000 Umdrehungen nur noch bedingt willig, sein Klang erinnert beim Beschleunigen sehr viel deutlicher an die letzte Taxi-Tour, Schaltung und Lenkung arbeiten nicht ganz so perfekt wie im BMW. Doch bevor wir ungerecht werden: Der E 220 CDI überzeugt mit kraftvollem Durchzug in mittleren Drehzahllagen, schafft locker ein Reisetempo von 200 km/h und spricht auch untenrum spontan an. Weniger souverän als der BMW kontert er schlechte Pisten. Wobei dieser Vergleich nicht ganz fair ist, denn der 520d kam mit elektronischer Dämpferregelung (1300 Euro extra). Speziell Frostaufbrüche und Betonplatten-Autobahnen lassen die E-Klasse zittern. Das optionale Airmatic-Fahrwerk wäre eine Lösung – aber Mercedes bietet es für den 220er nicht an.

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Auch wenn der BMW am Ende mit klarem Vorsprung gewinnt, bleibt der Mercedes in der Dienstwagen-Klasse eine Überlegung wert. Denn auch der E 220 CDI ist ein geräumiges, sparsames und repräsentatives Oberklasse-Auto. Sein größtes Problem: Der 520d kann (fast) alles noch einen Tick besser, präsentiert sich noch souveräner und – falls das eine Rolle spielen sollte – kostet auch etwas weniger. Das Bessere bleibt des Guten Feind.