BMW 520d xDrive Touring, Mercedes E 220 d 4Matic T: Test
Edelkombis mit Vernunftdiesel: 5er Touring gegen E-Klasse T-Modell
Zwei Edelkombis im Vergleich
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Seit Erscheinen des ersten BMW 5er Touring 1991 waren die Rollen der Nobelkombis von Mercedes und BMW jahrzehntelang klar verteilt: Das E-Klasse-T-Modell ist der sanft wogende Raumriese, der 5er Touring das agile Fahrerauto ohne Superlative in Sachen Ladevolumen. Ist das noch so?
Schließlich ist der neue 5er Touring (Baureihe G61), im Mai 2024 gestartet, auf normgaragensprengende 5,06 Meter Länge und volle 1,90 Meter Breite gewachsen.
In den Basisdieseln steckt genug Kraft
Das 2023 gestartete T-Modell der aktuellen Mercedes E-Klasse (S 214) nimmt sich mit 4,95 Meter Länge und 1,88 Meter Breite etwas kompakter aus. Das größte Ladevolumen (615 bis 1830 Liter) bietet es noch immer. Zum Vergleich der BMW: 570 bis 1700 Liter.

Zweimal Edelkombi mit Basisdiesel: E 220d und 520d setzen auf mild hybridisierte Zweiliter-Selbstzünder mit jeweils 197 PS.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Für diesen Vergleich haben wir zu den Basisdieseln mit Allradantrieb gegriffen – angesichts von jeweils 197 PS Leistung und nicht unter 400 Nm Drehmoment dürften deren Fahrleistungen auch bei zwei Tonnen schweren Kombis reichen. Der BMW rollt als "Grande Complication" auf unseren Hof: vorn Stahl-, hinten Luftfedern mit Höhenverstellung plus Hinterachslenkung (1990 Euro, im Paket). Der Wendekreis: 11,9 Meter – okay, aber nicht kleiner als der Wendekreis des Sindelfingers.
Fünfer setzt noch auf den Dreh-Drück-Steller
Im Interieur dominiert das leicht zum Fahrer gebogene Curved Display mit 14,9-Zoll-Zentralbildschirm, im Gegensatz zu anderen Modellen der Marke (etwa: X1) angenehmerweise noch mit Drehdrücksteller. Dessen Bedienung reagiert irgendwie eckiger als früher; der Vorteil der geringen Ablenkungswirkung bleibt.

Die Bedienung per Dreh-Drück-Steller funktioniert gut im Fünfer. Aus anderen BMW-Modellen ist das praktische Detail schon verschwunden.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Schon auf halbem Weg zum autonomen Fahren: Im Modus Assisted Driving lässt sich der Autobahnassistent des BMW (850 Euro extra) zu Blinkerbetätigung und Spurwechsel bewegen, indem der Fahrer den rechten Seitenspiegel mit dem Blick fixiert. Mit einem Druck auf einen Set-Knopf in der linken Lenkradspeiche muss diese Funktion erst aktiviert werden.
Fahrzeugdaten
Modell | BMW 520d xDrive Touring | Mercedes E 220 d 4Matic T-Modell |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Biturbo, Mildhybrid | Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid |
Einbaulage | vorn längs | vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
Hubraum | 1995 cm³ | 1993 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 145 + 8 (197 + 11)/4000 | 145 + 17 (197 + 23)/3600 |
Nm bei 1/min | 400/1500 | 440/1800 |
Vmax | 218 km/h | 227 km/h |
Getriebe | Achtstufenautomatik | Neunstufenautomatik |
Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 245/40–275/35 R 20 Y | 245/40–275/35 R 20 Y |
Reifentyp | Pirelli P Zero | Pirelli P Zero |
Radgröße | 8,5–10 x 20" | 8,5–9,5 x 20" |
Abgas CO2* | 152 g/km | 141 g/km |
Verbrauch* | 5,8 l | 5,3 l |
Tankinhalt | 60 l | 66 l |
Kraftstoffsorte | Diesel | Diesel |
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt | Serie/k. A. | Serie/24 l |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) | 67 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2000/750 kg | 2100/750 kg |
Stützlast | 100 kg | 84 kg |
Kofferraumvolumen | 570–1700 l | 615–1830 l |
Länge/Breite/Höhe | 5060/1900–2156**/1515 mm | 4949/1880–2065**/1469 mm |
Radstand | 2995 mm | 2961 mm |
Grundpreis | 64.350 Euro | 69.556 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 76.680 Euro | 90.066 Euro |
BMW fährt leichtfüßiger und komfortabler
Ob das im Alltag jemand nutzt, ist mit einem Fragezeichen zu versehen, weil das System nur mit viel Wenn und Aber funktioniert und der Fahrer es ständig überwachen muss. Was für ihn anstrengender ist, als einfach zu fahren und eingeübten Arbeitsabläufen zu folgen. Mercedes verfügt über einen Spurwechselassistenten, der bei Blinkerbetätigung einen Spurwechsel vollführt.

Als komfortabler Dynamiker gefällt uns der BMW. Er tastet die Straße sensibler ab als der Benz, seine 20-Zöller federt er elegant weg.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Hände müssen dazu aber am Lenkrad sein. Auch das soll wohl in erster Linie demonstrieren, was heute schon möglich ist. Die Überraschung auf unserer Komfortstrecke: Der BMW tastet noch sensibler den Boden ab als der Mercedes. Die optionalen 20-Zoll-Räder steckt er ohne viel Komfortverlust weg. Der BMW fährt subjektiv auch leichtfüßiger, die Hinterachslenkung macht den Unterschied.
Ganz großes Bildschirm-Kino im Benz
Beim Mercedes-Testwagen schockt erst einmal das Preisschild von mehr als 90.000 Euro. Die Limousinen haben wir ja schon im November 2023 verglichen, mit den gleichen Motoren. Damals betrug die Preisdifferenz zwischen Benz und BMW 12.000 Euro, hier ist sie nochmals höher.

Beeindruckend: Der Wide-Screen zieht sich fast über das ganze Armaturenbrett der E-Klasse. Dem Beifahrer zeigt er sogar Filme.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Tesla-artig elektrisch ausfahrenden Türgriffe ruckeln leicht beim Mercedes. Von den Klappgriffen des BMW kann man hingegen abrutschen. Das Optimum haben beide nicht gefunden. Innen beeindruckt der Stuttgarter mit dem 1773 Euro teuren Hyperscreen sowie mit drittem Bildschirm (12,3 Zoll) auf der Beifahrerseite. Statt auf eine Plastikfläche schaut der Co-Pilot wahlweise auf Kompass, Uhr, Navi-Karte oder ein Bild vom Mercedes-Museum; auch einen Film kann er sich anschauen. Das Bedienkonzept birgt Gewöhnungsbedürftiges: Der Sitzverstellung an der Tür etwa mangelt es an Rückmeldung. Und die Lendenwirbelstütze ist nicht per Knopf am Sitz, sondern nur per Tauchgang in ein vierstufiges Menü verstellbar – umständlich.
Messwerte
Modell | BMW 520d xDrive Touring | Mercedes E 220 d 4Matic T-Modell |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 2,5 s | 2,7 s |
0–100 km/h | 7,7 s | 8,3 s |
0–130 km/h | 13,3 s | 13,7 s |
0–160 km/h | 22,1 s | 22,0 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 4,3 s | 4,8 s |
80–120 km/h | 6,0 s | 5,6 s |
Leergewicht/Zuladung | 1975/580 kg | 2035/615 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 50/50 % | 52/48 % |
Wendekreis links/rechts | 11,9/11,9 m | 11,9/12,0 m |
Sitzhöhe | 580 mm | 525 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 31,9 m | 32,1 m |
aus 100 km/h warm | 31,2 m | 30,7 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 56 dB(A) | 56 dB(A) |
bei 100 km/h | 62 dB(A) | 62 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) | 65 dB(A) |
bei 160 km/h | 72 dB(A) | 70 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 4,8 l D/100 km | 4,7 l D/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 6,0 l D/100 km (+3 %) | 5,9 l D/100 km (+11 %) |
Sportverbrauch | 8,1 l D/100 km | 7,7 l D/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 159 g/km | 156 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 1000 km | 1110 km |
Ansonsten fallen die vielen Gemeinsamkeiten auf: Beide schaffen grandios kurze Bremswege um 31 Meter, beide kommen mit 48-Volt-Mildhybridisierung, was zu völlig fehlenden Getriebe-Gedenksekunden wie zu niedrigen Dieselverbräuchen um 6,0 Liter/100 km beiträgt. Auch die Sprachsteuerungen sind top, bei beiden. Unübersichtlich nach hinten sind leider ebenfalls beide.
Mercedes-Federung lässt feine Kanten durch
Trotz der hier verbauten Mehrkammer-Luftfederung (1785 Euro) kommt im E 220 d nicht das erhoffte Gefühl eines fliegenden Teppichs auf; man spürt die feinen Kanten stärker als im BMW. Dafür ist er noch leiser. Während im BMW ab etwa 160 km/h Windgeräusche hörbar sind, wenn auch leise, ist der Mercedes bis etwa 175 km/h praktisch stumm.

Etwas überraschend: Die Mehrkammer-Luftfederung des Mercedes filtert feine Kanten weniger elegant weg als das Fahrwerk des BMW.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Erklärung: Den dicken Scheiben des BMW setzt der Mercedes Doppelverglasung entgegen. Auf Kopfsteinpflaster wiederum ist der BMW leiser, während der Mercedes im Übergangsbereich Cockpit-Mittelkonsole leicht zirpt – allerdings hatte unser Exemplar schon 11.000 Kilometer abgespult, während der BMW-Testwagen flammneu war.
Der Mercedes mit seiner sanft und zügig schaltenden Neunstufenautomatik ist extrem lang übersetzt, die neunte Stufe eine Art Overdrive. Bei 130 km/h macht er 1500 Touren, also kaum mehr als Leerlaufdrehzahl. Er bietet auch 40 Nm mehr Drehmoment, sein Startergenerator ist 12 PS stärker.
Platzierung
Modell | BMW 520d xDrive Touring | Mercedes E 220 d 4Matic T-Modell |
|---|---|---|
Punkte* | 604 | 598 |
Platz | 1 | 2 |
Fazit | Mit mehr als fünf Metern unpraktisch lang, aber gewohnt agil und sogar noch angenehmer gefedert als der Benz. | Stärken sind Ladevolumen, Zuladung, Anhängelast, erträgliche Versicherungstarife. Kaufpreis aber deutlich höher. |
Wäre das hier ein reiner Eigenschaftsvergleich, würde der Mercedes knapp vorn liegen. Allerdings kann der BMW längst auch Komfort. Wogende Komfortsänfte mit Stern versus betont drahtiger BMW – das war einmal.
Fazit
Hochwertig gemachte Kombis mit modernsten Annehmlichkeiten sind beide, und sie liegen nach Punkten dicht beieinander. Der sperrige und dennoch agile BMW gewinnt knapp übers Kostenkapitel, denn der gewohnt geräumige Mercedes marschiert preislich bereits Richtung Luxusklasse. Die sehr sparsamen Basis-Diesel reichen in fast jeder Verkehrslage.
Service-Links





























