Seit Erscheinen des ersten BMW 5er Touring 1991 waren die Rollen der Nobelkombis von Mercedes und BMW jahrzehntelang klar verteilt: Das E-Klasse-T-Modell ist der sanft wogende Raumriese, der 5er Touring das agile Fahrerauto ohne Superlative in Sachen Ladevolumen. Ist das noch so?
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Schließlich ist der neue 5er Touring (Baureihe G61), im Mai 2024 gestartet, auf normgaragensprengende 5,06 Meter Länge und volle 1,90 Meter Breite gewachsen.

In den Basisdieseln steckt genug Kraft

Das 2023 gestartete T-Modell der aktuellen Mercedes E-Klasse (S 214) nimmt sich mit 4,95 Meter Länge und 1,88 Meter Breite etwas kompakter aus. Das größte Ladevolumen (615 bis 1830 Liter) bietet es noch immer. Zum Vergleich der BMW: 570 bis 1700 Liter.
BMW 520d xDrive Touring Mercedes E 220 d 4Matic T-Modell
Zweimal Edelkombi mit Basisdiesel: E 220d und 520d setzen auf mild hybridisierte Zweiliter-Selbstzünder mit jeweils 197 PS.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Für diesen Vergleich haben wir zu den Basisdieseln mit Allradantrieb gegriffen – angesichts von jeweils 197 PS Leistung und nicht unter 400 Nm Drehmoment dürften deren Fahrleistungen auch bei zwei Tonnen schweren Kombis reichen. Der BMW rollt als "Grande Complication" auf unseren Hof: vorn Stahl-, hinten Luftfedern mit Höhenverstellung plus Hinterachslenkung (1990 Euro, im Paket). Der Wendekreis: 11,9 Meter – okay, aber nicht kleiner als der Wendekreis des Sindelfingers.

Fünfer setzt noch auf den Dreh-Drück-Steller

Im Interieur dominiert das leicht zum Fahrer gebogene Curved Display mit 14,9-Zoll-Zentralbildschirm, im Gegensatz zu anderen Modellen der Marke (etwa: X1) angenehmerweise noch mit Drehdrücksteller. Dessen Bedienung reagiert irgendwie eckiger als früher; der Vorteil der geringen Ablenkungswirkung bleibt.
BMW 520d xDrive Touring
Die Bedienung per Dreh-Drück-Steller funktioniert gut im Fünfer. Aus anderen BMW-Modellen ist das praktische Detail schon verschwunden.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Schon auf halbem Weg zum autonomen Fahren: Im Modus Assisted Driving lässt sich der Autobahnassistent des BMW (850 Euro extra) zu Blinkerbetätigung und Spurwechsel bewegen, indem der Fahrer den rechten Seitenspiegel mit dem Blick fixiert. Mit einem Druck auf einen Set-Knopf in der linken Lenkradspeiche muss diese Funktion erst aktiviert werden.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Vierzylinder, Biturbo, Mildhybrid 
Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid 
Einbaulage 
vorn längs 
vorn längs 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Kette 
Hubraum 
1995 cm³ 
1993 cm³ 
kW (PS) bei 1/min
145 + 8 (197 + 11)/4000 
145 + 17 (197 + 23)/3600 
Nm bei 1/min
400/1500 
440/1800 
Vmax
218 km/h 
227 km/h 
Getriebe 
Achtstufenautomatik 
Neunstufenautomatik 
Antrieb 
Allradantrieb 
Allradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
245/40–275/35 R 20 Y 
245/40–275/35 R 20 Y 
Reifentyp 
Pirelli P Zero 
Pirelli P Zero 
Radgröße 
8,5–10 x 20" 
8,5–9,5 x 20" 
Abgas CO2* 
152 g/km 
141 g/km 
Verbrauch* 
5,8 l 
5,3 l 
Tankinhalt 
60 l 
66 l 
Kraftstoffsorte 
Diesel 
Diesel 
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt 
Serie/k. A. 
Serie/24 l 
Vorbeifahrgeräusch 
67 dB(A) 
67 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
2000/750 kg 
2100/750 kg 
Stützlast 
100 kg 
84 kg 
Kofferraumvolumen 
570–1700 l 
615–1830 l 
Länge/Breite/Höhe 
5060/1900–2156**/1515 mm 
4949/1880–2065**/1469 mm 
Radstand 
2995 mm 
2961 mm 
Grundpreis
64.350 Euro
69.556 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
76.680 Euro
90.066 Euro

BMW fährt leichtfüßiger und komfortabler

Ob das im Alltag jemand nutzt, ist mit einem Fragezeichen zu versehen, weil das System nur mit viel Wenn und Aber funktioniert und der Fahrer es ständig überwachen muss. Was für ihn anstrengender ist, als einfach zu fahren und eingeübten Arbeitsabläufen zu folgen. Mercedes verfügt über einen Spurwechselassistenten, der bei Blinkerbetätigung einen Spurwechsel vollführt.
BMW 520d xDrive Touring
Als komfortabler Dynamiker gefällt uns der BMW. Er tastet die Straße sensibler ab als der Benz, seine 20-Zöller federt er elegant weg.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Hände müssen dazu aber am Lenkrad sein. Auch das soll wohl in erster Linie demonstrieren, was heute schon möglich ist. Die Überraschung auf unserer Komfortstrecke: Der BMW tastet noch sensibler den Boden ab als der Mercedes. Die optionalen 20-Zoll-Räder steckt er ohne viel Komfortverlust weg. Der BMW fährt subjektiv auch leichtfüßiger, die Hinterachslenkung macht den Unterschied.

Ganz großes Bildschirm-Kino im Benz

Beim Mercedes-Testwagen schockt erst einmal das Preisschild von mehr als 90.000 Euro. Die Limousinen haben wir ja schon im November 2023 verglichen, mit den gleichen Motoren. Damals betrug die Preisdifferenz zwischen Benz und BMW 12.000 Euro, hier ist sie nochmals höher.
Mercedes E 220 d 4Matic T-Modell
Beeindruckend: Der Wide-Screen zieht sich fast über das ganze Armaturenbrett der E-Klasse. Dem Beifahrer zeigt er sogar Filme.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Tesla-artig elektrisch ausfahrenden Türgriffe ruckeln leicht beim Mercedes. Von den Klappgriffen des BMW kann man hingegen abrutschen. Das Optimum haben beide nicht gefunden. Innen beeindruckt der Stuttgarter mit dem 1773 Euro teuren Hyperscreen sowie mit drittem Bildschirm (12,3 Zoll) auf der Beifahrerseite. Statt auf eine Plastikfläche schaut der Co-Pilot wahlweise auf Kompass, Uhr, Navi-Karte oder ein Bild vom Mercedes-Museum; auch einen Film kann er sich anschauen. Das Bedienkonzept birgt Gewöhnungsbedürftiges: Der Sitzverstellung an der Tür etwa mangelt es an Rückmeldung. Und die Lendenwirbelstütze ist nicht per Knopf am Sitz, sondern nur per Tauchgang in ein vierstufiges Menü verstellbar – umständlich.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,5 s 
2,7 s 
0–100 km/h 
7,7 s 
8,3 s 
0–130 km/h 
13,3 s 
13,7 s 
0–160 km/h 
22,1 s 
22,0 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,3 s 
4,8 s 
80–120 km/h 
6,0 s 
5,6 s 
Leergewicht/Zuladung 
1975/580 kg 
2035/615 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
50/50 % 
52/48 % 
Wendekreis links/rechts 
11,9/11,9 m 
11,9/12,0 m 
Sitzhöhe 
580 mm 
525 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
31,9 m 
32,1 m 
aus 100 km/h warm 
31,2 m 
30,7 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
56 dB(A) 
56 dB(A) 
bei 100 km/h 
62 dB(A) 
62 dB(A) 
bei 130 km/h
67 dB(A)
65 dB(A)
bei 160 km/h
72 dB(A)
70 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch 
4,8 l D/100 km 
4,7 l D/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
6,0 l D/100 km
(+3 %)
5,9 l D/100 km
(+11 %)
Sportverbrauch 
8,1 l D/100 km 
7,7 l D/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
159 g/km 
156 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
1000 km 
1110 km 
Ansonsten fallen die vielen Gemeinsamkeiten auf: Beide schaffen grandios kurze Bremswege um 31 Meter, beide kommen mit 48-Volt-Mildhybridisierung, was zu völlig fehlenden Getriebe-Gedenksekunden wie zu niedrigen Dieselverbräuchen um 6,0 Liter/100 km beiträgt. Auch die Sprachsteuerungen sind top, bei beiden. Unübersichtlich nach hinten sind leider ebenfalls beide.

Mercedes-Federung lässt feine Kanten durch

Trotz der hier verbauten Mehrkammer-Luftfederung (1785 Euro) kommt im E 220 d nicht das erhoffte Gefühl eines fliegenden Teppichs auf; man spürt die feinen Kanten stärker als im BMW. Dafür ist er noch leiser. Während im BMW ab etwa 160 km/h Windgeräusche hörbar sind, wenn auch leise, ist der Mercedes bis etwa 175 km/h praktisch stumm.
Mercedes E 220 d 4Matic T-Modell
Etwas überraschend: Die Mehrkammer-Luftfederung des Mercedes filtert feine Kanten weniger elegant weg als das Fahrwerk des BMW.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Erklärung: Den dicken Scheiben des BMW setzt der Mercedes Doppelverglasung entgegen. Auf Kopfsteinpflaster wiederum ist der BMW leiser, während der Mercedes im Übergangsbereich Cockpit-Mittelkonsole leicht zirpt – allerdings hatte unser Exemplar schon 11.000 Kilometer abgespult, während der BMW-Testwagen flammneu war.
Der Mercedes mit seiner sanft und zügig schaltenden Neunstufenautomatik ist extrem lang übersetzt, die neunte Stufe eine Art Overdrive. Bei 130 km/h macht er 1500 Touren, also kaum mehr als Leerlaufdrehzahl. Er bietet auch 40 Nm mehr Drehmoment, sein Startergenerator ist 12 PS stärker.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
604
598
Platz
1
2
Fazit
Mit mehr als fünf Metern unpraktisch lang, aber gewohnt agil und sogar noch angenehmer gefedert als der Benz.
Stärken sind Ladevolumen, Zuladung, Anhängelast, erträgliche Versicherungstarife. Kaufpreis aber deutlich höher.
Wäre das hier ein reiner Eigenschaftsvergleich, würde der Mercedes knapp vorn liegen. Allerdings kann der BMW längst auch Komfort. Wogende Komfortsänfte mit Stern versus betont drahtiger BMW – das war einmal.

Bildergalerie

BMW 520d xDrive Touring Mercedes E 220 d 4Matic T-Modell
BMW 520d xDrive Touring
Mercedes E 220 d 4Matic T-Modell
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Zwei Edelkombis im Vergleich

Fazit

Hochwertig gemachte Kombis mit modernsten Annehmlichkeiten sind beide, und sie liegen nach Punkten dicht beieinander. Der sperrige und dennoch agile BMW gewinnt knapp übers Kostenkapitel, denn der gewohnt geräumige Mercedes marschiert preislich bereits Richtung Luxusklasse. Die sehr sparsamen Basis-Diesel reichen in fast jeder Verkehrslage.