Du meine Goethe: Zwei Seelen wohnen, ach, in unserer Brust! Da wäre die eine, die dem sportlichen Anspruch dieser Boliden alle Ehre machen möchte. Nur so viel Gewicht wie nötig und maximale Karosseriesteifigkeit sprächen eindeutig für eine feste Dachoption.

Zwei sportliche Cabrios im Test

Testsieger
Mercedes
CLE Mercedes-AMG CLE 53 4M+ Cabrio AMG S.SHIFT TCT 9G
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  • Fahrwerk mit gutem Restkomfort
  • bequeme und Halt gebende Performance-Sitze (Option)
  • bewährtes Infotainmentsystem
  • messerscharfes Handling
  • schnelle Automatik
  • Fahrleistungen auf Sportwagenniveau
  • hakelige Türgriffe
  • Verwindung auf schlechten Straßen
  • insgesamt teuer im Unterhalt
  • hoher Verbrauch
  • hoher Kaufpreis
  • herausstehender Kofferraumdeckel erschwert das Beladen
Auf der anderen Seite tönt so ein Reihensechser ja umso schöner, je weniger Material Fahrer und Maschine trennt – und frische Luft tut auch immer gut. Wie viel können M4 Cabrio und AMG CLE 53 also leisten, was sowohl Dynamik als auch Dolce Vita angeht?

Technisch ist der CLE eher eine C-Klasse

Der Mercedes hat aus markenhistorischer Perspektive kein leichtes Erbe anzutreten, vereint er doch zwei ehemals parallel angebotene Cabrios (von C- und E-Klasse) seit Neuestem in einem. Technisch kann der CLE eher als C denn als E gelten, streckt sich mit 4,85 Metern trotzdem fünf Zentimeter länger als der BMW. Zwei große Bildschirme dominieren das Cockpit. Mit viel hochglanzschwarzem Dekor und zahlreichen Chromakzenten außen strahlt der AMG mehr Glamour aus als Mariah Carey in der Vorweihnachtszeit.
Mercedes-AMG CLE 53 4Matic+ Cabrio
Zwei Cabrios in einem: Der neue CLE tritt die Nachfolge der ehemals parallel angebotenen offenen E- und C-Klasse an.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Etwas gewöhnen muss man sich an die sehr schräg stehende Frontscheibe, deren breiter Rahmen Crashtest-relevante Gründe haben dürfte. Außerdem integriert er einen ausfahrbaren Windabweiser, der es zusammen mit dem ebenfalls ausfahrbaren Windschott möglich macht, auch bei Landstraßentempo annähernd zugfrei offen zu fahren. Allerdings treten dann natürlich vermehrt Windgeräusche auf.
Gut, dass das Burmester-Soundsystem mit seinen 17 Boxen (1321 Euro) selbigen Paroli bieten kann. Ebenfalls interessant: Sowohl Mercedes als auch BMW bieten einen in die Sitzlehne integrierten Nackenföhn, der steife, kalte Muskulatur verhindern soll.

BMW setzt spürbar mehr auf Sport

Beim BMW war es das dann aber auch mit den Annehmlichkeiten. Die Grundstimmung im verhältnismäßig nüchtern eingerichteten M4 ist eine andere. Obwohl im Testwagen die optionalen, eng klammernden Carbon-Schalensitze (5000 Euro) nicht verbaut sind, wirkt der Bayer mit seiner Geradlinigkeit kompromissloser. Dazu trägt bei, dass sein Antrieb nicht wie im AMG über dynamische Motorlager verfügt, also immer gleich vehement Vibrationen in den Innenraum überträgt.
BMW M4 Competition Cabrio xDrive
Kompromissloser: Im BMW M4 Competition Cabrio steckt noch deutlich mehr Sportsgeist als in seinem Vergleichstest-Konkurrenten.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der R6 grollt bereits eine ganze Nummer böser, wenn man ihn mit einem Druck auf den rot eingefärbten Startknopf aufweckt. Der Klang bleibt stets präsenter als im Mercedes, in Komfort-Stellung tun Auspuffklappe und Adaptivdämpfer aber ihr Möglichstes, den M4 nicht über die Maßen aufdringlich werden zu lassen.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
R6, Biturbo
R6, Turbo/eZV, Mildhybrid
Einbaulage
vorn längs
vorn längs
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb
Kette
Kette
Hubraum
2993 cm³
2999 cm³
kW (PS) bei 1/min
390 (530)/6250
330 +17 (449 +23)/5800
Nm bei 1/min
650/2750
600/2200
Vmax
280 km/h
270 km/h
Getriebe
Achtstufenautomatik
Neunstufenautomatik
Antrieb
Allradantrieb
Allradantrieb
Bremsscheiben vorn/hinten
Keramik, innenbelüftet, gelocht
Stahl, innenbelüftet, gelocht
Testwagenbereifung
275/35 R 19 Y - 285/30 R 20 Y
265/35–295/30 R 20 Y
Reifentyp
Michelin Pilot Sport 4S
Michelin Pilot Sport S5
Radgröße
9,5 x 19" – 11,5 x 20"
9,5–11 x 20"
Abgas CO2
232 g/km
219 g/km
Verbrauch*
10,3 l/100 km
9,6 l/100 km
Tankinhalt
59 l
65 l
Kraftstoffsorte
Super Plus
Super Plus
Ottopartikelfilter
Serie
Serie
Vorbeifahrgeräusch
72 dB(A)
70 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
1800/750 kg
Stützlast
75 kg
Kofferraumvolumen
300–385 l**
285–375 l**
Länge/Breite/Höhe
4801/1887–2081***/1399 mm
4853/1935–2042***/1435 mm
Radstand
2857 mm
2875 mm
Grundpreis
112.700 Euro
101.584 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
125.050 Euro
112.855 Euro
Was das Platzangebot angeht, bringen es beide ungefähr auf ein vergleichbares Niveau: vorn kommod, hinten arg aua. Im M4 fehlt hinten noch etwas mehr Schulterfreiheit, dafür lassen sich die Füße hier etwas besser unter die Vordersitze stellen. Insgesamt möchte man in beiden höchstens kurz hinten mitfahren. Kofferräume, die mit rund 300 Liter Volumen ausreichen für den Wochenendtrip, zählen ebenfalls bei beiden zum Programm.

CLE-Motor mit weniger Rennsport-Flair

Der AMG CLE 53 definiert sich natürlich zum Großteil ebenfalls über seinen Antrieb. Mit dem 449 PS starken Dreiliter-Sechsender haben sie in Stuttgart ein weich laufendes, gediegen singendes Aggregat geschaffen, das vielleicht weniger Rennsport-Flair vermittelt als der Antrieb des BMW.
Mercedes-AMG CLE 53 4Matic+ Cabrio
Eher ein schneller Cruiser: Mit 449 PS und 600 Nm hat der Mercedes jederzeit genügend Kraft, er reißt aber nicht so an wie der BMW.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Insgesamt passt die Maschine aber bestens zum CLE, bietet dank Turbo sowie elektrischem Zusatzverdichter ein gutes Ansprechverhalten von unten heraus und reißt mit bis zu 600 Newtonmetern an allen vier Rädern. 4,2 Sekunden vergehen bis Tempo 100, 270 km/h Topspeed sind möglich.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50/60/80 km/h
1,3/1,7/2,5 s
1,6/1,9/3,0 s 
0–100/120/130 km/h
3,5/4,6/5,3 s
4,2/5,7/6,6 s 
0–160/180 km/h
7,6/9,5 s
9,8/12,6 s 
0–200/230/250 km/h
11,8/16,5/20,5 s
15,7/22,4/28,9 s 
Viertelmeile
0–400 m
11,49 s
12,49 s
Zwischenspurt
100–200 km/h
8,3 s
11,5 s 
60–80/80–120 km/h
1,8/2,1 s
2,3/2,7 s
Leergewicht/Zuladung
1923/422 kg
2108/382 kg
Gewichtsverteilung v./h.
51/49 %
53/47 %
Wendekreis links/rechts
12,5/12,5 m
12,2/12,1 m
Sitzhöhe
510 mm
515 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,4 m
35,4 m 
aus 100 km/h warm
33,6 m
33,4 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
63 dB(A)
61 dB(A) 
bei 100 km/h
68 dB(A)
67 dB(A) 
bei 130/160 km/h
72 dB(A)
71 dB(A)
bei 160 km/h
75 dB(A)
75 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
8,8 l SP/100 km
7,9 l SP/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
12,5 l SP/100 km
(+21 %)
11,3 l SP/100 km
(+18 %)
Sportverbrauch
21,1 l SP/100 km
18,7 l SP/100 km
CO2 (Testverbrauch)
296 g/km
268 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
472 km
575 km
Weil die Schalensitze bequemer sind, als sie aussehen, und die Allradlenkung den Mercedes wendiger macht, ist er im Stadtverkehr unkomplizierter zu handeln. Außerdem bleibt er mit 11,3 Litern Testverbrauch sparsamer. Hier trägt der 23 PS starke Mildhybrid seinen Teil bei. Dass ein zusätzlicher Antrieb mitmischt, macht sich allerdings auch bei manuellen Eingriffen über die Lenkrad-Paddles bemerkbar. Die Neunstufenautomatik braucht länger als der hemmungslos agierende Achtstufenwandler des BMW, Befehle tatsächlich umzusetzen.

M4 sprintet wie ein Supersportler

Überhaupt realisiert der M4 mit seinen 530 PS Fahrleistungen, die vor wenigen Jahren noch als uneingeschränkt supersportwagentauglich gegolten hätten. Schon bis auf 100 km/h nimmt er dem CLE 0,7 Sekunden ab (3,5 Sekunden), bis Tempo 200 fast vier Sekunden (11,8).
BMW M4 Competition Cabrio xDrive
Explosiv: Der offene M4 Competition stürmt in schlanken 3,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo und schafft maximal 280 km/h.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Dass es die Karosserie beim Boosten der Monoscroll-Lader nicht zu sehr verwindet, ist auf allerlei Versteifungen und Verstrebungen im Unterboden zurückzuführen, welche den M4 von seinen zivileren Brüdern unterscheiden. Selbst im Dach sitzen einige harte Platten, um das Maximum an Steifigkeit herauszuholen.

Der Mercedes ist das schwerere Auto

So lenkt er mit seiner M-spezifischen Vorderachse selbst bei hohen Tempi noch ein, als sei er auf die Straße getackert. Ebenfalls eine große Rolle spielt das Gewicht: Der Mercedes wiegt mit gemessenen 2108 Kilogramm über 180 mehr als der BMW.
Mercedes-AMG CLE 53 4Matic+ Cabrio
Etwas kopflastiger: Der Mercedes trägt mehr Gewicht auf der Vorderachse, er ist zudem über 180 Kilo schwerer als sein Konkurrent.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Zusätzlich muss er mit der höheren Vorderachslast zurechtkommen (53 zu 51 Prozent), wirkt schnell gefahren etwas kopflastiger. Auf der Bremse verzögern beide annähernd identisch. Die getesteten, optionalen Keramikstopper des BMW performen auch in kaltem Zustand schon ordentlich, fordern dann allerdings einen extra-nachdrücklichen Tritt aufs Pedal.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
520
501
Platz
1
2
Testnote
2,5
2,7
Fazit
Im Wesen eher ein Cruiser, der aber auch sportlich kann. Durch Mildhybrid sparsamer, hier sogar günstiger.
Härter, schneller, durstiger – insgesamt noch konsequenter auf Sport gebürstet. Die Keramikbremse macht ihn (zu) teuer.
Außerdem machen sie den M4 9900 Euro teurer. So geschieht etwas Ungewohntes: Der Mercedes gewinnt das Kostenkapitel. Einzig die jährlich verschriebene Wartung spricht gegen ihn. In der Versicherung kosten beide das Gleiche wie ihre Coupé-Pendants. An der Kasse beträgt der Cabrio-Zuschlag rund 8000 Euro (Benz), bei BMW 4500 Euro. Viel Geld für mehr Licht, aber weniger Dach.

Bildergalerie

BMW M4 Competition Cabrio xDrive Mercedes-AMG CLE 53 4Matic+ Cabrio
Mercedes-AMG CLE 53 4Matic+ Cabrio
BMW M4 Competition Cabrio xDrive
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Zwei sportliche Cabrios im Test

Fazit

von

AUTO BILD
Schon klar: Ein Cabrio zu kaufen, ist nie eine rationale Entscheidung. Weil in M4 und AMG CLE 53 das Herz ohnehin immer mitfährt, machen beide auch ohne festes Dach Riesenspaß. Im BMW fasziniert besonders, dass kaum Performance verloren geht. Der CLE holt eher ambitionierte Landstraßenfahrer ab, die nicht so sehr auf Alltagskomfort verzichten wollen.