Wo Mustang und M4 auftauchen, wittern Petrolheads echte Enthusiasten hinterm Steuer – erst recht, wenn die Gänge manuell verwaltet werden. Schließlich bringen moderne Automaten und Doppelkuppler selbst hartgesottene Schalt-Fans unter Rechtfertigungsdruck.

Zwei Sportler im Vergleich

1,9
gut
2,3
gut
Wer trotz technischem Fortschritt noch selbst seine Gänge einlegt, macht das in der Sportwagenliga heute aus Überzeugung. Bleibt die Frage, wer uns hier zum Überzeugungstäter macht.

Mustang setzt sich akustisch deutlich in Szene

Mit dem Mustang Dark Horse bietet Ford hierzulande ein Auto an, das wir in all seiner Urgewalt gar nicht mehr für möglich gehalten hätten – was sowohl die Abgasregulatorik als auch die Soundkulisse betrifft. So unverschämt, wie der Alublock-V8 aus den vier abgeschrägten Endrohren brüllt, müsste im US-TV vermutlich jeder zweite Gasstoß weggepiept werden.
Ford Mustang Dark Horse
Ein echter Auto-Dino: Der Mustang Dark Horse setzt auf die Urgewalt eines fünf Liter großen V8-Saugmotors – und der macht Laune.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Innen bleibt der Mustang ganz Mustang: spürbar einfachere, teils kratzempfindliche Materialien, eher weich gepolsterte Recaro-Sitze – aber dafür jede Menge Charme. Der digitale Tacho lässt sich im Stil eines 67er Modells animieren oder auch im Look der 90er. Dazu kommen zahlreiche digitale Zusatzinstrumente und eine Launch Control mit frei wählbarer Drehzahlgrenze.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Reihensechszylinder, Biturbo 
V8 
Einbaulage 
vorn längs 
vorn längs 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/4 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Kette 
Hubraum
2993 cm³ 
5038 cm³ 
kW (PS) bei 1/min
353 (480)/6250 
334 (453)/6500 
Nm bei 1/min
550/2650-6130 
540/5100 
Vmax
290 km/h 
263 km/h 
Getriebe 
Sechsgang manuell 
Sechsgang manuell 
Antrieb 
Hinterradantrieb 
Hinterradantrieb 
Bremsen vorn & hinten 
Keramik-Verbundscheiben, gelocht 
Stahlscheiben, innenbelüftet 
Testwagenbereifung 
v. 275/35 ZR 19, h. 285/30 ZR 20 Y 
v. 255/40 R 19, h. 275/40 R 19 
Reifentyp 
Michelin Pilot Sport 4 S 
Pirelli P Zero 
Radgröße 
v. 9,5 x 19", h. 10,5 x 20" 
v. 9,5 x 19", h. 10 x 19" 
Abgas CO2 
227 g/km 
279 g/km 
Verbrauch* 
10,0 l/100 km 
12,2 l/100 km 
Tankinhalt 
59 l 
61 l 
Kraftstoffsorte 
Super Plus 
Super 
Parktikelfilter 
Serie 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
71 dB(A) 
70 dB(A) 
Kofferraumvolumen 
440 l 
381 l 
Länge/Breite/Höhe 
4794/1887–2081**/1393 mm 
4810/1916–2080**/1403 mm 
Radstand 
2857 mm 
2719 mm 
Grundpreis
97.100 Euro
73.000 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
113.550 Euro
74.800 Euro
Der M4 gibt sich da deutlich technischer. Im Cockpit spannt sich das bekannte Curved Display über das Armaturenbrett, die Bedienung wirkt aufgeräumt, das Finish makellos. Spielereien gibt es im Detail ebenfalls.

BMW-Innenraum hat einen Makel

Der "M Drift Analyzer" bewertet die eigenen Eskapaden, mit dem Lap Timer lassen sich Rundenzeiten stoppen. Gerade im direkten Vergleich fällt allerdings auf, dass BMW noch immer keine klassisch-runde Tachoansicht bietet, sondern nur die halbmondförmigen Sicheln, deren Ablesbarkeit mindestens als verbesserungswürdig durchgeht.
BMW M4 Coupé
Licht und Schatten: Der BMW M4 gefällt mit aufgeräumter Bedienung und makellosem Finish, aber die Instrumente sind schlecht ablesbar.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Ansonsten bietet der M4 dort, wo der Mustang Carbon-Look imitiert, gegen Aufpreis echte Kohlefaser im Cockpit, ein Dach aus selbigem ist ohnehin serienmäßig.

M4 gibt seinem Piloten sehr viel Halt

Die ebenfalls optionalen, schraubstockartigen Carbon-Schalensitze klemmen Fahrer und Beifahrer millimetergenau ein: perfekt fürs Kurvenräubern, weniger fürs schnelle Einsteigen oder dafür, während der Fahrt zum abgelegten Rucksack auf dem Beifahrersitz hinüberzugreifen. Kleiner praktischer Vorteil: Weil das Gestühl in der Lehne kompakter baut als normale Sportsitze, bleibt hinten etwas mehr Knieraum übrig. Aber wer will da schon sitzen?
BMW M4 Coupé
Pistentauglich: Die Carbonschalen des M4 mit Schraubzwingen-Halt sind was für Hardcore-Fans, lassen eine tiefe Sitzposition zu.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Dem Fahrer macht der BMW es leicht: Die Kräfte, die er braucht, um die Gänge zu wechseln und den Antriebsstrang von den Rädern zu trennen, fallen geringer aus. Einzig kleinere Menschen müssen nah ans Lenkrad rücken, weil die Kupplung einen recht langen Pedalweg aufweist. Zusammen mit der breit bauenden Mittelkonsole kommt man sich so schnell etwas eingeklemmt vor.

Mildhybride? Hmpf. So etwas kommt weder beim Mustang noch beim M4 unter die Haube.

Der ohnehin gemütlicher ausgelegte Mustang bringt einen etwas komfortabler unter, auch wenn die Bedienkräfte hier höher ausfallen. Vom Ersten in den Zweiten kann es im Getriebe schon mal hakeln, dafür wechselt man die Gänge mit einem äußerst befriedigenden "Klack". Beide bieten einen Schaltassistenten, der beim Herunterschalten automatisch perfekt dosiertes Zwischengas gibt – Genießer schalten ihn ab und machen es selbst.

Mustang-Motor reagiert spontan aufs Gas

Unter Last zeigt sich, wie unterschiedlich beide ticken: Der Mustang geht es mit der Kraftabgabe entspannter an. Sein 453 PS starker, von Ford "Coyote" getaufter V8 liefert mit 540 Newtonmetern kaum weniger Drehmoment als das Aggregat des M4, naturgemäß reagiert der Saugbenziner schöner und spontaner aufs Gas. Aber im direkten Vergleich braucht der Antrieb mehr Drehzahl.
Ford Mustang Dark Horse
Spaßmaschine: Die linear steigende Leistungsabgabe der bärigen V8-Maschine macht den Mustang schön berechenbar.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Überschreitet die animierte Tachonadel die 3500 Umdrehungen, stürmt der Mustang dann los wie Winnie Puuh auf Honigjagd: bärig, laut und schnell, im Vergleich zum bullig von unten heraus antretenden M4 aber zahmer und durch die linear steigende Leistungsabgabe auch berechenbarer, was ja nichts Schlechtes sein muss. Ganz im Gegenteil. Das Mustang-Aggregat bis zum Limit von 7400 Umdrehungen auszudrehen, macht höllischen Spaß.

M4 peitscht ansatzlos vorbei

Der Bayer dagegen schiebt mit 480 PS und 550 Newtonmetern schon ab 2650 Umdrehungen voll an – und hält das Drehmoment bis 6130 Umdrehungen pro Minute konstant. Wo der Mustang noch Luft holt, peitscht der M4 mit seinen zwei gleich großen Turboladern beinahe ansatzlos vorbei, lässt sich auf abgesperrter Strecke im zweiten Gang lässig dazu überreden, das Heck rauszuhängen. Wurde das optionale M Driver's Package geordert, hat der M4 auch beim Topspeed (290 zu 263 km/h) die Nase vorn.
BMW M4 Coupé
Kraftpaket: Der Dreiliter-Biturbo-R6 im BMW M4 ist ein biestiges Aggregat – im zweiten Gang bringt er das Coupé lässig in den Drift.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Während BMW den Sechsten als voll nutzbaren, kurz übersetzten Vollgas-Gang ausgelegt hat, tuckert der Mustang bei Tacho 200 mit gerade mal 3500 Umdrehungen dahin. Agil wirkt das natürlich weniger, war aber angesichts des auch so schon horrenden Spritkonsums wohl eine bewusste Entscheidung von Ford. Weitere Sparmaßnahmen scheint es bis auf eine Start-Stopp-Automatik keine zu geben.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
1,9 s 
2,3 s 
0–100/130 km/h 
4,5/6,8 s 
5,0/7,4 s 
0–160/200 km/h 
9,2/13,6 s 
10,3/15,4 s 
0–230/250 km/h 
18,5/22,3 s 
21,4/26,8 s 
Viertelmeile
0–420 Meter
12,66 s
13,10 s
Elastizität
60–100 km/h
3,8/5,1 s (4./5. Gang) 
4,7/5,9 s (4./5. Gang) 
80–120 km/h 
4,3/6,6 s (5./6. Gang) 
6,0/11,9 s (5./6. Gang) 
Rundenzeit
Contidrom
1:30,94 min
1:33,34 min
Leergewicht/Zuladung 
1685/470 kg 
1811/348 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
52/48 % 
54/46 % 
Wendekreis links/rechts 
12,1/12,2 m 
12,7/12,9 m 
Sitzhöhe 
500 mm 
510 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt/warm
34,8/32,9 m 
35,3/33,0 m 
aus 200 km/h warm 
129,6 m 
130,9 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
62 dB(A) 
62 dB(A) 
bei 100 km/h 
68 dB(A) 
68 dB(A) 
bei 130 km/h 
72 dB(A) 
70 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
7,9 l/100 km 
10,5 l/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
11,3 l SP/100 km
(+13 %)
13,5 l S/100 km
(+10 %)
Sportverbrauch 
20,6 l/100 km 
20,3 l/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
267 g/km 
319 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
522 km 
451 km 
So schluckt der Mustang-Motor selbst unter größter Vorsicht am Gas noch 10,5 Liter. Innerorts dürfen es bei etwas Verkehr auch gern über 20 sein. Im Test-Mix verbrauchte der Mustang mit 13,5 Liter Super Plus schließlich gut zwei Liter mehr als der M4, den man innerorts eher mit 13 bis 15 Litern bewegt.
Auf dem 3,8 Kilometer langen Trockenhandlingkurs des Contidroms hat ebenfalls der M4 die Nase vorn. Er spielt hier nicht nur den Vorteil seiner 31 Mehr-PS in Kombination mit immerhin 126 Kilogramm Mindergewicht aus, sondern wirkt auch allgemein mitteilsamer, mit weniger Radlast auf der Vorderachse (52 zu 54 Prozent bei Ford) leichtfüßiger und lenkt mit seiner direkter abgestimmten Lenkung spürbar bissiger ein als der Mustang. Der Ford geht hier nicht unter, taugt ebenfalls für eine gute Zeit, legt aber ein geringfügig schlechteres Grip-Niveau an den Tag. Die Karosserie scheint weniger steif, das adaptive MagneRide-Fahrwerk lässt auch in der härtesten Stufe noch mehr Wankbewegungen zu.

Auf dem Rundkurs dominiert der M4

Kleine Randnotiz: Was mit einigen Änderungen am Chassis des Dark Horse wie neuen Stabis, Verstärkungen an Unterbau und Hinterachse sowie anderen Progressivfedern möglich ist, zeigte Tuner Steeda bereits im letzten Jahr im Einzeltest mit dem Steeda Q767 Dark Horse.
BMW M4 Coupé Ford Mustang Dark Horse
Das bessere Tracktool ist am Ende der M4. Er nimmt dem Mustang mit 1:30,94 Minuten auf dem Contidrom fast drei Sekunden ab.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Wer es auf dem Rundkurs wirklich ernst meint, legt rund 15.000 Euro auf den Preis eines normalen Dark Horse drauf, bekommt dann aber auch ein Rennstrecken-fertiges Paket geliefert. So wie getestet, fährt der "normale" Mustang auf dem 3,8 Kilometer langen Kurs schlussendlich eine 1:33,34-Minuten-Zeit heraus. Dem M4 reichen für die gleiche Runde 1:30,94 Minuten.

Sportwertung

Sportwertung
Karosserie
(max. Punkte: 15)
12 
10 
Qualität
(max. Punkte: 20)
18 
16 
Sitze/Sitzposition
(max. Punkte: 30)
25 
23 
Ausstattung
(max. Punkte: 15)
15 
Motoreigenschaften
(max. Punkte: 30)
25 
23 
Fahrleistungen
(max. Punkte: 50)
33 
30 
Leistungsgewicht
(max. Punkte: 30)
20 
17 
Getriebe/Schaltung
(max. Punkte: 20)
14 
13 
Sound
(max. Punkte: 20)
15 
18 
Fahrkomfort
(max. Punkte: 20)
17 
16 
Fahrsicherheit
(max. Punkte: 20)
18 
18 
Handling
(max. Punkte: 50)
40 
35 
Rundenzeiten
(max. Punkte: 50)
38 
33 
Lenkung
(max. Punkte: 30)
24 
22 
Bremsen
(max. Punkte: 40)
20 
18 
Verbrauch
(max. Punkte: 20)
13 
10 
Faszination
(max. Punkte: 10)
Preis
(max. Punkte: 30)
20 
26 
Gesamtwertung
(max. Punkte: 500)
374
344

Preislich spielen beide in unterschiedlichen Ligen

Bleiben zu guter Letzt noch die Preise. Auch hier fährt der M4 in einer anderen Liga als der Dark Horse. Der Testwagen hat das optionale Paket M Race Track an Bord, das – halten Sie sich fest – 16.450 Euro Aufpreis kostet. Es umfasst die Keramikbremse, das zuvor genannte M Driver's Package sowie die Carbon-Schalensitze, Schmiederäder in 19/20 Zoll, Echtcarbonleisten im Interieur und weitere schöne Dinge. Irre viel Geld, das sich auf der Waage in 25 Kilogramm Mindergewicht niederschlagen soll.
BMW M4 Coupé Ford Mustang Dark Horse
Vergleichsweise günstig: Für den Mustang Dark Horse werden 74.800 Euro fällig. Der M4 kostet 113.550 Euro – fast 40.000 Euro mehr.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
In Summe entstehen so 113.550 Euro Testwagenpreis – fast 40.000 Euro mehr, als für den Mustang fällig werden. (74.800 Euro). Der wiederum ist wie erwähnt merklich durstiger und kostet empfindliche 698 Euro Kfz-Steuer jährlich, eilt dem M4 aber bei der Versicherungseinstufung im positiven Sinne davon. Nein, Schnäppchen sind sie beide nicht, eher etwas zum Liebhaben und Sich-daran-Erfreuen.

Bildergalerie

BMW M4 Coupé Ford Mustang Dark Horse
Ford Mustang Dark Horse
BMW M4 Coupé
Galerie "Zwei Sportler im Tracktest" mit 31 Bildern öffnen
Zwei Sportler im Tracktest

Fazit

Altmodisch? Vielleicht, aber für Sportwagen-Fans zählen diese beiden nach wie vor zum absoluten Nonplusultra. Der Mustang taugt mittlerweile zu mehr als zum bloßen Geradeausfahren, auch wenn er mit dem aufgerüsteten Bayern fahrdynamisch nicht ganz mithalten kann. Die Präzision und Steifigkeit, die seine Macher dem M4 hineinentwickelt haben, ist äußerst beeindruckend.