BMW M4 CS (2024) im Test
BMW M4 CS: Die neue Messlatte im Performance-Segment?

Bild: BMW
Der Stachel saß tief. Nicht anders ist es zu bewerten, wenn einen der M-Entwicklungschef beim M4-CS (Competition Sport)-Termin am Salzburgring begrüßt und im zweiten Satz der Test zum BMW M3 CS aus der letzten Ausgabe angerissen wird. Und ich blieb selbst vor so einem Benzin-Junkie und M-Fanatiker wie Dirk Häcker standhaft und meinungstreu: "Zu langsam für so einen Namen, zu wenig Abstand zum Allrad-M3-Competition und ganz klar zu teuer."
Und plötzlich spricht jemand von hinten rechts: "Ja, wir haben das zur Kenntnis genommen, vielleicht finden Sie hier und heute das Auto, an dem Sie das CS-Logo angebracht finden", sagt kein Geringerer als der Mann hinter dem stärksten Buchstaben der Welt, Franciscus "Frank" van Meel. Der Niederländer hat es sich nicht nehmen lassen, bei der Rennstrecken-Premiere des M4 CS mit dabei zu sein. Nicht nur um sich mit den Journalisten auszutauschen, sondern auch selbst ein paar Runden mit dem neuesten Produkt zu drehen.
Bevor wir querdynamisch in Nocksteinkehre und Fahrerlagerkurve einsteigen, ein kurzes Briefing zum Auto. Der Projektleiter für die M-Sonderlinge (CSL, M3 CS, Touring) Robert Pilsl erklärt in einer PowerPoint-Präsentation die Technik und die speziellen Highlights des Autos. Wir formen das mal in Worte und fassen zusammen.

Im Vergleich zum CSL über 100 kg schwerer, dafür Allrad, den gleichen Cup 2 R, das wird spannend!
Bild: BMW
Mehr Leistung, mehr Traktion, weniger Gewicht. Man hat sich das frisch geliftete M4 Coupé samt xDrive-Allrad als Basis genommen. Power-Plus, geht wie? Die 20 PS zum aktuellen Competition holt man sich ganz einfach über mehr maximalen Ladedruck und eine modellspezifische Abstimmung der Motorsteuerung. Ein bisschen steuert noch die Titan-Sportauspuffanlage dazu. Also alles wie beim CSL, Motorlagerung mit erhöhter Federrate inklusive. Zusammen mit dem bekannten xDrive-Allrad (inklusive Umstellung zum 2WD) soll’s damit in 3,4 Sekunden auf 100 gehen.
Stahlbremsen sind im M4 CS leider Serie
Fahrwerk? Nix eins zu eins vom CSL, hier wurden aufgrund des höheren Gewichts eine eigenständige Achskinematik, Radsturzwerte, Stoßdämpfer, Zusatzfedern und Stabilisatoren für den M4 CS entwickelt. Kugelgelenke wie beim CSL gibt es an den Querlenkern nicht, es bleibt bei Gummiteilen. Stahlbremse ist Serie, schade, wir hätten die Keramikstopper bei einem Preis von 160.000 Euro gern serienmäßig an Bord gesehen. Dafür gibt es aber klebrige Michelin Cup 2 R auf Wunsch ohne Aufpreis. Dazu später mehr auf der Strecke.

Du denkst die ganze Zeit, das fühlt sich alles nach CSL an. Nur kurvenausgangs ist dieser M4 CS deutlich linientreuer. Das Mehrgewicht? Spürt man, wenig!
Bild: BMW
Leistung und Traktion hätten wir erklärt, es fehlt noch das Gewicht. Im Gegensatz zum CSL blieben Rückbank und Dämmung drin, für die offiziellen 20 Kilogramm zum Allrad-M4 sind die Carbonteile (Dach, Motorhaube, Frontsplitter, Heckdiffusor, Heckspoiler, Spiegelkappen, Mittelkonsole, Sitze), Schmiederäder und die vier Kilogramm leichtere Titan-Auspuffanlage verantwortlich. Zu guter Letzt gelb leuchtende Facelift-Scheinwerfer und die luftige Niere, welche nach dem CSL eines der beliebtesten Tuner-Nachrüstteile geworden ist.
Fahrzeugdaten | BMW M4 CS (2024) |
|---|---|
Motor | R6, Biturbo |
Hubraum | 2993 cm3 |
Leistung | 405 kW (550 PS) bei 6250/min |
Max. Drehmoment | 650 Nm bei 2750– 5950/min |
Antrieb | Allrad, Achtstufenautomatik |
L/B/H | 4801/1918/1399 mm |
Leergewicht | 1760 kg (DIN) |
0–100/200 km/h | 3,4/11,1 s |
Spitze | 302 km/h |
Verbrauch | 10,2 l SP/100 km |
Abgas co2 | 232 g/km |
Preis | ab 160.000 Euro |
Die Ampel an der Boxengasse leuchtet grün, die Sonne scheint, der Asphalt ist trocken, ab ins Auto. Den Hüftschwung in die Carbonschalen kennen mein Gesäß und ich inzwischen bestens. Da tut nichts mehr weh, das muss so eng sein. Das neue, unten abgeflachte Lenkrad liegt gut in der Hand, im XXL-Display lässt sich alles einigermaßen gut einstellen.
Startknopf und direkt Gänsehaut. Kaltstart und Titanauspuff, das ist immer, pardon, geil! M-Mode gedrückt, im Setup Motor und Fahrwerk auf Sport Plus, Lenkrad und Bremse belasse ich erst einmal auf Comfort, Allrad auf dem neutralen 4WD-Modus.

Der Motor des M4 CS liefert 550 PS wie im CSL, dazu kommt eine spezielle Motorlagerung mit erhöhter Federrate für noch direktere Kraftübertragung.
Bild: BMW
Nach zwei Runden ist alles betriebswarm, Häcker fährt im getarnten neuen M5 voraus und erhöht das Tempo. Aus der Titanabgasanlage röhrt es derbe, auf der Keramikbremse lässt sich trittfest stauchen, bis die Scheiben glühen, während die Lenkung strammer und präziser das Ideal der Linie seziert. Das Beste jedoch: Obwohl der M4 CS mit seinem Allrad den Grenzbereich ein gutes Stück nach oben verlagert, spitzt er selbigen gar nicht mal so sehr zu. Im Gegenteil: Wer nicht gerade mit genieteten Stahlkappen auf dem hellwachen Sechsender herumstiefelt, der zirkelt verblüffend spielerisch an der Grenze zum Übersteuern entlang.
Michelin Cup Reifen harmonieren mit dem Allradantrieb
Anteil daran haben auch die vom CSL bekannten Michelin Cup 2 R. Die M-Ingenieure hatten anfangs etwas Bedenken, weil sie die Gummis nie mit dem Allradantrieb abgestimmt haben. Doch das passt! So gut, dass man sagen muss, dass dieser M4 CS den magischen Dreiklang aus Handling, Balance und Traktion viel, viel besser beherrscht als der M3 CS.

CS-Projektleiter Robert Pilsl (r.) hat den neuen M4 CS voll auf Track abgerichtet.
Bild: BMW
Was das auf der Uhr ausmacht, zeigte kürzlich Entwicklungsfahrer Jörg Weidinger, als er mit dem M4 CS die Nordschleife in nur 7:21,989 Min. umrundete. Nur 3,8 Sekunden langsamer als der CSL, 7,2 schneller als der M3 CS. Was meinen Eindruck bestärkt, dass dieser M4 sein CS-Logo wert ist. Checken wir bald ausführlicher im Test.
Service-Links
