BMW X2 im Supertest

BMW X2 xDrive 20d: Test

Sportfahrwerk? Nein, danke!

Der neue BMW X2 ist die Coupéversion des X1 – teurer und dazu weniger praktisch. Was der schöne Münchner draufhat, zeigt der Supertest.
Thomas Sycha heißt der Mann, der dem neuen X2 federführend seine Form gegeben hat. Der gebürtige Pole ist für die wilderen Autos im BMW-Programm zuständig und arbeitet bereits seit 1994 bei der bayerischen Marke. Aus seiner Feder stammt beispielsweise das BMW Z4 Coupé. Wirklich wild ist der X2 allerdings gar nicht geraten, obwohl man Thomas Sycha mit seinen 55 Jahren deshalb keine Altersmilde unterstellen sollte. Er hat mit seinem X2-Entwurf einfach nur etwas Eigenes auf die Räder gestellt und sich beim kleinsten SUV-Coupé der Marke nicht von den größeren Modellen X4 und X6 und deren langgezogenen Fließhecks leiten lassen.

Die Karosserieform des X2 birgt handfeste Nachteile

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Anders als bei X4 und X6 dient dem X2 als Basis eine Frontantriebs-Quermotor-Architektur. Sie stammt vom BMW X1, von dem der X2 die komplette Technik und auch den strukturellen Unterbau samt 2,67 Meter Radstand übernimmt. Durch seine flachere Karosserie und den verkürzten Hecküberhang ist der X2 acht Zentimeter kürzer und sieben Zentimeter niedriger ist als sein Technikspender X1. Die Proportionen des X2 wirken stimmig, rauben ihm aber – typisch für Coupés – praktisches Talent. Beim Kofferraum fehlen dem X2 fünf Zentimeter Ladelänge und acht Zentimeter Innenhöhe gegenüber dem X1. Ausgelitert fasst der X2 nur noch 470 bis 1355 Liter gegenüber den 505 bis 1550 Litern des X1. Dennoch: Auch der X2 ist, trotz verringertem Raumangebot, ein vollwertiger Viersitzer. Vorn reisen selbst große Fahrer bequem, wenn auch subjektiv mit eingeschränkter Kopffreiheit. Interessenten muss klar sein: Wem die kupierte Dachlinie gefällt, muss entweder eine geringere Kopffreiheit oder eine tiefere Sitzposition in Kauf nehmen. Unverändert viel Raum wäre ja auch ein Wunder.

An der Kasse langt BMW ordentlich zu

Teuer: Den X2 xDrive 20d gibt es ab 43.800 Euro, für sinnvolle Extras muss zusätzlich bezahlt werden.

Und das darf man erst recht nicht im Fond erwarten. Die Kniefreiheit reicht hier gerade noch für Großgewachsene. Die sind aber wenig begeistert vom beengten Einstieg. Und viel Luft über dem Scheitel darf man in einem als Coupé gedachten Auto freilich auch nicht erwarten. Da macht auch ein SUV-Coupé wie der X2 keine Ausnahme. Man sollte sich also vor dem Kauf grundsätzlich darüber im Klaren sein, dass man sich mit einem Coupé immer Nachteile einhandelt. Objektiv gesehen ist ein Coupé stets der schlechtere Kauf, weil man weniger Gegenwert erhält und dafür obendrein einen höheren Preis bezahlen muss. Der liegt 1600 Euro über dem des Technikspenders X1. Das klingt noch nicht einmal sonderlich überzogen, doch bietet der BMW-Konzern mit dem ebenfalls auf gleicher Technikbasis stehenden Mini Countryman eine wesentlich preisgünstigere Alternative an: Der in den Niederlanden gebaute Brite ist in der gleichen Ausführung mit 190-PS-Turbodiesel und Automatikgetriebe bereits für 37.500 Euro zu haben, der in Deutschland produzierte BMW X2 20d dagegen kostet 43.800 Euro, also 15 Prozent mehr.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

Wer den Preis des X2 drücken will, könnte auf die Idee kommen, den 18d mit dem gleichen 2,0-Liter-Turbodiesel zu nehmen, der 150 statt der 190 PS des 20d leistet. Das würde den Preis bei gleicher Ausstattung um 2200 Euro reduzieren. Das Sparen fällt angesichts der X2-Preisliste indes schwer. Denn trotz des hohen Grundpreises muss man für viele nützliche oder verlockende Dinge extra zahlen: für die automatische Klimaregelung etwa, für den Tempomat, für ein Notrad, für leuchtstarke LED-Scheinwerfer statt des simplen Halogenlichts oder für Parkpiepser in den Stoßfängern.

Beim Fahrkomfort muss man einige Abstriche machen

Finger weg: Mit dem Sportfahrwerk reduziert sich der Federungskomfort ganz erheblich.

Letztere sind schon deshalb besonders nützlich, weil der X2 trotz seiner kompakten Abmessungen kein besonders park- und rangierfreundliches Auto ist. Das liegt zum einen an seinen gemessenen 11,5 Meter Wendekreis – ein eher überdurchschnittlicher Wert in dieser Größenkategorie. Zum anderen an der unübersichtlichen Karosserie. Die Sicht nach hinten und schräg hinten wird durch kleine Glasflächen und viel Blech arg verringert. Typisch Coupé, aber gerade da ist man mehr als dankbar für technischen Hilfsmittel beim Einparken. Rollt der X2 erst einmal, sind solche Nachteile schnell vergessen. Klar, man sitzt zwar 35 mm näher am Straßenniveau als im Technikspender X1, aber immerhin etwas höher als in einem herkömmlichen Pkw. Das verschafft etwas mehr Übersicht und Gelassenheit. 10 mm von diesen 35 mm "Tieferlegung" gehen allerdings auf das Konto des im Testwagen eingebauten Sportfahrwerks. Und dessen Bestellung sollte man sich gut überlegen. Denn damit reduziert sich der schon mit Normalfahrwerk nicht gerade ausgeprägt gute Federungskomfort endgültig auf ein schwer bekömmliches Niveau.
Weitere Details zum Supertest des BMW X2 gibt es in der Bildergalerie.

Fahrzeugdaten BMW X2 xDrive 20d
Motor 4-Zylinder-Reihe, Turbodiesel
Einbaulage vorn quer
Abgasnachbehandlung SCR-Kat, AdBlue
Ventile/Nockenwellen-Antrieb 4 pro Zylinder/Kette
Einspritzung direkt, elektronisch Common Rail
Hubraum 1995 cm³
Leistung bei 1/min 140 kW (190 PS)/4000
Drehmoment bei 1/min 400 Nm/1750–2500
Radaufhängung vorn Einzelrad, Schraubenfedern
Radaufhängung hinten Einzelrad, Schraubenfedern
Lenkung Zahnstange, elektr. Servo
Allradantrieb semi-permanent über elektronisch geregelte Lamellenkupplung
Kraftverteilung v:h 100:0 bis 50:50
Traktionshilfen elektronischer Bremseneingriff v+h
Getriebe 8-Stufen-Wandlerautomatik
Verteilergetriebe high: 1,00; low: –
Karosserie selbsttragend, Stahlblech
Bremsen vorn/hinten innenbelüftete Scheiben rundum
Testwagenbereifung 225/45 R 19
Serienbereifung 225/55 R 17
Tankvolumen 51 oder 61 l (Diesel)
Anhängelast gebremst/ungebr. 2000/750 (Stützlast: 80) kg
Wendekreis links/rechts 11,4/11,5 m
Dachlast 75 kg
Grundpreis 43.800 Euro
Martin Braun

Martin Braun

Fazit

Ein als Coupé konzipiertes Auto hat es in einem Test mit objektiven Kriterien immer schwer. Da macht der neue X2 keine Ausnahme. Denn auch er ist teurer, weniger geräumig und weniger geländetauglich als sein Technikspender X1. Warum also den X2 nehmen? Nun, er muss seinem Besitzer einfach gefallen.  

Stichworte:

SUV-Coupé

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