BMW X2 xDrive20d vs. Mercedes GLA 220 d 4Matic: Test
BMW X2 vs. Mercedes GLA: klare Kante oder runde Sache?
Zwei Kompakt-SUV mit Diesel im Test
Bild: BMW AG
Zum anderen kommt er mit viel auffälligerem Design. Eckig, mit sehr aufrecht stehender Front, großer, sechseckiger, auf Wunsch beleuchteter Niere, dem flach auslaufenden Dach und einem sehr massigen Heck. Zurückhaltung geht anders.
Große Unterschiede in Sachen Design
Der GLA wird seit 2020 gebaut, wurde 2023 überarbeitet. Bei ihm lautet die Devise: Nur nicht auffallen, bitte. Rundum geglättetes, mehrheitsfähiges Design.

Heckansicht: Ob man sich eher für den kantigen X2 entscheidet oder den runden GLA bevorzugt, ist reine Geschmacksache.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Beim Platz vorn gibt es keine großen Unterschiede zwischen Benz und BMW, geräumig hier. In beiden Autos sitzt man angenehm erhöht. Der Test-BMW besaß die Aktivsitze für 470 Euro extra, und die können wir empfehlen: sehr gut konturiert, mit viel Seitenhalt und hoher Lehne.
BMW-Touchscreen zu weit weg
Hinten zeigt sich die Kehrseite des X2-Designs: Größere Leute müssen den Kopf einziehen. Der Platz für lange Beine ist spürbar knapper als im GLA und auch als im X1. Wer also den Raum im Fond wirklich braucht, sollte doch lieber zum X1 greifen, der bietet 6,5 Zentimeter mehr Kopf- und deutlich mehr Kniefreiheit.

Kühle, technische Atmosphäre, saubere Verarbeitung, hochwertiges Material im BMW X2. Die Plastik-Drehregler am Lenkrad passen nicht ganz ins Bild.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Eingerichtet ist der BMW klar und reduziert. Das Curved Display – mit 10,25-Zoll-Bildschirm für die Instrumente und 10,7-Zoll-Touchscreen fürs Multimedia – ist zum Fahrer gebogen. Der Touchscreen liegt aber ziemlich weit weg, man muss sich jedes Mal leicht nach vorn beugen, um da ranzukommen.
Fahrzeugdaten
Modell | BMW X2 xDrive20d | Mercedes GLA 220 d 4Matic |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Biturbo, Mildhybrid | Vierzylinder, Turbo |
Einbaulage | vorn quer | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
Hubraum | 1995 cm³ | 1950 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 120 (163)/Systemleistung | 140 (190)/3800 |
Nm bei 1/min | 400/Systemdrehmoment | 400/1600 |
Vmax | 207 km/h | 219 km/h |
Getriebe | Siebengang-Doppelkupplung | Achtgang-Doppelkupplung |
Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 245/40 R 20 Y | 235/50 R 19 W |
Reifentyp | Pirelli P Zero | Michelin Latitude Sport 3 |
Radgröße | 8 x 20" | 7,5 x 19" |
Abgas CO2 | 129 g/km | 161 g/km |
Verbrauch* | 4,9 l/100 km | 6,1 l/100 km |
Tankinhalt | 54 l | 51 l |
Kraftstoffsorte | Diesel | Diesel |
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt | S/k. A. | S/23,8 l |
Vorbeifahrgeräusch | 65 dB(A) | 69 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2000/750 kg | 2000/750 kg |
Stützlast | 80 kg | 80 kg |
Kofferraumvolumen | 560–1470 l | 435–1430 l |
Länge/Breite/Höhe | 4554/1845–2104**/1590 mm | 4412/1834–2020**/1616 mm |
Radstand | 2692 mm | 2729 mm |
Grundpreis | 51.100 Euro | 53.294 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 60.220 Euro | 65.521 Euro |
Die Menüs sind umfangreich, könnten gern besser strukturiert sein, kleine Icons erschweren die Bedienung. Seltsam: Das Navi beim aktuellen iDrive kommt mit schlichterer Grafik als bisher – zum Beispiel sind die freien Straßen nicht mehr grün unterlegt –, und die bisher immer ausgezeichnete Sprachsteuerung verfügt über einen kleineren Funktionsumfang, sagt zum Beispiel das Serviceintervall nicht mehr an.
Mercedes-Instrumente sind besser ablesbar
Der Mercedes fühlt sich vor allem im Fond luftiger an, die Rückbank lässt sich verschieben (428 Euro, gibt es beim BMW nicht), auch bei größeren Naturen bleibt noch etwas Luft über dem Scheitel. Vorn sitzt man angenehm, die – im Vergleich mit dem X2 etwas einfacheren – Sitze passen aber gut und bieten angenehmen Komfort.

Der Mercedes ist im Vergleich zum BMW detailverliebter und verspielter eingerichtet. Auch hier mit sorgfältiger Verarbeitung und schönem Material.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Zum Widescreen-Cockpit gehören zwei 10,25 Zoll große Displays: Eins für die Instrumente und ein Touchscreen fürs Multimedia – der liegt auch hier recht weit weg. Beide Bildschirme kommen mit wirklich schöner Optik, die Instrumente sind viel besser ablesbar als im BMW. Die Menüs sind ebenfalls ziemlich komplex, aber gut sortiert, im Zweifel hilft die schnelle und clevere MBUX-Sprachassistenz.
Bei den Fahrleistungen liegt der GLA vorne
Angetrieben wird der GLA 220 d von einem 2,0-Liter-Diesel mit 190 PS und 400 Nm. Und hier ohne Mildhybrid – den haben beim GLA nur die Benziner, die Diesel nicht. Der Vierzylinder wirkt lebhafter als der im BMW, spricht besser an, dreht ganz locker. Den Sprint von null auf 100 km/h schafft er in 7,7 Sekunden, die Spitze liegt bei 219 km/h.

Sprintsieger: Mit 7,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100 schlägt der GLA den X2 deutlich. Auch in Sachen Vmax liegt der Mercedes vorn.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Er läuft rauer als der BMW, eine Note kerniger, durchweg akustisch präsenter – auch wenn die Messwerte das nicht widerspiegeln. Das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe gönnt sich beim Start eine kleine Gedenksekunde, reagiert ansonsten aber schnell und aufmerksam.
Messwerte
Modell | BMW X2 xDrive20d | Mercedes GLA 220 d 4Matic |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 2,8 s | 2,8 s |
0–100 km/h | 8,3 s | 7,7 s |
0–130 km/h | 13,9 s | 12,7 s |
0–160 km/h | 22,5 s | 20,6 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 4,7 s | 4,2 s |
80–120 km/h | 6,2 s | 5,5 s |
Leergewicht/Zuladung | 1750/530 kg | 1736/489 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 56/44 % | 59/41 % |
Wendekreis links/rechts | 11,6/11,7 m | 11,2/11,2 m |
Sitzhöhe | 630 mm | 640 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 31,6 m | 34,5 m |
aus 100 km/h warm | 32,0 m | 34,2 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 58 dB(A) | 57 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) | 68 dB(A) |
bei 160 km/h | 72 dB(A) | 72 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 4,2 l D/100 km | 5,0 l D/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 5,4 l D/100 km (+10 %) | 6,1 l D/100 km (+/-0 %) |
Sportverbrauch | 7,1 l D/100 km | 8,3 l D/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 143 g/km | 161 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 1000 km | 836 km |
Mit den adaptiven Dämpfern (im Technik-Paket für 2820 Euro) des Testautos federt der GLA ausgeglichen und komfortabler als der BMW, wirkt im Comfort-Modus allerdings etwas schaukelig. Wir empfehlen Sport, dann liegt er verbindlicher und insgesamt harmonischer. Sehr gut gefallen hat uns, wie im Moment stets bei Mercedes, die mitteilsame und gefühlvolle Lenkung. Das ESP ist extrem vorsichtig ausgelegt, regelt früh und energisch, insgesamt ergibt das ein leicht beherrschbares und gutmütiges Fahrverhalten.
Neues BMW-Getriebe ist ein Rückschritt
Im X2 xDrive20d liefert der 2,0-Liter-Vierzylinder 163 PS und 400 Nm, kommt mit 48-Volt-Mildhybrid-System. Er läuft kultivierter als der Benz, bleibt akustisch zurückhaltender. Kräftemäßig kann er mit dem Benz nicht ganz mithalten, tritt verhaltener an. Für den Sprint auf Tempo 100 brauchte er im Test 8,3 Sekunden, maximal sind 207 km/h drin.

Etwas ungeschmeidig: Das neue Doppelkupplungs-Getriebe des BMW X2 gefällt uns nicht so gut, wie der Aisin-Wandler aus dem Vorgänger.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das Doppelkupplungsgetriebe, hier mit sieben Gängen, gönnt sich auch im BMW beim Losfahren eine Gedenksekunde, schaltet dann aber schnell. Im Vergleich mit dem Benz wirkt das Getriebe etwas nervöser, schaltet häufiger, in den unteren Gängen rupft es dann und wann. Ein klarer Rückschritt gegenüber dem früher verbauten Achtstufenwandler von Aisin.
BMW hat den X2 strammer abgestimmt als Mercedes den GLA, die kurzhubige Federung spricht sensibel an, nimmt Querfugen und Ähnliches trocken. Und das ESP ist großzügig ausgelegt, es lässt einfach mehr zu als das im Mercedes, etwa ein schönes Übersteuern im Slalom.
Platzierung
Modell | BMW X2 xDrive20d | Mercedes GLA 220 d 4Matic |
|---|---|---|
Punkte* | 561 | 548 |
Platz | 1 | 2 |
Fazit | Kultivierter, sparsamer Antrieb, agiles Fahrverhalten, herausragende Bremsen. Einen Hauch günstiger als der Benz. | Hat mehr Platz, gute Fahrleistungen, eine komfortable Federung und eine schöne Lenkung. Teuer. |
Nicht übermäßig begeistert sind wir dagegen von der – für BMW-Verhältnisse – zu leichtgängigen und mit (zu) wenig Rückmeldung arbeitenden Lenkung. Herausragend dafür: die Bremsen! Der BMW stand kalt beim Stopp aus Tempo 100 schon nach 31,6 Metern, mit warmem System nach 32 Metern. Top! Zum Vergleich: Beim GLA waren es kalt 34,5 Meter und warm 34,2 Meter. Und auch beim Verbrauch liegt der BMW deutlich vorn: Sein Mildhybrid begnügte sich im Test mit 5,4 Litern, der Benz kam auf 6,1 Liter/100 Kilometer.
Testwagenpreise über 60.000 Euro
Den Mercedes GLA 220d 4Matic gibt es ab 53.294 Euro, mit der bewerteten Testwagen-Ausstattung, unter anderem AMG Line Premium und Technik-Paket mit adaptivem Fahrwerk, stehen dann 65.521 Euro zur Debatte.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Den X2 xDrive20d liefert BMW ab 51.100 Euro, in der Testwagen-Konfiguration, zum Beispiel mit M Sportpaket und Innovationspaket, sind es 60.220 Euro. Klarer Unterschied auch an dieser Stelle.
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