BMW X3 M50 xDrive: Test
Der BMW X3 M50 ist ein starkes Universaltalent

Viel Kraft, kaum elektrisch, nicht billig – so wirkt der X3 M50 oberflächlich. Doch in dem schnellen BMW-SUV schlummern viele verborgene Talente. Im ersten Test legt AUTO BILD sie offen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Ein X3 mit ziemlich dickem Motor. So einfach könnte man den BMW X3 M50 xDrive umschreiben. Oder auch nicht. Das wäre nämlich viel zu tief gestapelt für ein solch hohes Niveau, außerdem zu offensichtlich. Sagen wir also lieber: Vor uns steht ein selten facettenreicher Apparat mit 398 PS – das weiß nur keiner.
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Wir klären auf: Im M50 stecken Tempo, Spaß, Action und im Grunde gleich mehrere Autos. Ein feiner Reisewagen ist darunter, ein brutaler Tempobolzen ebenfalls, außerdem ein drahtiges Handlingwunder, ein Hightech-Bolide, manchmal sogar eine kleine Nervensäge.
Sein Preis macht den X3 M50 exklusiv
Ach ja, und natürlich ein äußerst exklusives Mobil. Dafür sorgen allein Preis und Design. Für 84.500 Euro gibt BMW den M50 her, plus 2550 Euro für das Innovationspaket, 950 Euro für Räder im 20-Zoll-Format und 700 Euro für ein verstellbares Fahrwerk. Heißt: Fast 90.000 Euro sind fällig, nicht gerade Schnäppchenliga. In Massen wird dieses prall-potente Mittelklasse-SUV also nicht über unsere Straßen huschen.

Nichts für den Massenmarkt: Schon der Grundpreis des BMW X3 M50 xDrive liegt bei 84.500 Euro. Der Testwagen kostete 88.700 Euro.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Der deftige Preis resultiert unter anderem aus dem ansonsten sehr hohen Ausstattungsanspruch des Top-X3. Rundum-Kameraüberwachung, alle Assistenten und Navi-Funktionen sind letztlich genauso verfügbar wie eine variable Sportlenkung, sehr stark konturierte Sitze, der variable Allradantrieb sowie ein an die M-Achtstufenautomatik geknüpfter 3.0-Reihensechszylinder-Benziner mit Turboaufladung und 48-Volt-Unterstützung über eine mit der Kurbelwelle verblockte E-Maschine. Im System kommen dabei saftige 580 Newtonmeter Drehmoment heraus.
Fahrzeugdaten
Modell | BMW X3 M50 xDrive |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | R6, Turbo, Mildhybrid |
Einbaulage | vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette |
Hubraum | 2998 cm³ |
Systemleistung | 293 kW (398 PS) |
Systemdrehmoment | 580 Nm |
Vmax | 250 km/h |
Getriebe | Achtstufenautomatik |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 255/45–285/40 R 20 Y |
Reifentyp | Continental SportContact 7 |
Radgröße | 9–10,5 x 20" |
Abgas CO2 | 186 g/km |
Verbrauch* | 8,2 l/100 km |
Tankinhalt | 65 l |
Kraftstoffsorte | Super |
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2500/750 kg |
Stützlast | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 570–1700 l |
Länge/Breite/Höhe | 4755/1920–2132**/1660 mm |
Radstand | 2865 mm |
Grundpreis | 84.500 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 88.700 Euro |
Im ersten Test soll der stärkste X nun zeigen, wie gut die reichlich vorhandene Technik ineinandergreift. Außerdem können wir in diesem Zuge die bunten Facetten des M50 aufdröseln. Los geht's.
Im Fahrwerk steckt auch Komfort
Trotz harter Federraten, Tieferlegung und strammer Anbindung der Querlenker an die Karosserie fährt hier kein kantiger Supersportler vor. Ganz im Gegenteil: Sehr geschmeidig saugt der BMW auch bei höherem Tempo Straßenunebenheiten auf, federt fein an. Selbst die Reifen im üppigen 285/40er-Format (hinten) rollen nicht zu trocken ab.

Kein knallharter Sportler: Auch bei hohem Tempo rollt der starke X3 geschmeidig über Fahrbahnunebenheiten hinweg.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die Lenkung arbeitet direkt-exakt und mit außergewöhnlich feiner Zentrierung sowie sauberem Ansprechen aus der Nulllage heraus – selten bei aktuellen BMW. Das Getriebe sortiert die Drehzahlen weit unten im Tourenkeller ein, bei 130 km/h beispielsweise bummelt der X3 mit entspannten 2000 Touren dahin, summt entsprechend leise. Bei höherem Tempo rauschen dann die Reifen hörbar, bei Spitzentempo 250 (begrenzt) fiept es zudem unflätig aus den Fensterrahmen.
Kantiges Überraschungsei: Im X3 M50 stecken gleich mehrere – sehr gute – Autos.
Ansonsten wirkt der Wagen sorgfältig gedämmt, knarzfrei montiert und modern eingerichtet. Dazu zählen die hervorragenden Sitze mit Flächenverlängerung und E-Verstellung. Bequemer geht's kaum. Auch die fein führenden Fahrassistenten (wie unter anderem der aufmerksame Staufolgeassistent) steigern das Komfortgefühl auf Reisen.

Die Mittenmarkierung am Lenkrad verleiht dem X3 M50 eine sportliche Note, der große Bildschirm dominiert das Geschehen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Ebenfalls bemerkenswert: Ohne zu viel Druck auf dem Gaspedal kommt der X3 mir knapp über sechs Litern Super auf 100 Kilometern aus, in unserem Testdurchschnitt liegt er bei 8,8 Litern – Respekt für diese Leistungsliga. So weit die kommoden und "zahmen" Anlagen des M50.
Sehr potent in allen Drehzahlregionen
Er kann aber auch zornig. Das zeigen Sprint- und Durchzugswerte, das belegt auch unsere Bremsprüfung. In 4,5 Sekunden spurtet das immerhin zwei Tonnen schwere SUV auf Tempo 100, ebenso eindrucksvoll legt es auch in den einzelnen Gängen zu. Satte 580 Newtonmeter Systemdrehmoment wuchten die Fuhre selbst unterhalb von 3000 Touren lässig voran.

Sahnestück: Der drei Liter große Turbo-Reihensechser mobilisiert 398 PS und 580 Nm. Auch aus niedrigen Drehzahlen schiebt er ordentlich.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Dabei liebt der Reihensechser auch die hohen Drehzahlen, tourt seidenweich und klingt dann gern grantig. Je nach Fahrprogramm auch elektronisch motiviert satt und sportlich aus dem Auspuff. Eine Launch-Control-Funktion und das Boost-Programm (wird über das linke Schaltpaddle ausgelöst) spitzen die Dramatik im Vorwärtsdrang dann noch elektronisch zu.
Messwerte
Modell | BMW X3 M50 xDrive |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 1,8 s |
0–100 km/h | 4,5 s |
0–130 km/h | 7,2 s |
0–160 km/h | 10,6 s |
0–200 km/h | 17,5 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 2,4 s |
80–120 km/h | 2,8 s |
Leergewicht/Zuladung | 1998/627 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 52/48 % |
Wendekreis links/rechts | 12,0/12,1 m |
Sitzhöhe | 700 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 35,1 m |
aus 100 km/h warm | 34,1 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 57 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) |
bei 160 km/h | 72 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 6,3 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 8,8 l S/100 km (+7 %) |
Sportverbrauch | 12,8 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 209 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 738 km |
Die Sprintlaune des X3 M50 passt zu seinem Verzögerungskönnen. Wir haben bis zu 34 Meter kurze Bremswege (aus Tempo 100) gemessen – bei übrigens hervorragendem Pedalgefühl. Einen gehörigen Anteil an der guten Verzögerung haben die Continental- SportContact-7-Reifen mit enorm griffiger Gummimischung. Das hilft zudem beim Kurvenkratzen.

Starke Stopper: Aus Tempo 100 steht der zwei Tonnen schwere X3 M50 nach 35,1 Metern. Mit warmer Anlage ist es ein Meter weniger.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Trotz Gewicht und Aufbauhöhe – dieser X3 winkelt sich durch Kurven wie ein Kompakter. Er lässt sich fein dirigieren, hält auch hohen Fliehkräften stand, beginnt erst spät und unter viel Tempo sachte über die Vorderräder nach außen zu schieben.
ESP arbeitet nahezu telepathisch
Der variable Allradantrieb bringt die Kräfte schlupffrei auf die Straße, gleichzeitig liegt der X3 stabil, erlaubt sich auch beim Ausweichen oder in schnellen Richtungswechseln keine zickigen Ausfälle. Eine große Rolle spielen dabei Fahrwerksabstimmung und Fahrstabilitätsregelung. Letztere arbeitet nahezu telepathisch schnell und effizient.

Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Das (optionale) Stoßdämpfersystem arbeitet mit Regelung der Dämpfungskräfte sowohl in Druck- als auch in Zugrichtung. Die Radschlupfregelung kann dank direkter Integration ins Motorsteuergerät besonders schnell ein durchdrehendes Rad erkennen und gegensteuern, das Querdynamikmanagement vermittelt fix und schlau zwischen Lenkung, Radsensorik und Gierratenerfassung. Kurz: Alles überwacht, alles geregelt, alles optimal auf Spaß und gute Führung eingestellt. Was nur in Maßen für das Bedienkonzept gilt.
Wertung BMW X3 M50 xDrive
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Mäßiges Platzangebot nur hinten, guter Einstieg, zudem hohe Zuladung. Verarbeitung top. | 4 / 5 |
Antrieb | Motor kann kultiviert und zornig gleichermaßen, tadelloses Getriebe. Systemdrehmoment hoch. | 5 / 5 |
Fahrdynamik | Hohes Gripniveau, gute Lenkung, präzises und agiles Fahrverhalten. Minimale Aufbaubewegungen. | 4,5 / 5 |
Connected Car | Top bei Fahrhilfen, Vernetzung bestens. Augmented Reality und Head-up-Display vorbildlich. | 4,5 / 5 |
Umwelt | Über 48-Volt-Startergenerator leicht elektrifiziert. Hohes Gewicht. Unter Tempo durstig. | 2,5 / 5 |
Komfort | Dank passabler Federung und adaptiver Stoßdämpfer – und trotz Sportanspruch – sehr kommod. | 4 / 5 |
Kosten | Kaufpreis hoch, Unterhaltskosten (Versicherung) reichlich. Wertverlust erträglich. | 1,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 2,1 |
Denn trotz erstklassiger Funktionen (zum Beispiel Sprachsteuerung, vernetzte Navigation, Anzeigen per Head-up-Display oder Augmented Reality) muss sich der Fahrer mühsam durch die Menülogik wühlen, kleine Icons auf dem weit entfernten Touchmonitor treffen, umständliche Tastenanordnungen (unter anderem für die Deaktivierung der Spurverlassenswarnung) erlernen, sich über zu komplizierte Innenraumbeleuchtung (weil über den Berührbildschirm komplettiert) ärgern oder auf der haptisch uneindeutigen Mittelkonsole herumpatschen. Das alles ist erlern- und verschmerzbar, doch irgendwie unnötig – bei ansonsten so vielen tollen Anlagen.
Fazit
Ein feines, schnelles, agiles, sicheres und außerordentlich modern vernetztes Auto mit hohem Spaßpotenzial. Gleichzeitig ist der X3 als M50 sehr gut ausgestattet und sehr fahrstabil. So gesehen: Traumtyp für SUV-Bekenner. Allerdings: Die 88.700 Euro für den Testwagen schmerzen. AUTO BILD-Testnote: 2,1
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