"Du bist schön, aber dafür kannst du nichts – weder lesen noch schreiben noch was anderes." Krasse Kritik am Schönheitswahn von Rapper Alligatoah. Diesem Wahn setzt BMW einfach den neuen X4 entgegen. Das Fließheck zum X3 sieht nämlich seltsam unbeholfen aus, kann dafür aber eine ganze Menge. So sagen wir: lieber nicht zu viel gucken, sondern einsteigen, losfahren.

Ab der B-Säule unterscheidet sich der X4 deutlich vom X3

BMW X4 xDrive30i
Schwer zu überblicken: Die massive C-Säule des X4 schränkt die Sicht nach hinten stark ein.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Also rein. Und gleich wieder raus. Aufs Typenschild gucken. Doch, ist ein X4 – der aus Pilotensicht aber fast 1:1 ein X3 ist. Mit einem ebenso feinen wie funktionalen Cockpit, komfortablen und körpergerechten Sitzen sowie narrensicherem iDrive-Bedienkonzept. Doch dann wollen wir ausparken und stellen beim Schulterblick fest: Ab der B-Säule ist hier alles anders als beim X3. Vor allem das mit der Rücksicht. Durch das deutlich stärker eingezogene Heck und die massive C-Säule entzieht sich im X4 schon mal eine Vorschulklasse unserem Blick. Noch deutlicher als den nach hinten Guckenden offenbart sich die besondere Form des X4 allerdings den hinten Sitzenden. Schon der Einstieg fällt schwerer, weil das weiter heruntergezogene Dach Kopfnüsse verteilt und wir mühselig über das fette Radhaus rutschen müssen – schließlich sollen die Klamotten sauber bleiben. Anschließend hocken wir auf einer kargen Bank (okay, das ist im X3 nicht besser) und müssen ab 1,90 Meter auch noch den Kopf einziehen.

Die guten Fahrleistungen fordern ihren Tribut beim Tanken

BMW X4 xDrive30i
Kraftvoll: Der 252 PS starke Zweiliter-Turbo bingt den X4 in 6,6 Sekunden auf Tempo 100 – er ist aber durstig.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Das ist zwar logisch, weil der X4 gegenüber dem X3 immerhin 55 Millimeter flacher ist und innen 50 Millimeter weniger Kopffreiheit bietet, nervt deswegen aber nicht weniger. Gleiches gilt für den Kofferraum, der bei umgelegten Rücksitzen zwei Reisetaschen weniger schluckt als im klassischen SUV-Kollegen X3. Trost für alle, die den X4 trotzdem lieben: Weil minimal länger, gibt es im Fond tatsächlich 15 Millimeter mehr Beinraum. Und die große Klappe des Schräghecks öffnet auf 1,90 Meter – immerhin sechs Zentimeter höher als die Tür des X3. Genug der Vorbereitung, wir starten. Und da lässt unser X4 xDrive30i vom ersten Meter an keine Zweifel: Ich bin ein BMW. Leichtfüßig kommt der 1,8-Tonner aus den Startblöcken und in 6,6 Sekunden auf Tempo 100. Er dreht mit Inbrunst bis 6500 Touren und schafft nach ein bisschen Anlauf 240 km/h Spitze. Sollte reichen. Besonders, wenn Sie nicht Tank-Titan werden wollen.
Schon auf unserer Testrunde genehmigt sich der X4 völlig unbescheidene 10,3 Liter. Wer’s eilig hat, muss auch mit 15 Litern oder mehr rechnen. Immerhin verhilft dem Vierzylinder mit dem leicht blechernen Klang ein Partikelfilter zur sauberen Euro-6d-TEMP-Weste.

Mit seiner Querdynamik ist der X4 ein typischer BMW

BMW X4 xDrive30i
Beeindruckend: Trotz 1,8 Tonnen Gewicht sind auch schnell gefahrene Kurven kein Problem für den X4.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Astrein auch der Umgang mit Kurven und Ideallinie. In der Ausstattung M Sport X (ab 61.100 Euro) atmet von den Sitzen bis zur Bremse alles M-Sportgeist. Am dicken, griffigen Lenkradkranz zirkeln wir den X4-Brummer wie einen Countryman ums Eck, die fetten 20-Zoll-Räder (1100 Euro, hinten 275/40) verlieren fast nie die Haftung; die Achtstufenautomatik scheint mit dem Gasfuß direkt vernetzt. So macht Kurvenräubern Laune, obwohl auch der X4 die Physik nicht überlisten kann. Er wankt und schiebt am Ende doch stärker als ein 330i Touring. Und er federt trotz gutem Grundkomfort etwas derber, lässt Frostschäden deutlicher durchdringen. Richtig schmerzhaft wird es allerdings an der Kasse. Ab 56.300 Euro steht der X4 xDrive30i in der Preisliste – macht 3700 Euro mehr als beim deutlich praktischeren X3. Wenigstens sieht der auch nicht richtig scharf aus.
Den X4 muss man sich leisten wollen – objektiv spricht das meiste gegen ihn. Er kostet mehr als sein Bruder X3 und bietet dabei weniger Nutzwert. Und als xDrive30i säuft er auch noch. Bleiben auf der Habenseite Top-Fahrverhalten und auffälliges Design. Wem das reicht ...