Zukunft der Brennstoffzelle

Brennstoffzelle im Auto: Technik

Audi setzt auf Brennstoffzelle

Totgesagte leben länger: Audi investiert massiv in die Brennstoffzelle. 2019 soll ein neuer Prototyp mit Wasserstoff-Kraftwerk an Bord präsentiert werden.
Audi möchte als Kompetenzzentrum im Volkswagenkonzern zur Brennstoffzelle zurückkehren. Noch vor Jahren hatte man den Kopf geschüttelt und die Entwicklungen unter dem bevorstehenden Elektrodruck nennenswert zurückgefahren. "Wir wollen es wirklich beschleunigen", so Audi-Vorstandsvorsitzender Bram Schot gegenüber der britischen Autocar, "wir werden Wasserstoff-Brennstoffzellen mehr Priorität einräumen – mehr Geld, mehr Kapazität und mehr Vertrauen." Noch 2019 soll der Prototyp eines Brennstoffzellen-Elektrofahrzeugs vorgestellt werden. Ein limitiertes Leasingprogramm, wie es aktuell insbesondere die asiatische Konkurrenz anbietet, soll bis 2021 umsetzbar sein. Ob ein h-tron-Modell gegenüber den gerade erst startenden Elektrofahrzeugen der Audi e-tron- oder VW-ID-Palette eine ernsthafte Chance hat, darf derweil bezweifelt werden.

Der gefährlichste Gegner ist die Akkutechnik

Neuer Anlauf: Audi will mit einem Prototyp noch 2019 an den Technologieträger A7 h-tron anknüpfen.

VW und Audi haben viele Jahre im Bereich der Brennstoffzelle geforscht und sogar Vorserienmodelle (Audi A7/VW US Passat) gebaut. Die hätte man innerhalb von zwei Jahren auf die Straße bringen können, doch wie bei vielen anderen Herstellern auch zweifelten insbesondere die Vertriebler an der Zukunft des Wasserstoffantriebs. Denn seit vielen Jahren liegen die größten Probleme der Brennstoffzelle in der mehr als löcherigen Tankstellen-Infrastruktur. Und die Brennstoffzelle muss mittlerweile nicht nur gegen die übermächtige Ölindustrie ankämpfen, sondern hat einen deutlich gefährlicheren Gegner: die Akkutechnik.

Der Markt für Brennstoffzellen-Autos ist winzig

Rarität: Der Mercedes GLC F-Cell ist eines von nur vier Brennstoffzellen-Modellen in Europa.

Streng genommen ist ein Brennstoffzellenauto nichts anderes als ein Elektrofahrzeug, das die benötigte elektrische Energie aus dem getankten Wasserstoff und dem Luftsauerstoff in einem kontinuierlich ablaufenden chemischen Prozess selbst gewinnt. Nachdem sich viele erfolglos an einer Brennstoffzelle versuchten, gibt es national wie international keinen nennenswerten Markt. Immerhin werden mit Toyota Mirai, Hyundai Nexo, Mercedes GLC F-Cell und Honda FCX Clarity derzeit in Europa vier Fahrzeuge angeboten, die man als Serienmodelle bezeichnen kann. Die Fahrzeuge bieten –abgesehen von soliden Fahrleistungen und praktikablen Reichweiten von 400 bis 500 Kilometern – den Vorteil, dass sie sich innerhalb von wenigen Minuten vollständig auftanken lassen.

Fernost drückt bei der Brennstoffzelle aufs Gas

Asiatische Hersteller wie Hyundai gehen das Thema Brennstoffzelle deutlich mutiger an.

In Fernost ist man da deutlich marktorientierter: Der chinesische Autohersteller Great Wall Motor beabsichtigt, Brennstoffzellenfahrzeuge als Teil seiner alternativen Energie-Roadmap zu entwickeln. Der Autohersteller erwarb 2018 einen Anteil von 51,01 Prozent an der Shanghai Fuel-Cell Vehicle Company von Dynavolt Tech und will die Brennstoffzelle ebenso in China durchsetzen, wie fast ein Dutzend anderer Firmen. Auf der Auto China in Schanghai stellte Grove Hydrogen Automotive seine ersten Serienfahrzeuge mit Wasserstoffantrieb vor. Im Gegensatz zu den meisten in China präsentierten Brennstoffzellen-Fahrzeugen soll der Grove Obsidian ab 2020 in erster Linie Privatkunden ansprechen. Dazu will man sich mit dem chinesischen Energieriesen Sinopec Group verbünden, der aktuell Wasserstofftankstellen im Land baut. Der ganz große globale Durchbruch dürfte indes noch auf sich warten lassen: Bis 2025 sollen nach Angaben des Daten- und Informationsdienstes IHS Markit gerade einmal 150.000 Brennstoffzellenfahrzeuge auf dem Weltmarkt verkauft werden.

Autor: Stefan Grundhoff

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