EA888, so heißt der Motor, der unter den Motorhauben dieser drei Autos, Pardon der eine ist ein Bus, steckt. Der Zweiliter-Turbomotor ist derzeit des Tuners liebstes Kind. Denn normalerweise können hier mit wenigen Elektronikeingriffen mehr PS und Fahrspaß freigeschaltet werden. Das Triebwerk wird im ganzen VW-Konzern als 1.8er- und 2.0er-Turbomotor verwendet. Die jüngste Generation steckt im aktuellen Golf R und im Audi S1, der VW T5 verfügt über einen geringfügig älteren, aber nur unwesentlich schwächeren 888er. BTS, HGP und MTM sind absolute EA888-Fans. Die drei Tuner gehen gerne noch ein paar Schritte weiter als reines Softwaretuning. "Die Kundschaft will weg von der Stangenware und wieder zurück zu rundum gemachten Motoren", so Turbo-Papst Martin Gräf von HGP.

Schaltzeiten und Launch Control werden verändert

HGP Golf R
Mit veränderter Launch Control geht's mit dem HGP Golf R in 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h.
HGP Golf R Gräf schwört seit Jahren auf die Aufladung und macht auch vor dem neuen Golf R nicht halt. Zwar ließ er dessen EA888-Innenleben weitgehend im Serienzustand, dafür beschäftigte er sich monatelang mit dem Turbolader. So experimentierte Gräf mit verschiedenen Verdichterrädern und feilte lange am richtigen Maß. Schließlich sollte der Lader sage und schreibe bis zu 1,8 Bar Ladedruck überstehen, schier unmöglich mit dem Serienteil. Direkt am Turbinchen hängen der HJS-Sportkat und eine üppigere Auspuffanlage. Von hinten schaut die Vierrohranlage nach Serie aus, klingt aber viel knackiger. Gräf belässt es beim Serien-Endschalldämpfer, verändert nur dessen Innenleben. Der Clou: Alles zusammen erfüllt die Euro-6-Norm! Zusammen ergibt das 426 statt 300 PS sowie 560 anstatt 380 Newtonmeter. Damit bei der Power das Doppelkupplungsgetriebe nicht verrücktspielt, hat der Tuner dessen Kupplung mit mehr Lamellen bestückt und zugleich die Schaltzeiten elektronisch verkürzt. Auch das ab Werk störende Runterschalten beim Kickdown in der manuellen Gasse ist nun passé.
BTS S1 Sportback
So agil am Heck wie der Serien-S1 ist der BTS nicht. Für derartige Action braucht es gewaltige Gegenpendler.
BTS S1 Sportback Kaum weniger Aufwand betreibt Jürgen Beck, Macher von BTS Racing. Im Gegenteil: Den Turbolader erfindet Beck zwar nicht neu, und er tüftelt hier auch nicht so ausgiebig wie Gräf. Dennoch kommt im S1 ein Fremd-Lader vom Golf VII R zum Einsatz. Darüber hinaus tut sich im Innenleben des ab Werk 231 PS starken Vierzylinders einiges. Unter anderem werden neue Pleuel und Kolben verwendet, womit auch die Verdichtung von 9,3 auf 8,8:1 reduziert wurde. Um die Kraft auch dauerhaft an alle viere weiterzugeben, hat Beck eine Sportkupplung verbaut. Zusammen mit Downpipe, Sportkat und geändertem Vorschalldämpfer bringt das 365 PS zusammen. Auch wenn der Endschalldämpfer Serie bleibt, sind das stramme 134 PS mehr als die Werksausgabe – für 6150 Euro ein vergleichsweise günstiges Angebot. Ob billig am Ende auch gut und schnell ist, das zeigt sich gleich bei den Testfahrten.
MTM T400
Das Zusammenspiel von verstellbarem Luftfahrwerk und Michelin-Gummis ermöglicht dem MTM T400 auch schnelle Runden.
MTM T400 Kommen wir zum Bus, genauer gesagt zum MTM T5 T400. Der Namenszusatz lässt eigentlich 400 PS vermuten, doch im Multivan stecken nur 360 PS. Und warum veredelt Audi-Guru Roland Mayer den Kult-Bus? Klar, weil unter der Haube wie anfangs erwähnt ein Ingolstädter Herz steckt. Der Vierzylinder mit serienmäßig 204 PS bekommt vom Tuner einen selbst entwickelten und durchlässigeren Turbolader verpasst. Dessen Geometrie wurde so gezeichnet, dass der Lader bereits in unteren Touren deutlich besser ansprechen soll. Dazu wird das Vorrohr strömungsoptimiert und eine oberarmdicke, klappengesteuerte Sportauspuffanlage mit Sportkat verbaut. Neben den obligatorischen Elektronikanpassungen hat man auch das DSG-Getriebe neu programmiert und mit kürzeren Schalt- und Reaktionszeiten am Wahlhebel ausgestattet.

Fazit

Die Aufgabe war klar definiert: Die Tuner BTS, HGP und MTM sollten aus dem baugleichen Motor das Optimum herausholen. Am Ende hat HGP das am besten umgesetzt. Sein Golf R ist nicht nur sauschnell, der Umbau auch noch gerade so bezahlbar. Der BTS S1 ist ähnlich schneller, zudem aber günstiger als der HGP und bietet mehr Fahrspaß. Den Sieg verliert er aber über zu viel Härte im Alltag. MTM verwandelt den Bus in einen Sportkombi, lässt sich die PS aber teuer bezahlen.