Bürstner Delfin C 621: Fahrbericht
Ein Wohnvan mit Charakter auf Renault-Basis

Bild: Magali Hauser / AUTO BILD
Wer ein wenig Orientierung sucht, dem können starke Namen durchaus helfen. Im rappelvollen Feld der Wohnvans zum Beispiel: Der Bürstner Delfin ist allein unverwechselbar, weil er so heißt. Zudem basiert er auf dem Renault Master, einer interessanten Alternative in diesem Segment, in dem auch Bürstner am liebsten auf die beliebten Fiat Ducato oder den Ford Transit setzt.
Vielleicht ist es kein Zufall, sondern Absicht, dass der Testwagen in Centaurigrau antritt, einer Farbe, die ein bisschen an Flipper erinnert, den schwimmenden Helden der legendären Fernsehserie aus den 1960ern. Bei Bürstner hat der Delfin eine lange Geschichte, die einst mit dem Wohnwagen-Topmodell der Marke begonnen hatte. Damals schrieb er sich allerdings noch Delphin – mit ph.
Das ist der Bürstner Delfin C 621
Der aktuelle Delfin ist heute also ein Renault Master, allerdings keiner der neuen 2024er-Baureihe. Dennoch ist die Basis einen näheren Blick wert.

Mehr Kasten wagen: Außen ist der Delfin ein Pragmatiker mit riesigem Radstand.
Bild: Magali Hauser / AUTO BILD
So liegt er mit seinen 6,23 Meter zwischen zwei Ducato-Maßen. Das ist genug, um zwei Längsbetten unterzubringen. Zudem fertigt Bürstner den Delfin ausschließlich in der gut ausgestatteten Limited-Edition, schick bestickte Polster inklusive. Limited bleibt dabei schlicht ein Name: Die Auflage seines ersten Wohn-Vans auf Renault-Basis hatte Bürstner keineswegs limitiert.
Trotz seiner Maße bietet der Delfin zwei vollwertige Einzelbetten im Heck mit einer Länge von je 190 und einer Breite von 70 Zentimetern. Serienmäßig ist ein ausziehbarer Rost an Bord, mit dem sich schnell und simpel eine grandiose Liegewiese von 178 Zentimeter Breite bauen lässt. Weil das längs geteilte rechte Bett sich hälftig hochklappen lässt, schluckt das Heck auch sperriges Sportgerät wie Fahrräder oder SUP-Bretter. Apropos sperrig: Wer mindestens mittelgroß ist, sollte sich fragen, ob ihm eine Stehhöhe von 184 Zentimetern reicht. Mehr kann der Delfin nicht bieten – übrigens auch kein Aufstelldach.

Der Delfin zeigt sich innen clever und hochwertig ausgestattet.
Bild: Magali Hauser / AUTO BILD
Damit das Raumprogramm trotz der überschaubaren Gesamtlänge ohne Zauberei ins Auto passt, haben die Gestalter den Tisch klappbar ausgeführt. Bei Bedarf lässt sich die Platte ruckzuck verschmälern, auch die Ausdrehfunktion ist praktisch. Als Option bietet der Delfin zudem einen Umbau mit Zusatzpolster an, um einem (kleinen) dritten Passagier ein Bett zu bereiten (410 Euro). Mit seiner Länge von 170 Zentimetern eignet es sich tatsächlich nur für ein Kind – wie gut, dass der Delfin Isofix-Halterungen serienmäßig bietet.
Fahrzeugdaten | Bürstner Delfin C 621 |
|---|---|
Motorisierung | 2.3 dCi 165 |
Leistung | 120 kW (163 PS) bei 3500/min |
Hubraum | 2298 cm3 |
Drehmoment | 380 Nm bei 1500–2750/min |
Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang/Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 6230/2070/2490 mm |
Masse fahrbereit/Zuladung ca. | 2920/580 kg |
Anhängelast (gebr./ungebr.) | 2500/750 kg |
Grundpreis/Testwagenpreis | 73.550 Euro / 76.590 Euro |
Durchdacht zeigt sich auch seine kompakte Küche. Trotz begrenzter Maße offeriert sie viel flexible Arbeitsfläche: Über dem gut erreichbaren Kühlschrank lässt sich eine Ablage einhängen, zudem sind die Abdeckungen von Herd und Spüle getrennt. Wer gerne kocht, freut sich über extra Platz auf dem erhöhten Kleiderschrank rechts der Küchenzeile – besser geht es in dieser Klasse kaum.

Aus den zwei Einzelbetten wird bei Bedarf eine üppige Liegewiese.
Bild: Magali Hauser / AUTO BILD
Das Möbeldekor nennt Bürstner Casa Pino. Es kombiniert den leicht rötlichen Ton der Pinie mit mattem Weiß und grauen Polstern, die mit springenden Delfinen bestickt sind. Das können sie in Kehl: mit Gespür und Hingabe angenehme Innenräume gestalten. Bleibt der Renault Master von außen spröde und prosaisch, offeriert er im Inneren eine Behaglichkeit, ohne dabei gleich ins Plüschige oder Kitschige abzudriften.
Was unser Testwagen nicht hat, ist ein Winterpaket, das Bürstner für 2060 Euro offeriert: Schneefans bietet der Delfin dann ein isoliertes und beheiztes Abwassersystem, auch zwei Sitzheizungen sind dabei. Einzeln kosten sie stolze 880 Euro Aufpreis.

Top: helle Decke, zwei Hekis und dimmbare Beleuchtung.
Bild: Magali Hauser / AUTO BILD
Auch beim Wunsch nach maximaler Autarkie kann Bürstner helfen, gegen ein sattes Aufgeld jedoch. Zwei Lithium-Batterien mit je 100 Ah kosten 3860 Euro extra, und dazu kommt sinnvollerweise eine Solaranlage. Und falls die Sonne scheinen sollte, ist stets eine Markise zur Stelle: Der Delfin erhält sie ohne Mehrpreis ab Werk.
So fährt der Delfin C 621
Bürstner hat dem Testwagen den 163-PS-Diesel gegönnt (plus 2060 Euro). Geschaltet werden die sechs Gänge jedoch zwangsläufig von Hand, eine Automatik findet sich in der Delfin-Aufpreisliste nicht.

Außen bleibt der Delfin dezent bis unauffällig.
Bild: Magali Hauser / AUTO BILD
Angenehm fahren lässt sich der Renault Master dennoch: Sein Biturbo bietet in allen Lebenslagen ein sehr präsentes Drehmoment, er wirkt leichtfüßig, rollt ruhig ab und läuft am liebsten schlicht geradeaus. Das liegt an seinem schier endlosen Radstand von 4,33 Metern, der eine stoische Ruhe und viel Komfort vermittelt – er ist ein echtes Langstreckenauto. Dafür spricht auch sein 80 Liter fassender Dieseltank.
Obwohl er sich durchaus agil lenken lässt, kommt in engen Kurven und im winkligen Straßengewirr europäischer Innenstädte wenig Freude auf. Ein Vorteil am Rande bleibt jedoch: Seine minimalen Karosserieüberhänge vermeiden zuverlässig böse Überraschungen.
Grundsätzlich präsentiert sich die Renault-Basis mit einer ordentlichen Ausstattung. Eine Geschwindigkeitsregelung ist Standard, ein Fahrspur-Warnassistent ebenso. Auch Fensterheber, Spiegelverstellung und -heizung oder Beifahrerairbag kosten nicht extra. Sogar ein praktisches Induktionsladegerät für Mobiltelefone ist stets an Bord.
Neu bestellbar ist der Delfin bei Bürstner allerdings inzwischen nicht mehr. Doch wer das Konzept mag, muss sich nicht sorgen: Im Handel finden sich aktuell noch genügend Fahrzeuge.
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