Das Große im Kleinen unterzubringen ist bei Wohnmobilen schon immer eine Aufgabe gewesen. Smarte Lösungen zum Falten und Klappen trumpfen stets auf, wenn es um das Wohnen unterwegs geht. Zu diesem Thema präsentiert Bürstner nun eine völlig neue Idee: einen Alkoven, der sich nur dann zeigt, wenn er im Einsatz ist. Damit fährt das Lyseo Gallery genannte Modell sparsam wie ein flacher Teilintegrierter, bietet im Stand jedoch enorm viel Raum. Noch sei der Gallery zwar ein Prototyp, "jedoch keine Zukunftsstudie", wie Bürstner-Chef Jens Kromer betont: "So, wie er hier steht, ist das Fahrzeug relativ seriennah."

Bürstner Lyseo Gallery: Das Dachteil wird quasi aufgepumpt

Bürstner Lyseo TD 685 Gallery
So sieht es im aufgeklappten Dachteil aus. Die Wände bestehen aus doppellagigem Spezialgewebe, in das Luft gepumpt wird. Dadurch richtet sich das Dach auf.
Als Lyseo TD 685 und TD 695 Gallery wird er künftig seine eigenen Modellbezeichnungen erhalten. Damit wird das luftige Dach nicht als Ausstattungsoption bestellbar sein, sondern einen eigenen Grundriss abbilden. Eine gute Entscheidung, wie schon der erste Blick ins Innere zeigt. Hier fällt nicht nur sofort das nobel-loungige, dennoch moderne Mobiliar auf, sondern auch eine feste Treppe, die an der rechten Seite in die obere Etage führt. Sie dient zugleich als Schrank. Dann drückt Tim Niedick, der bei Bürstner die Exterieur-Entwicklung leitet, einen Knopf. Ein Kompressor in der Heckgarage läuft an (der aktuell noch nicht den Serienstand abbildet), und was dann folgt, löst tatsächlich einen Aha-Effekt aus: Innerhalb von 90 Sekunden pumpt Luft ein doppellagiges Spezialgewebe auf und drückt so das vordere Dachteil in die Höhe. Der Kompressor muss nur alle zehn Stunden nachpumpen.

Leicht, gut isoliert und extrem haltbar

Bürstner Lyseo TD 685 Gallery
Während der Fahrt ist das Dachteil eingeklappt. Dadurch verringert sich der Luftwiderstand. Der Camper fährt dann wie ein flacher Teilintegrierter.
Ein deutscher Lieferant mit Expertise in technischen Textilien hat das Bauteil mitentwickelt und konfektioniert. Die Lösung, an der auch Pneumatik-Ingenieure getüftelt haben, ist unter verschiedenen Aspekten innovativ. Zum einen wird das Dach in Serienform nur rund 25 Kilogramm wiegen, mit bis zu sieben Zentimetern Luftpolster gut isolieren und zudem extrem haltbar sein. Wird ein Ventil geöffnet, strömt die Luft aus den Kammern. Das Dach sinkt von alleine zurück in seine Ruheposition. Im nächsten Schritt steht Feinschliff an, auch Tests folgen für das Gallery-Konzept. Zu Themen wie Schneelast, Isolationsgrad und Windsicherheit muss sich die Entwicklung nun beweisen. Untersuchungen in einem Windkanal sichern dabei die Berechnungen ab. Dort tobt ein Sturm mit 180 km/h gegen das Dach.

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Bürstner Lyseo TD 685 Gallery
Bürstner Lyseo TD 685 Gallery
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Viel Raum im Stand, weniger Luftwiderstand während der Fahrt

Nur 18 Monate hatten Tim Niedick und sein Team für die Umsetzung der Idee benötigt. Das lag insbesondere am Einsatz eines neuen Virtual-Reality-Systems, in das Bürstner investiert hat. "Das beschleunigt die Abläufe sehr", sagt der Entwickler. Rasch und ohne den Aufwand, ständig Modelle zu bauen, macht es verschiedenste Szenarien erlebbar. Das Abklären gelingt viel schneller. Die luftige Dachlösung hat Bürstner bereits doppelt zum Patent angemeldet. Nur ein griffiger Name fehlt noch: "Wir sagen bisher einfach Klappalkoven", so Techniker Niedick. Da muss das Marketing noch etwas ausknobeln. Wir werfen einfach spontan unsere Idee ins Rennen: Wie wäre es denn mit "Smart Air Suite"?

Fazit

Ein Alkoven ist sperrig, ein Teilintegrierter fällt innen eher knapp aus. Damit macht die Bürstner-Idee nun Schluss: Der Gallery bietet viel luxuriösen Raum im Stand, sperrt sich beim Fahren jedoch nicht gegen den Wind. Wir sind auf eine erste Testreise sehr gespannt.