Viel hilft viel, hat die Oma immer gesagt. Deswegen gab's in ihrer Küche auch regelmäßig Schaumpartys. Dass da neuerdings irgendwo "Konzentrat" auf ihrer Spüliflasche stand, muss sie wohl übersehen haben. So ähnlich ging es auch mal mit dem Gelierzucker, was zur Folge hatte, dass wir uns den Johannisbeergelee eine Saison lang in Scheiben aufs Brot gelegt haben. Was das mit Wohnmobilen zu tun hat, fragen Sie sich? Eine ganze Menge! Parallel dazu, dass sich die Kastenwagen 2020 an die Spitze der Neuzulassungen geschoben haben, nimmt auch die Zahl der Reisemobile mit schmalen Aufbauten zu. Konzentrate sozusagen. Sie bieten alles, was es für komfortables Reisen braucht, sparen aber an überflüssiger Größe. Wir vergleichen die Konzepte: den Bürstner als Teilintegrierten, den Hymer als Integrierten.

Bürstner Nexxo Van T 569: spritzig und wendig

Bürstner Nexxo Van T 569
In der City macht sich der Nexxo Van klein und schmal. Die Parkplatzsuche ist daher schnell erledigt.
Aktive Camper wählen gerne teilintegrierte Wohnmobile, weil diese leichter sind, wendiger und weniger Kraftstoff verbrauchen. Die Krönung für Stadttouristen sind die schmalen Teilintegrierten, die im Marketingsprech auch gerne Vans genannt werden. Wie unser Bürstner Nexxo hier, dem neuen 2,20 Meter breiten Einstiegsmodell. Damit will Bürstner dem Trend zu immer kompakteren Fahrzeugen Rechnung tragen. Im Gegensatz zu Campern oder Kastenwagen bietet der schmale Teilintegrierte nämlich den Vorteil der vollisolierten Kabine. Damit ist man, salopp gesagt, wettermäßig (fast) immer auf der sicheren Seite. Klar, das Winterpaket (2400 Euro) u. a. mit frostsicheren Tanks darf dann nicht fehlen. Das ist er: Ein kompakter und komfortabler Begleiter fürs reiselustige Paar, das gern zum Citycamping aufbricht. Denn dort macht sich der Nexxo Van so klein und schmal, dass man sich keine Sorgen machen muss, überall anzuecken oder Stunden mit der Parkplatzsuche zu verbringen. Einfach unkompliziert!

Trotz kompakter Maße bietet der Bürstner ein luftiges Interieur

Bürstner Nexxo Van T 569
Offene Sichtachsen für ein besseres Raumgefühl. Achtung, Stolperfalle: Die Halbdinette thront auf einem Podest.
Das hat er: Einen perfekt abgezirkelten Innenraum, in dem alle Wohn- und Nutzbereiche ausreichend Raum bekommen. Dabei ist der vordere Teil des Nexxo Van wie üblich mit Sitzbank, Tisch und drehbaren Fahrerhaussitzen ausgestattet. Nicht gerade üppig, aber für vier Personen reicht es. Vorsicht ist geboten, da dieser Bereich auf einem Podest ruht: Stolpergefahr! Zwei Schränkchen im Rücken der Sitzbank nehmen Gepäck auf und dienen gleichzeitig als Raumtrenner zum dahinterliegenden französischen Bett. Das obere lässt sich mit Garderobenstange als Kleiderschrank nutzen. Das untere dient als Anrichte und Stauraum. Gegenüber befindet sich eine kompakte Küche mit reinigungsfreundlicher Kocher-Spüle-Kombi, Unterbau-Kühlschrank, Besteckschublade, Stauraum unten und zwei Dachschränken. Daran schließen sich zwei weitere Schränkchen an, die beide mit Einlegeböden unterteilt sind.
Weiter hinten ist das Bad eingebaut, das mit einer Lamellentür verschlossen wird. Dort gibt es einen großen Spiegel, Schrank, Toilette, Schwenkwaschbecken, Dusche und Duschvorhang. Das Bett ist nicht gerade üppig dimensioniert, aber mit bequemen Matratzen versehen. Darunter befindet sich ein Stauraum, der von außen und innen beladen werden kann. So fährt er: Knackig und fahraktiv, mit gut abgestimmtem ESP. Dank der knappen Abmessungen ist das Rangieren auch kein Problem. Die Bremsen zeigten allerdings ab der achten Vollbremsung aus 100 km/h nachlassende Wirkung.

Hymer Exsis-i 580: voller Komfort

Hymer Exsis-i 580
Mit seinen knapp 2,9 Tonnen gibt sich der Exsis-i 580 wendig und leichtfüßig.
Normalerweise gelten Integrierte als behäbig und wegen ihrer Ausmaße schwieriger zu fahren. Dass sie genau das nicht sein müssen, zeigt der Exsis-i. Er ist nicht nur die entscheidenden 13 Zentimeter schmaler als seine größten Geschwister, sondern mit knapp 2,9 Tonnen im Serientrimm auch leichtfüßig. Der Testwagen brachte mit reichlich Sonderausstattung jedoch schon 3125 Kilo auf unsere Waage. Bleiben mit dem serienmäßigen Fiat-Ducato-Tiefrahmen also noch 385 Kilo Zuladung. Das geht in Ordnung – aber nur, wenn zwei unterwegs sind. Mit Viererbelegung sollte also auch ein Schmaler aufgelastet werden.

Auch im Hymer ist das Platzangebot völlig ausreichend

Hymer Exsis-i 580
Das helle, aufeinander abgestimmte Interieur verbessert das Raumgefühl. Das Platzangebot ist trotz der eingeschränkten Innenbreite völlig ausreichend.
Das ist er: Ein wahrhaftes Wohlfühl-Mobil. Auf knapp sieben Meter Länge bietet er reichlich Platz für zwei, dank des serienmäßigen Hubbetts vorn auch mal für vier. Über die 60 Zentimeter breite Aufbautür geht es direkt in eine lichtdurchflutete L-Sitzgruppe. Hier wird der Vorteil der großen Fensterflächen bei Integrierten deutlich spürbar, denn von den fehlenden 13 Zentimetern ist nichts zu merken. Auch im anschließenden Durchgang zwischen Küche und Bad herrscht volle Bewegungsfreiheit. Das Bad ist mit Bank-WC, festem Waschbecken, offenen Ablagen und einer integrierten Duschkabine versehen. Der Küchenblock bietet mit drei großen Schubladen, Kocher-Spüle-Kombi und einem Slimtower-Kühlschrank alles Nötige. Den Abschluss bilden zwei große Einzelbetten, unter deren Fußenden sich die Kleiderschränke befinden. Weiteres Gepäck nehmen sechs Dachschränke auf – und der voluminöse Heckstauraum. Das hat er: Ein helles Gemüt mit freundlicher Ausstrahlung. Nicht nur außen, wo sein Kühlergrill zu lächeln scheint. Auch innen laden helle Farben sowie angenehme Polster und Materialien zum Verweilen ein. Für ruhigen Schlaf sorgt die in der Sitzbank verbaute Therme, die jedoch wie die gesamte Bordtechnik einfach zugänglich ist. Eine praktische Servicezentrale spart sich Hymer leider, es gibt für alles einzelne Kläppchen. Auch die Serienausstattung ist nicht sonderlich großzügig – so muss die Fahrertür mit 1690 Euro extra bezahlt werden, die Ambientebeleuchtung mit 495 Euro. Vorbildlich dagegen: Neben dem Fahrerairbag ist auch der Beifahrerairbag serienmäßig, ebenso der bewährte und holzfreie PUAL-Aufbau.
So fährt er: Flink und wendig, er wuselt geradezu überall durch. Daran hat neben dem schmalen Aufbau natürlich der starke 160-PS-Motor (3090 Euro) seinen Anteil. Unbedingt empfehlenswert: die angenehme Neunstufenautomatik (3490 Euro). In unseren Fahrdynamiktests hat sich das ESP mit frühem und nachdrücklichem Eingreifen hervorgehoben, sogar etwas überbremst an der Vorderachse. Auch die Bremsen halten stand – ein sicheres Reisemobil.

Bildergalerie

Hymer Exsis-i 580     Bürstner Nexxo Van T 569
Bürstner Nexxo Van T 569
Bürstner Nexxo Van T 569
Kamera
Wohnmobil-Test Bürstner Nexxo Van T 569/Hymer Exsis-i 580
Fazit: Diese Schmalen haben's in sich! Wer maximal wendig unterwegs sein möchte, nimmt den Teilintegrierten. Und wer auf nichts verzichten will, den Integrierten.

Von

Jenny Zeume