Bundespräsident will höhere Spritpreise
Köhler: Benzinpreise rauf!

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Kurz vor dem österlichen Spritpreis-Hoch fordert Bundespräsident Horst Köhler eine generelle Erhöhung der Benzinpreise – zugunsten der Umwelt. Der ADAC findet diese Forderung unsozial.
(dpa) Bundespräsident Horst Köhler fordert von den Deutschen mehr Umweltbewusstsein und bringt dafür höhere Benzinpreise ins Spiel. "Wir müssen jetzt den Paradigmenwechsel hin zu einer Wirtschaftsweise einleiten, die unser Planet verkraftet und die letztlich auch mehr Sinn stiftet", sagte Köhler dem "Focus". "Die Nation, die sich am schnellsten, am intelligentesten auf diese Situation einstellt, wird Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen." Auch auf die Gefahr hin, sich mit vielen anzulegen, betonte Köhler: "Wir sollten zum Beispiel darüber nachdenken, ob der Preis von Benzin nicht tendenziell höher als tendenziell niedriger sein sollte." Der ADAC warf Köhler daraufhin eine "ideologische Verteufelung der individuellen Mobilität" vor.
Benzinpreise aktuell: Das kostet eine Tankfüllung!

Bundesverkehrsminister Ramsauer gegen eine Erhöhung
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat sich gegen höhere Spritpreise ausgesprochen. Zum Vorschlag von Bundespräsident Horst Köhler sagte der CSU-Politiker gegenüber der BILD: "Die Öko- bzw. Spritsteuer im Benzinpreis hat bis heute keinerlei Lenkungswirkung entfaltet. Gefahren wird wie eh und je." Nach dem ADAC kritisierte auch der Auto Club Europa (ACE) Köhlers Vorstoß. ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner warnte in BILD: "Die Bemerkung könnte missverstanden werden und den Ölmultis als willkommene Rechtfertigung dienen, weiter Preiswucher zu betreiben." Der Wirtschaftsexperte Rudolf Hickel von der Universität Bremen nannte die Äußerungen des Bundespräsidenten "Gift für die Konjunktur". Hickel zu BILD: "Öl wird ohnehin immer teurer – deshalb ist der Vorschlag Gift für die Konjunktur, schwächt die Autobranche und ist ein Schlag ins Gesicht für Millionen Pendler. Ökologische Vernunft kann nicht über den Benzinpreis herbeigesteuert werden."
Innerhalb der CDU-Spitze haben die Forderungen von Bundespräsident Horst Köhler zur Steuerpolitik zurückhaltende bis skeptische Reaktionen ausgelöst. Hessens Ministerpräsident Roland Koch sagte am Montag am Rande eines Kleinen Parteitags: "Das haben wir alle wohl gelesen, was er gesagt hat. Dabei soll es dann auch erst mal bleiben." Der Präsident werde nicht jeden Tag in parteipolitische Entscheidungen einbezogen. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa über Köhlers Äußerungen: "Das steht für sich." Er betonte zugleich: "Bei uns steht die Benzinpreiserhöhung nicht auf der Tagesordnung."
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