BYD Dolphin Surf: Test
Beim Bremsen besteht noch Nachholbedarf
BYD Dolphin Surf im Test
BYD konnte hierzulande bisher nur begrenzt Erfolge feiern. Jetzt versuchen es die Chinesen in der kleinsten Klasse. Überzeugt der Dolphin Surf im AUTO BILD-Test?
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Globalisierung lautet das Stichwort: BYD will in Deutschland Marktanteile gewinnen, was im Premium- und Kompaktsegment allerdings nur schleppend läuft.
Wie günstig, dass es an bezahlbaren E-Kleinwagen noch immer mangelt, VWs ID.Polo weiterhin auf sich warten lässt. Und wie praktisch, dass BYD den in China bereits seit 2023 als "Seagull" angebotenen Dolphin Surf einfach aus der Schublade zaubern konnte.
Qualitätseindruck ist solide
Einige kleine Änderungen später – unter anderem bekam unsere Version einen zweiten Scheibenwischer, eine geteilt klappbare Rückbank und weniger quietschige Innenraumfarben spendiert – steht der Kleine nun bei AUTO BILD zum Test.

Ordentlich: An der Materialauswahl gibt es wenig auszusetzen. Eher schon an der knopflosen Bedienung, die Kopfschmerzen machen kann.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Erster Eindruck: Solide, vor allem der Materialeindruck fällt ordentlich aus. Ein veganes Leder ziert alle vier Sitze, auch hinten sind die Armlehnen noch mit einem Alcantara-ähnlichen Material bezogen. So weit, so nett. Auch das Raumangebot geht in beiden Reihen in Ordnung. Etwas zusammengespart wirkt der Dolphin Surf im Laderaum (308 bis 1037 Liter), wo eine Hutablage fehlt und an den Wänden schnödes Hartplastik grüßt. Für diese Klasse halten wir das allerdings für verschmerzbar.
Fahrzeugdaten
Modell | BYD Dolphin Surf |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor |
Einbaulage | vorn |
Leistung | 115 kW (155 PS) |
Dauerleistung | 60 kW (82 PS) |
maximales Drehmoment | 220 Nm |
Vmax | 150 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | Hankook iOn ST AS |
Reifentyp | 185/55 R16 V |
Radgröße | k.A. |
Verbrauch* | 16,0 kWh/100 km |
Reichweite* | 310 km |
Batterietyp | BYD Blade Battery (LFP) |
Batteriekapazität (netto) | 43,2 kWh |
Ladeleistung (AC/DC) | 11/85 kW |
Ladezeit 10-80 %) | 30 Minuten |
Ladeanschluss | hinten rechts |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | - |
Stützlast | - |
Kofferraumvolumen | 308–1037 l |
Länge/Breite/Höhe | 3990/1720–1970**/1590 mm |
Radstand | 2500 mm |
Grundpreis | 22.990 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 30.990 Euro |
Eine solide Performance liefert der Dolphin Surf beim Infotainment ab. Man fragt sich zwar, wozu genau die Drehfunktion des mittleren Bildschirms gut sein soll – Apple CarPlay funktioniert im vertikalen Modus nicht –, davon abgesehen läuft aber alles geschmeidig, Navi und Sprachsteuerung laufen tadellos auf BYDs eigenem Betriebssystem.

Merkwürdig: Der Zentralbildschirm des Dophin Surf ist drehbar, was keinen Vorteil bringt. Das BYD-eigene Betriebssystem läuft flüssig.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Noch tadelloser wäre natürlich, würde die an der A-Säule montierte Kamera den Fahrer etwas länger auf den mittleren Bildschirm blicken lassen, bevor das Gepiepe losgeht. Ein einstellbares Ladelimit (z. B. 80 Prozent) für das nächtliche Laden an der Wallbox wäre auch schön gewesen. Und eine Anzeige für den Durchschnittsverbrauch, die sich nullen lässt – es wird nur der Verbrauch über die letzten 50 Kilometer kommuniziert.
Comfort-Ausstattung mit mehr Leistung
BYD hat uns den Dolphin Surf in der höchsten verfügbaren Linie "Comfort" geschickt, die nicht nur Ausstattung, sondern auch Motorstärke und Akkukapazität beeinflusst. Während in der Basis gerade mal 88 PS und 30 Kilowattstunden werkeln, stehen hier 156 PS und 43 Kilowattstunden bereit.

In der höheren Ausstattung hat der Dolphin Surf 156 PS und einen 43-kWh-Akku – ein ordentliches Plus gegenüber dem Basismodell.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Damit fährt sich der Dolphin Surf so flott, wie man es erwartet: Von der Ampel weg ist man meist der Erste, schlenzt sich geschwind durch den Verkehr und macht dank 10,1 Meter Wendekreis U-Turns, wo andere zurücksetzen müssen. Während sich der kleine BYD in der Stadt gemäß Anzeige teilweise mit unter 10 Kilowattstunden Strom begnügt, steigen Verbrauch und Geräuschniveau auf der Autobahn ein ganzes Stück an – aber auch das ist in dieser Klasse erwartbar.
Messwerte
Modell | BYD Dolphin Surf |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,2 s |
0–100 km/h | 8,3 s |
0–130 km/h | 14,0 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 4,4 s |
80–120 km/h | 6,1 s |
Leergewicht/Zuladung | 1411/323 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 58/42 % |
Wendekreis links/rechts | 10,1/10,2 m |
Sitzhöhe | 650 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 38,4 m |
aus 100 km/h warm | 40,6 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 58 dB(A) |
bei 100 km/h | 65 dB(A) |
bei 130 km/h | 70 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 13,6 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 19,6 kWh/100 km (+22 %) |
Sportverbrauch | 23,4 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 255 km |
In Zahlen sprintet der Dolphin Surf in 8,3 Sekunden auf Tempo 100, bei 150 km/h ist Schluss und der Verbrauch pendelt sich auf unserer Testrunde inkl. Ladeverlusten bei 19,6 Kilowattstunden ein.
Beim Bremsen patzt der Dolphin Surf
Neben einer beim schnellen Ausweichen verhärtenden Lenkung weist das Fahrwerk des Dolphin Surf allerdings einen weiteren Mangel auf: Die Bremse scheint schon im kalten Zustand eher unterdimensioniert zu sein. 38,4 Meter Bremsweg sind nicht zeitgemäß. In den nachfolgenden neun Bremsversuchen, die im Mittel den Warmbremswert ergeben, verlängerte sich der Weg immer weiter, lag bei 40,6 Meter.

Viel zu viel: Mit warmer Anlage ergeben sich aus 100 km/h Bremswege von über 40 Metern. Was zu einem deutlichen Punktabzug führt.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Im letzten der zehn Versuche brauchte der Dolphin Surf über 46 Meter, um zum Stehen zu kommen. So gibt es im Bremskapitel deutliche Punktabzüge. Schade, denn eigentlich lenkt und federt der Dolphin Surf für diese Klasse manierlich, wirkt agil.
Preispolitik ist kritikwürdig
Kritik gefallen lassen muss sich BYD auch im Preiskapitel – weniger für die Preise an sich, als für die Strukturen der Ausstattungslinien. So fällt die Serienausstattung der Basislinie "Active" (ab 22.990 Euro) mit Features wie adaptivem Tempomat, veganen Ledersitzen, Mittelarmlehne vorn und Navigationssystem zwar äußerst reichhaltig aus. Wer Sitzheizung vorn haben möchte, muss aber zur höchsten Ausstattungslinie greifen, die mindestens 30.990 Euro kostet.

Der Dolphin Surf kostet inklusive vieler Extras ab 22.990 Euro. Eine Sitzheizung ist nur in der höchsten Ausstattung zu haben.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Einzelextras oder Pakete sind nach Marken-Manier nicht zu haben. Auch muss der Dolphin Surf jährlich in die Werkstatt (oder alle 20.000 km), was bei dem noch immer lückenhaften Werkstattnetz nicht ganz unproblematisch sein kann. BYD hat zwar ausgelobt, bis Ende 2025 120 Händler und Werkstätten in ganz Deutschland bieten zu wollen. Weite Teile Mecklenburg-Vorpommerns oder Niedersachsens sind aber – Stand jetzt – fast unbesetzt.
Wertung Dolphin Surf
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Das Platzangebot im Innenraum geht in Ordnung, im Kofferraum bleibt nach Umklappen eine Stufe. | 3 / 5 |
Antrieb | Der Dolphin Surf wirkt spritzig, rekuperiert eher zurückhaltend. Der Testverbrauch ist okay. | 3,5 / 5 |
Fahrdynamik | Agil in der Stadt, schwach auf der Bremse. Beim schnellen Ausweichen verhärtet die Lenkung. | 2,5 / 5 |
Connected Car | Über schlechte Vernetzung kann man nicht klagen. Sogar die Öffnung per Handyschlüssel geht. | 4 / 5 |
Umwelt | Klein und elektrisch, aber als E-Auto eben auch recht schwer. Kein One-Padal-Modus möglich. | 3,5 / 5 |
Komfort | Assistenz ist vorhanden und teilweise penetrant, Geräuschniveau und Ausstattung sind ordentlich. | 3 / 5 |
Kosten | In der Top-Linie wird’s teuer, kostspielige Vollkasko und jährliche Wartung sind ärgerlich. | 2,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 2,8 |
Wer über die etwas teure Vollkasko-Einstufung der Versicherung hinwegsehen kann, darf sich aber immerhin für sechs Jahre bzw. 150.000 Kilometer Garantie auf das ganze Auto freuen, acht Jahre auf den Akku. Vielleicht klappt es so ja doch noch mit der Globalisierung – auch bei uns.
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