Cadillac Eldorado mutiert zum Mosler TwinStar
Kennen Sie den? Cadillac Eldorado mit 16 Zylindern

Zwei V8, knapp 600 PS und eine kolportierte Höchstgeschwindigkeit von über 320 km/h: Haben Sie schon mal vom Mosler TwinStar gehört?
Bild: Bringatrailer.com
Warum einen V8, wenn man auch zwei haben kann? Genau das dachte sich Anfang der 2000er-Jahre auch der amerikanische Kleinserien-Hersteller Mosler und konzipierte den TwinStar. Heutzutage ist der doppelmotorige Cadillac praktisch nahezu unbekannt!
Auf Basis des damals erhältlichen Cadillac Eldorado entstand im Jahr 2000 ein auf den ersten Blick skurril anmutendes Coupé, das dank zweier Northstar-V8 zum Sportwagen-Schreck mutieren sollte. Laut des Firmengründers Warren Mosler war die Grundidee des TwinStar jedoch eine gänzlich andere. Ursprünglich planten die Experten von Mosler, die bereits in den 80ern Erfahrungen im Sportwagenbau mit dem Consulier GTP gesammelt hatten, den Eldorado zu einem Mittelmotor-Coupé umzubauen. Das jedenfalls berichtete Mosler in einem im Jahr 2000 erschienenen Artikel der amerikanischen Kollegen von "Car and Driver".
Fast 600 PS aus 16 Zylindern
Während der Transformation kam ihm plötzlich die Idee mit den zwei Motoren und bereits der erste Prototyp soll überraschend gut funktioniert haben. Bei dem vorderen Motor handelt es sich um den serienmäßigen Northstar-V8 mit 279 PS (275 hp), der, typisch Cadillac aus dieser Zeit, die Vorderräder antreibt. In den Kofferraum pflanzte Mosler einen zweiten Northstar-V8 (die stärkere Variante), der seine 305 PS (300 hp) an die Hinterräder schickt. Die Systemleistung gab Mosler seinerzeit mit 582 PS (575 hp) und über 800 Nm an – beeindruckende Werte, erst recht vor 25 Jahren.

Alles andere als Serie: Der Kofferraumdeckel mutiert bei diesem Cadillac Eldorado zur zweiten Motorhaube.
Bild: Bringatrailer.com
Eine weitere Besonderheit dieses Umbaus: Beide Motoren arbeiten unabhängig voneinander. Was das bedeutet? Der Mittelmotor besitzt eine höhere Maximaldrehzahl und eine andere Übersetzung, als der vordere V8. Konkret heißt das, dass die Viergang-Automatikgetriebe zu unterschiedlichen Zeitpunkten schalten. Lediglich Gaspedalstellung und Gangwahl müssen synchronisiert werden.
So fährt der TwinStar
Die Kollegen von "Car and Driver" konnten den TwinStar im Sommer 2000 fahren und beschrieben das Erlebnis wie folgt: "Zu Beginn fühlt es sich komisch an, aber nach einer kurzen Zeit gewöhnt man sich dran. [...] Während ein Motor des TwinStar schaltet, schiebt der andere weiter an." Mosler gab damals für den 0-96-km/h-Sprint eine Zeit von 4,6 Sekunden und einen Viertelmeilenwert von 12,7 Sekunden an. Zahlen, die der allradgetriebene TwinStar im Test jedoch nicht ganz erreichen konnte. Mit 5,0 Sekunden auf Tempo 100 und 13,8 Sekunden für die Viertelmeile war das 16-Zylinder-Ungetüm dennoch schneller als ein serienmäßiger Eldorado. Wenn auch nicht so viel, wie man angesichts von 300 Zusatz-PS hätte erwarten können.

Zweimal hinschauen lohnt sich: Bis zur B-Säule ist alles wie gewohnt, der Radstand wurde allerdings auf gewaltige 3,20 Meter verlängert, damit der hintere Hilfsrahmen mitsamt Motor Platz findet.
Bild: RM Sotheby's
Der Grund hierfür dürfte vor allem im Mehrgewicht von rund 430 Kilo gelegen haben. Mit umgerechnet fast 2200 Kilo ist der TwinStar schließlich alles andere als ein Leichtgewicht. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von nur 126 mph, also umgerechnet nur 203 km/h, war übrigens elektronisch begrenzt. Gerüchten zufolge hätte der TwinStar ohne diese Fessel bis zu 322 km/h (200 mph) schnell sein können.
3,20 Meter Radstand
Optisch wirkt der doppelmotorige Eldorado allerdings skurril und das ist noch vorsichtig ausgedrückt. Bis zur B-Säule entspricht der TwinStar dem Serien-Cadillac. Im Profil fällt allerdings auf, dass der Radstand auf 3,20 Meter verlängert wurde, was einen extrem kurzen hinteren Überhang zur Folge hat. Bei genauerem Hinsehen fallen zudem die zusätzlichen vertikalen Entlüftungen am überarbeiteten Heck auf, die notwendig waren, um die Hitze des V8 abzuführen.

Zusatzinstrumente statt Handschuhfach: Um alle wichtigen Werte des zweiten V8 im Blick zu behalten, besitzt der TwinStar einen zusätzlichen Drehzahlmesser sowie eine zweite Temperaturanzeige.
Bild: Bringatrailer.com
Der Innenraum hingegen blieb unangetastet – mit einer Ausnahme: Vor dem Handschuhfach befinden sich ein zweiter Drehzahlmesser und eine zusätzliche Temperaturanzeige für den hinteren Motor. Vor rund 25 Jahren verlangte Mosler rund 30.000 Dollar für den Umbau. Inklusive Basisfahrzeug kostete ein TwinStar somit etwa 70.000 Dollar. Eine stolze Summe. Der hier gezeigte Mosler TwinStar wurde vor zehn Jahren für 39.900 Dollar angeboten, nachdem er bei einer Auktion von RM Sotheby's im selben Jahr nicht verkauft wurde.
Aus heutiger Sicht erscheint ein zweimotoriger Cadillac Eldorado noch faszinierender als damals. Zwar gibt es andere Autos wie den MTM Bimoto oder auch die Mercedes A-Klasse mit zwei Motoren, doch während das jeweils nur Versuchsträger und somit Einzelstücke blieben, sollen vom Mosler TwinStar immerhin fünf Exemplare gebaut worden sein. Getreu dem Motto: Zwei V8 sind besser als einer.
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