Cadillac Lyriq: Test
Comeback mit Strom: Cadillac Lyriq zeigt uramerikanische Auto-Tugenden

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Für alle anderen kommt eine gute Nachricht – ein neuer Cadillac für Europa. Die Edel-Amerikaner haben es ja immer mal wieder versucht auf dem alten Kontinent, vor gar nicht allzu langer Zeit mit ATS, CTS oder zuletzt XT4. Alles mehr oder weniger halbherzig.
Lyriq-Design ist kantig und markant
Doch jetzt nimmt Cadillac, diese wunderbare, große amerikanische Marke, einen neuen Anlauf. Und groß ist der Lyriq natürlich sowieso, jedenfalls für unsere Verhältnisse. Fünf Meter lang, 1,98 breit und 1,62 hoch.

Was für ein Trumm: Der Cadillac Lyriq streckt sich auf fünf Meter Länge, ist 1,98 Meter breit und 1,62 Meter hoch. Sein Design ist markant.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das Design kantig, eckig, mit mächtigem Grill. Wer mag, wird an der hinteren Seitenlinie ab der C-Säule gewisse stilistische Ähnlichkeiten mit dem unvergessenen Jensen Interceptor erkennen. Auf alle Fälle ist dieser Cadillac ein Hingucker, die Leute schauen hinterher. Und auf dem Parkplatz vor dem Golfclub macht er mit Sicherheit eine gute Figur.
Fahrzeugdaten
Modell | Cadillac Lyriq |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotoren |
Einbaulage | je ein Motor vorn und hinten |
Spitzenleistung gesamt | 388 kW (528 PS) |
Dauerleistung | 187 kW (254 PS) |
maximales Drehmoment | 610 Nm |
Vmax | 210 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsscheiben vorn/hinten | 390/345 mm, innenbelüftet |
Testwagenbereifung | 275/45 R 21 V |
Reifentyp | Continental PremiumContact 6 |
Radgröße | k. A. |
Reichweite* | 530 km |
Verbrauch* | 22,5 kWh/100 km |
Batteriekapazität | 102 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 22/190 kW |
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) | k. A. |
Ladeanschluss | vorn links |
Fach unter Frontklappe | – |
Vorbeifahrgeräusch | 63 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 750/1587 kg |
Stützlast | 64 kg |
Kofferraumvolumen | 588–1687 l |
Länge/Breite/Höhe | 5005/1977–2207**/1623 mm |
Radstand | 3094 mm |
Grundpreis | 81.000 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 81.000 Euro |
Erwartungsgemäß verfügt der Lyriq über viel Platz, besonders vorn geht es betont weitläufig zu. Auch der Fond ist im Prinzip riesig,
bis auf die nicht besonders große Kopffreiheit. Leute um die 1,85 Meter oder mehr sollten besser vorn Platz nehmen.
Überraschend wenig Kofferraum
Dort warten sowieso die besseren Sitzgelegenheiten: große, bequeme Sessel mit wunderbar knautschigem Leder wie im Testwagen (Nappaleder Oxford Stone 3000 Euro), beheizt, belüftet und mit Massage-Funktion. Auch die Bank im Fond ist insgesamt nicht ungemütlich, die Auflage könnte aber gern etwas länger sein.

Kleiner als gedacht: Ins Gepäckabteil des Lyriq passen zwischen 588 und 1687 Liter. Für ein Auto dieser Größe ist das nicht viel.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das Gepäckabteil schluckt 588 bis maximal 1687 Liter. Für die Größe des Autos ist das nicht besonders viel, in den mit 4,76 Metern deutlich kürzeren BMW X3 zum Beispiel passen 570 bis 1700 Liter.
Hochwertige Materialien im Innenraum
Eingerichtet ist der Lyriq charmant, eigenständig und durchaus edel. Beim Material hat Cadillac jedenfalls nicht gespart, Hochglanz, Chrom, Leder, Echtholz, softe Oberflächen – alles großzügig verbaut. Bemerkenswert ist noch der tatsächlich 33 Zoll messende Bildschirm. Ein echtes Breitwand-Display, das eben nicht, wie bei manch anderen Marken, aus zwei oder mehr Bildschirmen zusammengesetzt ist.

Durchaus edler Arbeitsplatz: Das Interieur des Lyriq hat Stil und Charme, auffälligstes Element ist das durchgehende 33-Zoll-Display.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Grafik und Optik des Multimedia sind ansehnlich und die Icons groß, die Menüstruktur ist aber ziemlich verschachtelt. Bedienen kann man den Lyriq per Touchscreen oder mit dem BMW-iDrive nachempfundenen Controller auf der Mittelkonsole. Schön: Die Drei-Zonen-Klimaautomatik (Serie) verfügt über eine Extra-Bedieneinheit.
Messwerte
Modell | Cadillac Lyriq |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 2,7 s |
0–100 km/h | 5,5 s |
0–130 km/h | 7,8 s |
0–160 km/h | 11,0 s |
0–200 km/h | 17,2 s |
Viertelmeile | 13,53 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 2,3 s |
80–120 km/h | 2,6 s |
Leergewicht/Zuladung | 2702/498 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 51/49 % |
Wendekreis links/rechts | 12,4/12,5 m |
Sitzhöhe | 660 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 37,5 m |
aus 100 km/h warm | 36,5 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 55 dB(A) |
bei 100 km/h | 63 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) |
bei 160 km/h | 72 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 20,4 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 31,4 kWh/100 km (+39,5 %) |
Sportverbrauch | 45,5 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 366 km |
Ein paar Spezialitäten gibt es noch: Den Verbrauch zeigt der Cadillac in km/kWh an – in Anlehnung an die typische angelsächsische Verbrauchsangabe Miles per Gallon (mpg). Fans werden sich freuen, ist aber eben ungewohnt. Und der Batterie-Ladestand wird nur grob angezeigt – 100 Prozent, 50 Prozent, 0 Prozent – den genauen Stand kann man nur mit "Okay, Google" erfragen.
Antrieb hat leichtes Spiel
Angetrieben wird der Cadillac von je einem E-Motor vorn und hinten, die Systemleistung beträgt 528 PS, das Drehmoment 610 Nm. Im Test sprintete er in 5,5 Sekunden von null auf hundert, maximal sind 210 km/h drin.
Der Lyriq stürmt, wenn man es denn möchte, vehement los und zieht auch bis zur Spitze kräftig durch. Der Antrieb läuft dabei aber nicht komplett geräuschfrei, unter Last ist ein leises Pfeifen zu hören. Das E-System funktioniert routiniert, reagiert sehr gut auf Befehle des Fahrpedals.

Sportlich: Der Cadillac Lyriq stürmt in 5,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und zieht auch bis 210 km/h ordentlich durch.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Rekuperation ist in drei Stufen verstellbar, arbeitet durchweg kräftig. Im Modus "Hoch" für unseren Geschmack etwas zu ruppig und nicht besonders fein dosierbar, wir empfehlen für den Alltag "Normal" – das ist dann immer noch recht stark. Angenehm ist der One-Pedal-Modus, in dem der Cadillac sanft und zuverlässig anhält.
Sehr amerikanische Lenkung
Der Testwagen brachte stolze 2,7 Tonnen auf die Waage – und
genau so fährt er sich. Schwer, wuchtig, satt. Mit einer leicht schaukeligen – aber nicht schwammigen – Federung, gelassen und komplett in sich ruhend. Sehr amerikanisch auch die Lenkung, indirekt, komplett entkoppelt und keinerlei Fahrbahnkontakt vermittelnd – was aber auch schon wieder zum Auto passt.
Wertung Cadillac Lyriq
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Geräumiger Innenraum, elegante Einrichtung. Kofferraum nur Mittelmaß, Zuladung knapp 500 Kilo. | 3 / 5 |
Antrieb | E-Antrieb mit guten Fahrleistungen, fein dosierbar. One-Pedal-Drive. Lädt mit maximal 190 kW (DC). | 4 / 5 |
Fahrdynamik | Schweres Auto, kaum aus der Ruhe zu bringen. Indirekte Lenkung, gute Traktion. Bremsen okay. | 3,5 / 5 |
Connected Car | Riesiges Display, schöne Grafik, umfangreiche Funktionen. Spracheingabe verständig. | 4,5 / 5 |
Umwelt | Lang und breit und sehr schwer (2,7 Tonnen). Rekuperation verstellbar, hoher Verbrauch. | 3,5 / 5 |
Komfort | Bequeme Sitze vorn mit Massagefunktion, komfortable Federung, sehr leise. Umfangreiche Ausstattung. | 4 / 5 |
Kosten | Selbstbewusster Preis – aber viel Leistung und Ausstattung. Wartung zwei, Garantie vier Jahre. | 3 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,9 |
Der Akku ist 102 kWh groß, im Test schaffte der Lyriq damit 366 Kilometer Reichweite. Der Verbrauch lag bei 31,4 kWh/100 km. Mit anderen Worten: Er säuft. Hatte irgendjemand etwas anderes erwartet?

Fast alles inklusive: Für den Lyriq in der Ausstattung Sport ruft Cadillac 81.000 Euro auf. Die Aufpreisliste bleibt damit ziemlich kurz.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Den hier getesteten Cadillac Lyriq Sport gibt es ab 81.000 Euro, die Aufpreisliste umfasst praktisch nur fünf Positionen, alles andere ist drin und dran. Und wir denken jetzt einfach mal nicht an Zollgebühren oder Ähnliches, sondern einfach nur an einen großen neuen Cadillac für Europa.
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