Braunschweig haben wohl die wenigsten Camper auf ihrer Urlaubsliste – obwohl in der Stadt Heinrichs des Löwen (250.000 Einwohner) und dem Umland so einiges los ist.
Hier steht Deutschlands buntestes Haus, Europas größte Quadriga, der Louvre des Nordens, ein Automat, der Kunst ausspuckt, und ein Schloss, das gar keines ist. Urlauber erleben, wie Stahl gekocht wird, und erfahren, warum die Region für Don Quijote ein Albtraum wäre. Ein Ausflug ins Braunschweiger Land zwischen Harz und Heide.

Eintracht-Stadion und Wahre Liebe

Die Braunschweiger bilden sich einiges auf ihre Fußballgeschichte ein, auch wenn ihre Eintracht derzeit nur 2. Liga spielt und die Deutsche Meisterschaft mehr als ein halbes Jahrhundert zurückliegt. Doch kann sich die Stadt zugute halten, dass der Braunschweiger Lehrer Dr. Konrad Koch das Fußballspiel nach Deutschland holte. Eine Gedenktafel nahe dem kleinen Exerzierplatz am Naturhistorischen Museum, wo erstmals der Ball nach modernen Fußballregeln rollte, erinnert an Kochs Pionierleistung. Sehenswert ist zudem das Eintracht-Stadion, das in diesem Jahr 100. Jubiläum gefeiert hat.
Es ist eine der wenigen verbliebenen klassischen Spielstätten in Schüsselform, in der auch Leichtathletikwettkämpfe stattfinden. Weitere Besonderheit: Das Rund trägt noch immer den Namen "Eintracht-Stadion“. In einer beispiellosen Crowdfunding-Aktion haben die Fans des Vereins mehr als 650.000 Euro dafür gesammelt, dass die Namensrechte erhalten bleiben und nicht an ein Unternehmen verkauft werden. Besichtigungstouren durch den "Bauch“ des Stadions mit Spieler- und Schiedsrichterkabinen und vorbei an der Meisterschale von 1967 dauern (natürlich!) 90 Minuten und enden in der Stadiongaststätte "Wahre Liebe“. Möglich, dass Besucher dort auch mal einem altgedienten Eintracht-Profi wie 70er-Jahre-Stürmerstar Bernd Gersdorff begegnen. Die Älteren werden sich an den Namen erinnern. In Braunschweig kennt ihn noch heute jedes Kind.
Adresse: Hamburger Str. 210, 38112 Braunschweig
www.eintracht.com/stadion
Termine: Siehe Internet, Anmeldung per Mail an stadionfuehrung@eintracht.com
Preise: 9 Euro (Erw.), 8 Euro (ermäßigt), 6 Euro (Kinder ab 7 J.)

Weihnachtsmarkt auf dem Burgplatz

Der Burgplatz mit dem Wahrzeichen der Stadt, dem bronzenen Löwen-Standbild, bildet die feierliche Kulisse für den Weihnachtsmarkt. Er zählt ohne Zweifel zu den schönsten Deutschlands, ist aber dennoch ein Geheimtipp. Der Budenzauber wird vom Dom, dem Landesmuseum, der Burg Dankwarderode und einer Riege jahrhundertealter Fachwerkhäuser eingerahmt. Weitere Stände umzingeln den Dom und die Burg und reichen bis auf den Rathausvorplatz nebenan. Eine im Wortsinn große Attraktion ist Bruno, der Nussknacker: Er ist sechs Meter hoch und wiegt 9,2 Tonnen. Vermutlich ist Bruno der größte Nussknacker der Welt. Für Kinder gibt’s diverse Bespaßungen wie Märchen-, Mal- und Bastelstunden und eine professionelle Betreuung. Tipp: Herrlich ruhige, überdachte Sitzplätze bieten Flöße auf dem Burggraben – mit perfektem Blick auf Burg und Rathaus.
Adresse: Burgplatz, 38100 Braunschweig
Tel. 05 31-4 70 20 40 (Tourist-Info)
www.braunschweig.de/weihnachtsmarkt
Termin:  29. 11. – 29. 12. 2023

Heinrich der Löwe und der Schwarze Herzog

Die großen Ikonen der Stadtgeschichte sind Herzog Heinrich der Löwe (ca. 1129–1195) und Friedrich Wilhelm von Braunschweig, auch Schwarzer Herzog genannt (1771-1815). Heinrich gilt als Stadtgründer, Friedrich Wilhelm ließ im Kampf gegen Napoleon für Braunschweig sein Leben. Beide ruhen im Dom St. Blasii am Burgplatz. Heinrich mit Frau Mathilde in der steinernen Gruft, der Schwarze Herzog in einem selbstverständlich pechschwarzen Holzsarg in der Krypta. Nazi-Posse zu Heinrich dem Löwen: Die Nationalsozialisten versuchten den Herzog zu heroisieren und für sich zu vereinnahmen.
Im Sommer 1935 starteten sie eine große Propaganda-Aktion und öffneten dessen Gruft. Dabei stellte sich heraus, dass Heinrich der Löwe 1,62 Meter maß, ein Bein zehn Zentimeter kürzer war als das andere und er von Geburt an eine deformierte Hüfte hatte. Statt nun des Herzogs Überreste wie geplant der Öffentlichkeit zu präsentieren, wurde die Gruft rasch wieder verschlossen. Ein Nationalheld mit solchen Gebrechen passte so gar nicht in das kranke Welt- und Menschenbild der Nazis. Ob es sich bei den damals untersuchten Gebeinen aber tatsächlich um die Heinrich des Löwen oder die seiner Frau Mathilde handelte, ist heute umstritten.
Adresse: Domplatz 5, 38100 Braunschweig
Tel. 05 31-24 33 50
www.braunschweigerdom.de

Bierführung

Wolters, Feldschlösschen, National Jürgens: Von den drei großen Brauereien der Stadt ist nur Wolters übrig geblieben, wobei die Marke National Jürgens vor Kurzem als Craft-Bier wiederbelebt wurde. Leider ist die Wolters-Braustätte, Heiliger Gral der Braunschweiger Biertrinker, derzeit nicht zu besichtigen. Das herbe Bier wird aber überall in der Stadt ausgeschenkt, zum Beispiel in der Silberquelle. Wer sich einmal durch die verbliebene lokale Bierwelt kosten möchte, kann das während eines Bierrundgangs tun.
Unter Führung eines erfahrenen Biertrinkers geht es auf Kneipen- und Brauereigasthaus-Tour. Natürlich ist Wolters dabei, aber auch die (alkoholfreie) Braunschweiger Segelschiff-Mumme, ein malziges Getränk, der mittelalterliche Urahne der heutigen Energydrinks. Die Spezialität wurde 1390 erstmals erwähnt und war ein Exportschlager der Stadt. Seefahrer schätzten die Mumme, weil sie vor der gefürchteten Skorbut und anderen Mangelerkrankungen schützte. Der Legende nach hatte auch Christoph Kolumbus ein paar Fläschchen Mumme dabei, als er 1492 Amerika entdeckte.
Adresse: Tourist-Info, Kleine Burg 14, 38100 Braunschweig
Tel. 05 31 - 4 70 20 40
www.braunschweig.de

Café Kreuzgang

Das Café Kreuzgang ist ein inklusives Arbeitsprojekt des Theologischen Zentrums und ein echter Insider-Tipp. Selbst vielen Einheimischen ist das ruhige Café mit dem uralten Klostergarten der St.-Ulrici-Brüdern-Kirche mitten in der City vollkommen unbekannt. Umschlossen von altem Gemäuer, serviert das Team wahlweise herzhafte Paninis und Suppen oder Kuchen. Die grüne Oase ist ideal für einen sonnigen Herbstnachmittag oder als Zwischenstopp auf einer Einkaufsrunde durch die nahe Fußgängerzone.
Adresse: Schützenstraße 22a, 38100 Braunschweig
www.mehrwerk-esn.de "Dienstleistungen" und "Café Kreuzgang" anklicken
Öffnungszeiten: Mi.-Fr. 11-18 Uhr, Sa. und So. 14-18 Uhr

Altstadtmarkt

Aus einheimischer Sicht hat Braunschweig mindestens drei "gute Stuben“: den Burgplatz, das Eintracht-Stadion und den Altstadtmarkt. Er wurde erstmals vor mehr als 800 Jahren erwähnt und ist umringt von historischen Gebäuden, allen voran das Altstadtrathaus, die Martinikirche und das Gewandhaus mit dem Rüninger Zollhaus.
Der Altstadtmartk ist zum Verlieben, vor allem an Markttagen.
Bild: Stadt Braunschweig/ Daniela Nielsen
Der Platz ist zum Verlieben, vor allem an Markttagen (Mi. und Sa. 8-13 Uhr), wenn an rund 50 Verkaufsständen Bioprodukte und frische regionale Spezialitäten wie Braunschweiger Mettwurst zu haben sind. Außerhalb der Marktzeiten ist der Marienbrunnen in der Platzmitte ein guter Rastplatz – und Ausgangspunkt für eine Shopping-Tour durch die weitläufige Fußgängerzone, die am Altstadtmarkt beginnt.
Adresse: Altstadtmarkt, 38100 Braunschweig

Silberquelle

Einst war die 1949 errichtete Silberquelle, ein zehneckiges Mini-Restaurant, berühmt für seine Thüringer Bratwurst. Ende der 70er wurde der historische Bau als Trinkhalle und Kiosk genutzt, bevor Gastronom Kai Fahim die rundum verglaste Silberquelle zum Party-Pavillon umfunktionierte. Seit rund 20 Jahren tanzen nun drinnen ölsardinendosenartig bis zu 40 Gäste – die Braunschweiger Interpretation von Engtanz –, während andere im Außenbereich eine Verschnaufpause bei heimischem Wolters-Bier einlegen. Auch im Herbst und Winter ist die umlaufende Terrasse bestens besucht, einige Plätze sind überdacht. Das Publikum ist gemischt, auch die Generation Ü50 oder Ü60 stürzt sich hier gern ins Nachtleben. Es scheint, als würde Fahin, der sich auch als DJ betätigt, mit seiner Partymusik so ziemlich jeden und jede glücklich machen. Ein skurriler kleiner Tanz- und Gute-Laune-Tempel für alle.
Adresse: Kalenwall 4, 38100 Braunschweig
www.silberquelle-braunschweig.de
Öffnungszeiten: Do.-Sa. ab 20 Uhr

Radeln auf dem Ringgleisweg

Im 19. Jahrhundert umschloss ein ringförmiges Güterverkehrsgleis die Braunschweiger Innenstadt. Als die Ringbahn in den 1980ern nach und nach überflüssig wurde, gab es einen neuen Plan für die frei werdende Fläche: Sie sollte schrittweise zu einem Radweg werden. Mittlerweile ist dieser Weg 22,5 Kilometer lang und führt in weitem Bogen um die City, manchmal entlang der Oker, vorbei an Schrebergärten und Industriebrachen, Parks und Wohnhäusern, Sportplätzen und Gewerbebetrieben sowie ehemaligen Bahngebäuden wie dem Westbahnhof. Der ist heute Kunst-, Gewerbe- und Freizeitzentrum – und dank "Coney Eisland" eine gute Adresse, wenn es um Speiseeis geht. Der Laden ist eine Mischung aus Eisdiele und Kiosk. Im Herbst gibt es hier auch warme Nachos mit
diversen würzigen Dips.
Adresse: Tourist-Info, Kleine Burg 14, 38100 Braunschweig
Tel. 05 31-4 70 20 40
www.braunschweig.de

Schloss Richmond

In Erinnerung an ihre alte Heimat London ließ sich Herzogin Augusta zu Braunschweig-Lüneburg, Gemahlin des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand und Schwester des englischen Königs Georg III., 1774 ein spätbarockes Schlösschen bauen.
Um das Schloss Richmond ranken sich viele amüsante Hofgeschichten und Indiskretionen.
Bild: Braunschweig Stadtmarketing GmbH / Sascha Gramann
Rundherum entstand ein Landschaftspark nach englischem Vorbild. Um das Kleinod im Süden der Stadt ranken sich viele amüsante Hofgeschichten und Indiskretionen, die Kammerherr Florian von Osten-Waldeck bei einer einstündigen Kostümführung durch das Schloss genüsslich ausplaudert. Darunter sind die zahlreichen amourösen Affären des notorisch untreuen Karl Wilhelm Ferdinand, einem entsetzlichen Stelzbock.
Adresse: Schloss Richmond, Wolfenbütteler Str. 55, 38124 Braunschweig
Tel. 05 31 - 4 70 20 40
www.braunschweig.de, Führungen auf Anfrage

Rizzi-Haus, Magni und Östliches Ringgebiet

Am Rand der wunderschönen Fachwerk-Oase um die Magnikirche steht seit 2001 das mit kunterbunter Pop-Art-Malerei verzierte Happy Rizzi House des New Yorker Künstlers James Rizzi (1950-2011). Wie beim Schlossneubau gehen auch bei diesem Gebäude die Meinungen auseinander. Fakt ist: Das Rizzi-Haus zählt zu den meistfotografierten Motiven der Stadt. Leider ist es nicht von innen zu besichtigen.
Wer wissen möchte, wie das Interieur aussieht, findet Fotos im Netz. Es ist genauso farbenfroh und verspielt wie die Fassade. Vom Rizzi-Haus sind es nur 1500 Meter ins Östliche Ringgebiet rund um die Paulikirche, eines der schönsten Wohnviertel der Stadt. Hier reiht sich ein schmuckes Gründerzeithaus an das andere. Wie durch ein Wunder blieb das Quartier weitgehend vom Feuersturm verschont, der die Industriestadt Braunschweig nach einem Luftangriff im Oktober 1944 verheerte.
Adresse: Ackerhof 1, 38100 Braunschweig
Tel. 01 71-4 73 21 37
www.rizzi-haus.de

Schloss und Quadriga

Am Schloss scheiden sich bis heute die Geister in der Stadt Heinrichs des Löwen. Denn das originale Residenzschloss wurde 1960 trotz nur mäßiger Kriegsschäden und massiver Proteste der Bevölkerung abgerissen. Die Fläche wurde zum innerstädtischen Park. Doch 2007, nach fast 50 Jahren, musste auch der Schlosspark weichen, und zwar dem Schlossneubau. Hätten die Braunschweiger auch einfacher haben können, wenn sie nur das alte Residenzschloss wieder flottgemacht hätten. Zum Bohlweg hin erstreckt sich nun die rekonstruierte Schlossfassade, für die auch Sandsteinquader und Ornamente des Originalbaus verwendet wurden.
Wer das Schloss durch das Hauptportal betritt, steht in einem großen Shopping-Center! Die einen lieben es, andere sind bis heute entsetzt – und halten das in den Bau integrierte Schlossmuseum und die riesige Quadriga auf dem Portikus des "neuen Schlosses“ für das größte Feigenblatt Deutschlands. Immerhin ein sehr imposantes. Es handelt sich um eine exakte Nachbildung der Quadriga, die einst auf dem guten alten Schloss thronte. Die Wagenlenkergruppe ist größer als die auf dem Brandenburger Tor in Berlin und überhaupt die größte Europas. Wer mag, kann zu ihr hinaufsteigen und ihr ganz nah sein. Aus der Quadriga-Perspektive sind die Türme aller großen Kirchen der Stadt fast auf Augenhöhe zu sehen. Einen besseren Blick gibt es nur vom Rathausturm aus.
Adresse: Schlossplatz 1, 38100 Braunschweig
www.schloss-arkaden.de

Herzog-Anton-Ulrich-Museum

Wenige Monate nach dem Britischen Museum in London öffnete das Herzog-Anton-Ulrich-Museum anno 1754 seine Türen für Besucher – als erstes öffentliches Museum des Kontinents. Zu verdanken ist dies Carl I., der seine Kunst- und Wunderkammer für das gemeine Volk zugänglich machte. Hier hängen Werke großer Alter Meister wie Rubens, Rembrandt, Vermeer, Cranach, Holbein oder Giorgione. Die sagenhafte Sammlung besteht aus 4000 Werken aus drei Jahrtausenden, was dem Museum den berechtigten Beinamen "Louvre des Nordens“ eingetragen hat. Angesichts der Werkfülle wurde das Museum um einen lässigen, pavillonartigen Gartenbau erweitert, der in den angrenzenden Park hineinragt. Das Museum ist ein Ort, an dem sich Besucher in der Kunst verlieren und einen Top-Überblick über 3000 Jahre Kunstgeschichte bekommen.
Adresse: Museumstraße 1, 38100 Braunschweig
Tel. 05 31 - 12 25 24 24
https://3landesmuseen-braunschweig.de
Öffnungszeiten: Di.-So. 11-18 Uhr
Preise: 9 Euro (Erw.), 7 Euro (ermäßigt), 2 Euro (Kinder 6-17 J.)

Tat-O-Mat

Am kleinen Haus des Staatstheaters hängt ein Zigarettenautomat. Eigentlich nicht der Rede wert, doch an diesem Automaten gibt es keine Zigaretten, sondern Kunst! Freie Künstler, Illustratoren und Studierende der Hochschule Bildende Künste (HBK) haben ihn mit Schachteln gefüllt, in denen kleine Kunstwerke stecken. Für vier Euro spuckt der mechanische Kunstverkäufer eine zigarettenschachtelgroße Box mit Mini-Gemälden, XS-Skulpturen und anderen kreativen Überraschungen aus. Tolle Idee, vielfach genutzt. Regelmäßig liefern Künstlerinnen und Künstler Nachschub, um den Kunsthunger zu befriedigen.
Adresse: Kleines Haus, Magnitorwall 18, 38100 Braunschweig
www.facebook.com/tatomat1

Café Haertle

Die Konditorei ist mindestens aus drei Gründen eine Institution: erstens wegen der hausgemachten Torten, Kuchen und Trüffel, bei deren Genuss schon mancher Braunschweiger vor Begeisterung die Beherrschung verloren haben soll. Zweitens wegen seiner Lage im Herzen der Stadt, vis-à-vis dem Staatstheater von 1861 und in Nachbarschaft zu Theater- und Museumspark. Drittens, weil das Kaffeehaus in diesem Jahr sein 50. Jubiläum feiert. Die meisten Braunschweiger kennen ihre Stadt gar nicht ohne das Café. Irgendwie war das Haertle schon immer da. Angesichts der Leckereien und vieler treuer "Haertlaner“ wird sich daran wohl so bald auch nichts ändern.
Adresse: Theaterwall 1, 38100 Braunschweig
Tel. 05 31 - 4 07 43
www.cafe-haertle.de

Kloster Riddagshausen

Die frühere Zisterzienser-Abtei im idyllisch grünen Riddagshausen ist knapp 900 Jahre alt. Rundherum entstand im 14. Jahrhundert ein Dorf, der heutige Kern des kleinen Stadtteils. Die Braunschweiger zieht es ganzjährig ins ruhige Riddagshausen. Wegen der sehenswerten Abteikirche, der hübschen, oft begrünten alten Hausfassaden und der teils engen Kopfsteinpflastergassen. Vor allem aber wegen des weitläufigen Naturschutzgebietes Riddagshausen, das perfekt für einen Herbstspaziergang ist.
Mittendrin liegen jahrhundertealte, große Teiche, auf denen heute Enten paddeln und schnattern. Die Teiche sind das mittelalterliche Werk der Mönche, die sich in der Naturidylle abplagten und Kreuz-, Mittel- und Schapenbruchteich in reiner Handarbeit aushoben. Wegen der Plackerei war ihnen meist nur ein sehr kurzes Leben beschieden. Von der harten Arbeit geschwächt, waren sie oft schon in jungen Jahren leichte Beute für Seuchen und Infekte.
Adresse: Kloster Riddagshausen, Klostergang, 38104 Braunschweig
Anmeldung zur kostenlosen Klosterführung unter Tel. 05 31-37 29 00
www.riddagshausen.net/klosterkirche/führungen
Termine: Führungen immer Fr., 17 Uhr

Schallplattenmuseum

Sicher, es gibt größere Museen, die dem schwarzen Tonträger huldigen. Doch das Schallplattenmuseum im Stadtteil Rautheim ist mit sehr viel Liebe gemacht und unbedingt einen Besuch wert. Erwartungsgemäß dreht sich hier alles um Vinyl und Schellack, aber natürlich auch um ein fast verloren gegangenes analoges Lebensgefühl, um das wohlige Knistern und den im Vergleich zu CDs oder MP3s satten Klang der alten Schallplatten. 80 000 Vinyl- und 1500 Schellackplatten sind in der Ausstellung zu sehen – und zu hören! Zwar ist es schon ein Genuss, all die kunstvoll gestalteten Plattencover zu betrachten. Noch wichtiger ist es aber, in die analoge Welt hineinhören zu können. Dafür steht im Museum die nötige Technik bereit.
Adresse: Gemeindestraße 4, 38126 Braunschweig
Tel. 01 72 - 4 55 02 43
www.schallplattenmuseum-braunschweig.de
Öffnungszeiten: Di. 17 - 19 Uhr, freier Eintritt

Salzgitter Stahlwerksführung

Wie wir alle kochen auch die Salzgitteraner nur mit Wasser. Eine Ausnahme bildet das Stahlwerk in Watenstedt. Besucher können sich während einer dreieinhalbstündigen Führung durch das moderne Hüttenwerk ansehen, wie hier Stahl gekocht wird. Eine in Deutschland einzigartige Gelegenheit, Stahlgießern über die Schulter zu schauen und den gesamten Prozess der Stahlherstellung von der Erzeugung des Roheisens am Hochofen bis zur Verarbeitung von Halb- und Fertigprodukten zu verfolgen. Eine absolut faszinierende und schweißtreibende Erfahrung.
Treffpunkt: Besucherzentrum, Salzgitter Flachstahl GmbH, Werkszufahrt Tor 1, Eisenhüttenstraße, 38239 Salzgitter
Termine unter www.salzgitter.de, "Stahlwerk" im Suchfeld eingeben
Anmeldung zur Führung via Tourist-Info unter Tel. 0 53 41 - 9 00 99 40
Führungspreis: 15 Euro

Wolfenbüttel Schloss und Evangeliar

Eine prahlerische XL-Schaufront zum Schlossplatz, das Interieur reich verziert mit Deckenmalereien und aufwendigen Stuckarbeiten italienischer Künstler, dazu edle Barockmöbel: Das Wolfenbütteler Schloss, heute Museum, ist steinerner Zeuge des luxuriösen Lebens der Welfen. Immer wieder bauten sie die Wasserburg aus dem 11. Jahrhundert nach jeweiligen Bedürfnissen und Zeitgeist um. Führungen durch die ausgedehnte Vierflügelanlage sind Pflicht für Wolfenbüttel-Touristen, schon wegen der original erhaltenen herzoglichen Prunkräume. Im Schloss residierte zeitweise auch der welfische Urahn Heinrich der Löwe (ca. 1130-1190).
Seine aktuelle Adresse: Dom St. Blasii zu Braunschweig. Dort ruht er neben Gattin Mathilde von England in der kühlen Gruft. Fans des Stadtgründers von Braunschweig, Lübeck, Schwerin und München sollten sich (falls gerade möglich) auch Heinrichs Heiligtum ansehen, das wertvolle Evangeliar. Das auf Pergament geschriebene Wort Gottes lagert in einem Tresor in der Wolfenbütteler Herzog-August-Bibliothek und wird nur alle zwei Jahre ausgestellt. Der Rückkauf des nach dem 2. Weltkrieg verschollenen nationalen Kulturguts kostete Bund, Land und private Spender 1983 bei einer Versteigerung des Londoner Auktionshauses Sotheby’s 32,5 Millionen Mark.
Adresse: Schlosspl. 13, 38304 Wolfenbüttel
Tel. 0 53 31 - 9 24 60
www.museumwolfenbuettel.de
Öffnungszeiten: Di.-So. 10-17 Uhr

Virtuelle Führung durch das Bergwerk Asse II

So ganz genau weiß niemand, was im Bauch des alten Bergwerks Asse II bei Wolfenbüttel lagert. Zwischen 1965 und 1978 wurden hier insgesamt 125 787 Fässer und Gebinde mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen – darunter Uran und Plutonium – sowie Giftmüll, wie Arsen und Chemikalien, in loser Schüttung in die Abbaukammern des stillgelegten Kali- und Steinsalzbergwerks gekippt. Doch das Bergwerk erwies sich als instabil. Schon 1964, noch bevor die Einlagerung begann, gab es Berichte über Risse, durch die Wasser in den Schacht einläuft.
Früher durften Besucher Asse II besichtigen. Heute geht das nur noch virtuell.
Bild: Janosch Gruschczyk
Die Reaktion kam erst 2019. Seitdem suchen Spezialisten nach Lösungen, wie der gefährliche Müll wieder aus dem Bergwerk herausgeholt werden kann. Denn Asse II droht "abzusaufen“, es besteht die Gefahr, dass radioaktive Stoffe freigesetzt werden. Früher durften Besucher Asse II besichtigen. Heute geht das nur noch virtuell in der Infostelle Asse in Remlingen. In die Tiefe, zu den verschütteten Fässern, darf niemand mehr. Aber wer will das auch? Infos zum Stand und zu den Milliardenkosten für die weltweit einzigartige Rückholaktion gibt es in der Infostelle.
Adresse: Am Walde 1, 38319 Remlingen
Tel. 0 53 36 - 89 26 40
www.bge.de/de/asse
Öffnungszeiten: Mi. u. Do. 10-17 Uhr

Erkerode Elm-Gaststätte Reitling

Es gibt viele Gründe, einen sonnigen Herbsttag im Elm östlich von Braunschweig zu verbringen. Die Herbstfärbung der für den Elm typischen Laubbäume zum Beispiel. Die vielen stillen Wanderwege – oder die traditionsreiche Gaststätte Reitling, ein beliebtes Ausflugsziel der Städter. Hier gibt es die vielleicht besten Kuchen- und Tortenkreationen weit und breit, alles aus hauseigener Konditorei. Wer’s herzhaft möchte, entscheidet sich für eine der Wildspezialitäten des Hauses. Die Tiere stammen ausschließlich aus den Elmwäldern rundherum. Ein herrlicher Ausflugsklassiker im Grünen.
Adresse: Waldgaststätte Reitling 1, 38173 Erkerode
Tel. 0 53 05 - 4 47
www.reitlingstal.de
Öffnungszeiten (Winter): Mi.-So. 11-18 Uhr

Königslutter Museum Mechanischer Musikinstrumente

Lange bevor die Schallplatte, das Radio oder gar MP3s und Streaming-Dienste in der Welt den Ton angaben, waren mechanische Musikinstrumente das Maß der Dinge. Das Museum zeigt viele der Klassiker vergangener Jahrhunderte, darunter Spieluhren, Drehorgeln, Raritäten wie elektrische Klaviere, Stummfilm-Orchestrions oder Kuriositäten, zum Beispiel verspielte Musikautomaten wie „die Japanerin“ oder das mechanische Einmann-Orchester "Tino Rossi“. Besonderheit: Fast alle Instrumente sind noch immer voll funktionstüchtig. Besucher können mit eigenen Ohren hören, wie die analoge Vergangenheit klingt. Oft etwas rauschig und knisternd, aber immer sehr charmant.
Adresse: Vor dem Kaiserdom 3, 38154 Königslutter
Tel. 0 53 53 - 91 84 64
www.museen-koenigslutter.de
Öffnungszeiten: Di.-So. 11-17 Uhr
Preise inkl. Führung: 5 Euro (Erw.), 2,50 Euro (Kinder bis 14 J.)

Gedenkstätte Deutsche Teilung

Lange Staus, penible Grenzkontrollen und Schikanen: Der innerdeutsche Grenzübergang Marienborn, an der Autobahn 2 zwischen Braunschweig und Berlin gelegen, markierte bis zum Ende der DDR 1990 die Systemgrenze zwischen dem Ostblock und den demokratischen Staaten Mittel- und Westeuropas. In den Baracken, die heute zur Gedenkstätte Deutsche Teilung gehören, fanden immer wieder stundenlange Verhöre Verdächtiger und erniedrigende Leibesvisitationen durch DDR-Grenzer statt.
Jeder Pkw, der den größten deutsch-deutschen Grenzübergang Marienborn passierte, wurde heimlich mit Gammastrahlen durchleuchtet – mitsamt allen Insassen. Die DDR wollte auf diese Weise möglichen "Republikflüchtlingen“ in Autohohlräumen auf die Spur kommen. Die Dauerausstellung zeigt die Methoden des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS) zur Grenzsicherung und erzählt die ergreifenden Geschichten gelungener und gescheiterter Fluchten von Ost nach West.
Adresse: Autobahn 2, 39365 Harbke
Tel. 03 94 06 - 9 20 90
https://gedenkstaette-marienborn.sachsen-anhalt.de
Öffnungszeiten: tägl. 10-17 Uhr
Preis: Eintritt frei

Wolfsburg Auto Museum Volkswagen

Im AutoMuseum nahe dem Wolfsburger VW-Stammwerk hat sich Volkswagen 1985 ein eigenes Denkmal gesetzt: ein Museum, das die reiche Produkthistorie der Wolfsburger inklusive der Marken NSU und Audi nachzeichnet. Schon in den 1950ern hatte der Konzern damit begonnen, Fahrzeuge aufzubewahren oder fehlende anzukaufen. Über die Jahre entstand ein automobiler Schatz, der auf 130 Exponate angewachsen ist. Einer der Hauptdarsteller ist der Käfer von seinen Anfängen in den 1930er-Jahren bis zum Produktionsende 2003 in Mexiko. Hinzu kommen diverse Bulli-Variationen und ein weiteres Erfolgsmodell, das sich über die Jahrzehnte sehr verändert hat: der Golf. Ergänzt wird die VW-Nabelschau durch rare Fahrzeugstudien, Prototypen und Unikate. Eine automobile Zeitreise im Volkswagen.
Adresse: Dieselstraße 35, 38446 Wolfsburg
Tel. 0 53 61 - 5 20 71
www.automuseum-volkswagen.de
Öffnungszeiten: Di.-So. 10-17 Uhr
Preise: 9 Euro (Erw.), 6 Euro (ermäßigt), 25 Euro (Familien)

Wolfsburg Phaeno

Wie breiten sich Wellen aus? Wie entsteht ein Feuertornado bei einem Waldbrand? Lässt sich die Bewegung einer Pendelwelle vorhersagen, oder verläuft sie chaotisch? Die Antworten auf diese und Hunderte weitere Fragen zu Phänomenen aus Naturwissenschaft und Technik gibt es im Phaeno, einem Experimentierlabor mit mehr als 350 kindgerechten interaktiven Versuchsstationen. Bei den Experimenten kommen übrigens nicht nur Kinder ins Staunen. Ein in Deutschland einzigartiger Wissenschaftstempel, in dem sich eine Frage für Besucher ganz von allein beantwortet: Warum habe ich im Phaeno völlig die Zeit vergessen?
Adresse: Willy-Brandt-Platz 1, 38440 Wolfsburg
Tel. 0 53 61 - 89 01 00
www.phaeno.de
Öffnungszeiten: Do. 9-17, übrige Tage 10-18 Uhr
Preise: 15 Euro (Erw.), 12 Euro (ermäßigt), 5-10 Euro (Kinder, je nach Alter)

Wolfsburg Kunstmuseum

Wolfsburg zählt zu den wichtigsten Adressen in Europa, wenn es um zeitgenössische und moderne Kunst geht. Die hochkarätige Sammlung des Kunstmuseums umfasst rund 400 Werke, die in wechselnden, schlank gehaltenen Ausstellungen zu sehen sind. Aktuell laufen Werkschauen der vielseitigen kanadisch-französischen Künstlerin Kapwani Kiwanga. Sie erschafft raumgreifende, farbenprächtige Installationen, Bilder, Skulpturen, Papierarbeiten, Fotografien, Sound- und Videoarbeiten (bis 7. Januar 2024). Teilweise zeitgleich zeigt das Museum Fotografien des Italieners Paolo Pellegrin unter dem Ausstellungstitel "Fragile Wunder“ (bis 7. April 2024). Motive sind auf dem Meer treibende Eisberge, glühende Lava oder wilde Vegetation. Eine Schau wie eine Reise um die ganze Welt.
Adresse: Hollerpl. 1, 38440 Wolfsburg
Tel. 0 53 61 - 2 66 90
www.kunstmuseum.de
Öffnungszeiten: Di.-So. 11-18 Uhr
Preise: 9 Euro (Erw.), 7 Euro (ermäßigt), 5 Euro (Schüler), 20 Euro (Familien)

Wolfsburg Pinselei

Kann es ein schöneres Urlaubssouvenir geben als eine selbst verzierte Tasse, Vase, Kanne, Etagere oder Zuckerdose? Vermutlich schon. Doch in der Pinselei, in der jede und jeder einen Keramik-Rohling ganz nach Können und Geschmack bemalen kann, entstehen ganz sicher die persönlichsten Reiseandenken. Zur Wahl steht ein kaum überschaubares, schlicht weißes Keramik-Sortiment, das Hobby-Künstler jeden Alters unter Zuhilfenahme von mehr als 50 Farben zu ihrem Unikat machen können. Keramik-Rohlinge, Farben und Werkzeug wie Pinsel, Schwämme, Schablonen oder Stempel stellt die Pinselei. Die Malerinnen und Maler müssen nur Fantasie mitbringen.
Adresse: Seilerstraße 19, 38440 Wolfsburg
Tel. 0 53 61 - 3 79 00 31
www.diepinselei.de
Öffnungszeiten: Di.-Sa. 9-12, Di., Do., Fr. 15-18 Uhr

Gifhorn Mühlenmuseum

Für Kinder sind Museen oft todlangweilige Orte. Für das Gifhorner Mühlenmuseum gilt das definitiv nicht. Hier klappern auf idyllisch gestalteten 15 Hektar Fläche 13 Mühlen in Originalgröße. Die Nachbauten stammen aus sieben Ländern und zwei Kontinenten. Darunter sind die Mühle von Sanssouci, ein Abbild der berühmten Potsdamer Mühle aus den Zeiten Friedrichs des Großen, strahlend weiße Windmühlen aus Griechenland und Portugal, eine schwimmende (!) Wassermühle aus Ungarn, eine klassische Bockwind- oder eine knorrige Mühle aus der Ukraine.
Beste Orte für eine Pause sind der Dorfplatz mit Fachwerkhäusern, Trachten- und Backhaus oder der imposante Nachbau einer russischen Stabkirche, in der christlich-orthodoxe Gottesdienste stattfinden. In einer Ausstellungshalle stehen weitere mehr als 50 maßstabsgetreue Modelle von Mühlen aus aller Welt. Beim Anblick all dieser Schönheiten würde Don Quijote sicher durchdrehen. Bekanntlich zog Miguel de Cervantes’ tragischer Romanheld gegen Windmühlen in den Kampf, weil er sie für feindliche Riesen hielt. In Gifhorn stünde er auf hoffnungslos verlorenem Posten.
Adresse: Bromer Str. 2, 38518 Gifhorn
Tel. 0 53 71 - 5 54 66
www.suedheide-gifhorn.de/muehlenmuseum
Öffnungszeiten: Di.-So. 10-18 Uhr
Preise: 10 Euro (Erw.), 3 Euro (Jugendliche bis 16 J.), Kinder bis 6 J. frei
Autor: Jens Lehmann