Schlafen im Heck, Kochen hinter der Schiebetür, Bad gegenüber, Sitzen vorn: So sieht das absolut klassische Kastenwagen-Konzept aus, auf das sehr viele Reisemobilhersteller setzen. Die Fahrzeuge unterscheiden sich dann vor allem in den Detaillösungen, der Optik, und dem Basisfahrzeug. So weit, so gut. Doch es geht auch anders. (Alle Neuheiten vom Caravan Salon Düsseldorf 2023)

Weg vom klassischen Van-Konzept

Klickt man sich aber durch die Instagram-Accounts der reichweitenstarken Vanlife-Blogger, die ihre Vans selbst ausbauen, ist ausgerechnet dieses bewährte Konzept die Ausnahme. Die Prioritäten scheinen woanders zu liegen. Statt die Ausstattung eines XXL-Reisemobils in einen Van zu quetschen, legen die Selbstausbauer den Fokus auf einen großen und gemütlichen Wohnraum. Gespart wird meist am Badezimmer, das entweder deutlich kleiner ausfällt und kein Waschbecken hat, oder gleich ganz einer Außendusche und einer mobilen Campingtoilette weicht.
Weinsberg CaraLife
Gespart wird am Badezimmer: Der Platz für die Chemie-Toilette ist unter der Sitzbank.
Bild: Lisa Busse / Auto Bild

Ein Reisemobil, von Bloggern inspiriert

Weinsberg hat zum Caravan Salon einen Kastenwagen entwickelt, der sich an den Konzepten der Vanlife-Szene orientiert. Der CaraLife bietet ein Heckbett, das mit wenigen Handgriffen zu einer riesigen Liegewiese (1,90 Meter mal 2,10 Meter) erweitert werden kann.
Weinsberg CaraLife
Das Heckbett kann mit wenigen Handgriffen zu einer riesigen Liegewiese erweitert werden.
Bild: Lisa Busse / Auto Bild
Davor befindet sich die Sitzgruppe und vorn eine große L-Küche. Die Dusche versteckt sich in einem Fach zwischen den Sitzbänken und besteht im Grunde aus einer Duschtasse mit Abfluss und einer Stoffkabine, die in der Decke eingehakt wird. Theoretisch eine clevere Idee. Problematisch könnte das Verstauen der Duschkabine werden. Die muss nämlich nach der Nutzung erst einmal draußen getrocknet werden.
Weinsberg CaraLife
Die große L-Küche befindet sich vorne.
Bild: Lisa Busse / Auto Bild

Zu groß für ein Alltagsfahrzeug

Das Konzept ist deutlich für Paare mit maximal einem Kleinkind ausgelegt. An Gurtsitzen gibt es neben dem Fahrersitz nur noch eine Doppelsitzbank im Fahrerhaus. Mehr nicht. Da ein festes Bad fehlt, werden die meisten CaraLife-Nutzer auf Campingplätzen zu finden sein. Der Wohnkomfort ist natürlich besonders hoch. Mit 6,40 Meter Außenlänge ist der neue Weinsberg auf Basis des Fiat Ducato allerdings auch ein ziemlich großer Van. Im Gegensatz zu VW California, Mercedes Marco Polo und Co eignet er sich deshalb auch nicht als Alltagsfahrzeug.
Weinsberg CaraLife
Bild: Lisa Busse / Auto Bild

Mit dieser Außenlänge wird schon die Parkplatzsuche vor dem Supermarkt zur Geduldsprobe. Die kleine Ducato-Variante, die genau einen Meter kürzer ist, taugt da schon deutlich eher zum Daily Driver. Allerdings auch nur, solange man Tiefgaragen und Höhenbeschränkungen meiden kann. Vielleicht wird es in Zukunft ja noch eine kurze CaraLife-Version geben.

Lohnt sich die neue Konzept-Idee?

Stellt sich die Frage: Lohnt sich ein großer Van, der nicht als Alltagsfahrzeug taugt, aber auch kein autarker Camper ist, dafür aber jede Menge Platz bietet? Die Antworten darauf dürften sehr unterschiedlich ausfallen. Ob das Konzept bei der breiten Masse gut ankommt, wird sich nach der Markteinführung zeigen. Das Fahrzeug, das aktuell bei Weinsberg auf dem Caravan Salon in Düsseldorf steht, ist noch ein Prototyp. Preislich startet der CaraLife 630 LQ bei 59.990 Euro.