Wohin mit Fiffi in der Urlaubszeit?  Für Camper ist die Antwort einfach: ins Reisemobil, und los geht die Fahrt. Doch wie wird die Tour garantiert erholsam für Mensch und Hund?
TV-Welpentrainer André Vogt gibt Tipps für das richtige Pausenmanagement unterwegs – und für einen herrlich entspannten Camping-Sommer mit "Bell Ami".
Wie sieht das optimale Pausenmanagement für den Hund aus?
Dauernd Pausen einzulegen ist nicht unbedingt gut für den Hund. Wenn er entspannt ist und schläft, muss ich nicht zwingend anhalten. In solchen Fällen ist es stressfreier, länger durchzufahren und den Hund einfach in Ruhe zu lassen. Nach etwa drei Stunden ist aber Schluss: Dann sollten sich Mensch und Hund eine Pause gönnen und sich die zwei oder vier Beine vertreten.
Camping mit Hund: Wichtige Zubehör-Tipps
Reicht dann ein Stopp an der Autobahnraststätte?
Zur Not reicht das aus, um eine kurze Zehn-Minuten-Pause einzulegen. Nach vier oder fünf Stunden Fahrt sollte man aber eine mindestens halbstündige Pause einlegen. Lieber nicht an der lauten Raststätte. Besser ist es, von der Autobahn abzufahren und ein ruhiges, grünes Plätzchen zu suchen. Eine Pause im Wald oder auf der Wiese ist für Mensch und Hund viel erholsamer.
Camping mit Hund
Unser Experte: André Vogt, der Welpentrainer.

Was ist bei einer Pause besonders wichtig?
Am wichtigsten ist Bewegung – und dass man seinen Hund nicht drängt, schnell alles zu erledigen, was so ansteht. Lassen Sie ihn ganz in Ruhe schnüffeln. Beim kurzen Stopp an der Raststätte muss man sehr darauf achten, dass der Hund gut gesichert ist und nicht gleich beim Öffnen der Transportbox ins Freie springt und losrennt, weil er sich über die Lautstärke an der Autobahn erschreckt. Im schlimmsten Fall läuft er in Panik auf die Fahrbahn. Das geschieht leider gerade in der Urlaubszeit immer mal wieder.
Muss der Hund unterwegs in eine Box? Reichen nicht auch Geschirr und Leine, um den Hund während der Fahrt zu sichern?
Ich bin für eine Transportbox, weil sie viel sicherer für den Hund ist als irgendeine Lösung mit Leine. Die Box sollte stabil sein, aus Stahl oder Alu, nicht aus Stoff. Wichtig ist außerdem, dass sie nicht zu groß ist. Der Hund soll sich zwar bewegen können, darf aber im Ernstfall nicht darin herumschleudern und sich verletzen.

Transportboxen meist nach zwei bis drei Wochen Routine

Wie bekomme ich den Hund in die Transportbox?
Ich muss ihn vor dem Urlaub zu Hause daran gewöhnen. Dafür stelle ich die Box geöffnet und mit ein paar Leckerlis darin ins Wohnzimmer, wenn der Hund gerade nicht da ist. Wenn er vom Gassigehen zurückkommt, steht da etwas Neues, das auch noch lecker riecht. Über die Nase findet er seinen Weg hinein. Über einige Tage serviere ich dem Hund immer wieder etwas Leckeres zum Kauen, das er ausschließlich dort bekommt. So wird er die Box mit etwas Schönem verbinden.
Wenn der Hund sich daran gewöhnt hat, stelle ich die Box ins Reisemobil und lasse ihn dort hineingehen. Die Übung wiederhole ich immer wieder. Irgendwann kann ich die Box dann auch schließen, bleibe aber daneben stehen und beobachte die Reaktion des Tiers. Bleibt es entspannt, ist alles bestens. Dann lasse ich den Motor an und drehe eine kurze Runde im Auto mit ihm. Falls der Hund nervös wird, gehe ich mit dem Training einen Schritt zurück, bis er locker bleibt.
Wie lang dauert das Training ungefähr?
Das hängt vom Hund ab, doch meist gewöhnen sich Hunde sehr schnell ans Fahren in der Box. Nach zwei bis drei Wochen ist das meist Routine. Sehr wichtig ist aber, dass der Boden der Transportbox rutschfest ist. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn der Hund in den Kurven oder beim Bremsen hin und her rutscht. Das ist sehr unangenehm für das Tier. Am besten fixiere ich seine Lieblingsdecke mit doppelseitigem Klebeband am Boden der Box. Dann hat der Hund den nötigen Halt.
Camping mit Hund
Selbst am Hundestrand des Campingplatzes ist es unerlässlich, dass der Hund aufs Wort gehorcht. Bei heftigem Toben mit anderen Hunden, das andere Strandbesucher stört, hört der Spaß auf – und der Ärger fängt an.

Woran kann es liegen, wenn sich mein Hund im Urlaub plötzlich ganz anders verhält als zu Hause?
Es ist völlig normal, dass Hunde in neuer Umgebung etwas nervös und aufgeregt sind. Das legt sich meist schnell wieder. Die vielen fremden Gerüche am Urlaubsort muss das Tier erst mal verarbeiten. Für ältere, routinierte Hunde ist das meist kein großes Problem mehr, aber für junge Hunde sind Ortswechsel oft eine große Sache.

Vertraute Gerüche helfen

Was kann ich tun, wenn mein Hund aufgeregt oder sogar ängstlich reagiert?
Wenn ich angekommen bin, sollte ich den Hund erst mal einige Zeit auf seiner Ruhedecke entspannen lassen. Denn auch er muss erst mal ankommen. Dabei hilft ihm die Decke mit den von zu Hause vertrauten Gerüchen. Sie sollte sowieso immer dabei sein, wenn es irgendwo zu Besuch oder ins Restaurant geht. Dann weiß der Hund: Hier ist mein Platz. Mit der Ruhedecke kann ich Entspannung an jeden neuen Ort transportieren. Sie nimmt dem Tier die Nervosität und baut Stress ab. Ortswechsel bedeuten gerade für unerfahrene Hunde immer einige Aufregung. Die Decke hilft dem Hund dabei, schnell wieder runterzukommen.
Ich sollte also nicht gleich nach Ankunft mit dem Hund Gassi gehen und ihm die neue Umgebung zeigen?
Es gibt reiseerfahrene Hunde, für die das okay ist. Meist ist es aber gut, wenn ich dem Tier auf dem Campingplatz erst mal eine Verschnaufpause gönne. Wenn mein Hund sich beruhigt hat und entspannt ist, kann ich eine kurze, maximal viertelstündige Runde mit ihm drehen, damit er die vielen neuen Gerüche und Eindrücke aufnehmen kann. Dabei beobachte ich den Hund genau. Wenn er nervös wird, beende ich die Runde früher, und es geht wieder ab auf die Ruhedecke. Zusätzlich hilft ihm ein Kauknochen, damit er sich locker machen kann.
Was kann ich tun, wenn sich mein Hund im Urlaub plötzlich anders verhält als zu Hause und zum Beispiel aggressiv auf Nachbarhunde reagiert?
Wenn der Hund sowieso schon ein Problem mit Aggressivität hat und dazu die Nervosität durch die neue Umgebung kommt, kann es schon mal anstrengend werden. Wenn es Stress mit dem Nachbarhund gibt, gehe ich sofort dazwischen. Aber ich kenne ja meinen Hund und kann seine Reaktion auf andere Hunde meist gut voraussehen. Dann vermeide ich ganz einfach alle Situationen, die zu aggressivem Verhalten führen könnten. Ich muss dafür sorgen, dass mein Hund auf Abstand zu den Hunden bleibt, die er nicht mag oder die ihn nicht mögen.

Neutralen Erstbegegnungen sind super

Und wenn der vierbeinige Unsympath ausgerechnet der Campingnachbar ist?
Dann ist die beste Taktik, die Hunde miteinander vertraut zu machen. Ich spreche mit dem Nachbarn und lade ihn ein, dass wir ein paar Meter mit den Hunden laufen. Zum Beispiel am Hundestrand, wo viel Platz ist. Beide Hunde sind dabei zunächst an der Leine. Mal geht der eine, mal der andere ein paar Meter voraus. Denn es ist wichtig, die Hunde nicht frontal aufeinander zugehen zu lassen. Idealerweise mischen sich die Herrchen auch nicht über die Leine ins Kennenlernen ein. Sonst kann man es gründlich versemmeln.
Die Hunde machen das schon und lernen sich unterwegs über die Nase kennen. Diese neutralen Erstbegegnungen in Bewegung sind immer super. Je entspannter die Menschen dabei sind, desto besser. Die Gelassenheit überträgt sich auf die Hunde, sie sind sehr empathisch. Wenn die erste Begegnung gut funktioniert, kann man die Hunde auch frei laufen lassen. In der Regel habe ich nach einem solchen Kennenlernen keine Probleme mehr mit dem Nachbarhund.
Warum ziehen Hunde in fremder Umgebung so oft an der Leine?
Für meinen Hund bedeutet ein unbekannter Ort eine Explosion von neuen Gerüchen. Das ist wahnsinnig aufregend, und der Hund vergisst dann schon mal seine gute Erziehung und dass er an der Leine geht. Er ist einfach überwältigt von der neuen Umgebung.
Was kann ich dagegen tun?
Ich kann meinem Hund ein bisschen helfen und Verständnis zeigen, indem ich eine etwas längere Trainingsleine benutze. Wenn ich meinen Hund in so eine völlig neue Situation bringe, kann ich nicht sofort das Verhalten einfordern, das ich ihm zu Hause beigebracht habe. Ich muss einfach verstehen und vorübergehend tolerieren, dass mein Hund ein Problem hat. Wenn ich zu streng reagiere und einfordere, dass er sich zurücknimmt, mache ich es ihm unnötig schwer. Und mir selbst auch. Darum bin ich ein Freund davon, ihm am ersten Tag mehr Freiraum zu lassen.
Gibt es noch andere Tricks als die lange Leine?
Ich kann ein Geschirr verwenden und die Leine daran festmachen. Das hilft dem Hund und verhindert, dass ich mir im Urlaub die Leinenführigkeit des Hundes kaputtmache. Geben Sie dem Hund drei oder vier Meter Leine. Meist merke ich schon nach wenigen Minuten, dass es am anderen Ende der Leine entspannter zugeht und der Hund nicht mehr so zieht. Am dritten Tag sollte er die neue Umgebung aber halbwegs kennengelernt haben, und er kommt wieder an die gewohnte Leine. Dann sollte ich die Leinenführigkeit bei ihm einfordern und darauf beharren.

Eingewöhnung vor dem alleine lassen wichtig!

Woran liegt es, wenn mein Hund im Urlaub plötzlich nicht mehr allein bleiben mag?
Der Hund ist nun mal ein soziales Wesen, das generell nicht gern allein ist. Schon gar nicht in fremder Umgebung im Urlaub. Da kommt es schon mal vor, dass der Hund bellt, wenn er von seinen Menschen getrennt wird.
Das kann auf dem Campingplatz ganz schön Ärger geben! Genau, darum ist es sehr wichtig, dass sich mein Hund gut an die neue Umgebung und die vielen neuen Geräusche gewöhnt hat, bevor ich ihn mal eine Weile allein lasse. In den ersten Tagen sollte man darum nicht ins Restaurant gehen und den Hund allein zurücklassen. Da hilft dem Hund womöglich auch die entspannende Ruhedecke nicht viel weiter, und er fängt an zu bellen oder zu jaulen.
Kann ich das Alleinsein im Urlaub mit dem Hund trainieren?
Ja, das ist gerade im Campingurlaub sehr einfach. Ich lasse den Hund im Wohnmobil auf seiner Ruhedecke zurück, gehe vor die Tür und schließe sie für ein paar Minuten. Am besten beobachte ich seine Reaktion mit der Handy-Kamera. Verhält er sich anders als zu Hause? Liegt er ruhig auf seiner Decke? Oder rennt er ruhelos und gestresst durchs Mobil? Fängt er womöglich an zu bellen? In dem Fall muss ich ihn trainieren und die Zeiten, in denen er allein im Reisemobil ist, schrittweise ausdehnen. Wenn ich das Alleinsein nicht mit dem Hund übe, kann das sehr unschön für den Hund, für mich als Besitzer und für die Campingnachbarn werden.
Wie lange sollte der Hund maximal allein sein?
Das hängt davon ab, was er gewohnt ist. Und meist auch von seinem Alter. Nach vier bis fünf Stunden sollte ich aber generell wieder zurück sein. Routinierte Hunde schaffen auch sechs Stunden. Aber das sollte die Ausnahme bleiben. Wozu habe ich einen Hund, wenn er so lange auf mich warten muss?
Es kann ja auch wegen der Temperaturen und der Sonneneinstrahlung ausgeschlossen sein, den Hund überhaupt allein zu lassen...
Richtig. Viele Hundehalter unterschätzen noch immer, wie unerträglich heiß es im Auto, im Wohnwagen oder im Reisemobil werden kann. Da reicht es auch nicht, wenn ich die Dachluke geöffnet lasse. In der Mittagshitze kann ich das Tier unmöglich im Fahrzeug schmoren lassen, das ist lebensgefährlich. Abends, wenn es kühler ist und die Sonne nicht mehr scheint, kann ich den Hund eher mal im Reisemobil lassen, wenn ich den Innenraum sehr gut belüfte und dem Hund frisches Wasser bereitstelle. Am besten ist es, wenn er nicht im Fahrzeug bleibt, sondern im belüfteten Vorzelt warten kann, bis ich zurückkomme.
Was hilft dem Hund noch, damit er sich im Urlaub wohlfühlt?
Der wichtigste Trick ist die Ruhedecke. Sie ist der Rettungsanker für den Hund, sein kleines Zuhause. Idealerweise bekommt er im Urlaub sein gewohntes Futter. Grundsätzlich ist auch ein klar strukturierter Tag hilfreich. Wenn es zu Hause eine feste Tagesroutine gibt, sollte man sie auch im Urlaub ungefähr beibehalten. Auf keinen Fall sollte man den Rhythmus im Urlaub abrupt ändern. Das bedeutet aber nicht, dass ich wie zu Hause um sechs Uhr mit dem Hund rausmuss. Die erste Runde kann ich behutsam nach hinten verlagern. Wer will im Urlaub schon so früh aufstehen?