Carthago chic e-line I 61 XL LE: Wohnmobil im Test
Wie schlägt sich das Dickschiff auf Sprinter-Basis?

Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Es gibt Verbindungen, die passen einfach. Bei zwischenmenschlichen Beziehungen spricht man oft von der Chemie, die stimmt – oder eben auch nicht. Wie bei Carthago und Mercedes, zwischen denen lange Funkstille herrschte. Der Grund: Die letzte Sprinter-Generation hatte (und hat bis heute) ein formidables Rostproblem.
Und so etwas duldet man bei den Perfektionisten von Carthago überhaupt nicht. So dauerte es selbst nach der Einführung des aktuellen Sprinter-Modells noch eine Zeit lang, bis man ihn in Aulendorf wieder als Unterbau für die Flotte akzeptierte. Ohne diese Vorgeschichte wären die Luxusmodelle von Carthago sicher als Erste mit diesem zurzeit besten Basisfahrzeug auf dem Markt ausgestattet worden.

Trotz seiner Größe wirkt der Carthago erstaunlich handlich.
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Denn eigentlich ergänzen sich Carthago und Mercedes in dem Streben nach dem bestmöglichen Komfort perfekt. Entsprechend gespannt waren wir auf unseren Testwagen, einen dreiachsigen chic e-line I 61 XL LE.
Das ist er: Ein dicker Brummer, der sich mit dem kleinen Finger dirigieren lässt. Innen bietet der 8,78-Meter-Integrierte einen Vierraum-Grundriss aus Wohnzimmer, Küche, Bad und Schlafbereich. Ganz vorn genießen Fahrer und Beifahrer einen erhabenen Blick auf den Verkehr aus ihrer riesigen Panorama-Frontscheibe.
Carthago chic mit bequemen und praktischen Pilotensitzen
Gleichzeitig ist das Cockpit zur Scheibe hin abfallend, sodass auch der Bereich direkt vor dem Fahrzeug erstaunlich gut einzusehen ist. Einzig die großen Busspiegel können beim Abbiegen oder bei Einfahrt in einen Kreisverkehr den Blick einschränken.
Die mehrfach verstellbaren Pilotensitze sind sehr bequem und lassen sich dank Drehgestell in die dahinter platzierte Sitzgruppe integrieren. Diese wiederum verfügt über zwei Gurtplätze, dank gegenüberliegender Bank aber über weit mehr Sitzplätze für gemütliche Abende in größerer Runde. Der stabile Tisch lässt sich vergrößern und perfekt ausrichten.

Das ist mal eine gemütliche Runde: Zur Seitendinette gesellen sich im Carthago noch zwei Couches.
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Im Rücken der Sitzbank rechts versteckt sich ein großer Flachbild-Fernseher, der sich standesgemäß elektrisch ein- und ausfahren lässt. Unter den Sitzflächen verbirgt sich viel Stauraum, darunter auch ein praktisches Schuhfach. Über der Sitzgruppe befindet sich zudem ein sehr bequemes Hubbett.
An die Sitzgruppe schließt sich die L-Küche mit großer Kühl-Gefrier-Kombination (liegt gegenüber) an. Auch ein Backofen war in den Testwagen eingebaut (zusammen 880 Euro Aufpreis).
Technische Daten: Carthago chic e-line I 61 XL LE
TECHNISCHE DATEN | Carthago chic e-line I 61 XL LE |
|---|---|
Motorisierung | 417 CDI |
Leistung | 125 kW (170 PS) bei 3800/min |
Hubraum | 1950 ccm |
Drehmoment | 380 Nm bei 1700/min |
Höchstgeschwindigkeit | 100 km/h |
Getriebe/Antrieb | Neunstufenautomatik/ Vorderradantrieb |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 65 l/Diesel + 22 l AdBlue |
Länge/Breite/Höhe | 8780/2270/3120 mm |
Radstand/Bereifung | 4340 mm/225/75 R 16 CP 118 R |
Masse fahrbereit/Zuladung ca. | 4586/914 kg |
Anhängelast (gebremst/ ungebremst) | 1600/750 kg |
Außenmaterial Wand/Dach/ Boden | Aluminium/GFK/GFK |
Stärke Wand/Dach/Boden | 38/38/38 mm |
Isoliermaterial Wand/Dach/Boden | je RTM-Hartschaum |
Liegefläche Hubbett L x B | 1950 x 1600 mm |
Liegefläche Heck L x B | 2000 x 850 mm |
Innenhöhe/-breite max. | 1980-2110/2100 mm |
Kühlschrank/Eisfach | AES, 153/29 l |
Herd | Gas, 3 Flammen |
Bordbatterie | Lithium-Ionen, 150 Ah |
Frisch-/Abwassertank | 235/185 l |
Gasvorrat/Heizung | 2x 11 kg/Alde-Warmwasser |
Grundpreis/Testwagenpreis | 193.370 Euro/251.390 Euro |
Die Küche bietet eine runde Spüle, einen Dreiflammenherd, eine Vitrine für Gläser, einen Auszug für eine Kapsel-Kaffeemaschine und jede Menge Stauraum in den beiden Oberschränken – ebenso im Unterschrank mit seinen insgesamt sieben Auszügen und im Apothekerschrank gegenüber neben dem Kühlschrank.
Für alle Klappen gibt es einen zentralen Verschließmechanismus, damit während der Fahrt nichts von allein öffnet.

Auch vom Bett aus kann man im Carthago fernsehen.
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Das Bad mit separater Dusche fällt ebenfalls äußerst großzügig aus. Zudem lässt sich dieser Bereich mit einer praktischen Schiebetür separieren. In der Dusche finden sich ein großer Brausekopf unter der Decke und eine übliche Haushaltsarmatur. Daneben liegt der Waschbereich mit großem Waschbecken, Spiegelschrank, Handtuchhalter, zwei Zahnputzbechern, Seifenspender und Unterschrank mit drei Schubladen.
Die Toilette mit Handtuchheizung hat eine eigene Tür und befindet sich gegenüber. Daneben ist noch ein geräumiger Schrank untergebracht. Weitere Unterbringungsmöglichkeiten für Hemden, Jacken oder Ähnliches gibt es unter den beiden Einzelbetten im Heck, die sich dank des typischen und raffinierten Carthago-Auszugs auch zu einer großen Liegefläche vereinen. Über zwei Stufen gelangt man ins Bett. Auch im Schlafzimmer gibt es viel Stauraum in den umlaufenden Oberschränken.

Hier kocht man gern! Die Kaffeemaschine befindet sich im oberen Stauschrank. Sie kann bequem nach unten gezogen werden. Die Gas-Absperrhähne verstecken sich im Schrank.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Das hat er: Alles, was man sich in dieser Klasse nur wünschen kann. Ein perfektes Basisfahrzeug, Mega-Komfort, viel Platz und eine Serienausstattung, die kaum noch Wünsche offen lässt, wie zum Beispiel die Alde-Warmwasser-Fußbodenheizung. Richtig toll ist auch das ausgeklügelte Lichtkonzept, mit dem man den Innenraum je nach Stimmung taghell oder nur punktuell gemütlich illuminieren kann. Allein im Schlafzimmer zählten wir zwölf Spots und zwei Lichtleisten an der Decke. Und eine Dichtigkeitsgarantie über zehn Jahre gibt es auch nicht überall.
Carthago chic e-line I 61 XL LE: Aufpreisliste
Trotzdem ist noch Luft für mehr, das zeigt die Aufpreisliste unseres Testwagens: Auflastung von 5 auf 5,5 Tonnen (580 Euro), Einstiegsstufe Fahrerhaustüreinstieg elektrisch ein- und ausfahrbar (580 Euro), Außenfarbkonzept "silverline" (4280 Euro), Dachmarkise Kassette Alu, Tuch grau, Länge: 5,5 Meter (2340 Euro), LED-Lichtband an der Dachmarkise (350 Euro), Steckdosenpaket mit Zusatzsteckdosen, 3x 230 V, 2x USB (490 Euro), Tec-Tower-Kühlschrankkombination 153 Liter mit separatem Gefrierfach und Gasbackofen (880 Euro).

Das ist doch mal ein Badezimmer: schick und praktisch zugleich.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Außerdem: Kapsel-Kaffeemaschine Nespresso, die zum serienmäßigen Kaffeemaschinenlift passt (570 Euro), Teppichboden für Fahrerhausbereich (190 Euro), Wohnraumtisch ausziehbar (800 Euro), Teilleder Elfenbein – Leder-Stoff-Kombination (1490 Euro), Carthago Schlafwelt & Deko-Set: Dekokissen, Wohndecke, Spannbettlaken-Set (410 Euro), Super Paket (15.990 Euro), Fahrassistenz-Paket Mercedes-Benz (820 Euro), Paket "Sat & TV" 40 Zoll (5260 Euro), TV-Paket Schlafraum (1540 Euro), Chassis-Plus-Paket Mercedes (9100 Euro), Rückfahrkamera mit Doppellinse und Shutter (690 Euro), Aufbautür Luxus (1100 Euro), Aufpreis Sat-Anlage Oyster Vision 85 (570 Euro), Elektro-Powerpaket unlimited (9990 Euro). Das summiert sich auf insgesamt 251.390 Euro.
So fährt er: Fantastisch und viel leichter, als es Masse und äußere Abmessungen erahnen lassen. Einzig beim Rangieren sollte man darauf achten, dass die hintere Doppelachse nebst Überhang nicht aneckt. Aber daran hat man sich auch dank guter Kamera schnell gewöhnt.
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