Manchmal möchte man keine Kompromisse eingehen. Bei Wohnmobilen kann dieser Wunsch teuer werden: Für einen ausgewachsenen Liner ruft der Handel ohne mit der Wimper zu zucken 150.000 Euro und mehr auf. Unbezahlbar? Für Nichtmillionäre könnte dieser 2004er Carthago M-Liner die Lösung des Dilemmas sein. Das ehemalige Topmodell des Premiumherstellers wirkt nach 16 Jahren und 117.500 Kilometern noch immer imposant und ist zum Kurs eines werksfrischen, aber nicht einmal üppig konfigurierten Kasten-Campers zu haben.Dass der Wertverlust im Vergleich mit kleineren Reisemobilmodellen überproportional hoch ausfällt, liegt an der geringeren Nachfrage: Als (gelegentliches) Alltagsauto ist das 8,30-Meter-Trumm ungeeignet. Über die Reisequalitäten des M-Liners sagt dies jedoch nichts aus. (Überblick: alles zum Thema Wohnmobile)

Das Ambiente ist modern und freundlich hell

Carthago M-Liner M62B
Die über zwei Klappen zugängliche Heckgarage bietet viel Raum und sorgt für Ordnung an Bord.
Das ist er: Ein sanfter Reiseriese. Wer erstmals über die elektrisch ausfahrbare Trittstufe den M-Liner betritt, der staunt, was sich Carthago vor gut 16 Jahren unter einem Luxus-Reisemobil vorgestellt hat: Die Anmutung ist noch immer verblüffend modern und freundlich hell. Dank der üppigen Fahrzeugdimensionen und des offenen Grundrisses erinnert das Raumgefühl eher an ein kleines Apartment als an ein normales Reisemobil. Die Fülle der Schrankeinbauten und die große Heckgarage ersticken Stauraumsorgen im Keim. Massive Klappen und satt schließende Türen vermitteln unerschütterliche Haltbarkeit – und tatsächlich sind Wasserschäden oder ausgeschlagene Scharniere beim M-Liner die absolute Ausnahme.

Das Raumangebot überzeugt restlos

Carthago M-Liner M62B
Schöner wohnen: Der Lounge-Bereich wirkt wie aus dem Vollen gefräst.
Das hat er: Einen siebten Sinn für Reisekomfort. Selbst alte Reisemobil-Hasen dürfen ob der verbauten Technik ins Schwärmen geraten. Der große Carthago wurde ohne größere Kompromisse konzipiert. Von dieser Strategie profitieren Interessenten auch gut eineinhalb Jahrzehnte später. Auf schweren, lederbezogenen Clubsesseln reisen zu dürfen, vermittelt First-Class-Komfort. Der Holzton "Wildbirne" mag recht konservativ sein, doch dafür bleibt das Mobiliar auch auf Nebenstraßen zweiter Ordnung klapperarm. Der elegante Bargrundriss mit seinem längs auf der Fahrerseite montierten Sofa und einem zentralen Tisch bietet reichlich Bewegungsfreiheit. Das einst aufpreispflichtige Hubdoppelbett im Bug ist manuell absenkbar. Leicht erhöht befinden sich im hinteren Fahrzeugteil eine L-Küche mit Gaskochfeld und Backofen. Das gegenüberliegende Bad mit fester Keramiktoilettenschüssel inklusive Fäkalienhäcksler und separater Duschtasse erinnert an Luxusyachten. Den Abschluss der Wohnwelt bildet im Heck eine via Schiebetür abteilbare Schlafzone mit kuscheligem französischem Doppelbett. Die darunter verbaute Heckgarage schluckt Fahrräder und diverses Gepäck. Augen auf beim Suchen: Je nach Kundenwunsch variierten die Grundrisse von Fahrzeug zu Fahrzeug im Detail. Alternativ waren beispielsweise auch getrennte Betten oder ein extragroßes Raumbad zu bekommen.Überlange Urlaubstouren sind kein Problem: Die Wände sind aus einem 48 Millimeter starken Alu-Sandwich mit Hartschaumisolierkern gefertigt. Die trotzen Sommerhitze genauso wie Wintertemperaturen. Der Boden ist ganzflächig in GFK gebaut, sämtliche Ecken und Stöße kältebrückenfrei konstruiert. Ein elektrischer Bugrolladen kann die Frontscheibe verdunkeln. Für stets angenehme Temperaturen sorgt die ausgeklügelte Kombination aus Alde-Heizung mit Fußbodenerwärmung, Standklimatisierung und Motorklimaanlage. Die Technik ist über spezielle Wartungsklappen von außen gut zugänglich.

Das Sechstonnen-Mobil fährt auf Sprinter-Basis

So fährt er: Wie ein schweres Geschütz. Der voll beladen sechs Tonnen schwere Carthago nutzt kein schweres Lkw-Fahrgestell, sondern die 2004 größtmögliche Sprinter-Basis mit Zwillingsbereifung hinten und Druckluftbremsanlage. Der 2,7-Liter-CDI-Motor mit 156 PS müht sich redlich, wirkt bisweilen jedoch leicht überfordert. Laut Fahrzeugschein wären 140 Kilometer pro Stunde drin, das in Deutschland legale Autobahntempo von 100 km/h ist entspannt erreichbar. Auf breiten Straßen ist der M-Liner in seinem Element. Schlechter sieht es auf Nebenstraßen aus: Durchfahrtsbreiten und -höhen können Probleme bereiten.

Bildergalerie

Wohnmobil-Test Carthago M-Liner M62B
Wohnmobil-Test Carthago M-Liner M62B
Wohnmobil-Test Carthago M-Liner M62B
Kamera
Wohnmobil-Test Carthago M-Liner M62B
Fazit von Lars Jakumeit: Wer die üppigen Dimensionen nicht scheut, der findet im Carthago M-Liner M62B ein hervorragend verarbeitetes Komfort-Reisemobil, das selbst nach gut eineinhalb Jahrzehnten als rollendes Zuhause nicht alt aussieht. Achtung: Die Unterhaltungskosten bleiben standesgemäß (hier geht's zum Kfz-Versicherungsvergleich)! Urteil: vier von fünf Punkten.